Fressattacke ahoi!

Fressattacke ahoi!

Mit Tränen in den Augen und Wut im Herzen starre ich auf das zerfetzte Papier zu meinen Füßen. Die Fressattacke hat mich einfach überfallen. Diese Sucht, dieses Verlangen. Mein Magen flehte mich an, ihm etwas zu essen zu geben. Aber ich weigerte mich. Zu präsent war die Zahl auf der Waage, die mich immer noch zu verhöhnen schien. Ich rührte mich keinen Zentimeter, allmählich bekam ich stechende Bauchschmerzen. Ich hatte Hunger, so unerträglichen Hunger. Plötzlich stand ich auf, wie von fremden Fäden gezogen. Meine Gedanken waren vernebelt, ich spürte nichts mehr außer dieser rasenden Versuchung. Kalte Fliesen drückten gegen nackte Fußsohlen als ich die Küche betrat. Ohne mit der Wimper zu zucken reiße ich die Schublade auf, ziehe eine Tafel Schokolade heraus und gehe zurück in mein Zimmer. Wie ein wildgewordener Hund mache ich mich darüber her, schmecke nicht einmal etwas. Jetzt heißt es nur schlingen, als wäre das meine Henkersmahlzeit. Die Tafel ist mittlerweile verschwunden. Nur noch die zerrissene Verpackung hält die Erinnerung daran fest. Und ich bereue. Bereue es so sehr. Hunger habe ich immer noch.

Diese Situation habe ich früher oft erduldet. Viele Menschen leiden an Fressattacken. Oft sind es diejenigen, die sich dünn hungern wollen und dann irgendwann zusammenklappen und alles auf einmal essen. Been there, done that. Wenn meist bis 15Uhr nichts außer Gurke auf dem Teller landet, kann man doch gar nicht anders als vor Hunger beinahe den Verstand zu verlieren. Aber Essgestörte gönnen sich dann die Erlösung nicht. Die Traumfigur hat sich im Kopf eingenistet und man zwingt sich, durchzuhalten. Wie ein Mantra wiederholt man die Worte. Ich habe keinen Hunger Ich habe keinen Hunger Ich habe keinen Hunger. Aber wir wissen alle, dass das nicht stimmt. Und dann soll ich mich auch noch gegen die Schokolade vor meiner Nase wehren können? Mit welchen Kräften denn? Fressattacken sind weder gut, noch gesund. Man wird nicht satt, denn meistens isst man etwas, was nur leere Versprechungen enthält und stopft es einfach in sich hinein. Die liebe Morena kannte dieses Gefühl lange nur zu gut. Sich selbst Nahrung zu verweigern, nur weil man ein anderes Selbstbild haben möchte.

Was soll ich also tun?

Ich bin keine Heilige. Wie vor ein paar Tagen geschildert, durchlaufe ich selbst gerade eine schwierige Phase. Keine Sorge, ich bin nicht zurück in eine Essstörung gerutscht. Meine Arbeitszeiten machen es mir nur oft schwer, zeitnah und ausgewogen zu essen. Denn um halb 6 morgens habe ich meistens einfach keine Lust, mir etwas für die Arbeit zu machen. Da besteht nicht einmal der Gedanke, ich könnte später Hunger haben. Aber das habe ich, jeden Tag. Und aus reiner Bequemlichkeit habe ich mir die letzten Tage nur eine halbe Gurke mitgenommen. Davon wird man aber nicht satt. Wahnsinnig überraschend, oder? Zuhause kommt dann das große Freudenfest der Kalorien, weil man einfach alles in sich hineinstopft, was man nur findet. Fressattacke ahoi! Selbst wenn das Essen bereits im Topf ist, die Wartezeit wird mit unnötigen Snacks überbrückt. Wie sinnlos ist dieses Verhalten nur? Ein Essen vor dem Essen? Was zum Teufel ist nur los? Es ist schwer, den eigenen Körper zu akzeptieren. All die Fettpölsterchen zu sehen und sich trotzdem zu denken: Das bin ich und das ist gut so. Ich habe noch einen langen Weg vor mir. Alles was ich tun kann, ist, euch zu sagen, was ich falsch gemacht habe, damit ihr nicht in denselben Teufelskreis geratet. Esst regelmäßig und versucht, euch eine Kleinigkeit mit zur Arbeit zu nehmen. Nicht nur Gurke, sondern auch etwas, das den Magen bis zum Mittagessen auf Trab halten kann. Hungert euch nicht kaputt, nur weil es wie ein schneller Weg zur Traumfigur aussieht. Nicht nur eure Körper, sondern auch euer Kopf wird darunter leiden.  Gönnt euch hin und wieder eine Belohnung. (Keine TAFEL Schokolade, sondern nur eine REIHE.) Aber vor allem: versucht euch selbst mehr zu schätzen zu wissen. Ihr habt nur diesen einen Körper, ihr bekommt keinen neuen, wenn dieser den Geist aufgibt.

Eure Kat.

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9 Comments

  1. 26. August 2016 / 10:53

    Hach, wie Recht du hast. Das ist btw das, was ich meinem Freund dauernd sagen will, wenn er damit ankommt, dass man nur noch Paprika und Gurke essen soll, wenn man abnimmt. Ich komme damit aber nicht klar. Ich krieg ja schon Fressattacken, wenn ich radikal auf Schokolade oder sonst so verzichte. Es geht mir besser, es zu reduzieren, wenn ich zwischendurch mal naschen darf. Eine handvoll Chips. Ein Rippchen Schokolade. Und schon klappt es mit dem Reduzieren. Ich lerne die Maßen. Und vermeide die Massen.

    Was ich da als Tipp btw gerne gebe: Ich bereite mein Essen für die Arbeit meist am Tag zuvor schon vor. Dann muss ich es morgens nur noch aus dem Kühlschrank holen und einpacken. 😀 Muss man sich halt abends gleich hinstellen, bevor man sich auf die Couch setzt. Und für zwischendurch nehme ich mir eine Gurke mit. Falls ich vor dem Mittag schon argen Hunger bekomme.

    Ansonsten toller Text. 🙂

    • 28. August 2016 / 11:16

      Ganz genau. Abnehmen ist ja auch ein Prozess, bei dem man dazulernt.
      Das geht nicht von heute auf morgen, auch wenn ich mir das immer
      einreden wollte. 😉
      Das ist eine gute Idee. Dann kann man es einfach mitnehmen. 🙂
      Vielen Dank, meine Liebe. 🙂

  2. 26. August 2016 / 11:18

    Toll geschrieben, Kat! Auch ich hab mich in den Teenagerjahren viel mit Essstörungen herumgeschlagen und war nur selten glücklich in meinem Körper. Momentan wiege ich zwar auch wieder vieeeel zu viel (hach) aber ich stress mich bei weitem nicht mehr so ab als damals. Und das Gefühl ist einfach HERRLICH. 🙂

    GLG
    Miriam
    http://www.enemenemimi.com

    • 28. August 2016 / 11:17

      Dankeschön, liebe Miriam. 🙂
      Das freut mich zu hören. Das hört sich super an, dass du dich deswegen
      jetzt nicht mehr so fertig machst. Das schaffe ich auch noch 🙂

      Love, Kat

  3. 26. August 2016 / 20:22

    Ach liebe Kat – diese Fressanfälle kenne ich vom Beginn meiner Abnehmphase im letzten Jahr… Das Problem ist einfach, dass die Schokolade eben noch in Reichweite ist. Jetzt, wo du deine Tafel getötet hast, wird sie du immerhin nie wieder solche Gefühle antun können – kauf bloß keine neue und schon ist so eine Fressattacke bald nicht mehr möglich 😉 Oder aber du schaffst das mit der Balance – da habe ich immer gern Schokolade, die nur aus Riegeln besteht (Kinderschokolade), da dann keine angebrochene Tafel vorwurfsvoll guckt… angebrochene Packungen wirken auf mich als „Motivator“, den Rest zu verbrauchen.
    Und gegen den Hunger hilft es, wenn man viel rohes Gemüse mit geringer Energiedichte isst. Man hat praktisch permanent was zu kauen, aber nimmt kaum Kalorien zu sich. Ich bin nämlich so ein Langeweile-Esser 😉 Aber natürlich braucht man zu den Mahlzeiten auch einfach ein bisschen was vernünftiges! Nur ist die Kartoffel halt besser als ein Toastbrot 😉

    Ich finde es übrigens praktisch, wenn ich mir abends was vorbereite, was ich morgens nur in die Tasche werfe (um halb 6 will ich nichts zubereiten oder gar essen). An der Arbeit löffele ich dann den Quark mit Müsli aus dem Marmeladenglas und esse mittags ein gekochtes Ei zu meinen Möhren.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du deine Ziele irgendwann erreichst und deine eigenen Tipps auch umgesetzt bekommst 🙂

    Liebe Grüße

    • 28. August 2016 / 11:19

      Danke für die tollen Tipps und die lieben Worte 🙂
      Ich kann sicher viele Idee mitnehmen und in meinen Alltag einbauen.
      Updates folgen natürlich auf dem Blog. 😉 What else.
      Daaaaanke für dein Kommi.

      Love, Kat

  4. 28. August 2016 / 20:20

    Ein wirklich toller Beitrag 🙂 Ich sitze hier grade und futtere neben dem Blogs durchgucken einen ganze Tüte Gummibärchen :S Ich bin ein Mensch der tagsüber total wenig isst und abends dann alles in sich rein stopft, was er nur finden kann… Ich weiß es ist nicht gesund. Aber ich brauche das einfach für meine Nerven, da ich weder Obst noch Gemüse esse, brauche ich also andere Sachen….
    Allerliebst

    • 30. August 2016 / 9:44

      Vielen Dank 🙂 Ach Gummibärchen sind doch nicht soooo schlimm. 😉
      Manchmal darf man darf auch. Ja so geht es mir ebenfalls. Abends futtere ich dann die halbe Küche leer.
      Da müssen wir etwas ändern. 🙂

      Love, Kat

  5. 13. Oktober 2016 / 19:23

    Das Zauberwort ist Insulin.
    Es ist fatal, seinen Insulinspiegel fallen zu lassen, und noch fataler in RASCH zu füllen. Alles, was Zucker hat, füllt den Insulinspiegel rapide auf – und da ist die Krux, denn der Spiegel fällt immer so schnell, wie er aufgefüllt wird.
    Dagegen hilft, die sog. komplexen Kohlenhydrate zu essen und den Insulinspiegel damit langsam zu füllen und langsam zu senken bzw. zu halten. Vollkornprodukte sind super, aber auch mal ein kleiner Apfel auf Guster. Wichtig ist: Heißhunger bedeutet einen starken Insulinabfall.

    Im Übrigen gibt es kein ungesund was die Zeiten angeht: Ob du deinen Kalorienbedarf um 8:00 füllst, über den Tag verteilt oder alles am Abend – völlig egal.

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