Type and press Enter.

Wenn alle nur noch schöne Fotos machen

Ich habe das Gefühl unterzugehen. In diesen Massen an Eindrücken und Perfektion.
Wann habe ich das letzte Mal geatmet, ohne in Gedanken schon den nächsten Atemzug zu tun? Nur um schneller und besser zu sein, als ich es eigentlich bin. Nur um mithalten zu können.
Nach und nach bin ich in diese Bloggerwelt hineingestolpert.
Ich bin noch nicht lange Reisebloggerin. Seit einem Jahr vielleicht.
Die Zeit davor war ein schreiberischer Mischmasch, über den wir lieber nicht sprechen.
Ich war anders, jetzt bin ich anders.

Ich dachte, als Reisebloggerin wäre es einfacher.
Einfacher, weil man mit so vielen Menschen dieselbe Leidenschaft teilt.
Einfacher, weil man nicht aufgrund seines Aussehens oder der getragenen Kleidung beurteilt werden.
Einfacher, weil man über etwas schreibt, was man wirklich liebt.
Die Outfitposts von damals habe ich nicht geliebt. Die Travel Guides von heute schon.
Aber ich habe zu viel gedacht.
Und zu wenig war mir klar, wie viele es gibt.
Die sich Reiseblogger nennen und als hübsches Travelcouple die Welt bereisen.

Während ich in einer Stadt feststecke, die ich liebe und nur weil ich diese Bilder sehe, gefangen fühle.
Sollten uns diese Dinge nicht motivieren und inspirieren? Ein gutes Gefühl geben, anstatt uns runterzuziehen?
Oft weiß ich nicht mal, wie Menschen hinter den Fotos heißen. Es sind nur schöne Fotos von Reisen, die ich mir nicht leisten kann. Und ich weiß nicht, was da bringen soll. Wenn fünfzig Reisepärchen dieselben Bilder von Bali teilen und man sich fragt: brauche ich das auch, um mich gut zu fühlen?
Vielleicht ist es ein wenig Eifersucht.
Ganz sicher sogar.
Ich habe niemanden, mit dem ich die Welt bereisen könnte. Ich bin Single und das wird sich in nächster Zeit auch nicht ändern. Weil ich einfach nicht bereit bin. Geht es mir deshalb schlechter? Nein. Deshalb bin ich Solo-Reisende mit Leidenschaft. Ich mache das gerne, von ganzem Herzen. Aber auch nicht immer freiwillig, so ehrlich muss ich sein.
Ich bin froh, wenn ich reisen und dann auch die Miete für den nächsten Monat aufbringen kann. Bali? Vielleicht nach dem geplanten Lottogewinn.

Warum wollen wir immer so sein, wie andere? Wo wir doch selbst so viel Gutes tun können.

Es gab eine Zeit, da wollten Reiseblogger inspirieren. Jetzt werfen sie mit Zahlen um sich, wie viele Länder sie schon gesehen haben und kennen die eigene Heimat oft nicht einmal. Knipsen Fotos von Vulkanen und auf Yachten. Wer kann sich das leisten? Wen soll das inspirieren?
Wenn alle nur noch schöne Fotos machen, was macht dann der Rest?
Blogger batteln sich nur noch, wer die besten Bilder schießt und vergessen, für wen sie das alles machen. Und unsichere Menschen wie ich, die eben nicht nach Santorini, Bali und Marrakesch fliegen, fühlen sich dadurch eingeschüchtert. Die eigenen Bilder scheinen zunehmen weniger schön und einfach minderwertig. Ist ja kein Sonnenaufgang, sitzend auf einer Strandschaukel.
Weil es scheinbar keinen Weg mehr gibt, anderen ohne diese Wahnsinnsaufnahmen zu helfen. Mich inspirieren diese Landschaften nicht mehr, wo man dünne Frauen mit zu langen Kleidern stehen sieht. Diese konstruierten Fotos, die so wenig mit der Realität zu tun haben.
Ich kann das nicht. Manchmal will ich das trotzdem noch.

Aber immer öfter denke ich mir, dass ich lieber zu diesem kleinen Prozentsatz gehöre, der etwas verändern will. Wie man nachhaltiger reisen kann. Wo man günstig hinkommt, wenn man keine Bank ausgeraubt hat. Dass man kein Teil von einem Travelcouple sein muss, um schöne Reisen erleben zu können. Was hinter diesen vermeintlich perfekten Fotos passiert.
DAS ist MIR wichtig.
Und was ist mit dir?

Hier noch ein ganz unperfektes Selfie von einer „Reisebloggerin“, der wichtiger ist, dass ihre Leser etwas von ihren Bildern und Texten haben, als sie nur anzusehen. (Das war, kurz nachdem ich 4h lang auf einen Berg geklettert bin und danach vor Freude geweint habe, weil ich es mir nie zugetraut hätte. :)) You can do anything!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

19 comments

  1. Was für ein mega inspirierender Beitrag! Du sprichst wirklich wichtige Dinge an. Ehrlich gesagt, denke ich mir oft das Gleiche. Mal Hand auf‘s Herz: wie wichtig ist es eigentlich, WO man hinreist? Mit wie viel Budget? Was für fancy Klamotten man trägt? Sind es nicht viel eher die Momente, die man auf einer Reise sammelt? Die Gefühle, die man hatte? Manchmal finde ich es erschreckend, wo manche schon auf der Welt waren, aber noch nichtmal viel vom eigenen Land gesehen haben. Ich persönlich war noch nie außerhalb der EU, aber habe in Deutschland & Europa schon viel gesehen. Man hat hier die tollsten Reiseziele! Ich finde es herrlich erfrischend, dass Du solche Gedanken mit der Welt teilst! Dieses ganze ich-bin-so-fancy-bali-hier-couple-goals-da ist so gestellt & unauthentisch, deshalb liebe ich Blogger, die einfach selbstbewusst ihre Meinung sagen. Wirklich klasse Artikel! 🙂

  2. Ich finde das toll, dass du alleine verreist und auch darüber schreibst! Ganz großes Lob dafür! In deinem Blogpost beschreibst du das auch schön. Aber manchmal hab ich das Gefühl, du machst dir zu viele Gedanken, was andere Leute denken könnten. Lass dich nicht verwirren und mach einfach, was Dir Spaß macht.

    1. Danke für deinen Kommentar, Betty 🙂
      Ich bin zum Glück auf einen sehr guten Weg, mich von den Meinungen anderer zu distanzieren und immer weniger zu vergleichen 🙂
      das tut mir gut. Die nächste Reise kommt bestimmt.

  3. Schön geschrieben! Genau beschrieben, wieso ich nie zu den Top-Reisebloggern gehören werde! Ich mach dieses ewige Vergleichen nicht mit. Und übrigens: Um nach Bali zu reisen, braucht man gar nicht so viel Geld. Ich reise seit Jahren nach Fernost, ohne dass ich wirklic viel Geld hätte. Man muss nur überlegen, was für einen wichtiger ist: Komfort und Luxus oder Land und Leute kennen lernen. Wenn man nicht viel Geld hat und wirklich reisen will, dann kann man auch in einfachsten Hostels übernachten, Nudelsuppe essen und 3. Klasse Zugfahren.
    Viel Erfolg weiterhin!
    LG
    Ulrike

    1. Danke für deinen Kommentar, Ulrike. 🙂
      Und du hast so Recht. Vor allem in Sachen Reisen ist das Vergleichen doch einfach sinnlos?
      Soll man Erlebnisse vergleichen? Fotos haben meistens wenig mit der Realität zu tun. Und deshalb finde ich Ehrlichkeit einfach wichtig.
      Und du hast absolut Recht. Wer reisen will, der findet einen Weg. 🙂

  4. Ein soo schöner und trauriger Beitrag zugleich. Weil es die Wahrheit ist.. weil es in der heutigen Zeit nur noch um schöne Bilder geht – höher, schneller, weiter. Das finde ich genauso traurig wie du.
    Ich mag deinen Blog so wie er ist. Weil ich schon immer mehr auf Worte lege als auf Zahlen und ähnliches.
    Wichtig ist, glaube ich, dass man sich selbst immer treu bleibt und versucht sich nicht von den vermeindlich tollen Leben der anderen beeinflussen zu lassen. Ich denke mir auch hey wie gerne würde ich mir meinen Wunsch in die USA erfüllen, aber das kann ich nicht. Momentan. Für mich reicht auch ein Strandurlaub in Spanien – hauptsache ich kann mich erholen und was Neues sehen. Urlaub machen. Und nicht den ganzen Tag auf der Suche nach fancy Fotospots sein…Ich glaube, dass diese Menschen soo viel verlieren, für sich selbst. Die Natur zu genießen, Ausflüge zu machen oder einfach im Meer schwimmen. Es dreht sich immer nur um Fotos, Klicks, Kooperationen.

    Ich habe auch mal einen Beitrag geschrieben, dass es nur noch um Reichweite & Follower geht. Wenn du magst lies ihn dir gerne mal durch. Das war auch mal ein Moment von mir, in dem ich mir das von der Seele reden musste.

    https://www.jasminjuin.de/die-sucht-nach-reichweite-und-followerzahlen/

    Also sei du selbst und genauso bist du toll.
    Ganz liebe Grüße
    Jasmin von http://www.jasminjuin.de

    1. Danke für deine lieben Worte, Jasmin! Das freut mich wahnsinnig und ist einfach schön zu lesen. 🙂
      Vor allem finde ich, dass du genau das schreibst, was ich ausdrücken wollte. Dass es eben nicht um Zahlen geht oder Fotos oder wer öfter verreist. Es geht ums Reisen selbst. Und das sollten wir wieder mehr in den Vordergrund stellen. 🙂
      Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Kommentar zu schreiben.
      Du bist hier jederzeit Willkommen! 🙂

  5. Welche wahre Worte! In so viel finde ich mich wieder. Ich habe auch oft den Struggle, mich zu sehr mit anderen Bloggern zu vergleichen und dann an meiner eigenen Arbeit zu zweifeln. Dieses „höher, weiter, besser“-Denken, gerade unter Blogger, kann schon etwas zermürbend sein. Schön, dass man aber mit diesem Gefühl nicht allein ist.

    Liebe Grüße aus Berlin 🖤

    1. Ach Theresa. Freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Finde auch das Gefühl so schön, nicht alleine mit diesen Gedanken zu sein und gemeinsam etwas verändern zu wollen. 🙂

  6. So ist es!!!
    Und dabei ist es völlig egal ob es um Reiseblogs oder aber um food oder interior oder was auch immer geht… der Trend geht in Richtung „Inhalt ist unwichtig – Hauptsache, das Foto stimmt“. Ich persönlich finde das zunehmend langweilig und öde.
    Wünsche Dir auch weiterhin viel Spaß und Freude bei Deinen Reisen… und die passenden Leser 😉
    Herzliche Grüße aus dem maison malou
    Biggi

    1. hallo Biggi!
      GANZ GENAU!!! seit wann sind Bilder wichtiger als Erlebnisse und Emotionen?
      das muss sich wieder ändern. Denn meine Leser haben nichts davon, wenn ich ihnen perfekte Fotos präsentiere, ohne auch zu zeigen, wie es wirklich auf der Reise ist.

  7. Hello meine liebe. Super authentischer post und äußerst leserlich. Ich glaube, dass es den meisten so geht. Irgendwo ist es ja schon (fast) wie in der werbung. „Du brauchst das, dann bist du glücklich“. Dabei frag ich mich immer, wie es den reisebloggern selbst wirklich geht und ob sie die destinationen auch bewusst genießen konnten. Bleib auf deinem weg. Denn ehrlich und echt ist doch noch immer das wahre gesicht.
    Liebe Grüße Micha

    1. Hallo Micha 🙂
      Ich danke dir für deinen lieben Kommentar. Und du hast absolut Recht. Warum kann man nicht mal ehrlich sein und zeigen, was wirklich auf einer Reise passiert. Freut mich, dass wir da auf derselben Seite stehen 🙂

  8. Sehr toll geschrieben!
    Ich behandle ein paar Themen auf meinem Blog. Unter anderem Reisen.
    Als Studentin erlebe ich zwar viel, aber eben großteils “echte“ Sachen. Wenn ich mir ein paar Nächte im Bed and Breakfast leisten kann, ist das schon super.
    Und Fotos werden mit dem Handy gemacht, da eine zusätzliche Kamera nicht drinnen ist.
    Aber ich erzähle, wie die Reisen wirklich sind. Was super war, und was ich mir hätte sparen können.
    Meine kleine aber feine Leserschaft freut sich über die Ehrlichkeit.
    Und ich will gar nicht anders.

    Gruß und Kuss,
    PiusLucius

    1. Hallo Pia 🙂
      Danke dir, das freut mich wirklich. Ich finde es wirklich toll, wie und was du machst! Es solle viel mehr echte Eindrücke und Geschichten geben. Was wirklich weiterhilft und auch die nicht so schönen Seiten zeigt.
      Liebe deine Ehrlichkeit!

  9. Hey Kat,

    ein unglaublich ehrlicher Beitrag über die Scheinwelt, die sich um uns herum aufbaut. Und an deren Erbau wir mitwirken, einfach, um mithalten zu können. Ich selbst habe vor kurzem erst als Reiseblogger angefangen. Und bin noch auf der Suche wo es hingehen soll. Und eins ist mir klar: Auf keinen Fall in die Richtung, die du hier beschreibst.
    Schade nur, dass man weniger Reichweite erzielt, wenn man anders ist. Aber Reichweite sind auch nur Zahlen. Und lieber habe ich wenige, aber interessierte Leser, als viele, die nur meine Scheinwelt lieben, aber nicht den Menschen dahinter kennen.

    Liebe Grüße,
    Alexa

    1. Hey Alexa 🙂
      Du hast so Recht mit dem, was du sagst. Wir sind alle daran beteiligt und wirken tatkräftig mit. Aber was wir tun können, ist, wieder mehr Ehrlichkeit zu teilen. Vor allem auf Social Media und am Blog. Auf Reisen ist nicht alles immer super. Das sollte man auch teilen. 🙂
      Finde es toll, wie du das beschrieben hast. Danke dafür.

  10. Wir sehen das genauso. Wir wollen vor allem das Land, die Menschen und die Kultur kennenlernen. Wir reisen nicht für das Perfekte Foto, sondern für die perfekte Erinnerung. Klar machen wir gerne Fotos auch, aber die sind nicht so wie du beschrieben hast. Nicht so gestellt und ohne Emotionen, aber dafür perfekt gestyled in einem Kleid am Berg. (Als ob sie der Hubschrauber gerade abgesetzt hätte.) Nein echt muss es sein, Spaß muss es machen und vor allem es soll sich nach Urlaub anfühlen.
    PS: Finde dein Slefie am Ende deines Artikels super.
    Vielleicht gefällt dir unser Blog.

    Liebe Grüße Christina

    1. Hallo Christina 🙂
      Es freut mich, dass ihr das auch so seht. Natürlich macht man Fotos, das tue ich doch auch. Dann stelle ich bewusst mein Stativ auf und knipse los. Aber ich ziehe mir nicht am Berg dann ein Kleid an, weil es besser aussieht.
      Reisen soll Freude sein und sich nicht nur um Selbstdarstellung drehen 🙂
      Danke für deinen Kommentar 🙂