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Share the love – Free Hugs für Linz

Wie eine Flutwelle breitet sich das nervöse Kribbeln in meinem Körper aus. In meinen Adern herrscht das Chaos, in meinem Kopf ein Sturm aus Worten. Erst als ich meine Hände ineinander verschlinge, merke ich, wie verschwitzt sie sind. Wild pochend meldet sich das Herz in meiner Brust, verlangt nach Antworten, auf die ich die Fragen nicht kenne. Vorfreude mischt sich mit Angst, die Sonne brennt auf meine Schultern und färbt sie rosa. Die ersten Minuten verstreichen und alles, was ich fühle, ist diese lähmende Nervosität. Bis ich endlich den Mund aufmache, ein Lächeln auf den Lippen Platz nimmt und ich sage: „Möchtest du eine Umarmung?“ Die Sekunden, die verstreichen, scheinen mir endlos. „Klar, wieso nicht.“ Die Erleichterung legt sich wie ein Schleier über meine Gedanken. Ich höre auf zu hinterfragen, setze mich in Bewegung und schließe den ersten Menschen in die Arme. Wir haben eine Mission, ein Ziel. Mit unseren Free Hugs-Schildern laufen wir durch die Linzer Innenstadt. In der Hoffnung, den Leuten auf den Straßen etwas Freude schenken zu können.

Sieben Jugendliche schwärmten aus, um die Welt für ein paar Augenblicke besser zu machen. Die Idee für das Projekt entstand im Zuge unseres Jugendworkshops bei der Zeitung Tips! in Linz. Wie reagieren Passanten darauf, von Fremden umarmt zu werden? Wie ist die Resonanz bei diesem Selbstversuch? Mir war mulmig zumute, denn die ersten Reaktionen waren größtenteils abweisend. Aber aufgeben war keine Option. Also schraubten wir uns das Lächeln ins Gesicht und hielten unsere ausgedruckten Schilder hoch. Nach zwei Stunden taten die Wangen vor Freude weh. Das Dauergrinsen war zum Sport geworden. Etliche Menschen ließen sich umarmen und freuten sich wie Kinder an Weihnachten. Junge Mädchen, alte Damen und Männer, denen man die Rührung förmlich ansah. Anfangs kam es mir selbst seltsam vor, Leute, denen ich noch nie zuvor begegnet war, einfach um den Hals zu fallen. Doch es machte Spaß. Meine Laune war nicht mehr zu toppen, die Emotionen kochten über und ich freute mich über so viel Herzlichkeit. Natürlich gab es auch andere Reaktionen als ehrliches Lachen. Viele gingen einfach an uns vorbei, beäugten das Vorhaben kritisch. Achtlos hingeworfenen Aussagen wie: „Nein Danke, hatte ich schon.“, waren ebenso Teil des Experimentes wie eine überwältigte Frau mit Hut.

Unsere Gruppe war ein eingespieltes Team. Voller Motivation und Hingabe. Wir wollten etwas erreichen, wir wollten jemanden berühren. Das Projekt war als Straßenexperiment gestartet, hatte aber so viel mehr bewirkt, als wir zu Anfang hätten ahnen können. Videos wurden gedreht, Fotos gemacht und ich mit meinem Honigkuchengesicht mittendrin. Später, als alle bereits auf dem Heimweg waren und ich mich alleine in den McDonalds am Linzer Bahnhof setzte, brachen die Gefühle über mir zusammen und begruben mich unter ihrer Last. Ich rief unter Tränen meine Eltern an, bekundete meine töchterliche Liebe. Meine Schwester erhielt ebenfalls ein ersticktes „Hab dich lieb“ per Telefon und mit meiner Oma machte ich gleich ein Treffen für das kommende Wochenende aus. Dankbarkeit war in mein Herz gekrochen und ließ mich alle Emotionen, die ich über den Tag hinweg gesammelt hatte, spüren. Freude und Glück, Wehmut und Trauer. Ich entschuldigte mich für all die Stunden, in denen ich mein Leben und die Menschen darin nicht zu schätzen wusste. Wenn Menschen auf der Straße sich über eine Umarmung freuen konnten, sollte ich mich auch über die schönen Dinge des Lebens freuen.

Das Free Hugs-Experiment hat so viel mehr geschafft, als ich gedacht hätte. Wir haben Fremde zum Strahlen gebracht und mein Herz zum Weinen. Wir sollten viel öfter anderen eine Freude machen. Komplimente schenken und Umarmungen verteilen. Ob an unsere Familie oder wildfremde auf der Straße. Das Lächeln wird echt sein.

Eure Kat.

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3 comments

  1. Wow, was für ein schöner Post und was für eine wunderbare Idee! Ich finde es einfach nur klasse, dass ihr ein bisschen Freude verschenken wolltet.
    Und noch besser ist natürlich, dass das auch geklappt hat. Und wie glücklich solche Kleinigkeiten einen selbst machen, weiß ich nur zu gut. Daher stelle ich meiner Nachbarin mit Rollator nun auch die schwere Biotonne alle zwei Wochen an die Straße und lächele immerhin JEDEM zu, der mir begegnet. Seit ich dieses Lächeln immer im Gesicht habe, bekomme ich sogar häufig Komplimente für mein freundliches Auftreten, was mich irgendwie doch ein wenig stolz macht.

    Werdet ihr solche Aktionen noch öfter machen?

    Liebe Grüße

    1. Vielen Dank, liebste Tabea 🙂
      Das freut mich sehr, wenn dir der Post gefallen hat.
      Es hat wirklich Spaß gemacht, mit einem Lächeln durch die Straßen zu ziehen und Menschen zu umarmen, die man gar nicht kennt.
      Das ist total nett von dir, finde ich wirklich toll 🙂 Da freut sie sich bestimmt sehr.

      Ich hoffe, die Gruppe kann öfter solche Aktionen starten. Das würde auch mir sicher gut tun.

      Love, Kat