Where I come from – Attersee

Where I come from – Attersee

Wir atmen Autoabgase ein und husten unsere Lungen aus. Das Hupkonzert mischt sich mit den gequälten Lauten der Straße und lässt jede Konversation verstummen. Ich konnte mir nie vorstellen in einer Stadt zu wohnen. Dicht aneinander gedrängte Wohnungen, U-Bahnen vollgestopft mit Menschen und mittendrin das Landei vom Dienst. Doch genau diesen Schritt habe ich vor, wenn meine Bewerbung für einen Job in Wien erfolgreich sein sollte. Ich kenne einige Blogger, die bereits in der österreichischen Metropole Unterschlupf gefunden haben. Und auch meine Mama sagt mir immer wieder, dass ich zwar ein Landliebhaber im Herzen bin, aber in einem kleinen Dorf wie dem jetzigen nicht glücklich werden kann. Sie sieht mich in die Welt hinausziehen. Wenn eine liebende Mutter ihre Küken förmlich dazu drängt das gewohnte Nest zu verlassen, soll das schon etwas heißen. Was ich jedoch weiß ist, dass, egal wo ich hingehe, meine Heimat wird mir fehlen. Nicht nur meine Familie und meine Freunde. Sondern auch der Ruf des Wassers, das nur Minuten von meiner Haustür entfernt auf mich wartet. Denn ich wohne da, wo andere Urlaub machen. Am Attersee.

Es ist egal ob Sommer oder Winter, die Temperatur ist nur eine Zahl. Der See behält seine zurückhaltende Eleganz und entlockt mir jedes Mal wieder ein Lächeln. Wenn die späte Sonne durch kahle Äste scheint und die Oberfläche des Wassers mit zarten Finger berührt. Oder das Lachen der Kinder, die sich nie ganz ins Wasser trauen. Kalt gestellte Getränke neben heißem Kaffee. Eissorten neben Toast. Da wo ich herkomme, ist es immer schön. Selbst wenn der Himmel seine graue Maske trägt, kann man sich in der klaren Welt der Fische zurückziehen.  Man sieht ihnen beim Schwimmen zu, beobachtet Schwäne, die ihre Küken beschützen. Als ich noch ein Kind war, verbrachten wir jeden Sommer bei meiner Oma am Badeplatz. Wir übten Topmodelposen auf dem Steg, sprangen in seltsamen Figuren in die Tiefe und nach ein paar Stunden waren wir komplett kaputt und glücklich. Oma brachte uns Wassermelone und Kekse. Es war perfekt, den Trubel auf den Straßen hörten wir nicht. Die Autos, die sich aneinander reihen, im Schneckentempo über den Asphalt rollten. Das war alles im Hintergrund und für einige kostbare Momente vergessen.

Jetzt bin ich 21 und fahre immer noch gerne im Sommer baden. Doch die Prioritäten haben sich verschoben. Statt fünf Stunden, wie früher, bleibt man nur noch zwei. Man macht Fotos mit der Handykamera anstatt mit den Augen. Im Wasser spielen wurde zu einer kurzen Runde swimmen. Man wird älter, verändert sich. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich immer wieder an den See zurückkommen kann. Mich in Erinnerungen und vergangenen Tagen verlieren werde und danach wieder durchatmen kann. Ich kann meine Oma auch ohne Wassermelone besuchen. Das macht die Augenblicke, an denen wir zusammen am Ufer sitzen und den Ort uns gegenüber betrachten, nur umso kostbarer.

In den nächsten Wochen möchte ich euch etwas mehr von dem Fleckchen Erde erzählen, dass mich seit meiner Geburt begleitet. Über nette Cafés, in denen man dem Wasser zusehen und nebenbei gemütlich einen Kaffee trinken kann. Über das Hotel meines Onkels und welche Geschichten sich hinter den Mauern verstecken. Über den Hafen, der im Winter zum Friedhof der verlassenen Schiffe wird. Und so viel mehr. In Attersee Experience werdet ihr Erzählungen aus meiner Kindheit und der Gegenwart finden. Orte, an denen ich gerne bin und die mich verändert oder geprägt haben. Geheimtipps und Anekdoten, die ich gerne an alle weitergebe, die dem Attersee mal einem Besuch abstatten wollen. Denn das ist es der Hauptgrund, warum ich diesen Blog gegründet habe: Ich will meine Geschichten erzählen.

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Eure Kat

 

Photo credit: Theresa Schlager

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2 Kommentare

  1. 26. Mai 2016 / 19:04

    Hallo Kat,
    oh ja, rund um den Attersee ist es traumhaft und über ein paar Insidertipps würde ich mich auch freuen.
    Liebe Grüße aus Linz
    Tanja

    • 27. Mai 2016 / 12:04

      Hallo Tanja. 🙂
      Wirklich ein schönes Fleckchen Erde, da hast du recht. 🙂
      Bin gespannt, was du zu den Locations sagst, die ich ausgesucht habe.
      Liebste Grüße,
      Kat

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