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Judge me if you can

Ich war noch nie so dankbar für die Musik in meinen Ohren.
Für jeden Ton, jede Note.
Denn so kann ich die Blicke besser ausblenden.
So kann ich so tun, als wäre ich ganz alleine auf der Welt und niemand würde mich verurteilen.
Meine Schritte werden immer schneller, obwohl ich noch so viel Zeit habe.
Weil ich weg will.
Von diesen Blicken, diesen Gedanken, diesen Menschen.
Meine Lunge verknotet sich, wie atmet man eigentlich?
Es war ein Fehler, mich so anzuziehen.
Ein großer Fehler.
Was habe ich mir dabei gedacht?
Mein Herz pocht schmerzhaft in meiner Brust.
Die Kopfhörer sind mein Rettungsboot, die Sonnenbrille mein Anker.
Mit jedem Schritt sinke ich tiefer in meine Jeansjacke.
Ich habe gar nicht gedacht.
Sondern nur gefühlt.
Denn ich wollte mich so fühlen, wie es in meinem Kopf Gestalt angenommen hat.
Ich trage dieses Shirt nicht, weil ich Aufmerksamkeit haben möchte.
Ich trage es nicht, damit mich Männer mit großen Augen anstarren oder ältere Frauen entgeistert den Kopf schütteln.
Ich trage es für niemanden, nur für mich.
Weil ich mir selbst beweisen wollte, dass ich so etwas auch mit meinen „Problemzonen“ tragen kann.
Dass es mir steht, ich cool und sexy darin aussehe.
Wie die Bloggerin, die ich immer sein wollte.
Aber sie machen sich lieber alle ihr eigenes Bild.
Ohne die wirkliche Geschichte zu kennen.
Aber machen wir das nicht immer?

Sie trägt dieses Shirt nur, damit alle sie angaffen.
Sieht billig aus.
Da sieht man ja alles. Hat das Mädchen kein Schamgefühl.

Nein, habe ich wohl nicht.
Denn wie konnte ich es wagen ein durchsichtiges Shirt zu tragen.

Eine Sonnenbrille bei bewölktem Himmel? Die ist sicher total arrogant.
Hält sich wohl für das Besseres.
Die sieht schon so hochnäsig aus.

Nein, das bin ich nicht.
Denn ich trage diese Brille, weil meine Augen immer noch etwas lichtempfindlich sind.
Aber wer würde das schon ahnen?

Muss die denn ihre Jacke so komisch tragen?
Als wäre sie irgendein Möchtegern-Star.
Sieht doch blöd aus, wie sie da so auf den Schultern liegt.

Vielleicht tut es das.
Denn ich trage diese Jacke so, weil ich bei jedem Schritt schwitze und es mir einfach nicht möglich ist die Jacke richtig anzuziehen, ohne beinahe zu verbrennen.

Es ist so lächerlich einfach über andere zu urteilen.
Sie als Schlampen zu bezeichnen, weil sie einen kurzen Rock tragen.
Sie als arrogant abzustempeln, weil sie ihre Sonnenbrille auf der Nase haben.
Sie als unfreundlich zu brandmarken, weil sie 24/7 ihre Kopfhörer in den Ohren haben.
Es ist so leicht. Viel zu leicht.
Denn niemand von uns kann sagen, was wirklich dahinter steckt.
Man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen.
Warum macht man es den Menschen dann so einfach?
So einfach, oberflächlich zu sein.
So einfach, verurteilend zu sein.
So einfach, sich etwas einzubilden.

Ich bin keine Heilige.
Immer wieder denke ich mir, wie man solche Shorts nur tragen kann, wo der halbe Hintern raushängt.
Obwohl ich nicht im Mindesten dazu qualifiziert bin, eine Meinung abzugeben.
Meistens entstehen diese Gedanken ohnehin aus verstecktem Neid.
Sie kann diese Short tragen, weil sie lange Beine hat. Dich stört es nur, weil du es nicht kannst.
Das Lustige ist: Ich könnte es.
Wenn ich mich einfach trauen würde, könnte ich es.
Und dann wäre ich die Frau auf der anderen Seite, die mit Blicken durchbohrt wird.
Wie kann sie mit ihrer Figur so eine Hose tragen? Mit ihren Dellen.
Stimmt, wie kann ich nur.
Aber als die schlanke Frau sie getragen hat, war es auch nicht richtig. Sah ja billig aus.

Ich habe mich gefühlt, wie eine Prostituierte.
Als würde ich nackt durch Linz laufen und nicht in einem durchsichtigen Top.
In Schwarz, mit Rosen.
Nur nackt.
Dieses Gefühl schmutzig zu sein, mit jedem Blick verurteilt zu werden.
Es ist schrecklich und ich wünsche es niemandem.
Den gesamten Weg zum Event habe ich mich geschämt.
Mir gewünscht, ein anderes Top angezogen zu haben.
Und kaum war ich dort, kaum traf ich andere Blogger, war alles anders.
Zum ersten Mal bekam ich ehrliche, begeisterte Komplimente für mein Outfit.
Ich bin keine Fashionbloggerin und würde mich auch nicht als sehr stylisch bezeichnen.
Aber ich gebe mein Bestes.
Und so viele Komplimente zu meinem Look habe ich noch nie bekommen.
Da ist mir bewusst geworden, wie anders die Leute denken.
Wie eingeschränkt ihr Sichtfeld manchmal ist.
Aber vor allem, wie wenig ich mit meinem Stil in diese Stadt gehöre.
Denn kaum war ich unter Gleichgesinnten, fühlte ich mich besser.
Wohler, schöner.
Wieder wie ein Mensch und kein laufender Fehler.

Judge me if you can.
Aber wenn ihr könnt, tut es nicht.
Seid besser, als ich es war.
Seid besser, als all die kleinen Geister, die ihre Vorurteile auf der Brust tragen.
Denn ihr wisst nie, wie es der Person hinter der Sonnenbrille damit geht.


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4 comments

  1. Hallo liebe Kat,
    ich finde es sehr mutig, dass du dieses Shirt angezogen hast. Ich finde es steht dir extrem gut. =) =)

    Diese urteilenden Blicke kenne ich nur zu gut, besonders dann, wenn jemand neben mir hergeht, der sich weiblicher anzieht oder einfach nur ein hübscher Mann ist. Warum hübscher Mann? Naja, ich bin oft mit meinem kleinen Bruder (ist größer wie ich 🙂 ) unterwegs und wir wurden sogar schon mal als Pärchen abgestempelt. 😀 Und jedes Mal, wenn ich mit ihm unterwegs bin, kriege ich so blicke, die hat ihn gar nicht verdient, etc. Einfach zum Totlachen.

    Die Blicke, wenn ich mit den beiden Kleinsten (9, 10) meiner Geschwister unterwegs bin, sind noch grandioser. Blicke “Wie kann man nur so blöd sein?”, “Nicht ihr Ernst so jung, schon so große Kinder zu haben” (die Beiden sind meist größer wie ihre Altersgenossen und haben mich schon fast eingeholt!) sind die üblichen Blicke. Innerlich hab ich immer nen Lachkrampf, wenn ich da was mitbekomme.

    Blicke bekommt man überall, egal, ob man schräg angezogen ist und nur aufgrund der Begleitung.
    Am besten man ignoriert sie einfach und merkt sich einfach nur die positiven Statements. =)

    LG Carina.

  2. Ein wunderschönes Outfit, liebste Kat!!!
    <3 <3 <3

    Wiebi

  3. Geeeh das Shirt steht dir doch eh so gut… und was ich so am Event mitbekommen hab, gabs da doch schon viele Komplimente dafür 😉

    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

  4. Toller Beitrag liebe Kat 🙂

    Mir ging es heute ähnlich. Kam gerade aus dem Urlaub und wir machten Zwischenstop in einem großen Einkaufszentrum, das auf dem Weg lag. Ich in kurzem Top und Shorts, 90% der Leute in langer Kleidung eingepackt. Einige starrten mich an und ich fühlte mich auch ein bisschen unwohl, dachte mir dann aber: sch.. drauf und hab blöd zurückgeschaut bzw. mit nem irren Blick gestarrt 😀 du glaubst gar nicht wie schnell die dem Blick ausgewichen sind.

    Mittlerweile denke ich mir: sollen die Leute doch starren, gibt wahrscheinlich sonst nichts Interessantes in näherer Umgebung 😉

    Liebe Grüße,
    Jessi