The Fangirl: A Mystery

The Fangirl: A Mystery

Es riecht nach Frühling, der Wind fährt mit vorsichtigen Fingern durch die frisch erblühten Zweige der Bäume und ich sitze auf dem Boden. Ein Buch auf dem Schoß liegend, die dünnen Buchseiten zwischen meinen Fingern und den Kopf in den Wolken tragend. Menschen gehen an mir vorbei, Radfahrer klingeln, es ist mir absolut egal. Das sanfte Kitzeln der Grashalme, meine Haare hängen mir ins Gesicht. Und obwohl es so aussieht, als würde ich nur da sitzen und schwarzgedruckte Buchstaben entziffern, stehe ich mitten in einem Kampf. Zwischen Gut und Böse. Die Luft vibriert förmlich, Metall kracht auf Metall, Holz splittert. Die Hauptfigur stürzt sich ins Getümmel, reißt das Schwert hoch und wird von einem Pfeil in die Schulter getroffen. Mir entweicht ein erschrockenes Quietschen. Nein, bitte nicht. Mit stampfenden, erbarmungslosen Schritten kommt der Schütze auf ihn zu, kniet sich neben ihn und flüstert: Das ist wohl das Ende unserer Freundschaft. Ich kann nicht weiterlesen. Meine Unterlippe leidet unter meinen nervösen Bissen, ich lehne mich gegen den Stamm des Baumes und atme tief durch. So kann es doch nicht zu Ende gehen. Mein Held reckt das Kinn hoch, grinst höhnisch und zwinkert. (Warum zwinkert der Kerl? Gleich ist es aus mit ihm.) Aus dem Nichts taucht eine Frau hinter den Beiden auf. Mit einem gezielten Hieb setzt sie den Bösewicht außer Gefecht. Deshalb dieses Grinsen. Erleichtert seufze ich und gönne mir einen Moment. Als ich die Augen wieder öffne werde ich von einem kleinen Jungen beobachtet. „Was machst du da?“ „Ich lese.” „Und warum machst du diese seltsamen Geräusche?” Die Antwort entlockt mir ein Schulterzucken, dem ein schiefes Lächeln folgt: „Weil ich ein Fangirl bin.“

Ein Auszug aus dem wundervollen Internet beschreibt Fangirls folgendermaßen: Weiblich, oft zwischen 11 – 19 Jahren alt (ups, da hab ich wohl die Altersgrenze überschritten) Süchtig nach Buchreihen, Serien, Filmen oder bekannten Persönlichkeiten. (ja, das stimmt sogar.) man findet sie oft in heimischen Bücherläden (erwischt!), den Arm voller Bücher, welche sie erst viel später werden lesen können. (Habt ihr mich beobachtet!?) 78% der Fangirl-Gemeinde haben einen eigenen Büchervorrat, falls sie sich von der Außenwelt abschotten und zurückziehen müssen. Im Falle einer plötzlichen Naturkatastrophe sehr nützlich. (Das würde ich so unterschreiben, ja.) Sie verbringen einen Großteil ihrer Zeit im Bett, lesen oder himmeln einen Schauspieler im Fernsehen an. (Keine Ahnung, wovon die da reden *hust*) Fangirls sind üblicherweise harmlos, außer sie werden wüst während des Lesens gestört oder gar abgelenkt. (Nicht zu empfehlen!) Die meiste Zeit tragen sie bequeme Klamotten, wenig Make-up, schleppen oft bis zu zwei Bücher mit sich rum und tragen, manchmal, Kopfhörer. Dies ist, um die Außenwelt dahin zu verbannen, wo sie hingehört: Nach draußen. (Da kann ich kaum widersprechen.)

Es gibt noch viele weitere Erklärungen, worum es sich bei der Spezies Fangirls handelt. Manche sind nicht gerade freundlich. Wir werden oft als nervige Halbwüchsige mit zu lautem Sprechorgan beschrieben. Aber wir sind so viel mehr als das. (Nicht zu ernst nehmen. ;))

Bandshirtsuchti: Man hört einen Song und schon ist man hypnotisiert. Die Stimme des Sängers bahnt sich seinen Weg an Gehirnwindungen und Knochen vorbei, zwischen Sehnen und Muskeln hindurch bis direkt zum Herz. Jedes Wort scheint nur für einen selbst geschrieben worden zu sein und man denkt sich alle zwei Sekunden: Ja, das kenne ich. Die Bandshirtsuchtis sind noch die harmlosere Variante der Fangirls. Sie tragen gerne die passenden Shirts, wie der Name schon sagt, hören die Lieblingsband rauf und runter und geben das Geld nur zu gerne für weitere Shirts oder Konzertkarten aus, wo der Suchti dann richtig abgeht, mitsingt und durchdreht. Das sei ihm aber auch erlaubt, da er sich die restliche Zeit eher unauffällig verhält.

Teenieschwarmanhänger: Sie lauern in den Schatten, warten zwischen Pfützen und schmutzigen Gassen nur um einen Blick auf den Schwarm zu ergattern. Und kam taucht er im Blickfeld auf, geht das Gekreische los. Normalsterbliche sollten bei Ausflügen mit Tennieanhängern unbedingt Ohrstöpsel mitbringen. Ansonsten könnten bleibende Schäden des Trommelfells und vielleicht der Psyche die Folge sein. Jeder, der schon einmal einen Ausschnitt eines Justin Bieber Konzerts gesehen hat, weiß, was da abgeht. Geheule, Gekreische, Ohmachtsanfälle und BHs auf der Bühne. Diese Sorte Fangirls ist keinesfalls zu unterschätzen. Wenn sie wütend werden, sollte man dringend das Weite suchen. Beißen, Kratzen und Haareziehen gehören zur Grundausbildung dazu.

Serienjunkie: Eingewickelt wie ein Burrito liegen sie auf dem Bett. Rote Augen, zerknüllte Taschentücher, die Decke eng an den Körper gepresst. Der Blick klebt förmlich am Bildschirm, verfolgt jede Bewegung. Sie sprechen oft mit sich selbst, unterhalten sich mit den Figuren und machen ihnen Vorwürfe. Das Ticken der Uhr ist längst aus dem Gedächtnis verbannt. Nach drei Stunden Marathon auch kein Wunder. Die einzelnen Episoden verschwimmen und fügen sich zu einem langen Film zusammen. Das süße Pärchen küsst sich, Tränen fließen. Die blöde Zicke macht einen Aufstand, das angeschnäuzte Taschentuch fliegt gegen den Fernseher. Diese Gattung ist sehr gut daran erkennbar, dass sie meist das Tageslicht meiden und in einer höhlenartigen Umgebung verweilen.

Bücherwurm: Er denkt gar nicht daran, den Blick von seinem Buch abzuwenden. Das menschliche Knäuel aus Armen und Beinen ist seit den ersten Worten in der Versenkung seiner Gedanken verschwunden. Es gibt nur noch ihn und die schwarzen Sätze auf weißem Papier. Bereits bei den 10 Problems of a Bookworm habe ich die Spezies Bücherwürmer vorgestellt. Bücherwürmer haben immer ein Buch dabei (daran erkennt man sie sofort) und lesen so oft sie nur können. Egal ob im Zug, während des Essens oder wenn sie belanglose Konversation ausblenden wollen. Oft tragen sie Fanartikel, wie Harry-Potter-Schals oder einen Pulli. Die Bücherwürmer sind allgemein ein sehr friedliches Volk. Sie sind freundlich, verträumt und reden gerne über die Geschichten, die sie gelesen haben. Wer es aber wagt das Lesen oder Bücher in den Dreck zu ziehen, hatte die längste Zeit ein friedliches Leben. (Vorsicht! Bücher können als Waffe eingesetzt werden.)

Filmverfechter: Sie halten oft nicht viel vom geschriebenen Wort, sehen sich lieber die Filme dazu an. Sätze wie: „Ach, da warte ich lieber auf den Film.“, brechen jedem Bücherwurm das Herz. Viele von ihnen haben aber trotzdem, der Vollständigkeit halber, die Bücher gelesen. Man findet sie oft in der letzten Reihe in Kinosälen, zwischen Popcorn und Eistee. Sie fiebern der Geschichte entgegen, sprechen gerne mit sich selbst oder wundern sich, warum dieser und jener Schauspieler gecastet wurde. Die Filmverfechter haben grundsätzlich vorgefertigte Bilder im Kopf, wie der perfekte Schauspieler für die Buchcharaktere auszusehen hat. Da kann es oft zu Streits kommen, denn da hat bekanntlich jeder eine eigene Meinung. Diese Art ist den Bücherwürmern, trotz einiger Differenzen, gar nicht so unähnlich.

Es mag viele Arten von Fangirls geben, noch mehr, als ich hier beschreiben kann. Doch ein richtiges Fangirl lässt sich nur schwer in eine Gattung zwingen. Sie überschneiden sich gerne, mischen sich und kreieren einen komplett eigene Charakter. Deshalb gibt es auch den Überbegriff Fangirl. Ich zum Beispiel bin eine Mischung aus allen genannten Typen. Ich höre Panic! at the Disco rauf und runter, fahre im November auf ihr Konzert und dort werde ich auch mein extra erworbenes Fanshirt tragen. Ich kreische, wenn ich einen hübschen Schauspieler sehe oder ersteche jemanden mit Blicken, wenn er über ihn herzieht. Gestern lag ich gute vier Stunden eingewickelt vor dem Fernseher und habe Pretty Little Liars aufs übelste gesuchtet und die Charaktere wie eine mahnende Mutter ausgeschimpft. Dass ich ein Bücherwurm bin, wisst ich sowieso. Bücher gehören zur Grundausstattung meiner Handtasche, mein Regal biegt sich bereits unter der Last und im Fanartikelschoppen hätte ich einen Preis verdient. Außerdem fiebere ich besonders Buchadaptionen voll Inbrunst entgegen, male mir die passenden Schauspieler aus und könnte die Produzenten erstechen, wenn sie wieder einmal die komplette Geschichte ändern. Ihr seht, Fangirls sind verrückt, absolut bekloppt und vielleicht etwas weltfremd. Aber auch ebenso wunderbar und liebenswert.

Nächste Woche kommt ein kleiner Sprachguide für Fangirls. Denn oft sagen wir Dinge, die kein Mensch versteht. Seid gespannt und freut euch drauf. 🙂

Eure Kat.

Welche Art von Fangirl seid ihr?

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12 Kommentare

  1. 2. Juni 2016 / 16:23

    Haha, cooler Post! Ich bin ja auch eine Mischung aus mehreren Fangirl-Typen 🙂
    LG Sandra

    • 3. Juni 2016 / 8:34

      Vielen Dank! 🙂 Freut mich. ja ich glaube wir passen alle nicht zu 100% in eine Kategorie.
      Dafür sind wir viel zu vielseitig. 😉
      LG Kat

  2. 2. Juni 2016 / 16:44

    Oh da bin ich eindeutig nicht in der Altersklasse dafür, um ein Fangirl zu sein 😉 aber dafür bin ich ein kleiner Nerd und Otaku
    Liebe Grüße
    Tanja

    • 3. Juni 2016 / 8:34

      Das Alter ist ja auch nur eine Zahl, liebe Tanja. 😉
      Ich finde Ners ja absolut wunderbar, da ich auch selber einer bin.
      Es sollt mehr so liebenswerte Verrückte wie uns geben. 😀
      LG Kat

  3. 2. Juni 2016 / 20:19

    Fangirls sind schon irgendwie knuffig, wenn auch manchmal etwas anstrengend. Was wäre eine Welt ohne sie?
    Mich würde ich in die Kategorien Bucherwurm und Seriensuchti einordnen.

    • 3. Juni 2016 / 8:36

      Da gebe ich dir gerne recht. 😀 Wir können schon ziemlich anstregend sein. 😉
      Aber ohne uns, wäre die Welt wirklich nicht dasselbe.
      das hört sich doch nach einer guten Mischung an. 🙂

      LG Kat

  4. 3. Juni 2016 / 9:42

    High Five allein für das Titelbild! Ich bin auch ein Fangirl, und zwar alle, die du oben genannt hast. Computerspiele, Harry Potter (und andere Fantasy-Bücher), Buffy The Vampire Slayer (und alle anderen Whedon Sachen), Japankram, etc. Bin oft als Nerd verschrien, aber das stört mich nicht 🙂

    Beste Grüße
    Charlotte

    • 3. Juni 2016 / 12:19

      Vielen Dank. Extra für den Beitrag geknipst. Potterhead for life! ☺👐 die perfekte Mischung also, wunderbar. Und wir dürfen unser Fangirling nicht verleugnen! 😉
      LG Kat

  5. Claudia
    9. Juni 2016 / 9:22

    Hallo Kat,
    Habe gerade deinen Blog entdeckt und bin total begeistert! Spitzen Fotos, super Schreibstil und deine Themen finde ich auch toll (scheint so als hätten wir einen ähnlichen Buch- und FIlmgeschmack ;))
    Ob ich ein richtiges Fangirl bin weiß ich nicht so ganz. Vielleicht bin ich dafür teilweise schon zu “erwachsen”.
    Aber ich war auf jedenfall mal eines und es kommt auch immer wieder mal zum Vorschein. ^^
    Was ich auf jedenfall noch bin und auch immer sein werde ist ein Bücherwurm. Und zwar die schlimmste Form inkl. allen Klischees und absolutem Suchtfaktor. Ich stehe jeden Monat vor dem Problem ob ich jetzt mein ganzes Geld lieber für Mode oder für Bücher ausgeben soll bzw wer den größeren Anteil abkriegt… XD

    Mach weiter so!
    Lg
    Claudia

    P.S.: Hab gelesen dass deine Heimat der Attersee ist. Es ist wirklich wunderschön dort! Ich komme vom Traunsee. Mindestens genauso schön. 😉 (Wie das ganze Salzkammergut)

    • 9. Juni 2016 / 13:36

      Liebe Claudia. 🙂

      Es freut mich wirklich sehr, dass du meinen Blog gefunden hast. Vielen Dank für die lieben Worte, das bedeutet mir viel.
      Vor allem, dass dir mein Schreibstil und die Themen gefallen, finde ich wundervoll. Was wäre ein Blog ohne Leser? 🙂
      Also ich bin im Kopf oft noch ein kleines Mädchen 😀 Also ein Fangirl durch und durch.
      Das Geld-Bücher-Problem ist ja weit verbreitet. Die Regierung sollte wirklich mal eine Lösung dafür finden, oder?
      Der Traunsee ist, natürlich!, auch wunderschön. Wir haben Glück, an so schönen Orten wohnen zu können.

      Ganz lieben Dank für dein tolles Kommentar. Hat meinen Tag gerettet.
      Liebste Grüße, Kat

      • Claudia
        9. Juni 2016 / 15:33

        Liebe Kat,
        Sehr gerne! Ich finde es immer wichtig auch zu sagen wenn einem etwas gefällt. 🙂
        Das ist ja irgendwie auch der Lohn für die ganze Arbeit die in so einen Blog gesteckt wird.
        Mit den richtigen Leuten bin ich das wohl auch oft. ^^
        Oh ja! Das ist eine richtige Epidemie. Ich finde auch das Problem muss dringend gelöst werden. Leider bin ich noch of keinen guten Lösungsansatz gekommen. Verzicht ist natürlich keine Option 😉
        Absolut. Das weiß ich jetzt umso mehr zu schätzen da ich nur mehr 1-2 mal pro Monat zu hause bin. Als absolutes See-Mädchen vermisse ich das schöne Salzkammergut schon ziemlich.
        Das freut mich! 🙂 Ich muss sagen das mir die Entdeckung deines Blogs heute morgen auch irgendwie den Tag gerettet hat. Also auch vielen Dank an dich!
        Liebe Grüße, Claudia

        • 10. Juni 2016 / 6:20

          Liebe Claudia. 🙂

          Das freut mich und ich finde es toll, dass du zu den Menschen gehörst, die auch mal ein Lob dalassen.
          Jeder Blogger freut sich über Feedback. Und wenn auch mal Kritik dabei ist, kann man die für sich nutzen.
          Ja ist auch gut so. 😉
          Verzicht war nie eine Option. Da hast du recht. 😀 Kann ich gut verstehen.
          Ich möchte unbedingt weiterziehen und umziehen aber der See und die Umgebung werden mir immer fehlen.
          Wow, das freut mich, wenn mein Blog auch etwas für dein Gemüt tun konnte 🙂

          Liebe Grüße, Kat

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