Music in the Streets

Music in the Streets

Einsam zwischen all den Fremden. Meine Schritte zogen mich über Sonnenlicht, tauchten zwischen Bäumen hindurch und liefen über kalten Asphalt. Die Straßen waren voll, warum kam ich mir dann so schrecklich alleine vor?
Meine Gedanken kamen nicht zur Ruhe und ich setzte mich auf eine freie Bank. Da sah ich den Menschen beim Leben zu. Wie sie Zeitung lasen, auf dem Handy tippten oder ihren Tagträumen nachhingen. Manche waren ganz für sich, andere lachten mit ihren Freunden. Und ich sah ihnen dabei zu.
Mein Herz sank mir in die Schuhe, der Tag fühlte sich grau an. Eigentlich passend für London, würde nicht genau heute die Sonne ihre Kreise ziehen und mich verhöhnen.
Es war mein erster, richtiger Tag in der englischen Hauptstadt, natürlich kannte ich noch keine Seele. Trotzdem drohte mich die aufgekommene Einsamkeit zu zerreißen.
Ich sah mich alleine im Buchladen um.
Ich aß alleine meine Pizza und bemitleidete mich selbst.
Ich fasste den Entschluss dem Tag seine Kraft zu rauben und zurück zum Apartment zu gehen.
Geld rollte über den Holztisch, der Kellner nahm es höflich entgegen und ließ mich ziehen. Wieder hatte ich mit niemandem gesprochen.
Für mich war der Gedanke unerträglich noch länger zwischen all dem Trubel verweilen zu können. Ich brachte es nicht über mich, noch weitere Stunden kopflos durch die Gegend zu laufen. Ohne Gesellschaft, ohne Ziel.
Meine Schuhe strichen über dunklen Stein, mit gesenktem Kopf ging ich meiner Wege. Bis ich eine Stimme hörte, die mich bat stehen zu bleiben.
Nicht direkt, aber mit einem Lied.
Er stand da mit seiner Gitarre in der Hand und lächelte. Ein Straßenmusiker, der seine Melodien spielen wollte. Ich konnte nicht anders, ich blieb stehen.
Ich vergas mich selbst zu betrauern, mich darüber zu wundern, ob ich wohl einfach dazu bestimmt war, alleine zu sein. Ich vergas alles, als er anfing zu singen.
Buchstaben reihten sich aneinander, zauberten Worte.


Music in the streets of London


Es sang gut, mit einer schmeichelhaften Leichtigkeit. Doch deshalb war ich nicht stehengeblieben. An diesem Tag, der so trostlos schien, etwas so Schönes zu hören, kam mir wie ein Geschenk vor. Seine Texte schrieben mir Zeilen ins Herz und ich wollte einfach mehr hören. Es klang so erfrischend zwischen all den Wolken, so frei von irgendwelchen Zwängen.
Ich ließ mich sogar zu einem Lachen überreden. Eigentlich hätte ich ewig dort stehen können und ihm zuhören.
Mein Fuß wippte vor Glück, obwohl ich zuvor noch den Tränen nahe gewesen war. Ich wollte tanzen, vor all diesen Augen. Ich wollte fliegen, mit diesen Worten im Wind.
Es fühlte sich so richtig an, einfach die Augen zu schließen und nur noch zu lauschen. Mehr wollte er gar nicht, mehr wollte ich nicht. Also tat ich genau das, für Minuten.
Als ich das nächste Lied zu Ende hörte, ging ich weiter. Trotzdem hatte ich immer noch seine Stimme im Ohr. Seine unaufgezwungene Freude an der Musik. Den gesamten Heimweg dachte ich nur daran, wie ich mich gefühlt hatte, als diese Lieder in meine Ohren kletterten. Wie sie die lähmende Einsamkeit erstickt und mich für ein paar Momente verzaubert hatten. Man kann in jedem Tag etwas Schönes finden, selbst wenn man nicht daran glaubt.
Und wenn es nur Musik auf der Straße ist.

Find him on Youtube: Cuzn Music (Best song: Monster Truck)

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3 Kommentare

  1. 27. Juli 2017 / 13:41

    Hello Kat.
    Eigentlich wollte ich jetzt auch noch die englische Version deines Beitrages lesen, hab aber keine gefunden.
    Aber egal, die deutsche Version ist auch schön und es freut mich, dass dir ein Musiker die Einsamkeit genommen hat.
    Ich schalte mir auch oft meine Lieblingsmusik ein, wenn mich die Einsamkeit übermannt, weil mein Freund wieder mal nicht kommen kann oder weit weg bei einem Wettkampf ist.
    Ich wünsche dir, dass du bald jemand kennenlernst, mit dem/der du die Stadt erkunden kannst.
    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 27. Juli 2017 / 13:49

      Hallo Carina 🙂

      Danke für dein Kommentar. Ja wie in einem der letzten Beiträge erklärt, gibt es keine englische Version mehr 🙂
      Die Zeit wurde einfach zu knapp und das ständige Übersetzen raubte mir den Spaß am Schreiben. 🙂

      LG Kat

  2. 27. Juli 2017 / 16:02

    Hallo Kathrin,
    dieser und der letzte Beitrag waren so so schön und berührend! Du wirst dich ganz bald eingewöhnen, kopf hoch! 🙂 Meld dich wennst wen zum Reden brauchst 🙂
    Liebe Grüße
    Nadine
    (www.lnrnadine.com)

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