Writer's diary

Und warum bloggst du? | A Writer’s Diary

Manche Gedanken lassen uns einfach nicht mehr los. Kleben in unserem Kopf wie längst vergessene Spinnweben und machen das Sprechen schwer. Keine Minute vergeht ohne sich darin zu verlieren. Es fühlt sie so richtig an, dass man es am liebsten gestern schon getan hätte. Die Zeit rieselt in den Keller, lässt uns vergessen warum wir zweifeln. Alles ist plötzlich leichter, als hätte man die Antwort immer gewusst. Es war für mich eine Entscheidung von wenigen Sekunden. Denn eigentlich hatte ich mein Ziel bereits seit Monaten vor Augen, kannte nur den richtigen Weg nicht. Kaum war die Idee in mein Sichtfeld geklettert, blieb sie bei mir. Mehr als alles andere wollte ich einfach schreiben. Meine Texte nicht mehr in irgendeinem PC-Ordner versauern lassen und Menschen meine Geschichten zeigen.

Ich kann nicht zeichnen, außer ein nettes Strichmännchen. Ich singe ganz gut, würde mich aber nicht deswegen auf die Karriereleiter stellen. Jeden Tag habe ich mich gefragt: Was kann ich dann? Worin bin ich besonders gut? Aber ich wusste es einfach nicht. Stunden brachte ich damit zu, mich über die Talente der anderen zu wundern und warum ich selbst keine hatte. Von einer Sportskanone bin ich weit entfernt, ein Mathe-Genie wird aus mir auch nicht mehr werden. Was war also meine besondere Gabe? Mein Stück Paradies? Und als ich dann die Worte aus dem Mund eines Lehrers hörte, wusste ich es plötzlich. Selten hatte sich etwas so richtig angefühlt, wie in diesem Moment. „Du kannst wirklich wundervoll schreiben. Du solltest das nicht unter den Tisch kehren.“ Schreiben, er meinte, ich würde gut schreiben. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn die Welt Farben bekommt und es euch vorkommt, als wäre gerade eine neue Tür aufgegangen? Neue Möglichkeiten prasseln wie Sommerregen auf euch ein und man erlebt eine innerliche Unbesiegbarkeit. Als würde man alles schaffen, was man sich nur wünschen kann.

Doch es ist eine absurd lange Leidensgeschichte auf meinem Weg zum Blog. Mit 15 schrieb ich mein erstes Buch, hielt es für den nächsten Bestseller und wurde bitter enttäuscht. Hatte mich der Lehrer damals angelogen? War ich doch nicht so gut, wie ich dachte? Eine Absage reihte sich an die nächste, Geschichten schrieb ich nur noch für mich selbst. Dann Fanfiktions, die zwar gerne gelesen wurden, mich aber eigentlich nicht berührten. Die Kommentare waren allesamt positiv, doch keines erreichte mich wirklich. Ein weiteres Buch, ein weiterer Misserfolg. Auch Buch drei musste dieses Schicksal erleiden. Alles, was ich je geschrieben hatte, war entweder dem Rotstift eines Lehrers zum Opfer gefallen oder verendete in einem Ordner auf dem Computer. Als hätte es die Worte nie gegeben, wie Staub in einer Wüste. Ich wollte aufgeben. Was hätte mich davon abhalten können? Offenbar hielt mich niemand für talentiert genug und ich selbst hatte den Glauben lange vorher verloren. Doch wenn etwas tagtäglich deine Gedanken infiltriert, sich wie eine Zecke in dein Hirn verbeißt und du es nicht loswirst, kannst du es nicht einfach hinter dir lassen. Es ist unmöglich, es aus den Erinnerungen zu streichen. Denn egal wohin ich ging, es entstanden Geschichten in meinem Kopf. Ich plante Konversationen, beschrieb Handgriffe oder zeichnete die Landschaft mit Buchstaben. Mein Herz drängte mich, zwang mich vor den Laptop und ich schrieb. Seite für Seite. Und dieses Mal wollte ich, dass es jemand las. Ich wollte nicht darauf warten, dass ein Verlag sich meiner erbarmte oder mich in den finanziellen Ruin stürzen, um die Bücher selbst zu verlegen. Eine Seifenblase keimte auf, so zart, dass ich sie kaum berühren wollte. Stell deine Werke online, zeig den Menschen, was du kannst. Wie du fühlst, schreibst, atmest. Zeig ihnen ein Stück von deiner Seele. Und das tat ich.

Meine eigene Website mit nichts gefüllt außer meinen Gedanken, Sorgen, Hoffnungen und vor allem Worten.

Es war ein langer Weg, mehr als einmal wollte ich das sprichwörtliche Handtuch werfen und versank in Flutwellen aus Zweifeln. Aber ich habe nicht aufgegeben, niemals. Das Schreiben ist meine Bestimmung und auf dem Blog kann ich sie endlich ausleben. Selten habe ich mich so frei gefühlt, so innerlich lebendig. Ich schreibe nicht mehr nur für mich selbst, sondern für Menschen, die meine Geschichten auch wirklich lesen wollen. Komplimente haben mich motiviert, mich vor Freude zum Weinen gebracht. Wenn mich wieder jemand für meinen Schreibstil lobt könnte ich vor Stolz zerspringen. Seit ich denn Blog habe, glaube ich an mich selbst. Noch nie habe ich mich in meiner Tätigkeit so bestätigt gefühlt. Noch nie war ich mir so sicher. Ein Blog ist harte Arbeit und manchmal ist es frustrierend. Aber ich würde immer wieder anfangen, ohne mit der Wimper zu zucken.

Viele starten einen Blog, um erfolgreich zu werden. Um damit Geld zu verdienen. Natürlich ist das ein schönes Ziel aber es sollte nicht alles ein. Ich kenne die belustigten Blicke, wenn ich den Menschen erzähle, dass ich einen Blog habe. „Ja, du und die halbe Weltbevölkerung.“ Na und? Jeder hat seine eigenen Gründe, warum er einen Blog startet.

Und warum bloggst du? Weil Schreiben mein Herz ist. Meine Seele, meine Gedanken, mein Leben. Weil ich bei jedem Wort, dass ich schreibe, meinem Traum ein Stückchen näher komme. Es gibt mir Sicherheit, Freiheit, ein Ventil für meine Gefühle. Ich kann lachen, weinen, Charaktere erschaffen, die mich trösten. Menschen berühren und ihren Schmerz vergessen machen. Sie zum Lachen bringen oder zu Veränderungen anstoßen. Schreiben ist alles. Einfach alles für mich. Jede Sekunde, die vorüber tickt. Jeder Augenaufschlag, der mein Gesicht streift. Das Schreiben ist der Grund, warum ich diesen Blog habe. Nicht um berühmt zu werden oder die neusten Trendteile zu präsentieren. Sondern einfach um nicht nur für mich selbst zu schreiben. Sondern für jeden von euch, der diese Worte gelesen hat. Das Schreiben und ihr, deshalb blogge ich.

Eure Kat.

Dieser Beitrag ist im Zuge der 30-Tage-Challenge entstanden. Tag 12: Warum hast du angefangen zu bloggen?

Meine lieben Mit-Challenger ❤

Anna-Bianca | Denise | Benni | Menna | Samira | Katy | Theresa | Jessica

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12 Comments

  • Reply
    Jay Mixtape
    20. Januar 2017 at 11:23

    Wow.
    Das ist wahnsinnig inspirierend. Danke dafür, dass du dein Herz teilst =)

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 7:57

      Danke Jay, sehr lieb von dir. 🙂

  • Reply
    Stephi
    20. Januar 2017 at 14:34

    Ein super schöner Beitrag und ich kann nur zustimmen: Du kannst wirklich wundervoll schreiben. Ich finde es super schade, das in unserer Generation die Ausdrucksweise bei so vielen zu kurz kommt. Da ist es schön, wenn jemand mal so wie du die richtigen Worte findet!

    Liebe Grüße
    Stephi von http://stephisstories.de

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 7:58

      Oh ganz lieben Dank, Stephi. 🙂 Das freut mich wirklich zu hören. <3
      Ja stimmt, das ist wirklich schade. Danke für das wundervolle Kommentar. 🙂

  • Reply
    Carina
    20. Januar 2017 at 17:19

    Hallo liebe Kat.
    Ich sitze gerade an der FH, bekomme von der Vorlesung null mit, weil mich das Programmieren einer App so extrem zur Verzweiflung bringt und ich bis morgen nicht fertig werde. (Abgabetermin war gestern Mitternacht! :O )
    Aber deine Geschichte, dein Schreibstil, deine Art deine Gefühle zu vermitteln, hat mir wieder ein kleines Lächeln gebracht, während ich deinen Beitrag verschlungen habe. 🙂

    Vergiss nie, dass du einzigartig bist und dein Talent eindeutig im Schreiben liegt. =)

    Wünsche noch einen schönen Abend,
    Carina.

    P.S.: und vergesse nicht, du hast mich zu den Beiträgen auf der Schützenvereinswebseite meines Vereines inspiriert.

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 7:59

      Vielen Dank Carina, das freut mich unglaublich. 🙂 Es ist wirklich schön, wenn die eigenen Worte inspirieren und berühren können.
      Danke für dein liebes Kommentar. <3

  • Reply
    Mario
    20. Januar 2017 at 17:50

    Das ist der schönste Grund einen Blog und Leben zu rufen. Man spürt deine Leidenschaft für’s Schreiben in jeder Zeile. Respekt vor so viel Talent!
    Viele Grüsse an dich
    Mario

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 7:59

      Danke Mario. 🙂 Und ganza ganz lieben Dank für deine wundervollen Worte
      Das freut mich sehr. <3

  • Reply
    Tabea
    20. Januar 2017 at 19:14

    Liebe Kat,

    schreiben kannst du wirklich ganz besonders toll – da kann ich deinem Lehrer nur zustimmen.

    Ich hatte auch Ewigkeiten lang das Gefühl, NICHTS zu können. Sportlich eine Niete, kann nicht malen, singen, tanzen, dichten, schreiben, fotografieren… bin nicht für Tierliebe bekannt, weil meine Schwester eben mehr auf die typischen Haustiere steht als ich (Ich kann nur mit Ponys, Schafen, Ziegen und solchem Zeug wirklich was anfangen ;)). Dass ich gut schreiben kann, habe ich dann aber auch öfter zu hören bekommen… und erst wollte ich es nicht glauben, aber inzwischen denke ich, dass ich das zu meinen Stärken zählen darf. Gleich neben Mathe, welches ich aber im Gegensatz zum Schreiben verabscheue 😉

    Dass deine Karriere als Autorin dann zunächst so ernüchternd war, ist wirklich richtig schade… Ich habe mich ja bisher noch nicht getraut, meine kurzen Kindergeschichten als einen Sammelband zu versuchen zu veröffentlichen… obwohl ich davon nun schon zwei Jahre lang träume. Aber wer weiß – vielleicht beflügelt mein Blog mich in der Richtung ja noch so wie dich deiner, denn die Kommentare meiner Leser lösen bei mir auch öfter mal solche Freundensprünge aus 😉

    Dein Grund dafür zu bloggen, gefällt mir also wirklich gut!!! Viel besser als für Ruhm und Geld zu bloggen 🙂
    Ich blogge, weil ich meine Gedanken festhalten will und den Austausch zu kontroversen Themen liebe – und weil ich mich persönlich weiterentwickeln und andere entweder zum Lachen oder zum Nachdenken bewegen möchte 🙂
    Liebe Grüße

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 8:00

      Dankeschön Tabea. 🙂 Das hört man wirklich gerne <3
      manchmal dauert es eben etwas. 😉

  • Reply
    Katta
    20. Januar 2017 at 21:31

    Ein wirklich sehr schöner und ehrlicher Eintrag. Weitermachen! 🙂

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM || FACEBOOK

    • Reply
      Kat
      23. Januar 2017 at 8:00

      Von Herzen Danke, Katta 🙂

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