Das Leben ist (nicht) nur eine Zahl

Das Leben ist (nicht) nur eine Zahl

Zahlen waren nie wirklich meine Freunde.
Seit ich denken kann, finde ich sie zu subjektiv, zu wertend.
Von einer Skala von 1 bis 10, wie hübsch bist du?
Sag mir, wie groß du bist und ich sage dir, wie viel du wiegen darfst.
Sollte ich mit 24 nicht schon mehr erreicht haben?
Zahlen, überall Zahlen, die irgendetwas bedeuten sollen, ohne es wirklich zu sagen.
Wir werden älter.
Wir wiegen mehr.
Wir schrumpfen zusammen.
Als könnte man einen Menschen an all seinen Zahlen messen.
Ihn wirklich verstehen.
Was sagt mein Gewicht über meine Persönlichkeit aus?
Ich bin nur 1,62m, also lese ich gerne Bücher?
Selbst meine 15-jährige Cousine hat eine größere Oberweite als ich. Macht mich das zu einem ehrlichen Menschen?
Ich bin bald 24. Bin ich deshalb gut in Mathe?
Ich denke nicht.
All diese Zahlen, die nichts, wirklich nichts, über den Charakter eines Menschen aussagen.
Über seine Ziele, seine Träume, seine Wünsche.
Und trotzdem werde ich bald 24 und verfluche diese zwei Zahlen.
Weil sie mir das Gefühl geben, ich hätte die letzten 23 Jahre verschwendet.
Winterschlaf gehalten.

Ich hatte immer das Gefühl, dass mir die Zeit durch die Fingern läuft.
Dass ich gerne die Welt auf den Kopf stellen möchte, nur um ein paar Jahren zurückzugehen.
Ich werde 24.
Und niemand glaubt mir das.
Weil ich wohl einfach nicht so aussehe, mich so verhalte, wie eine 24-Jährige es eben tut.
Aber wie sehen heutzutage die 24-jährigen Frauen überhaupt aus?
Ich gehe aus und sehe Mädchen, die gerade erst 17 geworden sind. Und manche davon sehen aus wie 24.
Ich treffe eine Bekannte im Kaffee, wir quatschen. Sie wird in zwei Monaten 29. Aber sie sieht auch aus wie 24.
Ich fange mit 24 an zu studieren, wo andere bereits fertig sind.
Ich ziehe mit 24 zum ersten Mal alleine um, wo andere schon die vierte Wohnung haben.
Ich bin mit 24 zufriedener Single, wo andere bereits heiraten.
Es stresst mich, dass ich diese Zahlen im Nacken habe.
Dass sie jede meiner Bewegungen beobachten, um festzustellen, ob ich mich meinem Alter entsprechend verhalte.
Dass sie mir versuchen einzureden, ich müsste schon dieses und jenes erreicht haben, weil mein Alter das suggeriert.
Ich habe mit 23 noch bei meinem Papa gewohnt, laufe nach wie vor weinend zu meiner Mama und habe Angst, mir alleine Horrorfilme anzusehen.
Ich bezahle Rechnungen, kaufe mir Snacks statt Gemüse und richte eine Wohnung ein.
Mein Konto ist mal leer, mal voll. Immer anders, so wie ich.
Weil 24 absolut nichts über mich aussagt.
Wie ich bin, was ich mache.
Was ich liebe, was ich hasse.
Nichts.


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Und ich hoffe, wenn ich dann diese Kerzen auf dem Kuchen auspuste und mir vorstelle, was andere in meinem Alter schon alles gemacht haben, dass ich mit den Schultern zucken werde.
Weil es einfach so egal ist, welche Zahl da im Zuckerguss steht.
Manche sind mit 16 bereits Influencer.
Andere rocken die Discos dieser Welt mit 75.
Ich werde 24.
Ich fange erst an zu studieren.
Ich habe noch nicht den Mann fürs Leben gefunden.
Ich mache mir fast in die Hose, weil ich bald alleine wohnen werde.
Wir haben alle unser eigenes Tempo, unsere eigenen Wege.
Es wird letztendlich immer richtig, immer gut sein.
Mir bleibt nur eines übrig: Diese dumme Zahl zu vergessen und mich über alles zu freuen, was noch auf mich zukommen wird.
Denn mein Leben fängt gerade erst an.
Und das hat mit meinen Entscheidungen zu tun, nicht mit meinem Alter.

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1 Kommentar

  1. 2. Juli 2018 / 11:08

    Hi liebe Kat.
    Ich werde im August 26 und habe auch einiges nicht erreicht, was sich andere Menschen vorstellen bzw. meinen, dass man erreicht haben soll.
    Ich versuche das zu ignorieren, denn ich habe meine Ziele im Kopf, die ich erreichen möchte und auf diese Ziele arbeite ich hin.
    Jeder Mensch ist verschieden, jeder Mensch hat andere Wünsche, daher kann man nichts verallgemeinern.

    Ich finde, dass du toll bist, so wie du bist und ich finde es überhaupt nicht schlimm mit 24 zum Studieren anzufangen. Habe auch erst mit 22 angefangen und nicht gleich mit 19. Manchmal ist es einfach so, dass die Eltern es sich nicht leisten können, das Kind studieren zu schicken oder man fühlt sich noch nicht bereit dafür.

    Falls du mal reden möchtest, du weißt ja, wo du mich erreichst. =D

    Liebe Grüße,
    Carina.

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