Ernährungs-Update: Warum ich wieder angefangen habe Kalorien zu zählen

Ernährungs-Update: Warum ich wieder angefangen habe Kalorien zu zählen

Es gibt Menschen, die mit einer gesunden Portion Selbstdisziplin gesegnet sind.
Menschen, die wissen, was ihnen gut tut und sich nur an diese Dinge halten.
Menschen wie meine Freundin Lisa, die angefangen hat ihrem Körper mehr zu geben als zu nehmen.
Und dann gibt es Menschen wie mich.Die trotz Magenkrämpfen immer noch nicht aufhören können Gluten zu essen, weil es doch einfach so gut ist.
Die schon mal zwei Packungen Chips in zwei Stunden verschlingt, was sollte man neben dem Fernsehen auch sonst machen.
Menschen, die irgendwann mal ein Ziel hatten und es aus Faulheit oder fehlender Motivation wieder verloren haben. Wer weiß wo.
Ich bin jemand, der leider auch mal über die Stränge schlägt und keine Grenzen kennt.
Vielleicht aus Langeweile, vielleicht aus Frust.
Aber die letzte Zeit, in der ich mich selbst verloren habe, hinterlassen allmählich ihre Spuren.
Meine Freunde sehen es nicht, das sagen sie zumindest.
Aber ich sehe es.
Ich sehe wie der Bauch, der sonst immer auch ohne Training flach war, wächst und gedeiht.
Und ich bin nicht schwanger, das kann ich an dieser Stelle zu 100% bestätigen.
Aber vor allem sehe ich meine Lunge, wie sie mit sich selbst kämpft und mich fragt, was plötzlich los ist. Wie ich sogar nach wenigen Schritten außer Atem bin, nur weil ich währenddessen mit jemandem rede.
Ich sehe, wie ich zerfalle.
Und es fühlt sich nicht gut an.
Überhaupt nicht.

Das hier soll keiner dieser Beiträge sein, wo ich anfange zu predigen, was gut ist und was schlecht. Ich möchte auch keine Diskussion darüber auslösen, ob ich abnehmen muss oder ob ich mich nur schön fühlen kann, wenn ich weniger Kilos auf die Waage bringe.
Es soll ein Beitrag sein, der Mut macht seinen eigenen Weg zu gehen. Der inspiriert und zeigt, dass man alles verändern kann, wenn man es nur genug will und sich endlich wieder Ziele setzt.
Und mein Ziel ist es, endlich gesünder und glücklicher zu leben.


Warum ich wieder angefangen habe Kalorien zu zählen


Manchmal brauche ich einen Rat von mir selbst.
Einen, manchmal nicht unbedingt  netten, Rat, um wieder auf die richtige Bahn zu kommen.
Ich hatte nie einen wirklich gesunden Bezug zu Essen.
Es gab eine Zeit in der Schule, da habe ich Kalorien gezählt.
Alles abgewogen, alles berechnet und einkalkuliert.
Und das jeden Tag.
Meine Mama hat gekocht, es wurde abgewogen und eingetragen.
Wir gingen ins Kino und es gab Popcorn, danach mussten noch 100 Situps her, um nicht über mein Kalorienlimit zu kommen.
Ich wurde süchtig.
Süchtig nach dem Kick den es mir brachte, wenn ich unter dem Limit blieb.
Oft auch weit darunter.
Und die Kalorien wurden weniger.
Und weniger.
Bis ich mir 800kcal pro Tag eingestand, nicht mehr.
Eine Zeit lang klappte das auch gut, bis ich anfing mich zu verändern.
Leider alles andere als positiv.
Ich hatte Stimmungsschwankungen, war besessen von meinem Gewicht, jeder Mahlzeit und ließ diese auch mal ausfallen. Die Erde unter meinen Füßen brach auf, als ich nicht abnahm, obwohl ich mich an den Plan hielt.
Und es wurde mir zu viel.

Nach drei Monaten Kalorien zählen hörte ich auf, löschte die App und fing an wieder normal zu essen.
Wobei normal immer eine sehr dehnbare Eigendefinition ist. Denn was ist schon „normal“?
Trotz dieser schweren Zeit, der Qualen und den traurigen Blicken meiner Mutter, habe ich mich jetzt wieder dazu entschlossen, es erneut zu versuchen.
Bin ich verrückt?
Bin ich nicht mehr Frau über meine Gedanken?
Doch, mehr denn je.
Denn nachdem ich die dritte Schüssel Nudel mit Pesto neben das Bett stellte und mir der schweiß ausbrach, weil ich mich so mit Fett zugeschüttet hatte, bekam ich Panik.
Was, wenn ich aus dieser Esshölle nicht alleine entkommen kann?
Und ich kann es auch nicht.
Es gibt immer mehrere Seiten, wie man solche Themen betrachten kann.
Aber nicht nur Bulimie ist eine Krankheit, auch maßloses Essen und Binge Eating sind es.
Deshalb habe ich wieder angefangen Kalorien zu zählen.
Um mein Essverhalten endlich in geregelte Bahnen zu bringen. Nicht mehr in eines der Extremen zu verfallen und entweder reinzustopfen oder ganz auszulassen.
Das Zählen hilft mir, den Überblick zu behalten.
Aber auf eine gesunde Art und Weise.
Nicht wie damals, als mir jede Kalorie zu viel war.
Ich möchte einfach wieder besser aufpassen, was ich meinem Körper wirklich antue.
Chips sind okay, aber nicht jeden Tag 2mal.
Zumindest nicht für mich und meinen Körper.
Ich bin an einem Punkt, wo endlich der Wunsch nach Gesundheit größer ist, als nach weniger Kilos.
Keine Schweißausbrüche mehr, weil ich zu viel Fettiges gegessen habe.
Keine Magenschmerzen mehr, weil ich mir eingebildet habe, vor dem Abendessen noch ein Dose Pringles zu essen.
Kein hektisches Luftholen mehr. Kein Außeratemsein mehr.
Kein Körper mehr, der mich nicht mehr tragen kann, weil ich ihm so viel Gutes wegnehme und nur Schlechtes zurückkommt.

Es geht nicht darum, dass ich jedem empfehle Kalorien zu zählen. Auf keinen Fall.
Aber für mich ist es in diesem Moment einfach wichtig.
Es hilft mir, wieder mehr Kontrolle über mein Essverhalten zu haben und mir vor allem zu zeigen, was ich oft wahllos in mich hineingestopft habe, ohne darüber nachzudenken.
Ohne es oft überhaupt wirklich zu realisieren.
Viele werden dann wahrscheinlich nicht verstehen und sich fragen, warum ich diesen Blödsinn mache. Das verstehe ich. Aber ich vertraue mir selbst gerade nicht genug, dass ohne Hilfsmittel zu schaffen.
Es könnte wieder ein schlechtes Ende nehmen, mich süchtig nach immer weniger Kalorien machen und letztendlich stehe ich wieder am Anfang.
Ich weiß es nicht, ich kann die Zukunft nicht sehen.
Aber ich weiß, dass sich dieses Mal eine andere Absicht hinter meinen Gedanken verbirgt.
Nämlich vor allem meine Gesundheit und nicht mein Gewicht.
Und wenn wir schon über Existenzängste und Liebeskummer reden können, warum dann nicht auch darüber?

Follow:

8 Kommentare

  1. 22. Mai 2018 / 15:52

    meine liebe Kat,
    ich finde es super, dass du so offen bei diesem Thema bist! den wenn wir mal ehrlich sind, es geht mit Sicherheit vielen (Frauen) dort draußen so, aber sie würden sicher nicht darüber reden oder schreiben wollen!

    persönlich zähle ich phasenweise auch immer mal wieder meine Kalorienzufuhr, allerdings aus Gründen der Nährstoffaufnahme, wenn ich z.B. das Gefühle habe, da stimmt was nicht 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  2. 22. Mai 2018 / 16:18

    Finde es sehr gut wie offen du mit diesem Thema umgehst und hier auf deinem Blog mit uns darüber sprichst. Ich selbst zähle zwar nicht die Kalorien aber versuche mich gesund zu ernähren. Bei mir steht ebenfalls die Gesundheit im Vordergrund!

    Liebe Grüße Christian von https://beatsanddogs.com

  3. 22. Mai 2018 / 20:16

    Ich finde da muss jeder für sich selbst den richtigen Weg finden. Ich habe das früher auch über eine App ein paar Monate gemacht und irgendwann habe ich die richtige Ernährungsweise und auch die richtige Menge für mich gefunden. Ich finde schon, dass Kalorien zählen helfen kann, auf einen gesunden Weg zu kommen und ein Gespür für die eigene Ernährung zu bekommen. Dennoch sollte man dieses Thema wirklich mit Vorsicht genießen!

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com

  4. 22. Mai 2018 / 21:48

    Ich versteh dich da total! Ich greife immer wieder auf eine App mit der ich zähle zurück sonst verliere ich vollkommen die Kontrolle …

    liebe Grüße,
    Sonia

    http://www.yellowgirl.at

  5. 23. Mai 2018 / 1:13

    Ein super Beitrag, der von mir sein könnte ;-). Ich bin auch so ein Genuss- und Frustesser …und ich mag keine Waagen … mit dem Effekt, dass ich mich jetzt mit Extrakilos herumschlagen muss und mich mehr mit meiner Ernährung auseinandersetzen muss … weil ich auch gesundheitliche Auswirkungen spüre.

    Liebe Grüße
    Verena

  6. 23. Mai 2018 / 7:39

    Ich habe früher jedes Jahr eine Diät gemacht und hatte immer mit den Kilos zu kämpfen. Seit 2 Jahren habe ich nun damit aufgehört und esse was mir schmeckt. Jetzt bin ich nicht mehr ne 36, aber trotzdem zufrieden
    http://carrieslifestyle.com

  7. 28. Mai 2018 / 16:43

    Liebe Kat,
    ich habe deinen Beitrag gerade entdeckt und er spricht mir einfach aus der Seele.

    Ich habe ebenfalls Ernährungsprobleme und immer mal wieder Kalorien gezählt. Ich habe aber jedes Mal (aus welchen Gründen auch immer) nach einiger Zeit aufgehört.

    Dieses Jahr hatte ich dann das Gefühl, komplett die Kontrolle verloren zu haben, so dass ich mich jetzt letztendlich an meine Krankenkasse gewandt habe und um Hilfe gebeten habe. Nun mache ich eine begleitete Therapie und hoffe so, endlich wieder ein normales Verhältnis zum Essen zu bekommen.

    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deinem Weg.

    Viele Grüße
    Yvonne

    • 29. Mai 2018 / 6:10

      Danke für dein offenes und auch sehr ehrlíches Kommentar, Yvonne.
      Ja Essen kann manchmal wirklich ein schweres Thema sein. Vor allem, wenn
      man mit etwas nicht so zufrieden ist.
      Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen und hoffe, dass es ab jetzt mit uns bergauf geht.

      <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.