I’m (not) a barbie girl

I’m (not) a barbie girl

Ich bin ein Mensch, der sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt. Mein Kleidungsstil hat sich im Laufe der Jahre so oft geändert, dass ich gar nicht wissen will, wie viel Geld ich in immer wieder neue Looks investiert habe.  Ich bin ein Bücherwurm mit Fashionambitionen, kann die freundlichste Zicke und der schönste Alptraum sein. Ich leide an akutem Fernweh, kann mich jedoch nur schwer mit Veränderungen anfreunden. Meine obsessive Planerei ist in Familienkreisen bereits bekannt und mein Perfektionismus sowieso. Trotzdem tummeln sich in meiner Mappe des Lebens überall Fehler, Versäumnisse und Anklagen, die sich hätten vermeiden lassen. Ich style mich nicht für die Arbeit und spiele gerne Couchpotato, was einen Serienmarathon nach dem anderen nach sich zieht. Ich kann enorm eitel sein, überprüfe wie die Obertussi vom Dienst alle zwei Minuten ob meine Haare noch sitzen und klopfe mir selbst auf die Schulter, wenn ich mal einen Volltreffer in Sachen Outfit gemacht habe.  Menschen kann man nicht einfach abstempeln und einordnen, dafür sind wir zu verrückt.

Der endlose Kampf mit dem Spiegel hat gerade erst begonnen. Es ist ein unerbittliches Durcheinander von Schimpfwörtern und Wunschvorstellungen, ängstliche Komplimente verstecken sich hinter harten Worten und versuchen gar nicht erst, etwas zum Geschehen beizutragen. Der Wecker war erbarmungslos und das hat er jetzt davon: müde Augen, unordentliche Haare und keinen blassen Schimmer, was ich anziehen soll. Es sollte möglichst menschlich aussehen, da meine Arbeitskollegen das von mir erwarten. Da kann ich ihnen nicht einmal einen Vorwurf machen, immerhin müssen sie mich den halben Tag anstarren. Dieser Morgen ist nicht mit Einfallsreichtum gesegnet und ich entscheide mich für eine Jeans und einen Pulli, der keine sichtbaren Verschleißmerkmale aufweist. Meine Haare werden allesamt nach hinten geflochten, da sie nicht frisch gewaschen sind und meine Augen betone ich mit einfachem Kajal. Zwei Striche und das Werk ist vollendet. Meinem schlimmsten Feind möchte ich so nicht begegnen, da wäre mir ein anderen Outfit deutlich lieber. Aber sei es drum, es ist ja nur die Arbeit.

Schauplatzwechsel.

Kleidungsstücke stapeln sich auf meinem Bett, ich habe bereits dutzend verschiedene Outfits probiert und keines davon für annehmbar empfunden. Die neuen High-Heels stehen wartend in der Ecke und ich ermahne mich, endlich etwas Passendes auszusuchen. Das Glätteisen ist für sämtliche Wundertaten bereit und drei verschiedene Lidschattenfarben stehen offen daneben. Lieber Braun oder vielleicht doch nur Kajal? Es dauert beinahe eine Stunde, bis ich mit dem Endergebnis zufrieden bin. Zweimal musste ich meine Haare neu arrangieren, dreimal habe ich mich wieder abgeschminkt und viermal das Outfit gewechselt. Meine werte Kinobegleitung hat schon damit gedroht das FBI nach mir suchen zu lassen. Die Zeit ist wie Sand in einem Sturm an meiner vorübergefegt und ich habe kaum bemerkt, wie die einzelnen Minuten verschwinden. Nach Selbstgesprächen mit meinen Gedanken, die mir versichern, dass ich gut aussehe, und etlichen Selfies, die leider das Gegenteil verlauten lassen, mache ich mich endlich auf, setze mich ins Auto und zwinkere mir selbst zu. Damit kann ich leben.

Zehn Gründe, warum ich kein Barbie Girl bin:

  • Wenn mich die Fresssucht packt, mampfe ich gerne zwei Packungen Chips alleine. Kalorienzählen Fehlanzeige!
  • Mein Kajal ist grundsätzlich verschmiert und würde jeden Make-up-Artist beleidigen.
  • Von Sommerbräune halte ich nicht viel, weil meine Haut ohnehin nur zwei Zustände kennt: Milchfamilie und Hummerverwandtschaft.
  • Ich flippe nicht aus, wenn ein Zalandopaket vor der Tür steht. Bei Amazon sieht das aber anders aus.
  • Wie Contouring richtig funktioniert habe ich auch nach der fünfzehnten Videoanleitung nicht verstanden. Außerdem ist es mir zu viel Aufwand.
  • Ich schminke mich jeden Tag gleich. Kajal, Mascara, fertig. Falls es mal ein besonderer Anlass ist, dann kommt auch noch etwas Lidschatten dazu. Mehr nicht.
  • Geld für Dinge wie Make-up, Parfüm & co auszugeben widerstrebt mir und meinen Bücherwurmidealen.
  • Ich HASSE die Farbe Rosa. Selbst nachdem bekannt wurde, dass Rose Quartz eine der Trendfarben ist, habe ich mich strikt dagegen gewehrt.
  • Wenn etwas wirklich lustig ist, kann sich meine Lache schnell nach einer Ziege auf Crack anhören.
  • Ich trage gerne bequeme Pullis, Jogginghosen und meine Kontaktlinsen benutze ich nur für soziale Notfälle.

 

Zehn Gründe, warum ich ein Barbie Girl bin:

  • Wenn mein Spiegel lachen könnte, würde er es vermutlich jedes Mal dann tun, wenn ich wieder wilde Posen übe, um möglichst sexy zu wirken.
  • Auf Youtube laufen bei mir oft Tutorials für Frisuren, schnelles Make-up oder die neueste Methode um weiße Zähne zu bekommen. (Auch wenn ich es nie nachmache.)
  • Die Dramaqueen in mir schnippt gerne mit den Fingern, wirft das Haar zurück und zieht verächtlich die Augenbraue hoch. Jap, ich kann ziemlich zickig sein.
  • Ich kenne sämtliche Trends, recherchiere gerne und weiß meistens, was gerade getragen wird. (Ob ich es selbst trage, sei dahin gestellt.)
  • Ich pose übertrieben für Selfies und habe einen kleinen Spiegel in der Tasche, welcher sogar eine Haarbürste beherbergt.
  • Der Satz: „Ich habe nichts zum Anziehen“, findet sich auch in meinem Wortschatz.
  • Meine Tasche trage ich nicht, wie andere Menschen, über die Schulter, sondern ganz tussilike (lt. Meiner Mama) in der Armbeuge. Am besten mit abgespreiztem kleinen Finger.
  • Für den richtigen Anlass mache ich mich gerne schick und nehme ein paar Stunden Badezimmerknast in Kauf.
  • Neben oben genanntem Handspiegel findet sich in meiner Tasche auch rötliches Lipgloss, das nach Schokolade riecht.
  • Wenn es regnet, fange ich lautstark an zu jammern und beschwere mich über die absichtliche Zerstörung meiner Frisur. Mit meinem provisorischen Regenschirm, auch bekannt als Handtasche, laufe ich dann wie ein Wiesel durch das feuchte Nass.

Na was bin ich denn nun? Eine junge Frau, die sich einfach in keine Schublade stecken lässt. Wozu gibt es denn Kleiderschränke? 😉

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7 Kommentare

  1. 16. Juni 2016 / 14:46

    Hahahaha ist der Text genial und witzig geschrieben! Und: ich finde mich einfach komplett wieder – mir kommts vor, dass du genau über mich schreiben würdest!
    Ich bin einerseits schon gerne girly, hab andererseits fast nur männliche Freunde und kann mit Mädels meistens viel weniger “anfangen” 😀
    Dass du lieber Geld für Bücher ausgibst versteh ich vollkommen.. nur dass das bei mir Sportgewand statt Bücher wäre (vom Makeup natürlich ganz zu schweigen, da verwende ich seit Jahren auch immer nur das gleiche, obwohl mein Schminkberg wächst und wächst)…
    Alles Liebe, Katii

    • 16. Juni 2016 / 16:15

      Danke Katii, freut mich, wenn er dir gefällt. 🙂
      Bei manche Problemchen sitzen wir wirklich im selben Boot. Ich kenne das gut.
      Oft sind Mädels einfach so anstrengend, da kommt man mit Jungs einfach besser klar.
      Bücher sind mein Lebenselixir. 😀 Von Make-Up-Käufe halte ich mich dagegen fern,
      wie ein Vampir vom Sonnenlicht.

      Liebste Grüße, Kat

  2. 16. Juni 2016 / 15:57

    Das ist ja mal super geschrieben und hätte ruhig noch ein paar Zeilen mehr sein können 😉 war ganz vertieft und habe mich in manchen wieder gefunden, aber nicht alles.
    Girly ist auch bei mir selten etwas, wenn dann aber so viel, dass es alles wieder ausgleicht. Wie Katii habe auch ich fast nur männliche Freunde hmmm irgendwie zicken die nicht rum und sind sofort eifersüchtig und denken der will was von einem, obwohl man selbst schon vergeben ist.
    Für Bücher gebe ich sicher mehr aus, als für Make-up. Noch lieber gebe ich aber mein Geld bei Amazon aus 🙂
    Liebe Grüße
    Tanja

    • 16. Juni 2016 / 16:18

      Danke Tanja, freut mich sehr. 🙂
      Beim nächsten Typisch-Mädchen-Beitrag werden es dann mehr, versprochen. 😉
      Ja wenn das große Rumgezicke wieder losgeht suche ich auch lieber das Weite.
      Ist gesünder für die Psyche. 😉 Ohhh ja Amazon. Der Internetriese hat bestimmt mein
      halbes Gehalt eingesackt. 😀 Nichts geht über Amazonkäufe. 😉

      Liebste Grüße, Kat

  3. 18. Juni 2016 / 0:40

    Toller Blog, toller Text! Hier werde ich in Zukunft öfter rein schauen! Du wirkst so authentisch und symphatisch, ich kann mich total mit dir identifizieren! Die meisten Blogs sind mittlerweile so unpersönlich, weil viele was verkaufen wollen und Werbung machen! Bei dir hat man das Gefühl, dich durch deine Texte richtig kennen zu lernen! Echt klasse 🙂

  4. 18. Juni 2016 / 11:13

    Sehr geil 😀 Ich komme einfach mit in den Schrank, die Schublade reicht auch mir nicht 😀

    • 19. Juni 2016 / 11:09

      Her mit dem Schrank, da können wir dann alle Facetten fachgerecht sortieren. 😉

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