Von der Seele schreiben [+ Leseprobe]

Von der Seele schreiben [+ Leseprobe]

In meinem Kopf schwirren die Gedanken, mein Herz läuft ohne mich einen Marathon. Abgebrochener Atem und nervöse Glieder. Ich kann es kaum erwarten, es ist schon so lange her. Eigentlich kommt es mir sogar wie eine andere Zeit vor, ein anderes Leben. Es hat eine kleine Unendlichkeit gedauert, bis ich mich wieder daran gewagt habe. Es war mir nicht klar, was für eine Flut an Gefühlen diese Entscheidung auslösen würde. Und dann brach plötzlich die Welle über mir zusammen. Ich schnappte nach Luft, suchte am Horizont nach einem Anhaltspunkt und quälte mich durch hunderte Wortfetzen. Doch das war mir alles egal. Es herrschte Ausnahmezustand in meinem Kopf, ich spürte das Adrenalin durch meine Adern rauschen und fühlte die pure Aufregung, die über meine Haut tanzte. Es war unglaublich. Monatelang habe ich mich geweigert, mir selbst Vorschriften gemacht und gedacht: Zuerst das eine, dann das andere. Aber einen Sprössling kann man nicht am Wachsen hindern. Deshalb ist es passiert. Es hört sich an wie ein Fehler, eine voreilige Handlung. But the heart wants what it wants. Ich habe wieder angefangen zu schreiben. Keine Beiträge, kurze Texte oder Gedichte. Nein. Sondern das, was ich seit meinem 15ten Lebensjahr mache. Ein Buch.

Wie viele Seiten habe ich schon mit meinen Gedanken gefüllt, kann mit 22 auf drei fertige Bücher zurückblicken. Sie sind teilweise nicht wirklich lesbar, gar schlecht. Aber jedes einzelne davon hat mich gelehrt, mir geholfen besser zu werden. Jetzt bin ich hier, bei Buch 4. Das Reimen kann ich also noch. 😉 Mir fehlt noch das Spitzengefühl für Details und ein Handlungsstrang. Ein Buch ist eine andere Liga als ein Blogbeitrag. Die Beiträge waren das rettende Seil vor dem Absturz, nachdem ein Verlag nach dem anderen mich ohne zu zögern abgelehnt hat. Von Zweifel überhäuft wollte ich aufgeben, das Schreiben niederlegen und es ruhen lassen. Doch der Blog hat mich aus dem schwarzen Loch gezogen und jetzt kann ich mit einem Lächeln sagen: Ich bin gut und werde jeden Tag besser. Ein Meilenstein, wenn man sich meine sonstige Selbstzweifelbilanz ansieht. Meine ersten Gehversuche möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Es ist diese innerliche Leere, die durch dein Herz krabbelt, als wäre sie dort zu Hause. Ich versuche mich an den Moment zu erinnern, in dem ich etwas gespürt habe. Momente, wo sein Anblick etwas in mir ausgelöst hat. Aber ich habe es vergessen. Oder verdrängt. Wohl eher letzteres. Hinter mir ticken die Uhren so laut, als würden sie sich streiten. Tick…tick…tick. Allmählich bekomme ich Kopfschmerzen, lehne mich in dem weichen Sessel zurück und hoffe, dass es nur ein kurzer Anflug von Panik war, der meine Gedanken dermaßen in Aufruhr versetzt hat. Aber die Zeit nagt hungrig an mir, meine Beine wippen ungeduldig. Es hat sich etwas verändert, ich kann es spüren. Unruhig rutschte ich über den weichen Stoff, kann die Nervosität beinahe greifen und an meine Brust drücken. Vielleicht hätte ich aufgeben sollen. Einfach weglaufen und verschwinden. Wäre es dann einfacher gewesen? Hätte mein Leben eine andere Richtung genommen? Was wäre wenn? Die quälenden Fragen, die sich mit ihren eisigen Spitzen in meine Haut bohren. Das Glöckchen an der Tür erklingt und ich blicke auf. Da steht er. Wie immer mit Anzug und Krawatte, als würde er ein Meeting abhalten. Aber ich bin keines seiner Meetings, keine reiche Geschäftsfrau, die er mit einem Lächeln um den Finger wickelt, damit der nächste Deal starten kann. Seine Zähne sind weiß, wie immer, haben aber jegliche Wirkung auf mich verloren. Warum hat er angerufen? Ich weiß den Grund noch immer nicht. „Hallo Mary.“ Seine Stimme jagt mir ein Gewitter über den Rücken und ich beiße mir auf die Lippe. Dieser kehlige Unterton, der mit jedem Wort mitschwingt, macht mich nach wie vor verlegen. „Schön, dass du gekommen bist.”

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Nach endlosen Stunden, ein paar Ideen und einem Streit zwischen Zukunft und Vergangenheit kann ich sagen: Die Ausbeute sieht mager aus. Keine konkrete Storyline, kein vollendetes Bild. Alles, was ich habe, sind eine Handvoll Seiten, gefüllt mit Ausschnitten und Texten, die aus meiner imaginären Feder gesprossen sind. Nur fehlt noch das Thema. Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich einfach schreibe, ohne zu wissen worauf es hinausläuft? Nein, denn selbst wenn das Projekt im Sand verläuft, habe ich genau das getan, was ich wollte. Angefangen.

Eure Kat.

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6 Kommentare

  1. 4. August 2016 / 8:52

    So ein toller Beitrag liebes. Dein Schreiben ist einfach große Klasse.
    Bin auch absolut deiner Meinung. Ich bin vielleicht Gramatikalisch nicht die beste Schreiberin aber es macht mir Spaß und ich denk man versteht auch immer was ich meine und was in mir vorgeht. Schreib einfach weiter Maus!!

    • 4. August 2016 / 10:48

      Danke meine Süße 🙂
      Das ist das Wichtigste beim Schreiben. Nicht zu viel denken und eine Botschaft vermitteln.
      Egal welche. 😉 Freut mich total, dass dir der Beitrag gefällt.
      Mach ich natürlich. <3
      Fühl dich gedrückt.

  2. 4. August 2016 / 9:20

    Hey,

    du hast einen richtig tollen Schreibstil und die Leseprobe spricht mich sofort an!
    Man liest deine Zeilen gerne, sie sind poetisch, aber nicht gekünstelt! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!!!

    Lieben Gruß,
    Smi

    • 4. August 2016 / 10:49

      Vielen Dank Smi 🙂
      Das freut mich zu hören. Bin noch fleißig am Ausarbeiten und hoffe,
      dass irgendwann die zündende Idee für das restliche Buch kommt. 😉
      Das ist lieb, Dankeschön!

      LG Kat

  3. 4. August 2016 / 9:36

    Hallo liebe Kat,

    ich finde es schön, wie du schreibst und wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder?
    Ich schreibe auch furchtbar gerne und an ein Buch habe ich mich noch nicht herangewagt. Mir fehlt auch schlicht weg die Zeit. Aber ich freue mich auf deine Zeilen und drücke dir die Daumen!

    Liebe Grüße

    Christine von http://pretty-you.de/

    • 4. August 2016 / 10:50

      Vielen Dank, das freut mich wirklich. 🙂 Oh ja, du sagst es.
      Bin ganz deiner Meinung. 🙂
      Ja die Zeit ist oft ein großes Problem. Schreiben ist so wundervoll, egal ob man
      es für eine Minute oder eine Stunde macht.
      Dankeschön, sehr lieb von dir.

      LG Kat

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