Writer's diary

The Editor & me

Ich sitze im Auto, spüre, wie die Kälte in meine Finger kriecht und schalte die Heizung ein. Gleich geht die Reise los. Mein Handy habe ich mithilfe von Klebeband an meinem Getränkehalter befestigt und nutze diese Konstruktion nun als Navigationssystem. (Patent beantragt) Ohne wäre ich hoffnungslos verloren. Erwartet jetzt bitte keinen großen Ausflug in fremde Gefilde oder ein Abenteuer. Der Grund, warum ich die nächste Stunde auf der Autobahn dahinfahren werde, mit der kindlichen Hoffnung, dass der Akku meines zweckentfremdeten Handys die Fahrt übersteht, ist ebenso simple wie wundervoll. Die Herausforderung eines jeden Autors ist es, einen passenden Verlag zu finden. Doch wenn man immer wieder nur nichtssagende Absagen bekommt, ohne eine wirkliche Rückmeldung, was man verbessern sollte, führt das zu nichts. Meine Begegnung mit dem  Büchercoach habe ich euch ja in einem früheren Beitrag geschildert. Es war niederschmetternd aber ebenso wenig hilfreich, wie die Verlage in der Vergangenheit. Was also tun, wenn man endlich eine professionelle Meinung haben möchte, von jemandem, der auch das ganze Buch liest?

Da mein ganzes Leben ein Puzzle aus Zufällen zu seien scheint, hat mir besagter Büchercoach die Seite lektorat.at empfohlen. Da ich ja ein eifriges Bienchen bin, das auch endlich Erfolg haben möchte, habe ich die Website sofort aufgerufen und mir einen Lektor in der Nähe ausgesucht. Eine nette Frau mit ansprechender Homepage, der ich prompt eine Mail schrieb. Die Antwort war in den ersten Zeilen bereits ernüchternd: Sie habe leider keine Zeit um sich einem dermaßen großen Projekt zu widmen. Ich wollte schon wieder den Kopf in den Sand stecken oder zumindest damit auf den Tisch schlagen, als ich die nächsten Worte erfasste: Aber wenn Sie wollen, kann ich Sie gerne an einen Kollegen von mir weiterleiten. Ja! Tausend Mal Ja!
Genannter Kollege stellte sich als pensionierter Professor heraus und noch am selben Tag bekam ich eine Nachricht von ihm. Er würde sich gerne ein Bild von der ganzen Sache machen und mich persönlich kennenlernen. Und hier fängt die Geschichte an. Da er in Salzburg wohnt, musste ich erstmal eine lange Autofahrt hinter mich bringen, um überhaupt zu ihm zu gelangen. Dank Navi-Handy und meiner Entschlossenheit, mich nicht von dem Stadtverkehr wahnsinnig machen zu lassen, fand ich sein Haus auch auf Anhieb. Er winkte mir sogar bereits aus dem Fenster heraus zu. Manche werden sich jetzt an den Kopf fassen und denken, warum ein junges Mädchen einfach so zu einem fremden Mann nach Hause fährt. Berechtigte Einwände. Aber da ich allgemein ein sehr gutgläubiger Mensch bin und ich mir dachte, eine ausgebildete Lektorin wird mir schon einen irren Axtmörder empfehlen, fuhr ich hin. Und da ich noch lebe, hat sich der Gedanke bestätigt. Der nette Herr, hier genannt E.R., ist ein wirklich intelligenter Zeitgenosse. Er legt viel Leidenschaft und Theatralik in seine Worte, wird auch mal laut, wenn es die Atmosphäre hergibt. Aber alles in allem habe ich wirklich ein gutes Gefühl dabei. E.R. meinte von Anfang an, dass mein Buch Neuland für ihn ist. Er hat sich bisher fast ausschließlich mit wissenschaftlichen Themen oder Projekten wie Diplomarbeiten beschäftigt aber er ist gewillt und hat die Motivation, es mit meinem Buch zu probieren.
„Also Kat. Was genau kann ich denn für Sie tun?“
„Ich bräuchte endlich jemanden, der sich mit der Literatur selbst gut auskennt und auch gewillt ist, mir zu helfen.“
Er grinst in sich hinein. Im ersten Moment weiß ich nicht, ob das etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet.
„Wissen Sie was? Sie schicken mir erstmal ihr Buch, ich werde es lesen aber lassen Sie mir damit Zeit, ja? Und wenn ich es gelesen habe, sehen wir uns wieder und besprechen, wie es dann weitergeht. Ist das okay für Sie?“
Da hätte ich doch schwer ablehnen können, oder? Alleine schon die Aussicht auf professionelle Hilfe hat meine Sinne so benebelt, dass ich die ganze Zeit nur mit dem Kopf genickt und bis über beide Ohren gelächelt habe. Das Gespräch dauerte nur knapp eine Stunde, dann fuhr ich wieder heim. Leider versagte da schließlich mein Handy und ließ mich mit einem schwarzen Bildschirm und nur der Erinnerung an den weg zurück. Geschafft habe ich es trotzdem.

Die Mail mit meinem Manuskript als Anhang werde ich E.R. heute zukommen lassen. Ich weiß nicht, wie lange es dauert und ich weiß auch nicht ob er mir überhaupt helfen kann. Aber in diesem Moment zählt für mich nur der Glaube, dass ich endlich den richtigen Weg gefunden habe und die Hoffnung, dass es mich weiterbringt. Updates werden natürlich folgen, darüber müsst ihr euch keine Sorge machen. Also drückt mir die Daumen.

Eure Kat, a girl against reality.

Habt ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht? Musstet ihr den Weg mal ändern und einen anderen versuchen? Ich bin auf eure Geschichten gespannt.

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8 Comments

  • Reply
    FashionqueensDiary
    5. März 2016 at 23:49

    Ich drücke dir die Daumen und merke an deiner Geschicht nur, wie viel Glück ich wohl hatte… Habe mein Manuskript an einen einzigen Verlag geschickt – im April wird mein Buch nun als e-Book über diesen veröffentlicht…

    • Reply
      agirlagainstreality
      6. März 2016 at 7:32

      Vielen Dank, das ist lieb von dir. Wow, super. 😍 echt eine tolle Leistung. Das werde ich dann auf jeden Fall lesen. 😊

  • Reply
    diemitdemrotenlippenstift
    6. März 2016 at 13:40

    Meine Liebe, du bist nominiert und zwar für den Liebster Award. Details dazu findest du in meinem letzten Post, würd mich freuen, wenn du dabei bist 😉 Bussi

    • Reply
      agirlagainstreality
      6. März 2016 at 13:43

      Oh mein Gott! Yay! Ein Nominierung. Da freu ich mich sehr. 🙂 Dankeschön, seh ich mir sofort an. 😚

  • Reply
    Maren
    8. März 2016 at 16:43

    Hallo Kathrin,

    ich habe mein Manuskript letzten Sommer zur Beurteilung gegeben, um zu erfahren, woran ich arbeiten muss. Ich fand das sehr hilfreich, weil es neben dem konstruktiven Kritikhagel auch sehr viel Lob gab und es mich super motiviert hat. Immerhin wird man irgendwann betriebsblind und sieht die Fehler nicht mehr. Seitdem arbeite ich daran, die Punkte abzuarbeiten und verbessere ich deutlich meinen Schreibstil und habe neue Inspirationen.

    Aber man muss offen dafür sein und nicht beleidigt, gerade dann, wenn man von seinem Manuskript sehr überzeugt ist. 🙂
    Ich bin auch nicht mit allem einverstanden was in der Beurteilung steht, das sind aber auch die Denkanreize, um sich klar zu machen: Will ich es leserfreundlich machen (damit größere Chancen bei Verlagen) oder soll es weiterhin individuell, in meinem Fall provokant chauvinistisch, bleiben?

    Hauptsache die Freude am Schreiben bleibt. 🙂

    Liebe Grüße,
    Maren

    • Reply
      agirlagainstreality
      8. März 2016 at 17:43

      Liebe Maren.
      Danke für dein Kommentar. Es ist immer interessant die Geschichten von anderen Schreiberlingen zu hören. Ich bin auch offen für Kritik, nur komme ich mir oft hilflos vor, weil ich nicht weiß, was genau ich wie ändern soll. Ich zweifle sehr an meinem Talent und frage mich allmählich, ob ich überhaupt eins habe.
      Liebe Grüße, Kathrin

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