Speak up! || Als ich endlich meine Meinung sagte

Speak up! || Als ich endlich meine Meinung sagte

Es gibt diese Tage, die sich in die eigenen Gedanken fressen und dort weiterleben. Plötzlich auftauchende Erkenntnisse und die Frage, ob man sich mit dieser neuen Situation überhaupt anfreunden kann oder möchte. Dann denke ich an all die Momente, in denen ich den Mund gehalten habe und innerlich zerbrochen bin. Als meine Meinung ein dünner Faden an Wörtern war, der vom Wind verschluckt wurde. Was war besser? Das brave Mädchen ohne Meinung, die man einfach mochte, weil es leicht war oder die Frau, die mit ihrer Ehrlichkeit den Menschen plötzlich auf die Füße tritt, nur weil sie eine andere Ansichtsweise der Dinge hat? Es kommt mir komisch vor diesen Satz zu schreiben, aber ich bin mir wirklich nicht sicher. Wollen die Leute nur noch Roboter an ihrer Seite, die das Nicken perfektioniert haben?

Ich kenne diese Mädchen, die niemandem zu nahe treten und von allen gemocht werden wollen. Sie lachen über jeden Witz, kichern, stecken den Kopf zwischen die Schultern und verstummen, wenn sie zu einem Thema eine andere Meinung haben. Natürlich, ich war genauso. Und ganz plötzlich, als ich meine Stimme erhoben und über Probleme nicht mehr geschwiegen habe, bekam ich die Quittung dafür.
„Du hast dich total verändert.“
„Irgendwie verstehen wir uns nicht mehr so gut.“
„Früher mochte ich dich lieber.“ Autsch. Und so wahr. Früher war ich das Schoßhündchen ohne Hirn, habe gebellt, wenn ich durfte und mich hübsch im Hintergrund gehalten. Kaum sagte ich zum ersten Mal, was ich wirklich denke, verlor ich sofort einige Menschen aus den Augen. Weil sie mit meiner neuen Art einfach nicht zurechtkamen. Sie waren das stumme Lamm gewohnt, die liebe Kathi mit dem netten Lächeln. Ich habe mir nicht mehr alles gefallen lassen, nur weil ich eine kleine Frau mir Babyface bin. Wenn mich jemand schlecht behandelt, kehre ich das nicht mehr unter den Tisch oder winke freundlich ab. Ich habe sogar ein paar Leute blockiert, weil sie es abseits der üblichen Pfade nicht für nötig hielten, mich überhaupt eines Blickes zu würdigen. Well, shit happens. Ich hatte viele Freunde, sogar kleine Gruppen. Geblieben sind mir davon 4, vielleicht 5 Menschen. Nicht weil mich alle hassen, sondern weil ich nicht mehr jeden Bekannten, mit dem ich beim Ausgehen drei Worte wechsle als Freund bezeichne. Wer das tut, auch in Ordnung. Ich werde niemandem diktieren, wen er wie bezeichnen darf. 🙂 Aber wollen andere überhaupt noch ehrliche Freunde oder reichen ihnen die hübschen Puppen? Mir ist das nicht genug. Ich will Freundschaften mit Tiefe, ernste Gespräche und im nächsten Moment ein Lachen. Egal ob man einer Meinung ist oder nicht.

Nächstes Jahr werde ich mein altbekanntes Leben hinter mir lassen. Jede Routine, an die ich mich gewöhnt habe, jedes Detail eines normalen Tages wird sich schlagartig verändern. Auch Freunde werde ich zurücklassen müssen und trotzdem gehe ich voller Vorfreude. Weil ich weiß, dass die richtigen Freundschaften überleben werden. Die Freunde, die mich als ehrliche Kat angenommen haben, werden mich auch in meinem neuen Zuhause besuchen kommen und nicht einfach durch ein neues Anhängsel ersetzen. Macht euren Mund auf, sagt, was ihr denkt. Es ist eure Meinung, die ihr damit verschenkt, wenn ihr es nicht tut. Ihr müsst euch nicht in politische Schimpftiraden verstricken, aber wenn jemand euch verletzt, lasst es nicht einfach zu. Vielleicht verliert ihr dabei ein paar Menschen, die richtigen werden aber bleiben. Setzt euch für eure Gerechtigkeit ein! Man kann es ohnehin nicht jedem recht machen. Also warum sich damit quälen?

Eure Kat.

Foto by: Pixabay

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10 Kommentare

  1. 20. November 2016 / 14:31

    Ich bin auch gerade dabei, mich von der zurückhaltenden Frau, die seit fast 33 Jahren ihre Bedürfnisse nicht äußert und nicht sagt, was sie möchte und was nicht, zu der Frau zu verwandeln, die ich sein möchte. Nämlich jemand, der seine Meinung sagt und anspricht, was sie braucht. Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass jetzt, wo ich anfange meine Meinung zu sagen, andere meinen, ich sei schnippisch und sich über mein „neues Verhalten“ wundern. Dabei schlummert das schon immer in mir drin und es will nur raus. Es staut sich mit der Zeit alles so in mir an, dass es mich regelrecht ankotzt, dass ich nie aussprechen kann, was ich will (außer gegenüber meinem Freund). Immer ist da im Hinterkopf, ich könnte jemanden mit meiner Äußerung verletzten, aufmüpfig rüberkommen und was die Leute wohl von mir denken. Ich reagier bisher darauf mit Trotz und Ignoranz, auch nicht schön, aber ich schütze mich dadurch. Dabei machen es andere ganz genau so, sie nehmen sich, was sie wollen und fragen nach dem, was sie brauchen. Ich merke dabei auch, wie sich die Freunde von Bekannten trennen und es sollte mir egal sein, was diese Bekannten von mir halten, denn eigentlich sind sie mir nicht wichtig und akzeptieren mich ja eh nur mit meinem alten Ich.
    Darf ich noch fragen, wieso es genau im nächsten Jahr alles anders wird bei dir?

    In diesem Sinne, alles Liebe und viele Grüße
    Stephie

    • 21. November 2016 / 9:03

      Hört sich super an, Stephie. 🙂
      ja das neue Verhalten wird oft leider ziemlich missverstanden.
      Aber wie du sagst, das trennt Freunde von Bekannten.
      Nächstes Jahr ziehe ich um. 🙂

  2. 20. November 2016 / 21:24

    Hallo,
    du glaubst gar nicht, wie sehr mir dieserr Beitrag aus der Seele spricht. Ich habe lange gebraucht, um meine Meinung frei zu äußern. Ich habe lange gebraucht, um mich von einer Freundin zu lösen, die nicht sonderlich angetan war, dass ich mich verändere.
    Wie ging dieser Spruch: „An mir lieben alle, dass ich so direkt bin. Bis ich es dann mal bin!“,
    Dahinten steckt sehr viel Wahrheitsgehalt.
    Wie Stephie schon sagte, habe auch ich zu hören gekriegt, ich wäre ja zickig und gar nicht mehr die Freundin, die man schon seit Jahren kennt.
    Die Freundin, die , vielleicht sogar aus Angst, ihre Meinung nicht richtig preisgibt.
    Die Freundin, die sich sogar von ihren beiden besten Freundin unterdrücken lässt, weil sie meint, dass muss so sein.

    Ich bin froh, die Kurve gekriegt zu haben und bin in der Hinsicht schon ein kleines bisschen stolz auf mich.
    Auch wenn ich dadurch gleich beide Verloren habe, aber dann waren es wohl scheinbar nicht die richtigen Freundschaften.

    Ich wünsche dir, dass deine Freundschaften halten. bei allem, was du nächstes jahr geplant hast.
    Liebe grüße
    Melanie

    • 21. November 2016 / 9:05

      Hallo Melanie.

      Freut mich wirklich zu hören. Immer schön, wenn man seine Meinung mit jemandem teilen kann.
      Mir ging es lange ganz genauso wie dir. Da kann ich dich wirklich verstehen.
      Da kannst du auch wirklich stolz sein, das ist super.
      Das ist die richtige Einstellung, Liebes. 🙂

      Dankeschön, Melanie, das wünsche ich dir auch.

  3. Carina
    21. November 2016 / 10:22

    Hallo Kat.
    Ich kenne das auch nur zu gut, dass ich früher nicht so direkt war wie jetzt und damals als ich damit angefangen habe, weil ich auch endlich mein eigenes Leben leben wollte, dass viele, viele Leute blöd geschaut haben.

    Damals ist sogar die Freundschaft mit meiner besten Freundin zu Bruch gegangen, nicht nur wegen dem, aber ein Grund.

    Man sollte auf jeden Fall nicht aufgeben, wenn man so sein möchte wie man will und daher kann jeder stolz auf sich sein, der aus seiner gewohnten Rolle ausbricht, wenn er es wirklich nicht mehr sein möchte.

    Wünsch uns allen viel Erfolg, bei all den Dingen, die wir vorhaben. 🙂

    Liebe Grüße, Carina.

    • 25. November 2016 / 8:44

      Hey. 🙂

      Tut mir leid zu hören, aber gut, dass du nie aufgegeben hast. Finde ich toll.
      Schade, wenn dabei Freundschaften zu Bruch gehen. Aber manchmal muss man an sich selbst denken.
      <3

  4. Sabine
    21. November 2016 / 19:44

    Sehr motivierend danke 👍👏

    • 25. November 2016 / 8:44

      Vielen Dank Carrie 🙂

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