7 Tage 7 Stories | The perfect cozy Sunday

7 Tage 7 Stories | The perfect cozy Sunday

Die Stille klettert in alle Ecken. Das milchige Gelb der Sonnenstrahlen folgt ihr.
Es ist so ruhig im Zimmer, weil der Wecker an diesem Tag endlich schweigt.
Meine Haare fallen mir in die Augen, bedecken mein halbes Gesicht. Und die Welt hat aufgehört zu atmen, denn irgendetwas ist anders.
Schaumstoff und Federn drücken gegen meinen Körper. Das Kissen unter meinem Kopf schmiegt sich an meine Wange.
Ich will nicht aufstehen. Das wollte ich nie. Aber heute fällt es mir ganz besonders schwer.
Vor dem Fenster tobt ein stiller Sturm aus Wind und Wolken. Als könnten sie sich nicht entscheiden, wer den Sonntag regieren soll. Letztendlich ist es mir egal. Denn ich plane nicht, meine Wohnung überhaupt zu verlassen.
Mir entkommt das Gähnen, das ich seit Minuten unterdrücke und langsam setze ich mich auf.
Sonntag. Der einzige Tag der Woche, der keine Ansprüche an mich hat. Der mich nicht dazu zwingen möchte, etwas zu tun, dass ich nicht will.
Er bringt mir Ruhe und dieses inneren Frieden. Dieses Gefühl, mich nicht dafür schämen zu müssen, weil ich den Tag im Bett aussitze.
Jeder andere Tag macht mir ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Seele baumeln lasse.
Aber der Sonntag sagt einfach nichts. Lächelt, nickt und lässt mich gehen.
Mit schweren Beinen steige ich aus dem Bett, ziehe die handgestrickten Socken meiner Oma über die Füße und gehe in die Küche.
Ein Meer aus Gelb und Orange kitzelt mein Gesicht, das schwache Sonnenlicht spiegelt sich in den Gläsern auf der Theke.
Wie selbstverständlich streichen meine Finger über das Holz der Schränke, öffnen die Türen und holen meine Lieblingstasse heraus. Weiß, mit roten Buchstaben.
You know you can. 
Teebeutel, Wasser, Milch. Vielleicht etwas Zucker. Das ist alles, mehr brauche ich nicht.
Die Socken rutschen über den glatten Fußboden. Und ich muss sofort wieder an ihn denken.
An den Blick, den er mir immer zugeworfen hat, wenn ich durch die Küche gerutscht bin. Als er meinte, wir sollten doch ein Rennen veranstalten und ich mir dabei beinahe den Arm gebrochen hätte. Meine Tränen sanken in sein T-Shirt und er hat mich einfach gehalten. Ich spüre den Kuss auf meiner Stirn, seine Hände auf meiner Taille.
Wann sind solche Momente zu Erinnerungen geworden? Wann hat dieser Mann aufgehört zu existieren und sich verändert?
Ich halte mich an meiner Teetasse fest, weil sie alleine mir heute Gesellschaft leisten wird.
Sie, und ein Buch voller Seiten gefüllt mit einer Geschichte, die ich noch nicht kenne.
Ein paar Flocken Zimt falle in meinen Tee, färben ihn dunkel. Wie der Herbst die Blätter.
Die letzten Reste eines Geburtstagskuchens landet auf einem Teller, jeder Krümel ein Stück Vergangenheit.
Langsam gehe ich wieder nach oben in mein Zimmer, schließe die Tür hinter mir und seufze. Es ist niemand zu Hause außer mir. Dieser Sonntag ist nur für mich, ob ich will oder nicht.
Einzelne Wolken fliehen über den Himmel, spielen mit der Sonne Verstecken.
Und ich lasse meine Beine endlich einknicken, setze mich neben das gekippte Fenster auf den Boden und lehne meinen Kopf gegen die Wand.
Die Kuscheldecke wickle ich um meinen ganzen Körper, das Buch wartet darauf, dass ich es aufschlage.
Aber worauf warte ich?
Mit jedem Atemzug wird die Welt langsamer und ich kann mich nicht entscheiden, welche Gedanken mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Es sind so viele. Und sie kommen alle auf einmal.
Frühstück im Bett.
Eine Bluse voller Tee und Geheimnisse.
Ich sitze zwischen Tassen und ein paar Lügen.
Der Kellner aus dem Café.
Sein Blick, als er meinen auffing.
Stopp.
Mit zittrigen Hände trinke ich einen Schluck und lasse die Tasse meine Finger wärmen.
Die Scheibe ist kalt, Glas berührt die nackten Stellen meiner Haut.
Endlich hebe ich das Buch auf, lege es auf meinen Schoß und fange an zu lesen.
Ich habe keine Ahnung, worum es geht. Ich weiß nur, dass es einer gewissen Tina gehört hat. Der Name steht auf der ersten Seite, das Buch lag verlassen im Café.
Und der fremde Kellner meinte, ich könnte dem armen Roman doch ein neues Zuhause schenken.
Ich weiß nicht, warum er es ausgerechnet mir anbot. An diesem Tag war das Café beinahe bis auf den letzten Platz voll. Doch er sah wohl das Buch in meiner Tasche und zog seine Schlüsse.
Sonntag.
Meine Sonntage haben wir sonst zusammen verbracht. Auf der Couch, mit einem halben Kilo Chips. Tanzend in der Küche, nachdem wir den Versuch aufgegeben hatten Cupcakes zu machen. Lachend im Bett, während er mir Geschichten seiner verrückten Tante erzählte.
Diesen Sonntag verbringe ich alleine. Der erste von vielen.
Mit Tee, Kuchen und einem Buch. Neben dem Fenster, unter der Decke und einem Kopf voller Fragen, die ich lieber nicht stelle.
Die Zeit tickt an mir vorbei, ich bin Hals über Kopf in die Geschichte hineingefallen. Und mit lautlosen Worten danke ich Tina, dass sie dieses Buch für mich zurückgelassen hat. Als hätte sie gewusst, dass ich die Ablenkung dringender brauche als sie.

It’s Sunday! Und somit der letzte Tag unserer 7 Tage 7 Stories-Challenge. Da ich aber leider zwei Themen versäumt habe, geht es bei mir morgen weiter. Also seid gespannt, was noch kommt.
Die heutige Kurzgeschichte handelt von dem perfekten cozy Sunday und was ich an diesem Tag so gerne mag. Außerdem ist es ein Auszug aus meinem aktuellen Buch, an dem ich zurzeit arbeite.
Es war eine wirklich wundervolle Challenge zusammen mit Julie und ich freue mich über jeden Kommentar, jedes Like und jeden, der auch selbst mitgemacht hat.

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2 Kommentare

  1. 19. September 2017 / 10:55

    Hallo liebe Kat.
    Bei deiner Geschichte könnte man fast meinen, dass es deine eigene Geschichte ist und nicht die aus einem deiner Projekte.
    Dein Schreibstil erstaunt und erfreut mich immer wieder. Ich liebe ihn.
    Mittlerweile bin ich mit meinen Texten auch zufriedener und probiere mich aus.
    Am Anfang kam ich mir wie eine Schülerin aus der Volksschule vor, die gerade erst beginnt zusammenhängende Sätze zu einem Ganzen zusammenzufügen.
    Freue mich schon auf die restlichen Geschichten, die du noch nicht gemacht hast.
    Ganz liebe Grüße und bis bald ;-),
    Carina.

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