Book crisis reloaded & Hello again

Book crisis reloaded & Hello again

Ich würde lieber jedes Haar auf meinem Kopf zählen als zugeben zu müssen, dass ich eine Schreibblockade habe. Es ist wahr, ruft den Präsidenten an. Die schrecklichen Neuigkeiten dürfen den Menschen nicht vorenthalten werden. Seit zirka einer halben Stunde starre ich den Bildschirm an. Und alles, was er macht, ist zurückstarren. Nicht besonders hilfreich. Doch von selbst wird er keine Worte tippen. Da muss ich ihm schon unter die Arme…ähm Tasten greifen. Blöd nur, wenn der Schreiberling selbst seinen Kopf im Wald vergessen hat und den Handlungsfaden der Geschichte gerade einfach nicht finden kann. Die allmonatliche Buchkrise hat also wieder Einzug in mein Haus erhalten. Herzlichen Willkommen, einen Kaffee vielleicht? Wie lange wollen Sie denn blieben, wenn ich fragen darf? Ach, doch so lange. Da hilft auch keine höfliche Kommunikation. Wörter müssen her, am besten welche, die auch noch gut klingen und zur Story passen. Wie ich das machen soll, hat sich mir noch nicht offenbart. Aber nicht verzagen, positiv denken. Dann hol ich mir mal einen Tee und wenn ich zurückkomme, fällt mir bestimmt etwas ein.

Da bin ich wieder. Nein, mir ist immer noch nichts eingefallen, was für eine Überraschung. Stattdessen ist mein Hirn jetzt voll von Zweifeln und Ängsten, na wunderbar. Wer hat die den eingeladen? Schaffe ich es, das Buch je fertig zu schreiben? Würde es überhaupt irgendjemand kaufen? Und das andere Buch, das fertige? Wird das jemand lesen? Ja, nein, vielleicht? Es ist wahrlich zum Verrücktwerden. Aber zumindest ist mir klar geworden, wovor ich mich wirklich fürchte: vor dem Erfolg, oder eben vor einer Niederlage. Beide Begriffe gehen Hand in Hand, wie ich finde. Entweder hat man Erfolg, oder die Niederlage reißt alles nieder. Natürlich will ich endlich als Autorin erfolgreich sein. Die Frage ist: Bin ich dem Ganzen überhaupt gewachsen? Bin ich stark genug, es zu ertragen, wenn jemand mein Buch scheiße findet? Halte ich es aus Kritiken und Hasspostings zu lesen? Tue ich das? Da bin ich mir nicht sicher. Will ich dann überhaupt mein Buch herausbringen, wenn es so viele negative Aspekte geben könnte? Da! Da war das Wort! Könnte! Natürlich könnte es passieren. Natürlich könnte ich auf ganzer Linie versagen und mich in Grund und Boden schämen, weil mein Buch das schlechteste aller Zeiten ist. Aber das ist alles eine Vorannahme, keine Tatsache. Genauso gut könnte ich es schaffen, in den Olymp der Bestseller aufsteigen und in einem Pool voll Hundertern eine Runde schwimmen. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Fakt ist, dass man es versuchen soll. Nein, nicht soll. MUSS! Man bereut immer die Dinge, die man nicht gemacht hat. Fragt sich, was wäre wenn. Ne ne, das machen wir nicht. Wir verlassen unsere Komfortzone und machen endlich Sachen, vor denen wir zwar Angst haben, aber unbedingt machen wollen.

Also blockiert die Angst meinen Kopf, sodass er nicht arbeiten kann. Nicht sehr nett. Das Gute ist, jetzt, wo ich das weiß, fällt es mir leichter. Nach einer Runde Durchatmen und entspannen habe ich es endlich geschafft eine Seite zu schreiben. Oh ja, eine ganze Seite. Das muss mir mal jemand nachmachen. Dann noch eine Seite und vielleicht wird’s sogar eine dritte. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Um euch nicht komplett mit meiner Krise zu langweilen, darf ich euch ein vorzeitiges Ostergeschenken überreichen. Ganz feierlich und mit Trommelwirbel bittesehr. Nach dem ersten Auszug meines Buches habe ich ein paar liebe Komplimente bekommen. Zum Beispiel: Wann kommt es endlich raus? Ich würde es lesen? Schickst du mir eine Leseprobe? Das hat mich wirklich sehr gefreut. Und deshalb möchte ich euch heute die ersten paar Seiten von „Die Schatten wussten es“ online stellen. Viel Spaß beim Lesen & bis bald.


Jetzt

Meine Augen fühlen sich geschwollen an. Es ist, als wäre mein ganzer Körper taub. Wo bin ich? Kälte frisst sich durch den dünnen Kittel, den ich trage und jeder Zentimeter Haut ist nass. Es riecht nach Schnee und spätem Winter. Was ist passiert? Vorsichtig öffne ich die Augen. Gebrochene Sonnenstrahlen zwängen sich durch Äste. Ist es Morgen? Die Sonne geht auf. Mein Gesicht liegt zwischen Schneematsch und toten Blättern vergraben. Ich sehe verwelkte Farben, viel Rot. Überall verblasstes rot und gelb. Langsam versuche ich mich zu bewegen. Meine Glieder sind steif, alles ist irgendwie seltsam und falsch. Etwas Helles drängt sich in mein Blickfeld und ich richte mich auf. Ich sehe nur verschwommen, ein schaler Geschmack liegt mir auf der Zunge. Wie lange bin ich schon hier? Meine Hand ist rot, warum? Da bemerke ich blutige Fingernägel, welche sich neben meinem Kopf in den Boden graben. Meine Augen weiten sich, ich will schreien. Alles in mir schreit doch kein Ton kommt aus meinem Mund. Oh Gott. Oh Gott, nein. Eine Leiche. Rote Schlieren ziehen sich wie Bänder über ihr Gesicht, verlaufen in das weiße Meer, in dem sie liegt. Ist das ihr eigenes Blut? Panisch taste ich meinen Körper nach Wunden ab. Nur keine Spuren hinterlassen. Mein Herz drückt schmerzhaft gegen meine Brust. Sie ist tot, scheiße. Ich muss Hilfe rufen, irgendetwas tun. Doch ich bleibe einfach sitzen und starre sie an. Wir sind alleine. Habe ich ihr das angetan? Ich fange an zu zittern, eine neue Attacke bahnt sich an. Da liegt sie. Tot, zu Eis gefroren. Der Regen tropft unbeirrt auf meinen Kopf, es macht mich wahnsinnig. Atme!
Die schlammigen Fußabdrücke führen direkt zu mir. Der Wald ist so ruhig, dass meine Atemzüge unnatürlich laut klingen. Atme weiter!
Es wird nicht mehr lange dauern, bis jemand vorbei kommt und mich sieht. Dieser Weg ist kein gutes Versteck. Ich spüre ihre kalte Hand neben meiner und weiche zurück. Ich will sie nicht berühren. Ich darf sie nicht berühren. Mit erloschenen Augen starrt sie mich an und verurteilt mich. Hast du mich getötet? Hast du mir mein Leben genommen? Ich schüttle den Kopf, spüre wie die Tränen kommen. Nicht weinen, Mila. Du hast nichts getan. Die letzten Stunden sind wie im Nebel, ich erinnere mich an kaum etwas. Ich könnte niemanden töten, möchte ich ihr sagen. Aber ich weiß, dass sie es nicht hören würde. In ihren nassen Haaren hängen Zweige, verfilzt mit Erde. Ihr Nacken wirkt seltsam verbogen. Ist sie daran gestorben?
Der Wind faucht durch die Bäume und ich fange an zu zittern. Warum bin ich hier? Meine Gedanken sind ein wirres Knäuel aus Fragen. Medikamente. Das Wort hallt durch meinen Kopf. Aber keine Antworten. Ich muss sofort weg. Wenn sie mich hier finden, werden sie mich sofort verdächtigen.
Schnell stehe ich auf, blicke ein letztes Mal auf ihren starren Körper und dann laufe ich. Ich war nie ein Freund des Laufens, deshalb fängt meine Lunge nach wenigen Metern an zu brennen. Meine Füße zertreten Äste, es knackt bei jedem Schritt. Hat so auch ihr Genick geknackt, als es ihr gebrochen wurde? Der Wald reißt die Haut an meinen Fersen auf, gefallenen Nadeln stechen in meine Sohlen. Blutige Abdrücke kennzeichnen meine Spur. Sie werden mich finden.
Meine Atemzüge überschlagen sich und ich fange an zu keuchen. Weiter, ich muss weiter. Hinter mir höre ich Stimmen. Verzweifelte Rufe und jemand weint. Sie haben sie gefunden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch mich finden. Lauf schneller, verdammt. Ständig rutsche ich auf dem nassen Boden aus, meine Hände sind von der Kälte gerötet. Allmählich fällt es mir wieder ein. Das Krankenhaus, da komme ich her. Es trifft mich mit voller Wucht, wenige Meter vor meinem Haus breche ich zusammen. Sie ist tot, flüstert es in mir. Sie ist tot. Was soll ich nur tun? Tränen laufen mir über die Wangen und ich möchte für immer liegen bleiben. Meine Mutter wird Fragen stellen, jeder der mich sieht, wird sich etwas zusammenreimen. Alle werden denken, dass ich es war. Du hast sie doch gehasst, oder?, werden sie sagen. Das stimmt. Aber macht mich das zu ihrer Mörderin?

Vorher
Kapitel 1

Der Vogel hackte wütend gegen die Scheibe, mir brummte der Kopf. Ich blinzelte ein paar Mal und blickte zum Fenster. Du schon wieder. Jeden Tag saß dieser Störenfried neben meinem Zimmer und klopfte seine grauenhaften Melodie. Warum war der denn nicht in den Süden geflogen? War es zu früh?
Die Kopfschmerzen wurden schlimmer, was hatte ich nur wieder getan? Der Geruch von Pfannkuchen quälte sich unter dem Türspalt zu mir herein.  Hunger lockte mich schließlich aus dem Bett, in die Küche hinunter. Meine Schicht in der Bücherei fing erst um acht an, also hatte ich Zeit. Emily begegnete mir auf dem Weg zur Treppe.
„Na Schlafmütze. Riechst du auch die Verlockung?“
Ich nickte grinsend und wir gingen zusammen die Stufen hinunter. Unsere Schritte brachten das Holz zum Quietschen. Der Tisch war bereits mit meinem Vater besetzt, Mum stand am Herd und drehte die Pfanne in der Hand. Hatte Nicholas wieder verschlafen?
„Guten Morgen.“, sagte mein Dad, hob jedoch kaum den Kopf von seiner Zeitung. Oft hatte ich Angst, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Nichts veränderte sich, jeder Tag war gleich. Der Vogel, die Zeitung, Nicholas, der das Frühstück verpasste.
„Hat jemand Lust auf Pfannkuchen?“, fragte meine Mutter fröhlich.
„Zwei. Danke Mum.“
„Nope, keine Hunger.“
„Also zwei für Mila, alles klar.“ Sie summte vor sich hin. Ich hatte sie schon lange nicht mehr so zufrieden erlebt.
Ein dampfender Teller stand vor mir und ich machte mich daran, Sirup über alles zu kippen.
Über mir begann es zu poltern. Offenbar hatte Nicholas es aus dem Bett geschafft. Es klang wie ein Kampf mit hundert Soldaten. Sachen fielen zu Boden, stampfende Schritte, ab und an ein wütender Aufschrei.
Ich schüttelte den Kopf. Nicholas veranstaltete dieses Theater jeden Morgen, man lernte es zu ignorieren. Kauend blickte ich zu Emily, welche mich anlächelte. Die Glückliche fuhr an diesem Tag nach Brighton an den Strand. Offenbar kannte sie dort eine Menge Leute und hatte beschlossen, sie mal zu besuchen. Mich ließ sie hier. Waren ja nicht meine Freunde, wie sie so nett betont hatte.
Unsere Eltern hatten nichts dagegen. Das waren wohl die Vorteile, wenn man zwei Minuten älter war.
„Grins nicht so blöd.“, murmelte ich und streckte ihr die Zunge raus.
„Mila!“
„Tut mir leid, Mum.“
In diesem Haus durfte man auch gar nichts. Nicht mal mit einundzwanzig.
Nicholas hatte mittlerweile die Küche gefunden und stürmte herein.
„Bin spät dran.“, keuchte er nur, schnappte sich einen Pfannkuchen und war bereits aus der Tür, bevor Mum etwas sagen konnte. Stattdessen schüttelte sie den Kopf.
„Dieser Junge. Irgendwann bricht er sich noch den Hals.“
Mein Vater fand das wohl sehr lustig und lachte verhalten hinter seinem Stück Papier. Brüder konnte man sich eben nicht aussuchen.

So, das war’s mal wieder mit dem Beitrag. Relativ unspektakulär, ich gelobe Besserung. Ich hoffe, der kurze Einblick hat euch gefallen und wir sehen uns bald wieder.

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