Ich liebe dich nicht weil du hübsch bist | #brainpositivity

Ich liebe dich nicht weil du hübsch bist | #brainpositivity

„Weißt du eigentlich, warum ich dich liebe?“, fragt sie mich und ihre Stimme ist dabei so tief und schmeichelhaft, dass ich meinen Blick nicht von ihren Lippen lösen kann.
Ich schüttle den Kopf. Weil ich es nicht weiß? Weil ich dachte, dass ich es nie wissen würde.
Sie spricht nicht weiter, sie lächelt mich nur an. Dieses zaghafte, unschuldige Lächeln, das ich so sehr an ihr liebe. Meine Finger finden den Henkel der Tasse und ich nehme einen Schluck von meinem Tee. Mit viel Milch und Zucker, genauso, wie es sein soll. Klebrig und süß und auch ein bisschen bitter. So wie das Leben manchmal.
„Ich liebe dich nicht weil du hübsch bist.“, flüstert sie plötzlich und mir bleiben die Gedanken im Hals stecken.
Natürlich nicht, das wäre kein Grund, der groß genug wäre.
„Für mich bist du hübsch. Hübscher als frischer Regen am Fenster oder der erste Sonnenstrahl. Aber deshalb liebe ich dich nicht.“
Ich schlucke schwer. In meinen Augen tanzen Tränen, von denen ich nicht glaubte, dass sie kommen würden.
„Ich liebe dich, weil du jede Blume im Garten anlächelst, egal wie klein oder groß sie ist.
Ich liebe dich, weil dein Herz so gütig ist und dir jede Träne eines anderen weh tut.
Ich liebe dich, wenn du in der Küche stehst und den Reis anbrennen lässt, weil du die Zeit vergessen hast.
Ich liebe deinen unermüdlichen Ehrgeiz, weil du nie aufgibst, egal, was andere sagen.
Ich liebe dich, weil du mehr bist, als ein hübsches Gesicht.“
Die Tasse gleitet mir beinahe aus der Hand.
„Und ich liebe dich, weil du all diese Worte sagen kannst.“

Ein unglaublich gelungener Beitrag der Zeitschrift miss hat  mich zu diesem Post inspiriert. Jeden Tag sehe ich Frauen, die ihren Körper lieben und toll finden. Frauen, deren Lachen echt ist. Und ich finde es wunderbar. Wunderbar, dass sie das geschafft haben, was ich nicht über mich bringe. Denn Fakt ist: Ich bin meinem Körper dankbar, für jeden Meter den er mich weiterbringt. Für jeden Atemzug und die Tatsache, dass ich ohne ihn nicht schreiben könnte. Aber muss ich denn wirklich jeden Zentimeter daran schön finden?


Wisst ihr, was ich wirklich schön an mir finde? #brainpositivity


Ich finde meine Augen schön, weil sie ihre Farbe wechseln, wenn das Licht anders auf sie fällt. Weil sie so oft schweigen, aber immer etwas sagen. Weil ich mit ihnen Liebe ausdrücken kann, ohne Verachtung. Sie tragen so viel in sich, was ich oft vergesse, aber nicht missen möchte. Aber vor allem liebe ich sie, weil ich durch sie eine Welt voller Farben sehen kann und die Worte, die ich tippe. Sie sind hübsch, aber deshalb liebe ich sie nicht.

Ich finde meine Hände schön, weil ich dank ihnen all die Gedanken aufschreiben kann, die ich sonst niemals sagen könnte. Die ich mit niemanden teilen könnte. Die kurzen Finger, die trotzdem so viel Großes schaffen und denen ich es zu verdanken habe, dass ihr meine Texte lesen könnt. Ich sehe nicht, wie schön sie sind. Denn so empfinde ich sie nicht. Ich sehe nur, wie sie jeden Tag eifrig meine Worte tippen, ohne sich dabei jemals zu beklagen. Ich sehe in ihnen die Möglichkeit, meine Geschichten mit der Welt zu teilen. Und das macht sie so schön.

Ich finde meinen Mund schön, weil er so viele kluge Sätze sagt, auf die ich stolz bin. Wenn die Buchstaben über meine Lippen purzeln und ich erstaunt darüber bin, wie schön meine Stimme klingen kann. Dass ich dank ihm all diese Lieder singen kann, egal wo, egal wann. Weil er nicht grellweiße Zähne trägt, aber das schönste aller Lächeln. Ein ehrliches, ungekünsteltes Lächeln.

Ich finde meine Kreativität schön, weil ich alles darin finde, was mich ausmacht. Weil sie es mir erlaubt, all diese Geschichten erst zu schreiben, sie überhaupt zu entdecken. Ich liebe die reine Schönheit, die in so vielen meiner Texte ruht und bei denen ich so oft nicht glauben kann, dass ich sie wirklich geschrieben habe. Die zarten Worte, die auf Papier schimmern. Sie sind schön. Nicht weil sie schön aussehen. Dass tun Worte selten. Sondern weil sie so viele Emotionen, Gefühle und Herz in sich tragen.

Ich finde meine Neugierde schön, weil ich wegen ihr nie aufhören kann zu suchen. Ich möchte alles wissen und nichts vergessen.

Ich finde meine Ungeduld schön, weil sie mir in den Hinter tritt, wenn meine Beine nicht mehr weitergehen wollen.

Ich finde meine Offenheit schön, denn sonst könnte ich keine Fremden anlächeln und sie damit vielleicht ein klein bisschen glücklicher machen.

Aber am schönsten finde ich mein Herz. Dieses blutrote Gefäß, das hinter verschlossenen Türen in meiner Brust sitzt. Es ist nicht schön, im einfachsten Sinne. Das würde niemand behaupten. Es ist schön, weil es so viel verzeihen kann. Weil es immer noch andere lieben kann, obwohl es so oft gebrochen wurde. Weil es immer noch schlägt, obwohl ich es immer wieder vergesse. Weil es fühlt und schmerzt, weil es lebt.


Ich liebe mich nicht, weil ich schön bin. Vielleicht bin ich das, vielleicht nicht. Ich bin schön, wenn ich glücklich bin und fühle mich hässlich, wenn es die Welt auch tut. Aber ich definiere mich nicht über Schönheit.

Ich bin nicht die Größe meiner Oberschenkel oder das Volumen meiner Brüste. Ich habe mehr zu bieten als einen dellenhaften Hintern und stumpfen Haarspitzen. Ich bin mehr als eine schöne Frau.

Ich bin klug.
Ich bin liebevoll.
Ich bin kreativ und einzigartig.

Ich bin so viel, was mit Schönheit nichts zu tun hat. So viel mehr als eine hübsche Hülle.
Ich muss nicht wunderschön sein, um gute Texte zu schreiben oder einen Bestseller zu veröffentlichen.
Ich muss nicht wunderschön sein, um tolle Fotos zu machen.
Ich muss nicht wunderschön sein, um geliebt zu werden oder lieben zu können.
Und genau das sollte die Gesellschaft sehen. Nicht nur mein Aussehen, sondern wie schön die Dinge sind, die ich erschaffen kann.

Ich bin mehr als mein Körper.
Ich bin mehr als mein Aussehen.
Ich bin eine Frau, die so viel Schönheit trägt.

Und was findest du am Schönsten an dir?

Teilt den Beitrag gerne, wenn er euch berührt, inspiriert oder einfach angesprochen hat. Nutzt den Hashtag #brainpositivity, um eine wunderschöne Botschaft an all diejenigen zu verbreiten, die glauben, dass sie nichts Besonderes sind, nur weil die Gesellschaft sie nicht schön findet.

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4 Kommentare

  1. 28. August 2017 / 17:15

    Ein wirklich schöner Beitrag! Die meisten Menschen (mich eingeschlossen) beschäftigen sich viel zu selten mit dem, was sie schön (an sich) finden. Der Fokus liegt viel zu oft auf den (angeblichen) Mängeln.
    Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, finde ich eigentlich ziemlich viel an mir schön, doch dann erschrecke ich wieder und es kommen Gedanken wie „Du bist so eingebildet. Das kannst du hier nicht öffentlich schreiben“. Ich mag jedenfalls meine Augen, mein Gespür für andere Menschen und mein Organisationstalent. 🙂
    Liebe Grüße
    Julie

  2. Sylvia
    28. August 2017 / 18:48

    Liebe Kat! Ich bin überzeugt du hast viele Menschen mit diesem Beitrag berührt. Schön..Ein Gefühl der Wahrheit über sich selbst und über jeden von uns. Jeder Mensch ist etwas besonderes für sich, und jeder Mensch sieht jeden anders… das ist wunderbar! Herzliche Grüße Sylvia

  3. 29. August 2017 / 6:47

    Hey Kat! Wir sind soviel mehr, als nur Körper, aber wenn du deine wunderschönen Augen schließen würdest und du die Dinge anders wahr nehmen müsstest, z.b. über Gefühl, Hände, Intuition, …. ohne es zu sehen, wie wäre die Welt dann für dich! Wie würdest du dich anfühlen oder das was du schreibst, das was du erlebst? Wie würde sich Schönheit definieren, wenn wir nicht mit den Augen sehen ….

  4. 30. August 2017 / 12:36

    Liebe Kat!
    Wir alle sind so viel mehr, als bloß die Hülle, die uns umgibt. Ich möchte gar nicht mehr dazu sagen, denn das Wichtige hast du schon ausgesprochen. Ich danke dir für diesen Beitrag und dass du uns mit solchen Worten immer wieder erinnerst und unsere Augen öffnest. Danke.
    xoxo, Deine Ella

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