Wir – Gegen den Rest der Welt

Wir – Gegen den Rest der Welt

Graue Wolken und kalter Wind fegen über die Felder. Alle Farben sind blass geworden, ich kann mich nicht mehr daran, wann sie sich so verändert haben. Traurige Noten flüstern aus dem Lautsprecher, eine Gänsehaut zieht sich über meine Arme. Die Welt hat aufgehört schön zu sein. Dieser Klumpen aus Buchstaben und Gedanken scheint mich zu verhöhnen. Ich dachte, es wird besser. Ich habe wirklich geglaubt, dass ich stark genug wäre. Aber ich bin es nicht. Mein Rückgrat ist gebrochen, meine Träume am Boden der Realität zersplittert. Es ist einer dieser Tage, die einfach nicht gut sein wollen. Kleinigkeiten fallen vor meine Füße und lassen mich taumeln. Erinnerungen bringen mich um den Verstand und treiben mir die Zweifel in den Kopf. Missgunst, Eifersucht, irgendwie verloren. Ich falle, immer tiefer, und niemand scheint mich aufzufangen. Es hört einfach nicht auf. Und es fühlt sich an, als würde ich einsinken. Alleine und ohne jemanden, der mir die Hand reicht.

Jeden Tag betrachten wir strahlende Gesichter, aufmunternde Zitate und eine Welt, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Gefühle werden eingeschlossen, Risse sorgfältig gekittet oder einfach der Oberfläche verboten. Wie oft liest man schon auf Instagram, dass es jemandem schlecht geht? Social Media möchte keine traurigen Postings beherbergen. Die Leute sollen lachen, glücklich sein, einfach anders. Aber mir ist noch nie ein Mensch begegnet, der jede Sekunde seines Lebens fröhlich war. Wir sind genau das: Menschen. Mit guten und schlechten Tagen. Finsteren Stunden, die den Sonnenschein ersticken. Viele wollen nichts von gefallenen Menschen lesen, keine Ehrlichkeit. Aber der Grundstein meines Blogs besteht aus ehrlichen Worten und ungeschönter Realität. Manchmal bin ich kaputt und weine mir die Augen aus dem Kopf. Warum sollte ich das verschweigen? So bin ich, eine sensible Dramaprinzessin, die gerne mal mit Emotionen um sich wirft. Das werde ich nicht verstecken. Vielleicht denken sich manche: jetzt ist die schon wieder traurig. Who cares? Ich durchlebe gerade eine harte Zeit, kämpfe mich durch Termine und Verpflichtungen und schnappe manchmal verzweifelt nach Luft. Macht das nicht einen guten Blogger aus? Seine Leser auch in den erdrückenden Stunden teilhaben zu lassen?

It’s okay to be not okay.

Ich wollte diesen Beitrag aus einem bestimmten Grund schreiben. Wir werden von schönen Gesichtern und heiler Welt jeden Tag eingehüllt. Glauben Lügen und vertrauen darauf, dass wir auch einmal so zauberhaft glücklich sein können. Es wird uns eingetrichtert, dass wir nicht traurig sein dürfen. Dass wir nicht fühlen dürfen, was wir manchmal einfach fühlen müssen. Tränen sind falsch, gehören nicht in die fabelhafte Welt des Internet. Aber es ist und bleibt eine Illusion. Menschen, die mit sich selbst kämpfen, die traurig sind, finden in solchen Bilder keinen Mut. Es tröstet sie nicht, wenn andere 24/7 happy durch die Gegend laufen. Deshalb möchte ich all denen, die eben nicht im Dauerhonigkuchenmodus geschaltet sind, sagen: Ihr seid nicht alleine. Täglich geht es Leuten wie euch schlecht. Sie weinen, sie klagen, sie verfluchen das Universum. Aber wir sind niemals einsam mit unseren Gedanken. Egal ob tapfere Frauen wie Morena, die über Hass und den eigenen Körper reden, oder ehrliche Blogger wie Kerstin, die ehrlich zugeben, dass es ihnen manchmal auch einfach schlecht geht. Mein größter Respekt geht auch an Blogger wie Karolina, die eine zerbrochene Beziehung in einem offenen Brief verarbeiten. Wow, einfach Wow! Ihr seid eine Inspiration. Ich brauche keine Blogger, die immer gut drauf sind. Das kaufe ich ihnen auch nicht mehr ab und wirkt einfach nicht authentisch. Vielleicht übertreibe ich es manchmal mit dem Selbstmitleid, das gebe ich zu. Aber ich werde euch nicht anpreisen wie gut es mir geht, wenn ich innerlich verbrenne.

Ich finde Trost in Zusammenhalt. In Menschen, die meine Gefühle verstehen und sich damit identifizieren können. Die mir versichern, dass sie genau wissen, was ich durchmache und es selbst erlebt haben. Die die wieder aufgestanden und weitergegangen sind, obwohl sie eigentlich nicht die Kraft dazu hatten. Wahre Vorbilder sind nicht einfach umher spaziert. Sie haben gelitten, gekämpft, gearbeitet. Sie waren ehrlich und einfühlsam. Selena Gomez bestreitet ihre Depression oder die Therapie nicht. Es ist ein Teil von ihr, den sie nicht mehr verstecken will. Und das berührt mich mehr als eine Kylie Jenner, die hundert perfekte Selfies postet.

Wir sind Menschen, wir dürfen fühlen. Wir gegen den Rest der Welt. Wir, die Ehrlichen und Verrückten, die Leisen und die Traurigen. Niemand ist wirklich allein. Es gibt immer jemandem, der da ist.

 

 

 

Wer ist eure größtes Vorbild in Sachen Ehrlichkeit? Wie findet ihr den Beitrag?

*Photos via Pixabay
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18 Kommentare

  1. 21. März 2017 / 11:09

    Toller Beitrag, vielen Dank! Ich kann die ewigen Optimisten auch nicht mehr hören. Nur weil man zugibt auch mal schlecht drauf zu sein, dass man sich Gedanken macht und eben nicht immer alles so rosig ist, ist man nicht schwach, oder schlechter oder jammert ständig rum. Man ist ehrlich zu sich selber und auch zu anderen, setzt sich mit dem was eben nicht so gut läuft auseinander. Finde es beeindruckend, dass du das so offen darstellst und nicht einen auf Happy Blogger und das Leben könnte nicht schöner sein machst! Ich bin selber Food Bloggerin und da sieht es auch gerne so aus, als wären ich nur auf tollen Events und die glücklichste Person schlecht hin, ich werde mir deinen Beitrag aber in Zukunft mehr zu Herzen nehmen und mit meinen Followern auch mal die stressigen und selbstzweifelnden Momente teilen. Liebe Grüße, Julia

    • 27. März 2017 / 9:08

      Danke für die lieben Worte Julia 🙂 Das freut mich zu hören.
      Ich bin absolut deiner Meinung. Ehrlichkeit finde ich den eigenen Lesern gegenüber sehr wichtig. 🙂

  2. 21. März 2017 / 11:26

    Liebe Kat,
    Du hast einen tollen Beitrag geschrieben. Niemand gibt gerne zu, dass er verletzlich und sensibel ist. Viele haben Angst genau diese Seite zu zeigen und verstecken sich lieber hinter einem Dauergrinsen.
    Du bist nicht alleine. Das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein sondern manchmal eben auch aus kalter, gewittriger, regnerischer und stürmischer Nacht. Aber das macht das Leben aus, dass man diese Nächte durchsteht. Man steht auf und macht weiter.
    Beste Grüße
    Regina

    • 27. März 2017 / 9:09

      Dankeschön Regina. 🙂 Freut mich von Herzen. <3
      Da hast du Recht. Niemand sagt gerne, dass man Probleme hat. Aber genau das finde ich so wichtig.

  3. 21. März 2017 / 11:28

    Hallo liebe Kat.
    Ein toller Beitrag und vielen Dank dafür, denn mich haut es auch von einen Termin zum anderen. Von einen Problem ins nächste. Von einer Lernphase in die nächste.
    Und eigentlich habe ich keine Lust mehr, jedoch ist es der Weg zu meinem Ziel, das Studium abzuschließen.
    Irgendwie bekomme ich sogar Lust dazu, meinen Alltag von 40 Stunden arbeiten plus berufsbegleitendes Studium in einem Beitrag zu erklären. 🙂 Bin gespannt, was dann manche denken.
    Ich denke aber, dass auch die, die perfekt scheinen, ihre schlechten Tage haben. Nur teilen sie diese mit niemanden.
    Darum finde ich wie du Selena Gomez gut, da sie ehrlich mit sich, ihren Depression und ihrer Krankheit umgeht.
    Liebe Grüße, Carina.

    • 27. März 2017 / 9:10

      Hallo meine Liebe.
      Oh ja, das kenne ich. Vor allem in Sachen Lernen und Prüfungen. Ich habe zwar die Prüfungen noch vor mir, belasten tun sie mich aber
      trotzdem schon ziemlich. Danke für deine Meinung. 🙂

  4. Lisa
    21. März 2017 / 12:11

    „Aber ich werde euch nicht anpreisen wie gut es mir geht, wenn ich innerlich verbrenne.“, was für ein wunderschön poetischer Satz in einem wunderbaren Beitrag. Danke für deine Ehrlichkeit Kat. 🙂 <3

    • 27. März 2017 / 9:10

      Dankeschön Lisa. 🙂 Freut mich wirklich. <3 & sehr gerne.

    • 27. März 2017 / 9:11

      Dankeschön Carrie 🙂

  5. 21. März 2017 / 19:40

    Deine Beiträge! Ich bin immer so in den Bann gezogen weil du mir einfach so oft aus der Seele sprichst süße. Fühl dich gedrückt 🙂

    Liebe Grüße,
    Kerstin http://www.missgetaway.com/

    • 27. März 2017 / 9:11

      Meine liebe Kerstin 🙂
      Vielen Dank für den lieben Kommentar. Das freut mich so. <3
      Ich drück dich zurück. 🙂

  6. 23. März 2017 / 12:34

    Oh ja. Genau das fehlt mir, diese realistischen, authentischen Blogs, die es früher mal zu Hauf gab.
    In denen man den ganzen Menschen erfahren durfte. Ich habe lange überlegt, ob ich meine alten, zu persönlichen Postings vielleicht löschen sollte, aber habe sie bis jetzt behalten. Sie und die Zeit, in der sie enstanden, sind nun einmal ein Teil von mir.
    Danke für deine wunderbaren Worte.

    Ganz liebe Grüße!

    • 27. März 2017 / 9:19

      Danke für deinen lieben Kommentar. 🙂
      ich finde es immer schön, wenn meine Ehrlichkeit so gut ankommt.
      Außerdem kann ich nur sagen: weiter so. <3

  7. Jules
    23. März 2017 / 13:37

    daumen hoch

  8. 24. März 2017 / 8:54

    eine super schöne Kolumne liebe Kat!
    ich kann auch zu gut verstehen was du damit meinst. lange Zeit habe auch ich nicht verstanden, dass nicht immer alles toll sein kann, auch Durchhänger gibt es … man sollte zu ihnen stehen 🙂

    hab einen schönen Start ins Wochenende Liebes,
    ❤ Tina
    http://liebewasist.com

    • 27. März 2017 / 9:20

      Ganz lieben Dank für deine tollen Worte, Tina 🙂
      Ich kann dir da nur zustimmen.

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