Travel Diary Lissabon [Tag 3 & 4] + Video

Travel Diary Lissabon [Tag 3 & 4] + Video

Tag 3

Das ungute Gefühl, das sich in die eigene Adern geschlichen hatte, wollte mich nicht mehr loslassen. Wir hatten nur vier Tage, um alles zu erkunden und zwei davon waren bereits verstrichen. Es erschien mir wie ein Wimpernschlag. Als hätte ich bereits zu viel Zeit verschwendet. Nach der gestrigen Niederlage musste ich mir eingestehen, dass ich mit einer solchen Verfehlung nicht gerechnet hatte. Mein Ziel hatte ich dennoch klar vor Augen: Ich wollte die Steinküste sehen. May the odds be ever in my favour. Wir ließen das Frühstück aus, weil niemand von uns wirklich Hunger hatte und fuhren früh genug mit dem Zug nach Sintra. Minuten waren ein kostbares Gut und ich wollte keine davon unbedacht ausgeben. Wir hatten keine Lust, wieder den ganzen Tag zu warten. Also entschieden wir uns für einen Weg, der ebenso neu wie bequem war: ein persönlicher Fahrer, der uns den ganzen Tag begleiten würde.

Frederico war der Name des gütigen Mannes (leider kein Foto vorhanden), der uns die Misere des vorherigen Tages ersparte. Er war unser ganz eigener Chaffeur, blieb stehen, wenn wir es wollten und fuhr weiter wenn nicht. Er wartete geduldig, wenn wir Fotos machten und erzählte uns während der Fahrt Geschichten über einzelne Sehenswürdigkeiten und Anekdoten des Lebens. Es war ein Traum. Mit einem klimatisierten Auto durch die Stadt zu fahren, schmeckte nach einem Hauch Luxus. Ingesamt kostete uns Frederico als Alleinunterhalter 90€, was auf den ersten Blick nach viel klingt. Aber 30€ pro Person finde ich für diesen Service mehr als angemessen. Privattaxi und Fremdenführer in einem. Dieser freundliche Herr versüßte mir mit seinem Hut und dem schüchternen Lächeln den Urlaub. Es war auch schön, sich keine Sorgen um die Rückfahrt machen zu müssen. Weil wir immer, egal wo wir ausstiegen, darauf vertrauen konnten, dass Frederico auf uns wartete. Eine solche Privattour kann ich nur jedem empfehlen, der jedes Fleckchen von Sintra sehen möchte, ohne sich hoffnungslos zu verirren. Auch die Steinküste Cabo da Roca durfte ich, neben dem Moorish Castle und dem Palácio Nacional da Pena, endlich besichtigen. Weiße und graue Felsen, die in die Landschaft schnitten. Tosende Wellen mit weißen Kronen. Sogar den Strand sahen wir und schnupperten die salzige Meeresbrise.  Was soll ich sagen? Touristenbusse schön und gut, aber mit Frederico kann einfahc niemand mithalten. Eine solche Offenheit mit dem dazupassenden Vetrauen war jeden Cent wert. Wir hätten den ganzen Tag mit ihm durch Sintra fahren können. Ich bin jedoch kein großer Fan von alten Schlössern oder Ruinen, als dauerte es knappe 3 Stunden. Eine der wenigen guten Ideen in Lissabon. Läuft bei mir.

Für den nächsten Punkt hoffe ich, dass mich niemand köpfen wird. Eine Spur von Dramatik muss auch manchmal sein. Auf den Wunsch meiner Schwester hin gingen wir in den Lissabonner Zoo Jardim Zoológico de Lisboa. Nur um es ausdrücklich zu erwähnen: Ich bin kein Freund von Zoos. Eingesperrte Tiere, gaffende Menschen, die ihre Gesichte an Scheiben drücken. Das alles kann mich nicht beeindrucken. Bei dem einen oder anderen Käfig sank meine Stimmung auch dementsprechend zu Boden.  So ein Zoo ist aber nicht die Ausgeburt Satans. So einfach ist es nämlich nicht. Sicher, die Braunbären würde ich lieber im Wald sehen und die modelartigen Giraffen in der Wüste. Was ihr jedoch bestimmt nicht wusstet, ist, dass sich der Zoo in Lissabon für die Erhaltung seltener Tiere einsetzt. Wie dem weißen Tiger, von dem es weltweit nur noch 350 Stück gibt. Einige Arten sind leider bereits ausgestorben, was mich direkt im Herzen getroffen hat. Denn wer ist schuld? Die Menschen, niemand sonst. Umweltorganisationen können von mir denken, was sie wollen. Ich habe auch die Delfinshow im Anschluss sehr genossen und sogar vor Rührung ein paar Tränchen geweint. Es war wundervoll diese Tiere einmal sehen zu dürfen. Die Trainerinnern sind dermaßen liebevoll mit den Delfinen umgegangen, dass sie mir wie eine große Familie vorkamen. Jeder kann sich über diesen Ausflug seine eigenen Gedanken machen. Aber denkt immer daran, dass die Welt nicht nur schwarz-weiß ist. Ein Zoo, der sich für das Gute in der Tierwelt einsetzt, kann in meinen Augen nicht so schlecht sein.

 


Tag 4

Last day in Lisbon. Viel Zeit hatten wir an diesem Tag nicht mehr, da wir bereits um 15Uhr von unserem Fahrer abgeholt wurden. Trotzdem versuchten wir auch den letzten Rest an Stunden optimal zu nutzen und beschlossen dem weiten Wasser eine zweite Chance zu geben. Dieses Mal mithilfe einer Bootstour. Tolle Entscheidung, kann ich nur sagen. Denn wie in den romatischen Komödien wurden mir die Haare vom Wind sanft aus dem Gesicht gestrichen und die Sonne glitzerte auf den aufgebrachten Wellen. Wir fuhren an der Christus-Statue Cristo Rei vorbei und unter der Ponte 25 de Abril Brücke hindurch. Auf den ersten Blick sah es so aus, als hätte Lissabon ein paar der markanten Sehenswürdigkeiten anderer Städte gestohlen. Die Brücke wirkte wie frisch aus San Franciso und die Statue hatten sie sich wohl von Rio geborgt. 😉 Sogar am Torre de Belém kamen wir vorbei, bei dem eine ganze Schar an Menschen anstand, nur um das Innere des Turmes zu sehen. Wir betrachteten alles bequem von unserem Sitzplätzen am Boot aus. Diese Bootsfahrt fügte ich meiner imaginären Liste toller Erfahrungen hinzu. Kleiner Bonuspunkt war auch noch die Tatsache, dass das Licht dermaßen vorteilhaft war und ich die wohl hübschesten Selfies meiner bisherigen Karriere machen durfte. Light is everything!

Wie bereits erwähnt war Zeit etwas, dass wir nicht unbegrenzt zur Verfügung hatten. Wir nutzten die verbleibenden Atemzüge für das altbekannte Souvenirshopping. Einer der Verkäufer hatte einen regelrechten Narren an uns gefressen und gab uns jedes einzelne Stück in unserem Einkaufskorb billiger. So sparte meine Schwester über 20€. Es gab noch nette Menschen, die einem nicht jeden Cent aus der Tasche ziehen wollten. Postkarten wurden geschrieben, Souvenirs bruchsicher eingepackt. Einen Briefkasten suchte ich leider vergeblich. Sand rieselte durch die Uhr in meinem Kopf und wir fuhren zur Unterkunft zurück, um unsere Sachen zu holen und für die Heimreise gerüstet zu sein. Lissabon hatte uns wundervolle Momente beschert, Augenblicke familiärer Freude und einige Nerven gekostet. Ich weiß nicht, ob jemals eine Stadt London als ungeschlagenen Nr.1 ablösen wird. Lissabon hat es, trotz Sonnenschein und schönen Erinnerungen, nicht geschafft. Zugegeben, dabei handelt es sich auch um eine Mission Impossible. Whatever. Lisbon, thank you for everything. Viel Spaß mit dem Video, falls ihr es noch nicht gesehen habt.

Eure Kat.

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8 Kommentare

  1. 4. September 2016 / 18:54

    Also eure Tour mit privatem Fahrer klingt perfekt. Ich liebe Menschen, die kleine Anekdoten zu Orten und Menschen erzählen können – und keine Angst du haben, nicht mehr heim zu kommen, ist auch unheimlich viel wert.
    Mit Zoos habe ich auch so meine Diskrepanzen… aber ich finde es gut, dass du die Delfinshow genossen hast und auch positives an diesen Gefangenschaften sehen kannst. Und wenn die Pfleger die Tiere angemessen und liebevoll behandeln, dann finde ich das auch in Ordnung. Solche Zoos „darf“ man dann meiner Meinung nach auch gern besuchen 🙂

    Die Bootstour klingt nicht schlecht, aber hätte mich unendlich viel Überwindung gekostet. Ich habe nämlich regelrecht Angst vor Booten, seit ich ein Mal auf einem Dorfteich gekentert bin und ein Mal mit dem Kanu… jetzt sehe ich mich immer im Wasser liegen (kalt), sobald ich ein Boot betreten soll 😉

    Liebe Grüße

    • 4. September 2016 / 20:42

      Ja das war wirklich eine tolle Idee, den Bus hinter und zu lassen und stattdessen mit Frederico um die Häuser zu ziehen. 😀
      Zoos sind wirklich ein Thema für sich. Aber man kann einfach nicht alle in einen Topf werfen und sagen, dass sie schlimm sind.
      ich halte nichts von Tiere in Gefangenschaft. Aber manche kennen es nicht anders und in diesem Fall, tut der Zoo auch viel Gutes.
      Sonst würde es vermutlich noch einen weißen Tiere weniger auf der Welt geben. <3

      Wirklich? Angst vor Booten, oje? Das hört sich nicht so toll an. Mit dem Kanu bin ich auch einmal umgekippt
      und beinahe nicht mehr hochgekommen. Wir sind solche Wilden. 😉

      Love, Kat

  2. 5. September 2016 / 16:07

    Klingt toll! 🙂 Meine Schwester war heuer auch in Portugal und auch in Lissabon – die war ähnlich verliebt wie du glaub ich! 😉 Und witzig, dass du so ein London-Fan bist: Ich persönlich habe die Stadt nicht so schön in Erinnerung. Das erinnert mich doch glatt an einen Beitrag, den ich endlich mal fertig schreiben sollte … 😀

    GLG

    Miriam
    http://www.enemenemimi.com

    • 6. September 2016 / 12:59

      Liebe Miriam, weißt du, was lustig ist? Früher habe ich London gehasst. 😀
      Zu viele Menschen, zu laut und unübersichtlich. Aber kaum ist man mit der richtigen Person dort und
      hat sich etwas Grundwissen angeeignet, verliebt man sich plötzlich. 🙂 Solltest du auf jeden fall.
      Vll schreibe ich bald einen Beitrag über London, der dich überzeugen kann.

      Love, Kat <3

  3. 14. September 2016 / 17:02

    Ich Lissabon gibt’s einfach viel zu viel zu tun, als dass man alles in vier Tagen unterbringt. Haben wir auch selbst erfahren müssen 😉

    • 15. September 2016 / 14:08

      Oh ja, du sagst es, mein Lieber 😀

  4. 28. Oktober 2016 / 22:32

    sehr schöner Blog und toller Artikel! Lissabon steht definitiv noch auf unserer Liste! Danke für den schönen Vorgeschmack! liebe Grüße Ines

    • 31. Oktober 2016 / 8:07

      Dankeschön Ines. 🙂 Freut mich zu hören.

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