My Tyrolean Visit

My Tyrolean Visit

Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Unruhig rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Wie immer sind meine Hände kalt, die Finger steif. Ich umklammere das Buch fester, lege es auf meinem Schoß ab und bemerke, dass ich den letzten Satz schon wieder vergessen habe. Mein Blick schweift von den schwarzen Wörtern auf weißem Papier zum Fenster. Landschaften rasen an mir vorbei. Gehen so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Felder, Bäume, mittendrin ein paar Häuser. Ich nehme einen tiefen Atemzug und versuche mich wieder auf das Buch zu konzentrieren. Lange war ich nicht mehr nervös. Und dann löst eine Zugfahrt dieses seltsame Gefühl in mir aus. Eine Fahrt, die ich seit 3 Jahren nicht mehr gemacht habe. Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen, trotzdem erschreckt mich die Zahl: 3 Jahre. Es kommt mir vor wie eine kleine Unendlichkeit. Entschlossen wende ich mich wieder meinem Buch zu. Doch Erinnerungen und Fetzen aus der Vergangenheit machen es mir beinahe unmöglich, mich für mehr als ein paar Sekunden zu konzentrieren. Wir, zusammen, liegen vor dem Fernseher und sehen zum xten Mal Songcontest. Wir sitzen in ihrem Zimmer und essen bereits das dritte Teller Krautfleckerl. Wir gehen durch die Innenstadt und ich spüre den feinen Winterwind auf meinem Gesicht und meine nassen Füße, die in den undichten Stiefel stecken. Ein Besuch steht an. Ich fahre nach Tirol.

Es war gleichzeitig vollkommen normal und doch ganz anders. Wir haben uns gesehen, sind aufeinander zugelaufen und haben uns umarmt. Als wäre es nicht schon Jahre her. Und trotzdem kam es mir vor, als würde ich sie zum ersten Mal sehen. Der Anfang war holprig, Themen wurden gesucht und gefunden. Ein ganzes Wochenende bei Julie in Tirol. Ich war gespannt, begeistert, nervös und verängstigt. Alles auf einmal. Als wir all die bekannten Straßen entlangfuhren, beruhigte sich mein Puls merklich. Ich war früher öfter hier gewesen, ich kannte die Strecke. Ich wusste sogar noch, wo die rote Bank steht, über die wir immer gelacht haben. Auch in der Wohnung kam mir alles vertraut vor. Das Bad war auch nach drei Jahren noch genauso, wie ich es kannte. War überhaupt Zeit vergangen?

Ich werde euch jetzt nicht mit Ausflugdetails langweilen. Aber auf eine gewisse Weise hatten wir ein typisches Wochenende. Freitags auf dem Sofa hocken und bei Let’s Dance auf einen speziellen Kandidaten warten und dabei Krautfleckerl essen. Samstags mit Ideen um sich zu werfen und sich dazu entschließen, ein Pancaketürmchen zu bauen. Danach, wegen Mangel an instagramtauglichem Geschirr, mit dem Auto zu Ikea fahren und dort bei jeder Ecke stehen bleiben. Sonntags die nächste Fooddesignaktion starten und dieses Mal einen Mugcake in eine Prinzessin verwandeln und sich in der weichen Mittagssonne einen Dürüm genehmigen, von dem man Stunden später immer noch Mundgeruch hat. Die armen Passagiere, die bei der Heimreise neben mir sitzen mussten.

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Was soll ich sagen? Es war ein tolles Wochenende und mein Outfit hat mir einen guten Dienst erwiesen. Julie und ich hatten beide Angst, dass wir uns nicht verstehen oder gar nicht wissen, worüber wir reden sollen. Doch wieder einmal waren sämtliche Zweifel unbegründet und es war schön, sie wiederzusehen. Hiermit sage ich Tirol, für eine unbestimmte Zeit, auf Wiedersehen. Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass ich nicht zum letzten Mal dort war.

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