Type and press Enter.

Alles für das Foto: Picture or it didn’t happen

Von einem Tag auf den anderen ist der Frühling über meinem Kopf zusammen gebrochen und hat all seinen Sonnenschein verschüttet.
Direkt auf meine Haare, meine Haut, meine Lippen.
Ich kann den süßen Geschmack von Lebensfreude immer noch schmecken.
Und dann bin ich in das nächste Flugzeug gestiegen, weil ich einfach nicht anders konnte.
Weil ich dem Himmel in ein neues Leben folgen wollte.
Ich bin aufgewacht, ohne zu wissen, was ich mich erwarten würde.
Alles oder nichts.
Vielleicht irgendetwas dazwischen.
Aber ich bin trotz allem gegangen und habe meine Füße die Richtung bestimmen lassen.
Denn ich habe mir selbst ein Versprechen gegeben.
Ich wollte so viele Momente wie nur möglich sammeln.
Ein Foto, zwei.
Wir sind noch lange nicht fertig.
Drei, vier.
Der Wind streicht mir die Haare aus dem Gesicht.
Ich lache.
Bin frei und ungezwungen.
Doch nicht für lange.
Denn wir müssen weiter, immer weiter.
Ohne Fotos gibt es keine Reise.
Ohne Fotos gibt es keinen Beitrag.
Ohne Fotos gibt es keine Erinnerungen.
Oder?

„Letztendlich habe ich mehr Bilder in der Kamera, als Erinnerungen im Kopf.“

Mein Wunsch nach Ferne ist dieses Jahr gerade zu übermächtig. Da verwundert es nicht, dass ich kaum noch zuhause bin und eine Reise nach der anderen plane. Mailand, Sofia und bald Malta.
Ich bin gerne unterwegs, da fühle ich mich besonders, frei und wie ein besserer Mensch.
Aber vor allem glücklich.
Doch in letzter Zeit kommen immer wieder diese dunklen Wolken in mein Leben.
Wolken, die Fragen stellen, die ich nicht hören möchte und mich daran erinnern, dass alles irgendwie konserviert werden muss, da es zwangsläufig ein Ende haben wird.
Seit ich mich mit meinem Blog viel mehr auf das Thema Travel konzentrieren möchte, manifestieren sich diese unausweichlichen Gedanken in meinem Kopf.
Wie soll man von einer Reise erzählen, ohne gute Bilder?
Wie kann man einen Sightseeing-Tipp abgeben, ohne selbst dort gewesen zu sein und ein Foto gemacht zu machen?
War man überhaupt wirklich dort, wenn man keine Bilder davon hat?
Reisen ist zur Arbeit geworden, was ich zu Anfang auch nicht schlimm fand.
Ich wollte guten Content liefern, nicht nur Geschichten schreiben, sondern auch handfeste Eindrücke mitbringen.
Aber irgendwann habe ich aufgehört, meine Zeit an diesen besonderen Orten zu genießen.
Es ging nur noch darum, möglichst viele Schnappschüsse zu ergattern und diese in einem Ordner zu sammeln.  Letztendlich habe ich mehr Bilder in der Kamera, als Erinnerungen im Kopf.
Ich bin für jede Minute dankbar, die ich auf Reisen verbringen darf. Für jede Möglichkeit, die ich habe, die Welt ein Stück weit besser kennenzulernen.
Diesen Druck, diesen inneren Zwang, mache ich mir selbst.

Warum?
Truth be told: Weil mein alltägliches Leben nicht unbedingt spannend ist.
Meine Mitbewohnerin und ich bezeichnen uns gerne als Omas, da wir regelmäßig vor 22Uhr ins Bett gehen und davor gute zwei Stunden Serien schauen.
Was natürlich nicht schlimm ist. Aber die meiste Zeit muss ich mir eingestehen, dass es einfach nicht zu der Person passt, die ich gerne wäre.
Wenn ich verreise bin ich ein anderer Mensch. Abenteuerlustig bis in die letzte Faser, immer auf der Suche nach etwas Neuem und spontaner, als ich es je zuhause sein könnte.
Und das will ich natürlich festhalten. Mit Bildern. Vielen Bildern.
Ich möchte mich daran erinnern können, was ich alles erlebt habe, selbst wenn meine Gedanken mir Streiche spielen.
Ich möchte meine Erlebnisse teilen und der Welt (und auch mir selbst) zeigen, dass ich nicht immer diese Oma von nebenan bin.
Deshalb reise ich und mache Fotos.
Höre aber irgendwann auf, die Umgebung auch mal nur zu genießen und denke schlichtweg funktional.
Ich weiß, dass es vermutlich vielen so geht wie mir.
Wann haben wir aufgehört, etwas nur noch für uns selbst zu machen, ohne es dutzende Male durch die Kamera zu jagen?
Einfach mal raus in die Natur zu gehen und nicht alles mit dem Handy zu filmen.
Einen Kaffee zu trinken, ohne ihn zu fotografieren.
In ein Flugzeug zu steigen, ohne es zu posten.
Durch eine fremde Stadt zu spazieren, ohne Social Media jede Häuserecke zu zeigen.
Auf Instagram sehen wir immer wieder dieser umwerfenden Eindrücke und fragen uns dann unwillkürlich: Könnte ich das auch? Kann ich andere auch mit meinen Reisefotos begeistern?
Genau diese Fragen begleiten mich auf jede Reise. Künftig soll sich das aber wieder ändern.
Das Leben, mein Leben, sollte wieder mehr in der Realität stattfinden und weniger im Internet.
Ich verreise nicht nur für den Blog, Instagram oder Pinterest.
Ich verreise vor allem für mich selbst und die Momente, die es mir schenkt.
Und ich möchte diese besonderen Ausflüge in ein anderes Leben auch wieder richtig genießen können und mir nicht bei jedem Schritt den Kopf darüber zerbrechen, ob ich genug Fotos gesammelt habe.
Denn letztendlich sollte ich neue Orte zuerst mit den Augen sehen, nicht durch die Linse einer Kamera.

 

Photos by Lisa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

9 comments

  1. ein schöner Beitrag meine liebe Kat, der mal wieder sehr zum nachdenken anregt … dieses Gefühl nach dem “Foto-Rausch” ist schon krass! denn irgendwie ist es ja wirklich so (in unserem Kopf), wenn es kein “Beweisfoto” gubt, ist es wohl auch kaum passiert 😉

    andererseits sind Fotos eben auch so eine tolle Erinnerungsmöglichkeit! als ich allein in Goa unterwegs war, hätte ich mir im Nachhinein geünscht, mehr Fotos gemacht zu haben. also vl macht die Dosis hier das Gift?! 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  2. Oh, I feel you!
    Seit meinem Venedigtrip, an den ich (außer Fotos) keine einzige Erinnerung habe, nehme ich mir immer vor, meine Kamera nicht die Hauptrolle der Reise schlüpfen zu lassen. 😊
    Toller Beitrag, und toller neuer Feed.. gefällt mir richtig gut, liebe Kat 😘

  3. Hallo Kat,
    was ein schön geschriebener Beitrag! Ich finde dein Outfit übrigens auch super. Die Jeansjacke ist mein besonderes Highlight! Danke für die Inspiration und ich freue mich auch, dass wir nun endlich den Frühling begrüßen konnten!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

    1. Danke dir Linni 🙂
      Freut mich sehr zu hören. ja ich liebe diese Jeansjacke einfach. Superlässig und bequem. 🙂
      & hello spring. <3

  4. Liebe Kat,
    abermals ein wunderschöner und sehr persönlicher Beitrag. Ich mache einfach total gerne Fotos auf Reisen um Erinnerungen einzufangen. Bei meinem letzten Urlaub im Sommer habe ich danach auch ein Fotobuch erstellt. So hat man die ganzen Daten nicht nur digital sondern auch in den Händen. 🙂 Aber ich glaube auch, dass die Dosis das Gift macht. Ist man einfach immer nur auf der Suche nach guten Shootinglocations, so steht der eigentliche Grund der Reise oft im Hintergrund. Was im Nachhinein sehr schade ist.

    Liebe Grüße
    Melanie

    1. Danke für dein Kommentar, liebe Melanie 🙂
      Freu mich immer über so schönes Feedback. Und ich kann dir nur zustimmen. Die Dosis macht das Gift. Das fasst mein Dilemma wirklich perfekt zusammen 🙂

  5. Liebe Kat,

    bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und möchte mich für die Offenheit und Ehrlichkeit bedanken – du hast ja so unheimlich recht und gerade in den letzten Jahren ist es immer krasser geworden. Man lebt für ein Konstrukt, was man selbst so ins Internet “ballert” und vergisst dabei das wahre Leben.

    So verlieren die schönsten Momente, die tollsten Orte und die wunderbarsten Erlebnisse an Bedeutung – ein fürchterlicher Gedanke, den ich leider auch kenne.

    Da denke ich an einen Kurztrip nach Paris zurück, bei dem ich unheimlich traurig war, weil wir nicht DAS geniale Foto mit Eiffelturm gemacht haben, weil dort gerade etwas gesperrt war – im Nachhinein total lächerlich, denn HEY – man war in Paris. “We’ll always have Paris” – wer braucht da schon Bilder! Auch ich möchte mich davon frei machen und glaube, dass ich dem bisher schon gut nachgegangen bin – dir wünsche ich da auch alles Gute! 🙂

    Ganz liebe Grüße,
    Tina

    1. Danke für deine wundervollen & lieben Worte, Tina 🙂
      Das freut mich wirklich.
      Und du hast so Recht. Es sind Kleinigkeiten, die eine solche Bedeutung eigentlich gar nicht verdient haben.

  6. Super geschrieben 🙂 tolle Ansicht 🙂 und wie recht du damit hast 🙂