Me & my Quaterlife Crisis

Me & my Quaterlife Crisis

Ich habe den Faden verloren.
Er sollte nicht schwer zu finden sein: Er ist rot und zieht sich durch mein Leben.
Aber ich kann ihn nicht mehr sehen.
Weil er einfach gerissen ist.
Und mein Leben kümmert das nicht. Es zieht einfach weiter, ohne noch einen Blick zurück zu werfen.
Gestern war ich seit langem wieder mal aus. In der örtlichen Disco, die immer mal wieder geöffnet hat.
Ich habe mir nicht viel von dem Abend versprochen. Ich wollte einfach nur tanzen, vieles vergessen und Spaß haben.
Aber bereits nach fünf Minuten, in denen die Lichter flackerten und Menschen wie Trauben an der Wand klebten, was er mir zu viel.
Ich kannte diese Leute nicht, sie waren mir alle fremd. Sie sahen sorglos aus, unbekümmert.
Und ich gehörte vom ersten Augenblick nicht dazu.
Weil ich bereits wieder zu viel nachdachte. Über mein Outfit und ob mein Hinter zu groß war.
Ob mein Lippenstift noch an seinem Platz war oder irgendjemand über mich lachte.
Niemand lachte, trotzdem fühlte ich mich zum Scheitern verurteilt.
Freunde ließen mich stehen, alleine zu tanzen machte mir keine Freude.
Ich starrte einfach in die Menge, ohne Glas in der Hand und fragte mich: Wie soll das mit euch weitergehen? Mit uns?
Wie wird es morgen sein?

Ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich täglich Panik bekomme.
Etwas zu verpassen.
Mein Leben nicht ordentlich zu leben.
Die große Liebe niemals zu finden.
Meinen Traumberuf aus den Augen zu verlieren.
Jeder Tag rückt mich näher an den Abgrund.
Ich erwarte so viel und bekomme so wenig. Ich bin 23 und irgendwie enttäuscht, noch nicht den Literaturnobelpreis bekommen zu haben.
Menschen in meinem Alter tanzen immer wieder aus der Reihe, nur ich bleibe stehen.
Und plötzlich scheint es nur noch drei Arten zu geben.
Die einen studieren, sind vielleicht sogar fast fertig. Genießen ihr Leben, arbeiten, planen, tun einfach. Machen in den meisten Fällen sogar genau das, was sie immer machen wollten. Haben eine Karriere und bauen diese Schritt für Schritt aus.
Die anderen sitzen an der Familienplanung. Bekommen Kinder, verloben sich und heiraten irgendwann auch. Ziehen zusammen, leben zusammen. Lassen jugendliche Gewohnheiten hinter sich und kennen das freundliche Gesicht aus früheren Tagen nicht mehr.
Und wieder andere betrinken sich gerne. Gehen aus, machen sich keine Sorgen um Dinge, die sowieso weit in der Zukunft liegen. Sind mit dem Leben genau so zufrieden, wie es ihnen vor die Füße fällt. Hauptsache es ist etwas Alkohol da, um den neuen Umstand zu begießen.

Und dann bin da ich.
Die kleine Kat, die gerne Beiträge für ihren Blog schreibt, wo viele nicht verstehen warum. Die ein Bestsellerbuch schreiben will, aber nicht über Seite 7 hinauskommt.
Die gerne in Wien leben möchte, um endlich die Chancen zu haben, die sie so dringend braucht. Und trotzdem nicht aus ihrem Dorf entkommen kann.
Die so viele Ziele hat und der doch die Hände gebunden sind.

Ich bin 23 und erwarte ein Wunder.
Erwarte aufzuwachen und meinen Traum als Realität vorzufinden. Einen Unterschied zu machen, besonders zu sein.
Mit 23 schon alles zu wissen, alles zu kennen und noch mehr. Weil sich alles falsch und fremd anfühlt.
Mit 23 schon das Leben zu führen, auf das ich so dringend warte.

Wer weiß, wozu es gut ist, sagt meine Mama immer. Gerade weiß ich es nicht. Ich sitze in meiner Quaterlife Crisis fest und frage mich, wann das alles ein Ende findet. Wann es anders wird.
Vielleicht morgen. Vielleicht erst in zwei Jahren.
Aber irgendwann. Weil das Leben nun mal so spielt. Und ich gestern, als ich in dieser Masse an schwitzenden Menschen festsaß und nur noch weg wollte, einen Gedanken im Kopf hatte: DU bist dafür verantwortlich, wie es dir geht. Niemand sonst.
Leute können mich hässlich finden, unlustig, zu unförmig, zu wenig Oberweite. Aber letztendlich liegt es an MIR, wie ICH damit umgehe.


We decide how we want to feel. What we want to do. No one else does.


Meine Quaterlife Crisis ist noch nicht vorüber. Aber zumindest habe ich endlich einen Weg gefunden, um ihr zu entkommen. Kleine Schritte. Und die erste Veränderung muss bei mir stattfinden.
Denn ich bin für mein Leben verantwortlich und bestimme, wie der Tag wird, wie ich mit Probleme und anderen Situationen umgehe.
Gestern war ein Weckruf. Jetzt liegt es an mir ihn auch zu hören.

 

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10 Kommentare

  1. 12. November 2017 / 13:35

    Liebe Kat,

    wie immer ein sehr schöner Text. Ich fühle mich aich oft verloren und mir kommt vor, dass mir alles davon läuft aber im anderen Moment denke ich mir dann wieder, dass alles seinen Grund hat und sich alles so ergeben wird, wie es sein soll. Vielleicht nicht wie ich es geplant habe, sondern einfach anders und vielleicht sogar besser.

    Kopf Hoch, ich weiß, dass du alles schaffen kanmst, du musst nur daran glauben.

    Alles Liebe Sarah

    • 13. November 2017 / 8:43

      Dankeschön meine liebe Sarah! Das freut mich wirklich sehr. 🙂
      Ich kann so gut verstehen wie du dich fühlst.
      da ist mal wieder ein schönes Coffee-Date fällig. 🙂

  2. 12. November 2017 / 13:49

    Hi liebe Kat,
    du schreibst gerade das auf, was ich mir manchmal auch denke, besonders wenn ich wieder
    einen schlechten Tag habe und das Gefühl bekomme, heute wird mal wieder nichts klappen.

    Ich habe ja mittlerweile das Vierteljahrhundert überschritten und werke gerade daran, mein Studium abzuschließen, wie immer neben 40 Wochenstunden arbeiten. Wenn ich an manchen Tagen daran denke, was nach dem Studium kommen soll, bin ich mir überhaupt nicht sicher. Schön wäre es mit meinem Freund eine gemeinsame Wohnung zu suchen oder auch seine Reiseunlust dazu zu verwenden, alleine die Welt zu bereisen und zu bestaunen. Aber alleine durch die Welt schreckt mich ab.

    Ich vermute, jeder kommt öfteres im Leben zu einen Punkt, wo der rote Faden einfach verloren geht und wo man sich nach und nach wieder orientieren muss.

    Ich bin jedoch überzeugt, dass wir es schaffen werden, auch wenn es uns manchmal nicht so vor kommt. =)

    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 13. November 2017 / 8:44

      Das hast du wirklich wundervoll zusammengefasst. 🙂
      Danke für dein tolles Kommentar. Ich freu mich sehr. <3

  3. 12. November 2017 / 14:02

    Liebe Kat,

    wenn man nicht zufrieden ist, muss man aufstehen und etwas ändern. Warum genießt du den Weg nicht, der dich zu deinen Zielen bringt? Und was willst du machen, wenn du all das erreicht hast?
    Lebe deine Träume, ja. Aber erwarte doch nicht, dass alles sofort in Erfüllung gehen muss. 🙂 Ich bin 24 und noch nicht mal mit meiner Ausbildung fertig. Meine Eltern haben in meinem Alter ihr erstes Kind bekommen. Na und? Und die große Liebe kommt bei dir auch, wenn die Zeit dafür reif ist. Hab Vertrauen in das Leben und genieße jede Sekunde. Es ist so kostbar. Was macht es schon, wenn andere deinen Körper nicht mögen? Du musst damit leben, also hat es auch nur dich zu interessieren, was du darüber denkst. Wenn du irgendwann eine große Schriftstellerin sein willst, dann schreibe, so viel du kannst und such dir Feedback – und verbessere dich dann.

    Jeder hat mal schlechte Zeiten. Aber sich davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern wieder aufzustehen und weiter zu machen sind die Geheimnisse hinter dem Erfolg. Halte an deinen Zielen fest und gib nicht auf. Ich bin mir sicher, dass alles in Erfüllung gehen wird.

    Alles Gute!

    Liebe Grüße
    Denise

    PS: Sorry, wenn manches ein wenig harsch klingt. Ich hoffe, du weißt, was ich sagen möchte. 🙂

    • 13. November 2017 / 8:45

      Ach liebe Denise, da hast du so Recht!
      Und du brauchst dir wirklich keine Gedanken zu machen, ich freue mich über ehrliches Feedback. 🙂

  4. 12. November 2017 / 14:45

    Oh Kat, was für ein schöner Text. Ich hab mich darin wiedergefunden. Ich kenne dieses Gefühl irgendwie stehen geblieben zu sein. Und so lese ich und denke viel nach und überlege wie es weiter geht. Was mein nächster Schritt sein wird. Ich lese Bücher die mir sagen, ich solle jetzt so leben wie ich es mir Wünsche. Aber was wünsche ich mir eigentlich? Wie stelle ich mir mein Traumleben vor? Ich weiß es nicht mehr. Wie bei dir ist mein Faden irgendwie weg, nicht gerissen aber es ist ein Knoten drin irgendwie. Verfitzt. Und ich bin nun 30, was das Ganze nicht besser macht. Ich hab das Gefühl die Zeit rennt.

    Alles Liebe aus Dresden
    Dany von http://www.danyalacarte.de

    • 13. November 2017 / 8:46

      Dankeschön Dany, das freut mich zu hören. 🙂
      Und es freut mich, dass du dich in dem Text wiederfinden konntest.
      Manchmal weiß man einfach nicht so recht weiter. <3

  5. 12. November 2017 / 16:25

    Liebe Kat,

    Danke für diese Worte, die mir zeigen ich bin nicht allein und auch du bist nicht allein. Danke auch dass du unserem Problem einen Namen gegeben hast. Auch ich bin 23 und aktuell irgendwie verloren in meinem Leben. Ich bin dennoch davon überzeugt, dass alles aus einem Grund passiert und wir irgendwann wissen wieso und sich alles zum Guten entwickelt.

    Ganz viel Kraft, Hoffnung, Liebe und Durchhaltevermögen für dich ♡

    Betty

    • 13. November 2017 / 8:47

      Danke für dein liebes Kommentar Betty. Und es freut mich, dass wir mit unseren Problemen nie allein sind.
      Wir schaffen das schon! 🙂

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