Geschichte – Truth or Tea

Geschichte – Truth or Tea

Mein Fuß wippt ungeduldig. Ich spüre das unnachgiebige Holz des Stuhls, das gegen meinen Rücken drückt. Die Uhr an der Wand tickt einfach weiter, flüstert mir die Zeit zu und schweigt anschließend wieder. Er ist schon wieder zu spät. Mein Tee ist mittlerweile kalt geworden und ich schiebe ihn von mir weg. In meinem Kopf herrscht ein seltsamer Wirbel aus Gedanken und Wortfetzen, die ich gerade gelesen habe. Ich kann mich kaum konzentrieren, höre die Gespräche vom Nebentisch und das Klingeln der Kasse. Aus dem Augenwinkel kann ich sehen, wie der Kellner mich mustert. Offenbar quält ihn die Frage ob er mich ansprechen soll oder nicht. Wie gebannt starre ich auf die bedruckte Seite meines Buches, versuchte mich darin zu vergraben, bis die Warterei endlich vorbei ist. „Möchtest du noch etwas?“ Ich sehe auf und mich erwarten zwei eisblaue Augen, die mich mehr verunsichern, als sie sollten. „Ähm, Nein Danke.“
Doch er geht nicht. Stattdessen hebt er die Augenbrauen und grinst. „Aber dein Tee ist kalt geworden.“
„Was weißt du denn über meinen Tee? Vielleicht mag ich ihn kalt.“ Es fällt mir schwer, mir ein Lächeln zu verkneifen.
„Wusstest du das nicht? Neuerdings muss jeder Kellner ausgezeichnete Teekenntnisse in sämtlichen Temperaturkategorien aufweisen. Und dein Tee ist kalt.“
Ich verdrehe die Augen, ignoriere mein pochendes Herz, das mich beinahe verrät. „Das ist nicht gerade eine professionelle Analyse, mit der du da auftrumpfen möchtest.“
Seine blonden Haare fallen ihm in die Stirn, er streicht sie mühevoll weg. Ohne noch etwas zu sagen nimmt er die Tasse und geht. Meine Konzentration ist dahin, ich weiß nicht einmal mehr, wovon die Geschichte handelt, die ich gerade versucht habe zu lesen. Seufzend lege ich das Buch beiseite, krame mein Handy aus der Tasche. Keine neuen Nachrichten. Dieser Mistkerl versetzt mich tatsächlich.
Gerade als ich aufstehen und gehen will, kommt der blonde Kellner zurück. In seinen Händen hält er eine dampfende Tasse Tee. Der Geruch von Waldbeeren steigt mir in die Nase und ich schließe für einen Moment die Augen. Es erinnert mich an den Tee, den mir meine Großmutter früher immer gemacht hat. Jedes Mal, wenn ich bei ihr übernachtete, bekam ich abends eine Tasse Tee mit Blütenhonig. Es wurde zu einem Ritual. Meine Oma trank nie Tee, trotzdem hatte sie immer mindesten fünf Packungen zu Hause. Vor einem Jahr ist sie gestorben. Seitdem trinkt niemand mehr den Tee, der in dem alten Küchenschrank wartet.
„Der geht auf mich.“, sagt er leise und stellt ihn vor mir ab. „Tee macht auch die längste Wartezeit erträglich. Und ein gutes Buch sowieso.“ Er deutet mit dem Kinn auf den geschlossenen Schmöker neben mir.
„Du hast es gelesen?“
Er nickt. „Zweimal.“ Sein Zwinkern kommt unerwartet und ich sehe ihn mit großen Augen an. Die Glocke an der Tür läutet, ich nehme sie kaum wahr. Erst als sich jemand neben mich setzt.
„Tut mir leid, Süße. Ich hatte noch viel zu tun.“
Er gibt mir einen Kuss auf die Wange, nimmt die Speisekarte und fängt an zu lesen. Ich kann meine Augen endlich von dem Hinterkopf des Kellners lösen. Meine Verabredung sitzt nach einer halben Stunde Verspätung neben mir. Mit verwuschelten Haaren und einem roten Fleck am Hals. Lippenstift. Ich besitze nicht einmal einen…

Manchmal muss ich mir wieder vor Augen führen, warum ich diesen Blog angefangen habe. Nicht nur den Blog, auch das Schreiben. Ich wollte Geschichten zu Papier bringen. Wollte erreichen, dass andere Menschen meine Zeilen lesen. Wissend nicken, weinen oder lachen. Berührt werden. Seit meinem fünfzehnten Lebensjahr versuche ich mich als Autorin. Es ist schwer, mit harter Arbeit verbunden, was ich anfangs nicht für möglich gehalten hätte. Ich hatte ein komplett falsches Bild und seit mir die Augen geöffnet wurde, verneige ich mich vor jedem Autor, der eine wundervolle Geschichte auf den Markt bringen kann. Dieses Jahr möchte ich diesen Schritt auch wagen. Ich weiß nicht, wie es ausgehen wird. Vielleicht wird es niemand lesen, keine Ahnung. Was ich weiß, ist, dass ich jeden Tag besser werde. Ich höre nie auf zu schreiben. Und wenn mein erstes Buch nicht erfolgreich wird, auch okay. Zumindest weiß ich, dass es meines ist. Außerdem schreibe ich zu dieser Zeit bereits an einem neuen. Vielleicht wird das dann der Bestseller, auf den ich so lange gewartet habe.

Ich freue mich für jeden, der seinen Traum wahr machen konnte. Ihr seid wunderbar!

Eure Kat.

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4 Comments

  1. 28. August 2016 / 19:05

    Ein ausgesprochen guter Artikel! Ich bin froh, dass du mit dem schreiben angefangen hast und deine Gedanken und Geschichten mit uns teilst. Alles Liebe
    Lea 🙂

    • 30. August 2016 / 9:42

      Vielen Dank, liebe Lea. 🙂
      Das hört man gerne & freut mich sehr. <3
      Hoffe, dich öfter auf meiner Seite begrüßen zu dürfen. 😉

      Love, Kat

  2. 20. September 2016 / 20:29

    Ein wirklich super Artikel, habe dich direkt in meinen Favoriten-Verteiler hinzugefügt. Mir gefällt deine Art zu schreiben sehr. 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Josephine vom Blog http://littlediscoverygirl.de

    • 22. September 2016 / 18:37

      Oh Wow, vielen Dank. Das freut mich wirklich sehr. 🙂
      Best compliment ever. <3

      Love, Kat

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