Alte Freunde, neue Verrücktheiten

Alte Freunde, neue Verrücktheiten

Ungläubig, mit Brillenputztuch und Kaffee bewaffnet, betrachte ich die Nachricht, welche gerade den Weg in meinen Posteingang gefunden hat. Von Julie. Die Geschichte von Julie und mir ist lang und hat einige Höhen und Tiefen. Da sie für den Post jedoch irrelevant ist, werde ich mich auf die knallharten Fakten beschränken. Julie und ich kennen uns seit Jahren. Wir haben uns über das Internet kennengelernt und wurden schnell beste Freunde. Mit demselben Faible für Harry Potter und Bücher im Allgemeinen war die Basis bereits vorhanden, wir mussten nur unser Freundschaftshäuschen darauf bauen. Doch wie der Mensch so ist, verändert er sich mit der Zeit. Haare werden kürzer oder heller, Entfernungen scheinen plötzlich überdimensional. Und so war es auch bei uns. Wir veränderten uns und hatten plötzlich nichts mehr miteinander zu tun. Freundschaften gehen im Laufe des Lebens oft auseinander, manche finden wieder zueinander, manche nicht. Es kommt einem trotzdem wie das Ende der Welt vor, wenn man ein Mensch, der lange Teil von einem war, plötzlich nicht mehr in das Chaos namens Leben zu passen scheint. Man kann es nicht verhindern. Charaktere entwickeln sich, verdrehen und krümmen sich um den Menschen zu formen, der man sein wird.

Sowohl Julie als auch ich haben eine deutliche Verwandlung hinter uns. Nicht nur äußerlich, was alleine schon erstaunlich wäre. Freundschaften enden, wenn sie nicht mehr zu den Menschen passen, die sie führen. Und genau so kam es. Wir lebten uns, wie man so sagt, auseinander, was nicht schwer war, da sie in einem anderen Bundesland wohnt als ich. Anfangs fehlten mir die gemeinsamen Fanfiktions, das Serien gucken oder zusammen den Songcontest zu sehen und mitzusingen, weil wir die DVD schon zig Mal geschaut hatten. Doch wie mit allen Dingen wird es irgendwann leichter. Ab und zu bemerkte ich Posts auf Facebook von ihr, fragte sie, wie es ihr ging. Alles sachlich, alles oberflächlich gehalten. Bis zu jenem schicksalhaften Tag, Dramaqueen ahoi, an dem sie mir plötzlich schrieb. Vollkommen unerwartet las ich ihre Nachricht und schrieb sofort grinsend zurück. Auf einen Schlag war die Verrücktheit, die wir so lange geteilt hatten, wieder da, aber neu. Weil es gepasst hat. Weil wir es nicht erzwungen und uns einfach wieder darauf eingelassen haben.

Lange Rede, viel zu viel Sinn. Es hört sich komisch an, wenn man sagt, dass etwas kaputt gehen muss, damit etwas Neues entstehen kann. Aber ich werde nicht lügen: Bei uns war es so. Wir mussten die kindliche Naivität abstreifen, unsere alte Freundschaft niederreißen, um eine neue beginnen zu können. Bald fahre ich Julie besuchen, was ich mir vor ein paar Wochen nicht einmal hätte vorstellen können. Doch es passt und es ist gut. Ziemlich gut sogar. Denn so eine durchgeknallte, wundervolle Person darf man nicht einfach der grauen Masse übergeben. So jemanden sollte man festhalten und zu schätzen wissen. Julie, ich hab dich lieb. J
Und jetzt erfreut euch an dem bescheuerten Wahnsinn, der sich unsere Mail-Kommunikation nennt:

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Von Julie an Kat:
„Sehr geehrte Kat,

Ich danke Ihnen vielmals und bin entzückt über Ihre Freude.
Zu großes Ego vermute ich. Das männliche Ego muss schrumpfen.
Unser Universum ist das einzige, das zählt 😉
Da freue ich mich sehr drauf! Werde ich mir heute Abend zu Gemüte führen.
Das freut mich, denn der Tag ist noch nicht mal zur Hälfte vorbei.
Es ist schön zu wissen, dass ich etwas zur Erweiterung Ihres bereits sehr ausgeprägten Vokabulars beitragen konnte.
Natürlich teilen wir uns den. Sie haben diesen Titel ins Leben gerufen, also tragen Sie ihn auch. Keine Widerrede 😀

Beste Grüße,
Julie, Königin Nr1, des Universums“

 

Von Kat an Julie:
„Sehr geehrte Julie.

Ich bin ebenso entzückt wie Sie. Eureka. 😀
Das Ego muss schrumpfen. Was mich zu dem beliebten Zitat führt: Sie wurde fachgerecht aufgestochen.
Es ist immer schön, Harry Potter zitieren zu können. Lang lebe, JK.
Und ein Hoch auf unser Universum. Wuhu.
Ich habe die benötigten Dokumente bereits weitergeleitet und freue mich auf ihre Rückmeldung.
Nun denn, mein Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Mein Vokabular dankt Ihnen sehr herzlich.
Fortan melde ich mich zu morgiger Stunde wieder bei Ihnen. Verbleiben Sie wohl.

Beste Grüße,
Kat, Königin Nr2, des Universums.“
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London 2013

Hab ich zu viel versprochen? Eigentlich müssten wir die Nachrichten ausdrucken und als Buch veröffentlichen. So viel Blödsinn, voller Charme aber ohne Melone, darf nicht ungelesen bleiben. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, mit denen man sich zum Affen machen kann und es sich einfach richtig anfühlt.

Habt ihr auch solche Menschen? Dann schickt Ihnen diesen Beitrag und bedankt euch für ihre wundervolle Verrücktheit.

 

 

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2 Kommentare

  1. 1. März 2016 / 18:21

    Oh das Bild *-* richtig schön geschrieben und danke fürs Erwähnen 🙂 ich finds so geil dass wir uns durch eine einzige doofe Mail wieder so gut verstehen 😀 und ich freu mich sehr auf deinen Besuch 🙂

    • 1. März 2016 / 18:32

      Dankeschön! 🙂 Ja ich dachte mir, was passt besser als ein Bild aus London? 😉 Ja es ist wirklich genial, was man mit der heutigen Technik alles machen kann. 😀 Super. ich freu mich auch schon total, wieder zu dir zu fahren. 🙂

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