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Aber Wien kann nicht zaubern

Ich bin in Wien.
Einer Stadt, die laut den Medien lebenswert ist.
Platz 1.
Wild, ungezwungen, schön.
Voller Möglichkeiten und Erfahrungen.
Momente, die gesammelt werden wollen.
Ich bin endlich da.
Lebe hier, lache hier, weine hier.
Schlafe und atme und wohne.
So lange hatte ich mir so viel davon versprochen.
Und dann hat die Realität wie eine Bombe eingeschlagen und meine alltäglichen Hirngespinste und Absurditäten sind ausnahmsweise nicht wahr geworden.
Weil es zu einfach gewesen wäre.
Wien ist toll.
Wien wird mein Leben verändern.
Aber jetzt gerade, in diesen paar Stunden, fühle ich mich falsch.
Erwürgt von den vielen Erwartungen und Tagträumen.
Erschlagen von den Hoffnungen einer Vergangenheit, die sich fremd anfühlt.
Ich dachte…
Viel.
Ich habe Wien unter Druck gesetzt.
Fantastisch, anders, besser zu sein.
Aber bisher ist es nicht wahr geworden.

Bisher ist noch alles so wie zuvor.
Wieso?
Weil Wien zwar magisch ist aber nicht zaubern kann.

Ich bin seit fast einem Jahr Single und immer noch alleine.
Und das wird sich wohl in nächster Zeit auch nicht ändern.
Bin ich ein schlechter Single, weil ich keine Dates habe?
Nie welche hatte?
Ich war zu beschäftigt mit Umzug, Kündigung, einem neuen Leben.
Und jetzt bin ich endlich in Wien.
Wo ich, wahrscheinlich, meine große Liebe finden werde.
Aber ich bin nun mal nicht das erste Mal aus dem Zug gestolpert und gegen meinen Traummann gefallen.
Das hätte ich mir eigentlich erhofft.
Angekommen, gesehen, verliebt.
Ende.
Natürlich nicht.
Mein Leben ist kein Film und ich keine Schauspielerin mit erfundenen Sätzen.
Ich hatte Tinder.
Ich habe Tinder nicht mehr.
Ich probiere, versuche.
Bin mal einsam, mal frei.
Mal rastlos, mal zur Ruhe gekommen.
Manchmal hasse ich es Single zu sein.
Dann steige ich alleine in den Bus und fahre einfach durch die Welt.
Manchmal finde ich es gut.
Aber immer öfter finde ich es notwendig.
Für mich selbst.
Ich muss mich nach wie vor auf mich selbst konzentrieren.
Ich kann diese Aufmerksamkeit gerade nicht teilen.
Denn mein Körper, meine Gedanken, brauchen sie gerade dringender als jeder Mann.

Wien sollte mich glücklich machen.
Ich wollte weg aus dem Dorf, in Richtung Möglichkeiten und Wahnsinn.
Ich dachte, ich würde in Wien ankommen, und es spüren.
Das Lebensgefühl, die Veränderung.
Nach zwei Wochen sitze ich immer noch vor dem Fernseher, führe eine höchst unangebrachte Beziehung mit Netflix und bestelle viel zu oft mein Essen, anstatt es einfach zu kochen.
Ich habe noch nichts abgenommen, eher im Gegenteil.
Ich habe noch keine neuen Leuten kennengelernt, eher im Gegenteil.
Ich bin nicht plötzlich überglücklich…eher im Gegenteil.
Und wieder kommt mir der Gedanke, dass Wien einfach nicht zaubern kann.
Weil es an mir liegt.
Nur an mir.
Andere wohnen im letzten Nest und sind glücklicher und erfolgreicher als ich.
Man kann aus jeder Situation etwas machen.
Und ich habe meine bisher verschwendet.
Wollte weiterziehen, habe Lasten abgegeben und nur gewartet.
Nicht getan.
Wien würde schon alles für mich lösen.
Aber ich sitze wieder hier, frage mich, warum es nicht klappt.
Die Möglichkeiten liegen mir zu Füßen.
Aber da werden sie auch bleiben, wenn ich sie nicht aufhebe.

Wien ist magisch.
Aber Wien kann nicht zaubern.
Die letzten Wochen waren mal schön und mal hässlich.
Mal lustig und mal voller Tränen.
Mit neuen Dinge, alten Feinden und unerfüllten Versprechen.
Mit einem Hintern, der sich nicht bewegt und Gedanken, die das immer tun.

Jeder Ort kann besonders sein.
Jedes Leben kann schön sein.
Jeder Mensch kann glücklich sein.
Aber das liegt nicht an der Umgebung.
Zumindest nicht immer.
Vor allem liegt es an mir, an dir, an uns allen.
Aus dem was wir haben auch was zu machen.
Etwas Großes.
Etwas, worauf wir stolz sein können.
Also stehen wir auf, lassen die Gedanken einfach mal still sein und tun einfach.
Einfach.
Nur.
Tun.

„Jeder ist selbst für sein Glück verantwortlich.“
Jetzt weiß ich, dass es stimmt.

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12 comments

  1. Liebe Kat,
    ich finde du hast deine Gedanken totl schön aufgeschrieben. Ich kann total gut nachvollziehen, wie es dir geht. Ich bin letztes Jahr um diese Zeit umgezogen, ganze 400 Kilometer von Zuhause weg. Eigentlich bin ich immer sehr glücklich mit der Entscheidung, manchmal holen mich aber auch meine überzogenen Erwartungen ein. Was das angeht sind wir einfach von Teeniefilmen und romantischen Komödien verwöhnt. Es ist halt nicht alles perfekt, aber insgesamt dann doch schon ganz gut.
    Ich muss sagen: ich bin mittlerweile so in der Realität, für mich sind solche Filme mehr Komödien als alles andere. Die Romantik und das Schöne geht häufig an mir vorbei und ich amüsiere mich mehr über die “Zufälle”, die alles perfekt machen.
    Aber auch, wenn das eigene Leben kein Film ist, man kann trotzdem das Schönste daraus machen. Und ich finde der Schritt nach Wien zu gehen ist doch schon ein sehr wichtiger Schritt. Jetzt kommt der nächste und dann der nächste. In eine neue Stadt muss man sich auch einfach erstmal einleben und dort sein Zuhause schaffen. Ich wünsche dir viel Glück in Wien und bin gespannt, wie es für dich weiter geht 🙂
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    https://www.sinnessuche.de

    1. Liebe Leni. 🙂
      Ich danke dir so sehr für diesen langen und schönen Kommentar.
      Du hast absolut Recht und es ist toll, dass es jemand so gut versteht.
      Wien wird mir gut tun, ganz bestimmt. Auch wenn der Weg vielleicht lang sein wird.
      Liebste Grüße an dich! 🙂

  2. Liebe Kat,
    du solltest der neuen Stadt auch eine Chance geben. Was sind schon zwei Wochen? Du musst erstmal ankommen, ganz in Ruhe, ohne Druck. Dann kommt der Rest schon von alleine…
    Ich bin vor einem Jahr nach München gekommen und war erst nach einem halben Jahr richtig angekommen. Außerdem würde ich dir raten, die Suche nach der Liebe und die Suche nach deinem Platz in der Stadt unbedingt zu trennen.
    Liebe Grüße,
    Emilie von LA MODE ET MOI

  3. es stimmt absolut meine liebe Kat: jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – wenn nicht wir es in die Hand nehmen, wer soll es dann für uns tun?! 🙂

    ich finde deinen Text ganz wunderbar und man spürt richtig wieviel Herz du dahinein gelegt hast! auch ich wohne ja von meiner Heimat einige hundert Kilometer weit entfernt … z.Z. bin ich wieder etwas länger zu Bescuh und inzwischen kann ich mich kaum noch entscheiden, wo ich mich mehr zu haus fühle 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  4. Hi Kat, jeder hat so seine Momente die auf einen einprasseln. Aber wie du auch richtig geschrieben hast: konzentriere dich auf dich selbst und alles andere kommt mit der Zeit.
    Glg Karo
    https://kardiaserena.at

  5. Liebe Kat,

    super toll geschrieben und man ist irgendwie so „drin“ in dem Gefühl, was du hast. Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass du dein Glück in Wien findest und neue Leute kennen lernst. Aber ich denke, das wird so oder so passieren 🙂 Und wie wahr: jeder ist seines Glückes Schmied <3

    Liebste Grüße,
    Sarah

    http://www.vintage-diary.com

  6. Liebe Kat,

    Gib dir doch ein klein wenig Zeit. 🙂 Komm in Ruhe an und lerne erstmal, mit dir allein glücklich zu sein und wirklich klar zu kommen. Danach kommt der Rest auch von allein. Wie wäre es denn, wenn du dir langfristig irgendwas suchst, bei dem du neue Leute kennen lernen kannst? Z.B. Buchclub, Kurse… und wenn das Studium losgeht, lernst du ja ebenso Leute kennen.

    Schau Serien und bestelle Essen. Und wenn dir danach ist, rauszugehen, gehe raus. Wichtiger ist, dass du Gelassenheit mit dir selbst entwickelst und das tust, was dir Kraft und Ruhe schenkt. 🙂 Und Single sein ist auch nicht schlimm, sondern hat genauso seine Vorzüge.

    Ich wünsche dir alles Gute. 😊

    Liebe Grüße
    Denise

  7. Liebe Kat,
    du hast deine Gedanken sehr schön zu Papier gebracht.
    Ich bin vor 6 Jahren ausgezogen und mir ist es auch so gegangen wie dir. Am Anfang lief nie was, wie es sollte (Freund verspätete sich, Möbelstück war doch nicht mehr im Laden verfügbar, ….).
    Irgendwann habe ich angefangen einen Schritt zu machen und dann erst den nächsten, so ging es mir viel einfacher von der Hand.
    Falls du jemanden zum Reden brauchst, du weißt, wo du mich findest. =)
    Liebe Grüße,
    Carina.

  8. Hallo Liebes,
    der Text hat mich echt umgehauen. Du hast deine Gedanken so gut in Worte gefasst. Ich habe deinen Beitrag echt gerne gelesen und ich denke, dass du irgendwann dennoch den Moment haben kannst, wo du aus dem Zug stolperst und dort “ihn” siehst 🙂

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  9. Hi Kat,

    du hast dich voll auf Wien eingelassen, viel erwartet … von dir selbst … da war sicherlich viel Druck. Lass Wien auf dich wirken und erlebe die Stadt … jeden Tag aufs Neue … du wirst begeistert sein … lass dir einfach Zeit. Ich bin schon gespannt wie es dir in Wien geht und was doch noch so alles erlebst.

    Liebe Grüße
    Verena

  10. Liebe Kat,

    schon lange lese ich deinen Blog still und heimlich und habe tatsächlich noch nie ein Kommentar hinterlassen. Ich möchte dir sagen, dass ich dich sehr inspirierend finde. Mach weiter so!

  11. Liebe Kat, Was für ein wundervoller Text! Du schaffst es einfach immer wieder so gut, deine Gedanken in Worte zu fassen. Und ich bin ganz bei dir: Man muss sein Schicksal einfach selbst in die Hand nehmen. Ich glaube nicht daran, dass einem Glück oder Erfolg von selbst zufliegen. Man muss einfach selbst dafür eintreten 🙂

    Liebst, Sarah-Allegra
    https://www.fashionequalsscience.com