Die Wichtigkeit des Unwichtigen

Die Wichtigkeit des Unwichtigen

Es war betäubend still im Raum. Als hätte jemand die Geräusche verstummen lassen und stattdessen meine Gedanken damit gefüllt. Ich saß am Schreibtisch und starrte in die Luft. Mein Beitrag am Freitag hat einige Diskussionen ausgelöst. Reaktionen, mit denen ich absolut nicht gerechnet hatte. Es schien mir wie ein ehrlicher Beitrag, der aufzeigt, was Social Media im Kopf anrichten kann. Stattdessen wurde daraus mehr. Ich werde nicht lügen, nach all den Kommentaren auf Facebook ging es mir nicht unbedingt gut. Nicht, weil sie gemein waren oder mich verbal attackierten. Sondern weil sie allesamt Recht hatten. Wir verlieren heutzutage schnell aus den Augen was wichtig ist. Was wir in dieser Welt tun wollen. So war mir mein Instagram-Feed wichtiger, als mit meiner Schwester einen Film zu sehen. Ich habe Momente mit Bildbearbeitung verschwendet, die ich mit einem guten Buch hätte verbringen können. Und ich fühle mich so schrecklich leer, weil mir selten so bewusst war, wie falsch diese Richtung ist, in die ich gerade gehe.

Zur Deutschmatura (Abitur) hatte ich das Thema „Gesundheit als Religion.“ Wie sportbesessene Menschen ihren Alltag kaputt machen, weil sie nur noch über Gesundheit, Kalorien und Muskeln nachdenken. Ich habe diesen Text mit der Meinung geschrieben, dass man sich von diesem Gesundheitswahn nicht überrennen lassen darf. Sollte man nicht lieber die Zeit mit der Familie verbringen? Den Freunden, einer lustigen Geschichte? Als ich den Text schrieb, war mir noch nicht klar, wie heuchlerisch ich bin. Denn mache ich nicht genau dasselbe mit Social Media? Die Rollenverteilung hat sich geändert. Plötzlich bin ich mit Instagram zusammen und hoffe auf eine Umarmung von Facebook. Das Unwichtige im Leben ist so stark in den Vordergrund gerückt, dass das Wichtig daran zu ersticken droht.  Ich schreibe Zeilen über Dankbarkeit und strebe stattdessen danach, was andere haben und erreichen. Seit ich andere Blogger getroffen habe, die mehr Erfolg haben und bei denen die Zahlen täglich steigen, hat sich ein Schalter in meinem Kopf umgelegt. Ein Schalter, den ich eigentlich nie wieder betätigen wollte. Ich habe so viel und weiß es zu wenig zu schätzen. Rege mich über fehlende Likes auf, während andere verhungern. Wann ist das Unwichtige so wichtig geworden? Wann ist meine Pyramide der Prioritäten umgestürzt?

Scheiß auf Instagram und die perfekten Feeds. Lasst die Likes in Frieden ruhen und das Handy in der Tasche. Es gibt wichtigere Dinge als Social Media. Ich liebe meinen Blog, aber zurzeit macht er mir mehr Druck als Freude. Und das darf einfach nicht sein. Ich habe angefangen zu schreiben, weil ich es liebe, weil ich meine Geschichten erzählen wollte. Doch mein Wunsch nach einer anderen Zukunft, nach dem Leben, dass ich mir erträume, hat alles überschattet und mich verkrampfen lassen. Deshalb werde ich in einer digitalfreien Welt schweben, während ihr diese Worte lest. Seit Samstagmorgen verweile ich im Digital Detox und komme erst am Montag wieder in die Cyberwelt zurück. Kein Internet, kein Dauerhandyterror. Ich habe den Fokus verloren. Das, was wirklich wichtig ist. Was mich glücklich macht: Das Schreiben, meine Botschaft und meine Stimme. Denn, Newsflash, Facebook verteilt keine Umarmung, Twitter feiert nicht mit dir deine bestandenen Prüfungen und Instagram geht auch nicht mit dir essen. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, was das Leben wirklich ausmacht. Am Sterbebett ist es egal, ob man zu Lebzeiten 700 oder 7000 Follower hatte. Da zählen nur die Abenteuer, die man erlebt hat. Es ist nichts falsch daran, sich Gedanken über Reichweite & co zu machen. Aber man sollte sich davon nicht die Tage versauen lassen. Wie ein weiser Mann sagte: Je mehr man es erzwingen will und je mehr man sich unter Druck setzt, desto weiter rückt das Ziel in die Ferne. Und, god damn it, hat er Recht!

Eigentlich hätte das ein Beitrag zum Thema Shopper werden sollen, im Zuge der Two Girls love Fashion Blogparade mit Jasmin. Aber mir war dieses Thema einfach wichtiger. Und ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl.

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11 Kommentare

  1. 21. Mai 2017 / 11:17

    Ooooh Kat. Ich wünsche dir ein tolles Digital Detox und freue mich wenn du gut erholt wieder zurück bist – manchmal muss man einfach die Notbremse ziehen und ich denke das war die absolut richtige entscheidung von dir.

    love, kerstin
    http://www.missgetaway.com/

    • 22. Mai 2017 / 11:24

      Danke liebe Kerstin. 🙂 ich bin ganz deiner Meinung. Es war die absolut richtige Entscheidung für mich. 🙂
      <3

  2. 21. Mai 2017 / 21:08

    Ein super Beitrag und du sprichst mir auch damit wieder mal aus der Seele 😉 habe heute ähnliche Gedanken auf meinem Blog veröffentlicht. Ich finde es generell unnötig, sich zu sehr von Reichweite und Followerzahlen beirren zu lassen.

    LG, Sabrina 😊

    • 22. Mai 2017 / 11:23

      Danke Sabrina. 🙂 Freut mich zu hören. es ist toll zu wissen, dass man nicht allein ist. 🙂

  3. 22. Mai 2017 / 11:06

    Hallo liebe Kat.
    Jeder rutscht hin und wieder in eine solche Phase, wo Social Media auf einmal wichtiger ist, wie das wahre Leben beziehungsweise die wichtigsten Sachen im Leben. Wie mit Geschwister etwas machen, hab ja drei an der Zahl.
    Ich habe auch seit einiger Zeit meinen Blogg und freue mich über jedes Kommentar, Like bzw. Follower. Aber ich versuche nicht traurig zu sein, wenn mal eine Woche dabei ist, wo keine Kommentare oder Likes dazukommen. Denn es gefällt einfach nicht jeden alles. Wenn so wäre, wäre die Welt echt STINKLANGWEILIG. Oder würdest du dich darüber freuen, wenn alle denselben Geschmack haben und wir so wie die Schlümpfe rumlaufen? 😀

    Falls du mal wieder in so ein Loch fallen solltest, schreib mich einfach an! 🙂 Helfe dir gerne da raus!

    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 22. Mai 2017 / 11:07

      Ich habe noch was vergessen, die Outfit-Fotos sind echt klasse. So richtig natürlich und schön. Besonders das letzte Bild gefällt mir. 🙂
      LG, Carina.

      • 22. Mai 2017 / 11:22

        Danke liebe Carina. 🙂 Das freut mich zu hören. War auch wirklich ein lustiges Shooting. 🙂

    • 22. Mai 2017 / 11:22

      Danke für das liebe Angebot. Darauf komme ich sehr gerne zurück. 🙂

  4. 22. Mai 2017 / 11:17

    Schön geschrieben! 🙂

    Sag mal, woher sind denn deine wunderschönen Schuhe?

    LG
    Sabrina

    • 22. Mai 2017 / 11:21

      Danke liebe Sabrina. 🙂
      Die Schuhe sind von Deichmann, leider schon etwas älter. 🙂
      Künftig werde ich alles brav verlinken 🙂

  5. 24. Mai 2017 / 13:25

    Gute Wahl – und guter Text. Danke. Mir selbst erging es zeitweise so ähnlich. Ich schreibe, ganz einfach weil ich gerne schreibe. Gross ist die Freude, wenn es die Leute lesen. Klar. Aber doch kommt dann unweigerlich der Moment, wo das Schreiben und der Blog im allgemeinen schlichtweg zuviel Zeit einnimmt. Dann bleibt immer weniger für die tollen Dinge, die man doch eigentlich auch noch immer gerne tun würde. Und nicht zu vergessen, die Familie und Freunde. Ich glaube (und hoffe), dass ich heute einen recht guten Mix für mich und meine Familie gefunden habe. Ich schreibe noch immer gerne, aber die Menschen in meiner Nähe sind definitiv wichtiger als mein Blog.
    Ich wünsche dir auch weiterhin ganz viel Spass beim Schreiben – und genausoviel Freude ganz ohne digitale Welt 🙂
    Liebe Grüsse,
    Stefan

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