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Vor einem Jahr war ich ein anderer Mensch

Ich habe vergessen den Müll runterzutragen.
Das passiert mir in letzter Zeit öfter.
Und dann wir mir klar, dass ich plötzlich ein anderer Mensch bin, als noch vor einem Jahr.
Wo ich mir über solche Kleinigkeiten nicht einmal den Kopf zerbrochen habe.
Weil ich an einem anderen Ort gewohnt und in einer anderen Welt gelebt habe.
Und in diesen so einzigartigen und wertvollen letzten Tagen ist mir so viel bewusst geworden, dass ich Stunden mit Tränen füllen könnte.Tränen der Vorfreude, des Vermissens, der Akzeptanz, der Freude.
So viele Gefühle, die ein einziger Mensch doch eigentlich gar nicht auf einmal fühlen kann.
Aber ich tue es.
Ich fühle es.
Und gerade erschlägt mich die Realität und umarmt mich danach wieder.
Vor einem Jahr wollte ich genau hier sein.
In Wien, studieren, ein Leben leben, dass ich seit Jahren anstrebe.
Plötzlich habe ich das, was ich wir lange gewünscht habe.
Und es trifft mich jeden Tag aufs Neue, wie glücklich ich mich schätzen kann.

Ich habe mir sehr viel von Wien versprochen.
Zu viel.
Und meine Ungeduld ist auch nicht der beste Begleiter für einen neuen Lebensweg gewesen.
Denn in letzter Zeit habe ich meine Entscheidungen immer wieder hinterfragt und mir kamen Zweifel, ob ich mich jahrelang in mir selbst getäuscht habe.
Und falsche Träume gelebt habe.
Nein, habe ich nicht.
Es hat nur zwei Tage gebraucht, um das zu erkennen.

Einen ganzen Monat lebe ich schon in Wien.
Ich war nicht unbedingt der sozialste Mensch.
Bin kein einziges Mal ausgegangen, habe nicht Party gemacht oder neue Lokale ausprobiert.
Habe viel zu viel Essen bestellt und kam nicht wirklich aus dem Haus.
Keine neuen Leute, außer Friends schauen auf Netflix, keine neuen Erfahrungen.
Ich war ein Einsiedlerkrebs und habe mich trotzdem gefragt, warum mir Wien kein abenteuerliches Leben geschenkt hat, wo ich doch so dringend danach gefragt habe.
Manchmal bin ich blind für meine eigenen Taten und Gedanken.
Oder das Fehlen eben dieser.
Ich warte, auf Dinge, die ich selbst in der Hand habe, und bin dann enttäuscht, wenn es mir nicht in den Schoß fällt.
Dumm, oder?

Aber was hat sich geändert?
Warum bin ich plötzlich bereit in die Welt hinaus zu ziehen, mein Leben endlich zu beginnen und ein gutes Vorbild für meine Schwester und auch meine Leser zu sein?
Nicht mehr vor mich hin zu schimmeln und endlich mein eigenes Glück in Wien zu suchen?
Menschen.
Menschen sind passiert.
Menschen, die mir gezeigt haben, dass es ein Leben außerhalb meiner eigenen vier Wände gibt.
So viele Charaktere, die mein Leben absolut auf den Kopf gestellt haben.
Und gerade könnte ich vor Dankbarkeit weinen und lachen und wieder viel zu viel fühlen. Weil ich gerade so glücklich bin, diese Personen kennen zu dürfen.

How strangers changed my life

Ich hatte vergangenes Wochenende das Privileg an dem internationalem YouthReporter-Training des Jugendportals teilzunehmen. Mit kreativen Jugendlichen aus aller Welt. Und diese jungen Menschen haben mich aus meiner Wohnung gelockt, mich mit in Bars genommen, mich zum Lachen gebracht und mir das Gefühl gegeben, ein Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Ich war plötzlich nicht mehr alleine.
Ich habe mich in dieser Stadt, in der ich seit einem Monat lebe, plötzlich zu Hause gefühlt.
Ich war Willkommen und erwünscht.
Und das bei Leuten, die ich weniger als zwei Tage kannte.

Am Donnerstag fing endlich mein Studium an der FH Wien an.
Meine Mama hat mir ständig versucht einzureden, dass ab hier alles besser werden würde.
Ein neuer Abschnitt, neue Menschen, neue Herausforderung.
Ich habe ich nicht geglaubt, das ist so meine Art.
Spoilert Alert: Sie hatte Recht. Wie immer.
In der Vergangenheit gab es kaum eine Klasse, in der ich nicht gemobbt wurde.
Ich bin nie gerne ich die Schule gegangen, weil ich dazu nie einen Grund hatte.
Es gab immer etwas, was mir die Freude, die Kraft geraubt hat.
Und dann bin ich vergangenen Donnerstag in den Raum 3 spaziert und alles hat sich verändert.
Menschen wie ich, die Träume und Wünsche und Verrücktheiten mit sich herumtragen.
Niemand, der andere nach Gewicht oder Aussehen beurteilt.
Ich hatte noch nie so eine Gruppe, die so offen und unvoreingenommen war, habe mich noch nie auf Anhieb so schnell mit so vielen Fremden verstanden.
Und es hat mich wie Thors Hammer in der Magengrube erwischt.

Ich war so emotional, bin es immer noch.
Tippe diese Zeilen mit Tränen in den Augen und frage mich, warum ich immer einen Anstoß, einen Arschtritt brauche, um klar zu sehen.
Denn das tue ich jetzt.
Ich bereue meine Fehler nicht.
Sie haben mein Leben geprägt und mich hierhergeführt.
Zum ersten Mal seit meiner Trennung vor einem Jahr, fühle ich mich nicht alleine.
Fühle ich mich, als musste es genau so, mit allen Enttäuschungen und Schmerzen, kommen.
Sonst wäre nichts davon so passiert.
Ich hinterfrage auch wieder, was ich für die Welt tun kann.
Was ich als Mensch und Bloggerin mit meiner Stimme machen will.
Ich entschuldige mich nicht mehr für mich selbst.
Weil ich nicht perfekt bin und das auch nicht sein will.
Weil ich mich lieber hin und wieder beschwere, anstatt alles runterzuschlucken.
Ich habe mich so lange auf Zahlen und PR Samples und Geld konzentriert und habe Ziele aus den Augen verloren, die ich schon ewig hatte.
Ich nage nicht am Hungertuch, ich brauche die nächste schlechtbezahlte Kooperation nicht um zu überleben.
Aber ich brauche das Schreiben und dieses Mittel, um meine Gedanken irgendwie ordnen zu können.
Gedanken, die euch das Gefühl geben sollen, dass ihr auf dieser Welt nicht alleine seid.
Genauso wie all diese Menschen mir dieses Gefühl gegeben haben.

Ich lerne in so kurzer Zeit so viel über mich selbst und andere.
Über meine Gedanken, Motivationen und was mich antreibt.
Ich habe das Gefühl, dass ich mich gerade um 180° drehe und mir etwas schwindlig davon wird.
Aber endlich bin ich wieder diejenige mit dem Steuerrad in der Hand.
Ich schweife schon wieder ab, erzähle Geschichten und komme nicht auf den Punkt.
Aber dafür sind meine Sonntagsgedanken da.
Was will ich mit all diesen Worten eigentlich sagen?
Wahrscheinlich, dass ich endlich weiß, dass ich meinen Hintern bewegen muss, um etwas zu erleben.
Dass die Menschheit nicht nur schlecht ist und es so viele besondere Leute gibt, denen wir jeden Tag begegnen.
Dass wir dankbarer für das sein sollten, was wir schon haben und uns auch über Kleinigkeiten freuen sollten.
Aber vor allem, dass es wirklich möglich ist, sich und sein Leben zu ändern.
Sonst würde ich immer noch in einem kleinen Ort in Oberösterreich wohnen und nicht diesen Text schreiben.

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One comment

  1. WOW KAT! Dieser Blogpost ist dir mehr als gelungen, so schön zu lesen, zaubert einem direkt ein Lächeln ins Gesicht und inspiriert bzw. motiviert einen selbst, den Hintern von der Couch aufzuraffen! Schön, dass du etwas gefunden hast, dass dir Spaß macht, dich erfüllt. Weiter so! 🍀