Human vs Food – für eine bessere Ernährung

Wie betäubt stehe ich im Gang und fühle mich, als würden meine Füße sich in den Linoleumboden graben. Eine Eiseskälte erfasst mich, als mir bewusst wird, dass es wieder an der Zeit ist, stark zu sein. Sie starren mich aus dem Regal an. Das heimtückische Flüstern in meinem Kopf wird stärker und ich strecke die Hand aus. Nein, das darfst du nicht. Frustriert kneife ich die Augen zu, seufze, als würde mir das Herz in die Beine rutschen. Aber ich will es doch. Mit aller Kraft, die ich aufbringen kann, zwinge ich mich, weiterzugehen. Obst und Gemüse schlängelt sich in mein Blickfeld und ich spüre nichts. Kein Verlangen, keine Kälte. Es juckt mich auch nicht in den Fingern. Ich greife nur zu, weil es auf der Liste steht. „Aber was machst du heute Abend?“, höre ich meine innere Stimme fragen. „Du kennst den Heißhunger. Du brauchst es.“ Ich komme mir wie eine Drogensüchtige auf Entzug vor. Ich werde noch irre. Trotzdem gehe ich zurück, verwische jeden Schritt, den ich zuvor gegangen bin. Da stehen sie, fein säuberlich aufgereiht. Wie eine Armee, die nur darauf wartet, endlich angreifen zu dürfen. Meine Hand schließt sich um das knisternde Plastik, drückt zu und die Tüte landet in meinem Wagen. Es gibt kein Zurück mehr. Erneut habe ich gegen mich selbst verloren.

Kennt ihr das, wenn ihr genau wisst, dass etwas falsch ist, ihr es aber einfach machen müsst? Nach der dramatischen Einleitung hört sich der Grund für diesen Beitrag beinahe banal an. Aber das ist er nicht. Seit ein paar Tagen hat die altbekannte Müdigkeit wieder Einzug in mein Leben erhalten. Zu müde, um etwas zu kochen. Zu müde, um sich über irgendetwas Gedanken zu machen. Ich habe einfach gegessen. Fertigprodukte, Snacks und Schokolade. Weil es mich plötzlich nicht mehr gekümmert hat.

human vs food_1

Die ersten Anzeichen habe ich erst vor ein paar Tagen wirklich bemerkt. Meine Haut war plötzlich wieder fleckig und rot, am Kinn zeichneten sich die Male meiner Disziplinlosigkeit und der schlechten Ernährung ab. Neben den plötzlichen Extrakilos, sprach auch mein Gesicht von einer Krise. Da fiel mir erst auf, was ich mir selbst eigentlich antat. All die guten Vorsätze waren wie vom Tisch gefegt. Kein Salat, keine Zucchini. Reine Bequemlichkeit sprach aus meinen Gliedern. Oft kochte ich nicht einmal ein richtiges Essen, sondern griff gleich zur Chipstüte. Doch mein Körper hat jetzt die Nase voll. Jeder Krümmel Chips drängte mich näher an den Abgrund. Denn es blieb nicht bei einer Tüte. Wenn ich so ehrlich sein darf, mache ich euch ein Geständnis: Letzte Woche habe ich geschlagene 3 Dosen Pringles gegessen. Alleine und binnen einer Rekordzeit, die Usain Bolt zum Staunen bringen würde. Wenn ich diese Zahl lese, schäme ich mich. Weil es einfach sinnlos ist. Ein kleiner Snack am Abend, schön und gut. Aber wenn sogar meine Haut anfängt zu schreien, kann etwas nicht stimmen. Warum tue ich mir das an? Habe ich nichts aus all den gezischten Schimpfworten gelernt, die man mir früher an den Kopf geworfen hat? Will ich unbedingt dick werden? Wenn ich so weiter machen würde, würde ich meinen Körper kaputt machen. Die ständige Müdigkeit, die Antriebslosigkeit und das schlechte Gefühl, dass sich im Gehirn festsetzt. Du willst doch abnehmen. Ist dir deine Ernährung und Gesundheit gar nichts mehr wert? Warum isst du das dann? Aber ich habe nur diesen einen Körper. Meine Haut ist so schlecht wie schon lange nicht mehr. Die Konsequenzen meines Lebensstils habe ich jetzt zu tragen. Ich fühle mich unförmig und unwohl, habe das Gefühl, jeder starrt auf meinen Schwimmreifen und die geröteten Pickel. Es ist einfach nur schrecklich.

Gestern habe ich dann doch geschafft: Ich ging in den Supermarkt, blieb am Chipsregal stehen und lieferte mir ein knallhartes Duell mit den Bewohnern. Aber dann ging ich, nach langem Zögern tatsächlich weiter. Und kehrte nicht wieder um. 1:0 für mich. Ein kleiner Sieg, bei meiner bisherigen Wochenbilanz. Aber ich arbeite daran. Heute gibt es einen Salat mit Ciabatta Brot und am Abend gedünstet Zucchini. Verzichtet auf den meisten Zucker und Kohlenhydrate. Natürlich müsst ihr nicht alles von eurem Ernährungsplan streichen. Aber schaufelt nicht sinnlos irgendetwas in euch hinein, nur weil ihr keine Lust auf Kochen habt. Schön gar keine Chips oder Süßigkeiten. Die Konsequenzen können schlimm sein. Nicht nur ein paar Hautunreinheiten. Aber dank der unansehnlichen Pickel habe ich jetzt die Notbremse gezogen. Ich kann immer noch an nichts anderes, als an Chips denken und würde am liebsten sofort wieder eine Tüte in mich hinein schütten. Aber  10 Minuten später würde ich es wieder bereuen. Ich weiß, dass ich süchtig bin und gerade ein ordentliches Tief bezüglich Change-it! durchmache. Spart euch die Reue und stellt eure Ernährung langsam aber sicher um. Es ist kein Weltwunder gesund zu leben. Nehmt euch die halbe Stunde und schnippelt Gemüse. Diese Woche kommt noch ein Beitrag über Fressattacken und wie man sie vermeidet bzr bekämpft. 🙂 Außerdem frage ich eine sportbegeisterte Bloggerin nach Ernährungstipps, die ich dann mit euch auf dem Blog teilen werde. Denn nichts ist es wert, sich selbst dafür zu hassen oder zu quälen. Schon gar keine Dose Pringles.

Eure Kat.

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14 Kommentare

  1. 22. August 2016 / 20:28

    Die Einleitung ist dir wirklich gelungen – so richtig dramatisch, wie sich das halt anfühlt, wenn man etwas will, aber sich selbst verbieten mag. Das kenne ich noch gut aus der Zeit, in der meine Essstörung begann… inzwischen reizen mich das Süßigkeitenregal und die Fertigwaren in der Kühlung gar nicht mehr… es scheint alles nur Gewöhnung zu sein. Ich muss mich eher zwingen, mehr zu naschen, damit ich wieder dicker werde. Die Motivation, gesund sein zu wollen und sich wohl zu fühlen, habe ich inzwischen auch. Daher versuche ich nun, so viele Nüsse wie möglich zu essen – gesunde Fette sind ja wichtig.
    Dir drücke ich die Daumen, dass du die Kurve kriegst und sich deine Haut dann schnell wieder beruhigt, damit du dich so richtig gut fühlen kannst! Irgendwann geht die Lust auf die Chips sicher weg! 🙂

    Auf die kommenden Posts bin ich gespannt!

    Liebe Grüße

    • 23. August 2016 / 20:41

      Vielen Dank, liebe Tabea. 🙂

      Das freut mich wirklich. Ist immer schön, wenn der eigene Einsatz gewürdigt wird.
      Wow, an diesen Punkt möchte ich auch kommen. Die Versuchung ist oft einfach viel zu groß und
      ich kann mich schlichtweg nicht zügeln. Aber ich werde daran arbeiten. 🙂
      Nüsse sind eine super Idee.

      Dankeschön. Ich werde die Chips langsam aber sicher reduzieren. 🙂
      Love, Kat

  2. 22. August 2016 / 21:58

    Dieser Post kommt für mich gerade so im richtigen Moment. War grade am überlegen, ob ich mir noch mal Schokolade aus dem Kühlschrank hol. Was bringt mir dann der kurze Genuss, wenn ich mich dann wieder drüber ärger und meine Haut leidet?

    • 23. August 2016 / 20:43

      Yay, mein Post hatte eine postiven Effekt. Mehr wollte ich gar nicht! 🙂
      Freut mich, dass du das so siehst.

  3. 23. August 2016 / 4:16

    Ich muss sagen, dass mich Süßigkeiten und Knabberkram kaum noch locken. Dann eher Obst und Gemüse. 🙂
    Ansonsten schaue ich, dass ich eben kurze und die meisten mittellange Kohlenhydrate verneide. Ganz ohne geht es nicht. Da werde ich noch müder und schlapper als mit Fast Food. Aber momentan klappt es gut.

    Tolle Einleitung, btw. 🙂 Das kenn ich von früher. Aber du schaffst es. Es wird mit der Zeit auch einfacher, dem Drang zu widerstehen.

    • 23. August 2016 / 20:45

      Wirklich? Wow, ich bewundere dich. Würde mir wünschen, weniger stark auf Snack & co zu reagieren.
      Welche Art von Kohlenhydraten sind das denn? Würde mich sehr interessieren.
      Ja ganz ohne kann ich es mir auch nicht vorstellen.

      Oh vielen Dank, das freut mich sehr. :)Ich hoffe das Beste <3

  4. Sabine
    23. August 2016 / 7:25

    Boom! Toller Post!
    Ich fühl mit dir mit, ich besitze auch nicht die Kontrolle oder das Bewusstsein was Essen anbelangt. Man versucht es, sich gesünder zu ernähren, die Süßigkeiten nach der eigentlichen Mahlzeit wegzulassen und mehr Sport zu machen. Aber immerwieder siegt das ungesunde Zeug, auch wenn es vielleit lecker sein mag, muss ich trotzdem zugeben, dass mir die ganzen chemischen Sachen da drin nicht gerade gefallen.
    Zum Thema Chips, man kann wirklich sühtig werden, bei der Erzeugung ist irgendetwas drin dass uns süchtig macht.

    Freue mich schon auf die Ernährungstipps.

    Yours,
    Sabine

    • 23. August 2016 / 20:47

      Viiiielen Dank, meine Liebe. 🙂
      Freut mich sehr. Ganz genau so sehe ich das auch. Oft mache ich es mir aber
      selbst schwer, möchte von 0 auf 100 alles ändern und mache stattdessen wieder einen
      Schritt zurück, anstatt voran.
      Diese miesen Erzeugungsprozesse. Kein Wunder, dass ich nicht mehr aufhören kann. 😉
      Bin gespannt, wie die Tipps ankommen.

      Love, Kat

  5. 23. August 2016 / 17:35

    Hach, immer dieses gemeine Chipsregal. Das kenne ich auch nur zu gut. 😀 Auswirkungen auf meine Haut hat meine Ernährung lustigerweise aber gar nicht – selbst durch die Pille ist sie immer noch gleich gut/scheiße wie mit 14 … 😛
    Aber Hut ab dafür, dass du da durchhaltest! 🙂 Mein Lieblingssnack ist übrigens gerade Apfelspalten mit ein wenig Erdnussbutter – einfach herrlich und zumindest nicht NUR ungesund! 🙂

    GLG Miriam
    http://www.enemenemimi.com

    • 23. August 2016 / 20:49

      Nicht wahr? Die sind einfach fürchterlich verlockend 😀
      Da kannst du froh sein. Aber zumindest ist meine Haut eine Art Warnsignal, was ja auch nicht schlecht ist. 😉
      Ich gebe mein Bestes und möchte auch endlich, meinen Körper gesünder halten. Hmm, das klingt super. Muss ich auch mal
      ausprobieren.

      Love, Kat

  6. 23. August 2016 / 20:39

    Mir geht es auch oft so, wenn ich im Supermarkt bin, dass ich mich dazu verleiten lasse, Schokolade, Chips oder ähnliches mitzunehmen. Und auch das mit dem “mich freut es heute nicht kochen” kenne ich leider aus persönlicher Erfahrung nur allzu gut. Aber da versuche ich mich selbst an der Nase zu nehmen und zumindest einmal am Tag frisch und gesund zu kochen. Häufig koche ich dann auch größere Portionen und friere dann den Rest ein, für den nächsten “mich freut es nicht kochen Tag”.

    • 23. August 2016 / 20:52

      Ja es ist oft einfach zu verlockend. Vor allem, wenn man ohnehin Hunger hat und das Hirn dir einfach vorgaukelt, du
      brauchst einfach irgendwas. Egal, was es wirklich ist. 😀
      Recht hast du 🙂 Selbst kochen ist das Wichtigste und ich finde es toll, dass du da so konsequent bist 🙂
      Super Idee, das konnte ich künftig auch so machen.

      Love, Kat

  7. 29. August 2016 / 9:28

    Oh ja und wie ich das kenne. Ich leide an Fructose und Glutenunverträglichkeit. Ich durfte also ein paar Wochen gar kein Gemüse und keine Früchte essen. Meine Ernährung Chickennuggets und Pommes – lecker, anfangs habe ich doch tatsächlich an Gewicht verloren, nicht an Fett aber an Gewicht.
    Jetzt geht das Gewicht also wieder hoch, ich möchte mich gesünder ernähren, doch was früher meine Lösung war geht jetzt nicht mehr. Ich kann für den Hunger zwischendurch nicht mehr einfach ne Gurke oder ne Packung Karotten in mich reinstopfen. Der Hunger ist aber trotzdem da, also esse ich Pommes oder Döner oder irgendwas was mein Freund der Darm verträgt. Ich hab die Schnauze voll, ich fühle mich wie eine dicke Wabbeltante und bei jedem kleinen Stück Schoggi (zu viel geht nicht weil Zucker zu 50% aus Fructose besteht), bei jede GF Pizza, bei jeder Mahlzeit fühle ich mich schlecht. Du musst Zucchini und Feldsalat essen (die am besten verträglichen Gemüse) aber mal ganz ehrlich das Zeug schmeckt einfach nicht 🙁

    • 30. August 2016 / 9:46

      Oh Nein, das hört sich ja mies an. Nur Pommes wären mir auf Dauer auch too much.
      Ja das ist leider oft das Problem. Dass gesunde Dinge nicht schmecken und anderen einfach zu verlockend sind.
      Hoffe du findest bald eine Lösung. 🙂 Vielleicht muss man das “gesunde Zeug” nur gut anbraten oder würzen. 😉

      Love, Kat

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