Fernweh und Reisesucht

Fernweh und Reisesucht

Gedankenverloren hänge ich den bunten Bildern nach, die mein Kopf wie am Fließband produziert. Fernweh sucht mich heim, wie ein Geist aus alten Tagen. Meine Füße stecken im warmen Sand, ich spüre die salzige Meeresluft um meine Nase wehen. Ich stehe auf dem Walk of Fame und mache ein Foto mit einer sehr netten Dragqueen. Zwischen Blättern und Stroh stehe ich neben einem Elefanten und streichle seine kräftige, graue Haut. So viele Gedanken. Und alle kreisen um Orte, die ich bisher nur aus Zeitschriften oder dem Internet kenne. Mein Freund sieht mich fragend an und wundert sich, warum ich auf seine Frage nicht reagiere.
„Schatz?“ Blinzelnd hebe ich den Blick und lächle. „Ja?“ „Warst du mal wieder woanders?“, fragt er, nimmt meine kalte Hand in seine und zwinkert mir zu. Er kennt mich. Er weiß, wie gerne ich in Flugzeuge steige, auch wenn ich mir bei Turbulenzen beinahe in die Hose mache. Er weiß, wie gerne ich Fotos von Sehenswürdigkeiten mache und sie dann allesamt zu einem kleinen Reisetagebuch zusammenfüge. Und er weiß, wie gerne ich einen Reiseplan erstelle, mit allem, was es zu sehen gibt. Inklusive eigezeichnetem Fußweg. Kaum widmet er sich wieder seinem Laptop, träume ich mir bereits die nächsten Szenarien herbei. Wir Beide auf dem Empire State Building oder in Amsterdam auf einer Brücke. Wie sehen uns die Polarlichter an, schwimmen mit Delfinen und flüchten vor einem durchgeknallten Strauß.  Ich stehe neben einer heißen Quelle in Island und er sitzt in einem Jeep bei einer Safari in Afrika. Und das sind nur ein paar meiner Wünsche.

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich bisher immer sehr kooperative Mitreisende hatte. Denn die Planerin in mir, würde es gar nicht erst zulassen, dass ich die Zügel aus der Hand gebe und einfach so, ohne Information, zum nächsten Urlaub aufbreche. Meine Reiseroutine beläuft sich nämlich auf folgende Punkte: Google, bis die Finger wund getippt sind. Aufschreiben, bis auch die letzte Seite des Notizbuches bis zu Unkenntlichkeit vollgekritzelt ist. Und Planen, was mein kleiner Kopf (er ist tatsächlich ziemlich klein) hergibt. Ich suche mir nicht nur die üblichen Sehenswürdigkeiten, passend zum Reiseziel aus. Nein, ich schreibe auch gleich eine detaillierte Beschreibung des Weges oder zeichne ihn auf einer Karte ein. Nennt mich irre, aber anders kann ich es gar nicht. Okay, vermutlich bin ich wirklich etwas irre. Sei es drum. Mit U-Bahn-Plan, falls vorhanden und Reiseführer bewaffnet, gleich neben der Tagesliste für Aktivitäten, traue ich mich dann auch schließlich in die weite Welt hinaus. Und glaubt es oder nicht: Trotz perfektionistischer Planung und zuvor ausgeschütteten Stresshormonen en masse, kann ich jede einzelne Sekunde, die ich nicht in dem Dorf, das sich meine Heimat nennt, verbringe, genießen. Wie ein braver Vorzeigetourist posiere ich für Erinnerungsfotos, knipse meine werten Begleitpersonen und klappere einen Punkt nach dem anderen ab. Meine Augen hüpfen förmlich vor Begeisterung und mein Herz schließt sich gleich an. Es ist jedes Mal wundervoll, wenn ich mit offenem Mund etwas bestaune, was ich noch nicht gesehen habe.

So viele Erlebnisse, die, egal wie viel so kosten werden, unbezahlbar sind.  Und wenn ich alt und runzlig im Bett liege, mit einem blumigen Nachthemd am dünnen Leib, werde ich ein Lächeln auf den Lippen tragen. Weil ich die Welt gesehen und sie mich kennengelernt hat. Denn Fernweh ist die einzige Krankheit, die man gerne hat und gar nicht mehr loswerden will.

Eure Kat

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2 Kommentare

  1. 22. April 2016 / 11:38

    Wunderschöner Beitrag! Ich bin auch total Reisesüchtig und finde es gibt absolut nichts besseres als sein Geld für Reisen und Abenteuer auszugeben!

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

    • 22. April 2016 / 18:15

      Hallo Kerstin.

      OMG ich bin gerade sooo baff, dass du mich ein Kommentar hinterlassen hast. Ich finde deinen Blog so supertoll.
      So, bevor ich jetzt ins Schwärmen gerate, bedanke ich mich erstmal bei dir. Danke, für dein Kommentar.
      Freut mich, dass es noch jemandem so geht wie mir. Ja Reisen ist eines der schönsten Hobbies, das man haben kann. 🙂

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

      Liebste Grüße, Kat

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