Du inspirierst mich leider nicht mehr

Du inspirierst mich leider nicht mehr

Das Handy in der Hand fühlt sich fremd und kalt an.
Als würde ich es nicht jeden Tag mit mir herumtragen.
Als würde es gar nicht mir gehören.
Ich habe das Gefühl, innerlich zu verbrennen.
Flammen fahren mit heißen Fingern über meine Stirn.
Das hatte ich nicht erwartet, das wollte ich nicht hören.
Wir fragen zwar immer, wollen ehrliche Antworten.
Aber letztendlich ist uns die schöne Lüge viel lieber. Oder die stumme Unwahrheit.
Langsam sinkt mein Rücken in sich zusammen.
Sinkt solange, bis er die kalte Wand berührt, die ihn stützen möchte.
Es gibt für mich nur einen Gedanken, seit ich Geschichten schreibe.
Seit ich überhaupt angefangen habe, meine Texte mit der Welt zu teilen.
Ich möchte Menschen begeistern, sie motivieren oder trösten.
Sie sollen sich Zuhause fühlen, wenn sie meine Worte lesen und denken, dass es jemanden gibt, der sie versteht.
Ich möchte sie inspirieren.
Das war und wird immer mein Plan sein.
Ich schreibe nicht mehr nur für mich selbst. Ich schreibe für hunderte, tausende Menschen.
Jedes Mal mit Herz und Blut und Leidenschaft.
Weil ich meine Stimme mit anderen teilen möchte.
Und dann wird die Welt wieder ruhiger. Dann wird sie still.
Niemand spricht mehr, keiner hat mehr eine Meinung.
Mit gebundenen Händen stehe ich neben der Tür zu einer anderen Welt und warte.
Bis die Worte kommen, die niemand hören möchte: Du inspirierst mich leider nicht mehr.
Und ich frage mich, nicht zum ersten Mal an diesem Tag, warum das so ist.
Wie sich etwas so schnell verändern kann.
Aber vor allem frage ich mich, wann ich aufgehört habe, mich selbst zu inspirieren.

Wir gehen manchmal Wege, die uns richtig scheinen, weil andere sie vor uns gegangen sind.
Aber oft sind es genau diese Schritte, die sich einfach falsch anfühlen.
Nur weil etwas für andere Blogger funktioniert, heißt es nicht, dass es auch für mich funktioniert.
Lange wollte ich nur andere inspirieren und mit meinen Geschichten berühren.
Doch dieses Ziel ist zwischen all den anderen plötzlichen Zielen irgendwie verschwunden.
Denn auf einmal war es nicht mehr so wichtig, ob meine Bilder auf Instagram mich als Bloggerin und Person präsentieren, sondern ob sie gut aussehen, in den Feed passen und vor allem gemocht werden.
Es gibt nicht mehr darum, durch diese Plattform meinen Blog und meine Leidenschaft in Bildern zu präsentieren.
Es waren nur noch Bilder. Schöne aber irgendwie blasse Bilder.
Und ich fing an zu zweifeln.
Dachte, es würde an meiner Bildbearbeitung liegen, die ich gefühlt jede Woche irgendwie veränderte, nur um meinem Ziel endlich näher zu kommen.
Ich scheiterte. Natürlich.
Denn daran lag es nie.
Es waren nicht die Bilder, die Captions, die Bearbeitung.
Es lag an mir und wie lustlos und gezwungen ich diese Fotos teilte.
Irgendwann waren es nur noch Momente, die einmal passiert waren. Aber ich konnte ihre Geschichte nicht mehr richtig erzählen. Denn diese war auf dem Weg verloren gegangen.
Außerdem fiel mir auf, dass immer mehr Menschen sich von meinem Account abwendeten.
Nicht diese Fake-Accounts, bei denen man sofort weiß, dass sie das allseits verhasste Unfollow-Spiel probieren.
Sondern Bloggerkollegen und Bekannte, von denen ich immer angenommen hatte, dass sie mich und meine Arbeit unterstützen und schätzen würden.
Ich nahm es hin. Dachte, es würde sich schon wieder ändern.
Bis ich es nicht mehr aushielt und einmal nachfragte.
Und diese Antwort bekam: Du inspiriert mich leider nicht mehr so wie früher.
Deine Bilder sind schön, passen super zusammen und du hast einen tollen Feed. Aber irgendwie fehlt mir etwas.
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht getroffen hat, diese Worte zu lesen.
Vor allem aber haben sie mich vor eine neue Frage gestellt, die ich lange vermieden hatte: Kann ich andere überhaupt noch inspirieren, wenn ich selbst nicht mehr inspiriert bin?
Ich denke, ihr kennt die Antwort.

Immer wieder habe ich Blogger gefragt, wie sie ihre Bilder bearbeiten.
Mich nach Tipps erkundigt und gehofft, das würde die Sachlage ändern.
Aber was ist inspirierend an immer gleichen Bildern?
Welche Inspiration soll ich aus Fotos ziehen, die aussehen, als hätte sie jemand anderes gemacht?
Mir ist erst in den letzten Tage bewusst geworden, was mir wirklich gefehlt hat.
Mein ganz eigener Zugang zu Instagram.
Ein Zugang, der nicht in erster Linie den Erfolg im Sinn hat oder den reinen Nutzen hinter der Plattform, sondern den Spaß und die Möglichkeiten.
Mit einem einzigen Foto eine Geschichte erzählen zu können.
Mit einem einzigen Foto die Lebensfreude zu zeigen, die ich während einer Reise empfinde.
Mit einem einzigen Foto mich selbst und andere zu inspirieren.
Deshalb habe ich mein Konzept komplett umgestellt.
Seit ich 2016 meinen Account gestartet habe, hat sich viel verändert.
Vor allem habe ich mich verändert.
Und zu lange habe ich das hinter zwanghaft gleichen Bildern versteckt.
Vielleicht erinnert ihr euch an meine Grau-Phase.
Als kaum eines meiner Fotos wirklich Farbe getragen hat, nur damit sie ein einheitliches Gesamtbild ergeben.
Dann bin ich wacher geworden und habe mir gedacht, es wäre besser, mehr von mir und meinem Charakter zu zeigen.
Trotzdem wirkte alles immer so, als hätte jemand die Farben gestohlen.
Bis ich einen Account entdeckt habe, der mich zum ersten Mal auf Instagram einfach nur inspiriert und umgehauen hat.
Jaci Marie ist genauso alt wie ich, mit einem der schönsten Accounts, die ich je bewundert habe und wundervollen Reisevideos. Ich wusste schon nach den ersten Sekunden: Das ist es!
So soll mein Leben auch einmal aussehen.
Gefüllt mit Farben, Reisen und schönen Momenten.
Gefüllt mit den Bildern, die ich von Herzen gerne teilen möchte und die auch, ja das Wort ist mittlerweile wirklich schon abgenutzt :D, wieder inspirieren.
Gefüllt mit der Person hinter dem Account und all den bunten Gedanken, die ich in meinem Kopf spazieren trage.

Ich möchte, dass jeder, der auf über meinen Feed stolpert, sofort meine Reiseliebe und meine Lebensfreude erkennt.
Meine Leidenschaft zu Farben und ihren Facetten und all der bunten Schönheit dieser Welt.
Ab morgen, Montag, soll genau dieser Account seinen ersten Atemzug tun.
Mit einer neuen Bildbearbeitung, die perfekt auf mich abgestimmt ist.
Geschichten hinter dem Foto und vor allem, ihr habt es erraten, jeder Menge Inspiration.
Als ich die ersten Bilder fertig bearbeitet und gespeichert habe, wusste ich, dass es richtig ist.
Es hat sich noch nie so gut angefühlt, an Instagram und die damit verbundene Zukunft zu denken.
Denn ein Blick hat genügt und ich wusste: Ja, das ist die Kat, die ich sehen möchte.
Das ist die Kat, die mich inspiriert.
Und vielleicht auch euch.

P.S.: Morgen um 9Uhr kommt das erste Bild mit der neuen Bearbeitung online. Und ich bin mir sicher, dass auch ihr sofort merken werdet, wie anders sich plötzlich alles anfühlt. Ich bin superhappy und wirklich zufrieden mit dem Ergebnis und hoffe, dass sie euch genauso viel Freude bereiten werden wie mir.

 

Picture by: Lisa von My Café au Lait

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12 Kommentare

  1. 1. April 2018 / 20:35

    Liebe Kat, du sprichst mir aus der Seele mit deinen Zeilen. Ich hab auch schon alles Mögliche probiert und mir dann gesagt “ach Scheiß drauf.” Immerhin soll es Spaß machen. Ich mochte dein einheitliches Feed auch als es Grau war aber das Problem, jedes Bild sah dadurch gleich aus und man hat kaum noch auf Details und Unterschiede geachtet bzw wie toll jedes Bild im Einzelnen ist. Ich hätte mein Feed auch gern etwas einheitlicher aber habe auch noch keine Bearbeitung gefunden die mir gefällt, da es trotzdem etwas einheitlich sein soll. Ich bin jetzt umso mehr gespannt auf deine neue Gestaltung. Und ich freue mich das du deinen Weg gefunden hast.

    Alles Liebe Dany 💟 http://www.danyalacarte.de

  2. 1. April 2018 / 21:25

    Liebe Kat,

    dein Post spricht mir ein bisschen aus der Seele. Jeder hat immer DIE Lösung und jenen Tipp für einen “perfekten” Feed. Doch selbst wenn man sie alle befolgt heißt das noch lange nicht, dass es einen erfolgreich macht. Gleichzeitig wird es für einen auch immer schwieriger zu inspirieren, da es einfach ein so großes Angebot gibt.
    Ich bewundere dich für deinen Mut und deine Selbsterkenntnis und auch dafür zuzugeben, dass du vielleicht gescheitert bist. Auch ich habe mich innerhalb eines Jahres stark verändert was die Bearbeitung meiner Bilder angeht und immer versucht die EINE perfekte Lösung zu finden. Aber du hast recht: Was nützen einem perfekte Bilder wenn einen die Person dahinter nicht mehr inspiriert?

    Ich bin super gespannt auf deine neue Bildbearbeitung!
    Liebe Grüße Julia
    http://juliymars.com

  3. 5. April 2018 / 11:02

    Deine Texte sind wirklich unglaublich. Ich bin total begeistert wie gut du schreibst. Du hast ja so recht. Vielen Dank für deinen tollen Beitrag
    http://carrieslifestyle.com

    • 5. April 2018 / 13:30

      Oh vielen dank Tamara 🙂
      Das bedeutet mir wirklich viel. Schön zu hören. <3

  4. 5. April 2018 / 13:44

    Hallo Kat,
    nun habe ich richtig Lust bekommen auf deiner Instagramseite zu stöbern 🙂 Ich danke dir dafür, dass du deine ehrlichen Gedanken mit uns geteilt hast. Ich denke, es geht vielen so!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  5. 5. April 2018 / 13:47

    meine Liebe, das sind so tolle Worte für dieses Thema, das uns, die auf Instagram aktiv sind, wohl alle anspricht!

    uch habe immer die Accounts bewundert, die ihren Feed so super einheitlich bekommen, weil sie vermutlich jedes Foto durch denselben Filter ziehene … aber irgendwann fand ich es eben auch unglaublich langweilig!!! nicht inspirierend eben 😉

    ich bearbeite meine Bilder (bzw. zum Teil ja auch meine liebe Fotografin) daher nur raw … das Foto bleibt also wie es ist – ohne Farbfilter 😉

    und PS: die neue erste Reihe gefällt mir sehr gut!!!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  6. 5. April 2018 / 17:21

    Liebe Kat,

    Ein toller und doch sehr ernster Beitrag. Und es freut mich sehr zu lesen, dass Du für Dich einen neuen Weg zur Inspiration gefunden hast. Ich bin gespannt und wünsche Dir für den “neuen Start” alles Gute ☺

    Viele liebe Grüße,

    Tabea

  7. 5. April 2018 / 19:24

    Sehr schöner und ehrlicher Text. Was ist eigentlich ein perfekter Instagram-Feed? Alles soll gleich aussehen und einheitlich daherkommen? Ich finde, Instagram sollte wieder ein wenig spontaner sein und Bilder zeigen, die eben nicht alle so bearbeitet wurden. Aber jeder hat halt einen anderen Geschmack und eine andere Vorstellung von seinem Feed. Ich bin auch gespannt, wohin deine Reise geht. Alles Liebe dabei und natürlich wieder ganz viel Spaß
    Marie

  8. 5. April 2018 / 20:08

    So ein schöner und ehrlicher Beitrag, liebe Kat. Ich sehe das genau so und versuche immer möglichst realistisch und echt zu bleiben. Natürlich versuche ich nur Bilder zu posten, die mir auch gefallen… aber sie sollen echt sein, aus dem Leben, aus der Situation heraus… alles andere wäre einfach nicht ich 🙂

    Liebste Grüße,
    Sarah // http://www.vintage-diary.com

  9. 5. April 2018 / 20:52

    Du hast einen sehr interessanten Schreibstil der es vermag mich zu fesseln. Ich werde dich öfter besuchen.
    Liebe Grüße
    Sigrid

  10. 5. April 2018 / 21:04

    Hey meine Liebe,

    das nenne ich mal einen Post.. toll geschrieben- da liest man doch super gern! 😉
    Ich gebe dir in deinen Ansichten wirklich Recht und freue mich schon auf die neuen Bilder!

    PS: Deine Reihe unten sieht auch schon ziemlich gut aus! 😉

  11. Shades of Ivory
    5. April 2018 / 22:03

    Eigentlich ist es schade, dass wir unsere Bilder so lange bearbeiten, mit Filtern versehen, damit sie alle einheitlich sind und zueinander passen. Aber letztendlich müssen wir das, um nicht “hinten runter zu fallen”.
    Ich denke genauso und ärgere mich immer wieder, dass es nicht einheitlich ist, nicht perfekt genug, blahblahblah. Was letztendlich den ganzen Spaß an der Sache raubt.
    Ich finde, Instagram sollte wieder bunter werden. Lauter, ehrlicher und echter.
    Es ist toll, dass du deinen Weg gefunden und du hast auch einfach die perfekten Worte dafür gefunden. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg.

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