Im Frühling sind wir am schönsten

Im Frühling sind wir am schönsten

Ein Funke Hoffnung liegt in der Luft. Er ist spürbar neben all der Kälte des Schnees und dem Grau der vergangenen Tage. Eine brodelnde Vorahnung, dass das Eis bald schmilzt und die Blüten sich ihren Weg in die Freiheit bahnen. Denn sobald die Temperaturen in die Höhe klettern, spürt man das vertraute Kribbeln der Vorfreude auf der Haut. Wie vergessene Schneeflocken schwirren Gefühle durch die Gegend, verkünden eine Botschaft, auf die ich mich jedes Jahr wieder freue: Der Frühling hat seine Koffer gepackt und ist auf dem Weg zu uns.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich unser Gemütszustand dem Wetter anpasst. Als wären wir nur Figuren in einem Theaterstück und müssten das Szenenbild im Augen behalten. Wenn im Winter die Welt zwischen all dem Weiß zu verschwinden droht und die Wolken sich nicht kampflos ergeben, dann sinken unsere Schultern tiefer. Kälte zwingt uns meist in die Knie und wir verkriechen uns lieber zwischen Decken und Kissen, anstatt einen Fuß in Richtung Väterchen Frost zu setzen. Bis plötzlich, binnen eines Wimpernschlags, wieder Schmetterlinge über die Felder tanzen. Die Welt explodiert in Farben und überall riecht es nach einer neuen Jahreszeit. Neben all den Knospen öffnen sich auch die frostigen Herzen. Wenn die Sonne mit ihren Strahlen über unsere Haare streicht, fällt es schwer, ihre Freude nicht zu teilen. Gefühle und Liebesbekundungen tummeln sich an jeder Straßenecke, wie Eiswagen im Sommer. Es ist wie ein Neuanfang, ein anderes Leben. Und die Menschen spüren es in jeder Faser, in jeder zuvor dunklen Ecke ihrer Gedanken. Ein Lächeln ist keine Seltenheit mehr, leises Summen dringt an unsere Ohren. Liebevolle Gesten wirken nicht mehr eingefroren oder werden von etlichen Kleidungsschichten versteckt. Die kühle Distanz ist verschwunden.

Liebe finden wir jeden Tag, zu jeder Jahreszeit. Trotzdem schieben wir es auf den Frühling, wenn wir auf einmal wild und frei sind. Mit ganzer Seele lieben und lachen. Wir trauen uns aus unserer alten Winterhaut auszubrechen, lassen die Sonne den letzten Rest Eis schmelzen. Wir strahlen mit herzlicher Offenheit, lassen Menschen, ohne darüber nachzudenken, in unser Leben. Weil es normal ist, weil es sich richtig anfühlt. Weil wir zusammen mit der Welt aufgetaut sind. Überall Gelb, Rot und Orange. Mein Herz schlägt schneller, wenn ich durch die frischen Gräser laufe und wieder wie ein Kind durch die Natur streife, die gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht ist. Nackte Füße auf schmutziger Erde, zarte Berührungen von langen Halmen. Es ist egal, ob man aus vollem Halse zusammen mit den Vögeln singt, denn jeder hat irgendein Lied im Kopf. Irgendwann spüre ich einen Blick. Einen zwischen hunderten. Seine Augen ruhen auf mir. Leuchten, funkeln, als wäre ich das Schönste, was er je sah. An meinen Waden klebt feuchte Erde, hinter meinem Ohr steckt ein Gänseblümchen. Ich weiß, was er denkt: Seit vier Jahren sind wir zusammen. Doch im Frühling sind wir am schönsten. Ehrlicher als uns gut tut. Mit zerzausten Locken und roten Wangen. Es wundert mich nicht, dass wir Gefühle mit einer bestimmten Zeit im Jahr verbinden. Die Welt zeigt sich von ihrer malerischen Seite, schmückt sich mit Blumen und Blättern, verzaubert uns mit ihrem Lächeln. Kahle Äste tragen plötzlich wieder Blüten, fein wie Pinselstriche.

Ich sehe aus wie ein Wintermädchen, bin als Sommerkind geboren und vernarrt in den Herbst. Doch der Frühling macht mich glücklich, bringt mich zum Strahlen. Entlockt meinen Gliedern die Freiheit und den Mut. Mut zu einem aufrichtigen Lächeln. Mut, mich nicht mehr hinter dicken Pullovern und Jacken zu verstecken. Mut, um mit Haut und Haaren zu lieben. Ohne Angst, Zurückhaltung oder Vorsicht. Mit Blumen zwischen den Zehen und Sonne im Herzen.

 

Dieser Text ist im Zuge einer Bewerbung entstanden und ich wollte ihn unbedingt mit euch teilen. Ich liebe den Frühling, das Erwachen einer unsichtbaren Welt. Ich hoffe meine Hommage an den Frühling gefällt euch und ihr drückt mir für meine Bewerbung die Daumen. Am 28.März erfahre ich das Ergebnis. 🙂

 

 

 

Wie findet ihr den Text? Würdet ihr gerne öfter solche Beiträge lesen?

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8 Comments

  1. Carina
    1. März 2017 / 8:22

    Hallo liebe Kat.
    Wieder ein Post, wo ich am Ende lächeln muss. Ich hoffe, der Frühling macht meinen Freund und mich auch wieder ein wenig lockerer und er kommt mich wieder gerne besuchen, weil wir leben ja irgendwie ’ne Fernbeziehung, obwohl wir nur 20 Minuten voneinander entfernt wohnen. :O
    Aber ich kann mich deiner Hommage an den Frühling nur anschließen, denn ich liebe den Frühling und den Herbst mehr als den Sommer und den Winter. Im Frühling erwacht alles zum Leben und im Herbst legt sich alles langsam aber doch schlafen.
    Drück dir ganz fest die Daumen, dass du für ein Bewerbungsgespräch eingeladen wirst!
    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 6. März 2017 / 13:40

      Oh wie mich das freut, Dankesehr. 🙂 <3
      Ganz lieben Dank. Ich hoffe wirklich, dass es klappt.

  2. 1. März 2017 / 11:15

    Das ist so ein toller Text! Genau dieses Gefühl habe ich in den letzten Tagen auch erlebt, die Menschen sind glücklicher, freier, schenken den Passanten auch mal ein Lächeln. Ich bin schon total glücklich, wenn ich die Winterjacke in den Schrank räumen darf und den Übergangsmantel wieder entstauben kann. Hut ab, du hast das Gefühl total gut festgehalten! Und natürlich wünsche ich dir alles, alles Gute für deine Bewerbung!

    Alles Liebe,
    Deliriumskind

    • 6. März 2017 / 13:41

      Dankeschön Marianne. 🙂 Das freut mich wirklich sehr.
      Total lieb von dir. Ich hoffe natürlich, dass der Text punkten kann. <3

    • 6. März 2017 / 13:41

      Dankeschön Carrie. Das freut mich 🙂

  3. Jules
    8. März 2017 / 14:05

    schön 🙂 <3 Wo host di denn beworben?

    • 17. März 2017 / 7:46

      Bei am Redaktionsportal. 🙂

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