Wer weiß, wozu es gut ist?

Wer weiß, wozu es gut ist?

Meine Mama hat das immer gesagt.
Wenn ich am Boden lag und weinte. Wenn mein Herz drohte meine Brust zu sprengen.
Oder wenn ein Traum direkt vor meinen Augen zu Staub zerfiel.
Dann sprach sie diese Worte, umarmte mich vorsichtig und wartete.
Bis die Tränen getrocknet waren und ich wieder atmen konnte.
Ich habe ihr nie geglaubt. Obwohl sie so schon so oft Recht behalten hatte und mich nicht anlügen würde.
Doch in diesem Moment, wenn das Leben mir ins Gesicht schlägt, kann ich es nicht glauben.
Weil der Schmerz so groß und die Hoffnung so klein ist.
Hilflos wie eine Schneeflocke im Wind.
Denn das Schicksal schläft nicht. Es lauert.
Aber was wir nicht sehen, nicht wissen wollen: Es wird besser.
Irgendwann wir alles gut. Und meine Mama hat wie immer Recht.

Wer weiß, wozu es gut ist. Dieser Satz hat mich die letzten Wochen regelrecht verfolgt.
Zuerst klingt es wie eine leere Floskel und man würde sich einfach nur gerne in seinem Selbstmitleid vergraben. Aber später, vielleicht Tage, vielleicht Wochen, wird es wahr.
Die Jugendliebe, mit der man nie wirklich zusammengekommen ist, obwohl man es sich doch so gewünscht hätte, könnte sich Jahre später als schwul outen.
Die Suche nach einer Wohnung ist erfolglos und verzweifelt, nur damit man später mit einer lieben Freundin zusammenziehen kann, die Unterstützung braucht.
Der Flug nach Berlin wird eine Woche vor der Reise abgesagt, weil man stattdessen mit seinem Travelbuddy nach London fliegen sollte.
Ich habe gelernt zu warten und zu hoffen.
Egal, was mir vor die Füße geworfen wird, alles würde sich irgendwie zum Besten wenden.

Der Schmerz kann unerträglich sein, wenn Pläne in Rauch aufgehen und man gezwungen ist, nur dazusitzen und zu warten.
Weil warten nichts ändert und weil diese Hilflosigkeit unerträglich ist.
Aber es hilft zu glauben, dass es genau der richtige Weg sein wird.
Vielleicht nicht jetzt oder morgen.
Vielleicht auch erst nächstes Jahr.
Wer weiß, wozu es gut ist.
Ich habe keine Beziehung mit einem schwulen Freund geführt.
Ich habe keine Wohnung gemietet, die ich mir nicht leisten kann oder die mir später Steine in den Weg gelegt hätte.
Ich habe Jobs nicht bekommen, weil sie nicht das waren, was ich brauchte.
Ich habe Freunde verloren, die mir im Nachhinein das Leben schwer gemacht hätten.
Weil es so sein sollte.
Weil es letztendlich richtig war und die Hoffnung keine Legende ist.

Willkommen zu den ersten Sunday Thoughts. Eine Kolumne, die jeden Sonntag online gehen wird und einfach nur meinen Gedanken gehört. Texte, Geschichten, einfach nur schreiben.  Weil mein Blog auch diese sanften Töne braucht.

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7 Kommentare

  1. 29. Oktober 2017 / 10:43

    Sehr schön gesagt und ich weiß genau was du meinst. Ein kleines Beispiel wäre vermutlich meine Wohnungssuche für den Umzug nach Köln. Etwas das mich wahnsinnig gemacht hat, weil ich einfach nichts passendes bekam, aber letztendlich war das okay, da ich am Ende mit meinem Freund zusammen ziehen konnte. Es hatte sich plötzlich etwas eröffnet, sodass wir zusammen eine gute Wohnung in Köln bekamen.

    • 30. Oktober 2017 / 7:48

      Danke Franziska. 🙂
      Ja da haben wir es doch. Finde ich toll, dass du auch ein so schönes Beispiel hast.

  2. 29. Oktober 2017 / 19:47

    Sehr schön geschrieben liebe Kat. 🙂
    Ich kann dir gar nicht sagen wie oft ich diesen Satz schon gehört habe.
    Aber genau wie du, wollte ich es in solchen Momenten einfach nicht glauben, aber im Nachhinein ist es oft so klar. 😉
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!
    Liebste Grüße Tamara
    FASHIONLADYLOVES

    • 30. Oktober 2017 / 7:48

      Danke meine liebe Tamara. 🙂
      Das freut mich.
      Ja manchmal sind wir da etwas stur. Hihi. 😉
      Dir auch einen schönen Wochenstart, Liebes

  3. 30. Oktober 2017 / 12:26

    Wunderschön, meine Liebe <3
    Interessanterweise sagt meine Mama das auch immer. Und ich habe ihr auch nie geglaubt. Mittlerweile glaube ich ihr manchmal. Mal mehr, mal weniger. Aber so ist das mit den Eltern, oder? 😉

    Liebste Grüße,
    Wiebi

  4. 30. Oktober 2017 / 14:05

    Liebe Kat,
    deine Texte berühren mich jedes Mal aufs Neue! <3
    "Wer weiß, wozu es gut ist", hat meine Mama auch immer gesagt. Und es stimmt. Oft erkennt man einfach noch nicht, wozu eine schlechte Situation gut gewesen sein soll – aber nach ein bisschen Abstand findet sich immer was.
    Sehr beruhigend, denn man weiß dadurch, alles hat einen Sinn und alles geht irgendwie weiter.

    Ich freue mich auch weitere Sonntags Thoughts!
    Alles Liebe,
    Chrissi

  5. 2. November 2017 / 9:22

    Ein wunderschöner Text mit so viel Wahrheit! Ich glaube auch daran, dass alles aus dem Grund passiert, dass sich eine noch bessere Chance auftun wird. Aber natürlich muss man auch diese Chance dann ergreifen und nicht nur warten. Man muss sie erkennen und festhalten. Vertrauen ins Leben ist dabei unabdingbar.

    Danke für diesen positiven, aufbauenden Text. <3

    Liebe Grüße
    Denise

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