Travel Diary – Venedig [Part 1]

Travel Diary – Venedig [Part 1]

Es war eine Reise ins Ungewisse. Denn anders als bei all meinen anderen Abenteuern habe ich beinahe keine Zeit dafür verwendet, etwas zu planen. Wir wussten weder, was es zu sehen gab, noch, wo genau wir überhaupt landen würden. Und eines weiß ich: das mache ich nie wieder. Denn obwohl mir die langwierige Planerei oft so manchen Nerv raubt, es wäre mit einfach um einiges unkomplizierter gewesen. Venedig ist das reinste Labyrinth und wir kamen uns mehr als einmal wie in einem Kinderspiel vor, weil sich die Gassen vor unseren Augen zu verschieben schienen. Rote Schultern, schmerzende Füßen und Schweißperlen, die nicht nur auf der Stirn ihr Zuhause gefunden haben. Venice, thank you for having us.

Spät nachts fuhren wir mit dem Auto nach Linz, weil von dort der ÖBB Hellö Bus starten würde. Wir gönnten uns Zeit, ließen Hektik erst gar nicht aufkommen und erreichten den Abfahrtort bequem eine gute Stunde zu früh. Mein Freund vertrieb sich die Zeit mit der Suche nach Pokemons und ich ließ meine Kamera ein paar Minuten laufen, um später ein schönes FMA zusammen zu schneiden.  Der Bus stand bereits zur Abfahrt bereit, als wir mitsamt Koffer und Rucksack zur Haltestelle schlenderten. Auf den ersten Blick fiel auf: Es waren kaum Leute da, was mich aber bei der unchristlichen Zeit von 23.40Uhr nicht sonderlich wunderte. Waren wir eigentlich verrückt?, war mein nächster Gedanke, als wir unsere Sitze im Bus einnahmen. Die nächsten acht Stunden würde das unsere Basis sein, der Ort, an dem wir essen, schlafen und atmen würden. Mit einem leisen Zischen schlossen sich die Türen, der Bus wirkte wie eine Geisterstadt mit vereinzelten Fahrgästen. Ich filmte, Fabs fing ein Pokemon nach dem anderen und die heile Welt schien sich endlich einzustellen. Bis wir dann versuchten in diesem fahrenden Rumpelkasten zu schlafen, was nämlich nur grenzwertig funktionierte. Seid ihr schon einmal mit einem Bus in den Urlaub gefahren? Wenn nicht, dann überlegt es euch gut. Für Menschen, die ein gewisses Schlafbedürfnis haben, ist es nämlich definitiv nichts. Aber mehr dazu könnt ihr hier lesen. Da einige Plätze einsam vor sich hin gähnten, teilten wir uns auf, so dass jeder eine Sitzreihe für sich hatte. Jede gefühlte Stunde wachte ich wieder auf, von Erholung konnte wahrlich keine Rede sein. Als endlich der Morgen graute und die Landschaft sich verändert hatte, setzten wir uns auf. Zerzauste Haare, Schweiß der die Haut verklebte. Wir fühlten uns wie drei Tage ohne Dusche und ich wette, so sahen wir auch aus.

Um 8.10Uhr kamen wir in Tronchetto, beim Busbahnhof, an. Der Koffer schien plötzlich Tonnen zu wiegen und ich fragte mich, warum ich überhaupt Kleidung eingepackt hatte. Es war für jeglichen Fetzen Stoff viel zu heiß. Dank vorzeitiger Recherche, die ich noch in Österreich getätigt hatte, waren wir über den Wasserbus, der uns ins Zentrum bringen würde, informiert. Ein Bus, der auf dem Wasser fährt. Also eigentlich ein Boot. Es kam mir wie eine andere Welt vor. Motorengeräusche und Autohupen gehörten auf einmal der Vergangenheit an. Keine Scheinwerfer, quietschende Autoreifen oder glänzende Windschutzscheiben. Es gab nur die Häuser, das Wasser und den Bus, der die Oberfläche zerpflückte. Die Wasserbusverbindung ist wirklich einfach zu verstehen und wir hatten keine Probleme, uns mit dem Fahrplan vertraut zu machen. Bei der Rialto Brücke stiegen wir aus und fanden uns zwischen hunderten Touristen eingequetscht wieder. Erste Herausforderung: In welche Richtung sollten wir gehen? Und trotz ausgedruckter Wegbeschreibung rauchte uns nach wenigen Minuten der Kopf. Wir rannten im Kreis, stießen mit anderen Leuten zusammen und traten beinahe in achtlos liegen gelassenen Hundekot. Nichts destotrotz versuchten wir unsere Urlaubslaune nicht zu verlieren. Und das, obwohl uns die Sonne auf den Kopf knallte und der Schweiß jede einzelne Pore erobert hatte. Doch die Fehlversuche häuften sich und irgendwann sahen wir uns gezwungen, das GPS mitsamt Internet einzuschalten und uns den Weg weisen zu lassen. Mit Mühe fanden wir endlich unser Hotel, das versteckt zwischen Efeu und Gassen in einer winzigen Nebenstraße lag. Von wegen beste Zentrumslage.

Die Aussicht auf eine erfrischende Dusche ließ uns die Startschwierigkeiten vergessen. Nach Kleidungswechsel und dem Packen meiner lebensnotwendigen Tasche ließen wir uns erneut auf Venedigs seltsamen Charme ein. Der Schlafmangel steckte uns in den Knochen, doch das stellte kein Hindernis da. Wir kämpften uns tapfer durch die Menge, ich knipste Fotos und drehte ein paar Videos. Vorbei an Müll und Kot, zwischen Gestank und Pizzaduft. Venedig war auf den ersten Eindruck vor allem eins: Eine Stadt der Gegensätze. An der einen Ecke fand man eine edle Boutique mit Klimaanlage und netten Verkäuferinnen und an der nächsten stieg man beinahe in die Hinterlassenschaft des vorherigen Hundes. Es roch oft unangenehm, wo ich nur die Nase rümpfen konnte. Wie durch ein Wunder kamen wir am Piazza san Marco an und genossen für ein paar Minuten den Ausblick auf das endlos wirkende Wasser, dem Anfang des Canal Grande, was ich fälschlicherweise als Meer betitelte. Upsi. Der Anblick war jedenfalls wundervoll. Das Wasser plätscherte zwischen Holzbauten und Gondeln gegen steinerne Treppenstufen und wurde schnell zu meinem Highlight des Tages. Nach dem Souvenirshopping wollten wir weiterziehen, was natürlich nicht ohne Komplikationen von statten ging. Die Rialto Brücke fanden wir nur durch viel Glück wieder und nach einem Essen, das meinen Magen rebellieren ließ, hatten wir erst einmal die Nase voll. Bisher hatten wir außer dem Markusplatz und dem glitzernden Wasser nicht viel Schönes von der Stadt gesehen. Ein paar hübsche Winkel mit bunten Häusern, Blumen und einem zarten Strom aus Wasser dazwischen, was jedoch wirklich ein Foto wert ist. Aber überzeugen konnte es uns bis dahin noch nicht. Wir verliefen uns erneut, rannten wie kopflose Hühner durch die Gassen und es dauerte beinahe eine Stunde, bis wir wieder zum Hotel fanden. Dank Navi auf dem Handy, ansonsten würden wir vermutlich jetzt noch dort herumirren. Also gönnten wir uns eine Ruhepause im Hotel, versorgten die schmerzenden Füße, schalteten die Klimaanlage ein und schliefen eine Runde, welche die trostlose Nacht wieder wettmachen sollte.

Zwei Stunden später wagten wir einen erneuten Versuch, mit frischem Oberteil und einer leichteren Tasche schlenderten wir, stets darauf bedacht auch auf den Weg zu achten, den wir gingen, durch Venedig und fanden uns auf der anderen Seite der Rialto Brücke wieder, wo wir an kleinen Ständen mit Schmuck und Souvenirs entlangliefen, ein paar Fotos machten und uns über unserer eigene Tollpatschigkeit schlapp lachten. Mein Freund ist eigentlich ein Meister im Karten lesen aber die Karte von Venedig konnte selbst er nicht knacken. Also hieß es weiterhin auf die eigenen Schritte achten. Neben dem Canal Grande setzten wir uns schließlich, nach einem schönen Spaziergang durch vertrautes Gefilde, in ein Restaurant. Leider war mein Salat ziemlich bitter und ich schlug mich mit dem Rand der Pizza durch, die Fabs sich bestellt hatte. Zum Glück ist er ein großzügiger Teiler und verköstigte mich gerne. Traute Zweisamkeit und lockere Sprüche machten den holprigen Tag dennoch zu etwas Besonderem. Gondeln fuhren an uns vorbei, Blumen wogen ihre Köpfe im Wind und ich seufze dankbar, dass ich trotz allem hier mit ihm sitzen durfte. Die Sonne sank zwischen den Häusern zu Boden und nach unserem Irrgarten spielen waren wir uns einig: so gerne wir die Stadt bei Nacht sehen möchten, wir wollen nicht im Dunkeln durch die Gassen streifen und vielleicht erneut verloren gehen. Wir fanden beinahe auf Anhieb zurück zum Hotel, duschten erneut und sanken in die Federn. Meine schmerzenden Füße waren mir dafür auch sehr dankbar. Venice Day 1 – done!

Eure Kat.

P.S.: Tag 2 kommt in ein paar Tagen ebenfalls online. Aber vorher muss das FMA-Video fertig geschnitten und bearbeitet werden. Mein erstes Video, ich bin sehr gespannt.

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