Outfit | All the things I took for granted

Outfit | All the things I took for granted

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die einen Tag besonders oder eine Stunde einzigartig machen. Die Details zaubern ein Lächeln auf die Lippen. Mit der Decke auf den Beinen liege ich im Wohnzimmer, das grüne Kissen drückt gegen meinen Rücken. Mein Körper ist seltsam verdreht und kurz wundere ich mich darüber, dass mich noch nicht alles weh tut. Neben mir sitzt mein Papa und betrachtet die Geschichte, die über den Fernsehbildschirm flimmert. Es ist ruhig, bis auf die Stimmen aus dem Film. Meine Augen finden ebenfalls zu der Geschichte zurück und ich schlucke, als der Kloß in meinem Hals wächst. Manche Filme sind nur dazu da, den Kopf auszuschalten und herzhaft über dumme Zufälle zu lachen. Manche Filme versetzen dich in Aufregung oder bringen das Kopfschütteln wieder in Mode. Und manchmal, berührt dich ein Film so sehr, dass er dich auch später nicht mehr loslässt und die Gedanken wie ein Karussell kreisen. Das sind die besten Filme. Die, die dein Leben beeinflussen, mit einer so zarten Schönheit, dass du später noch in deinem Bett liegst und dir glitzernde Tränen über die Wangen rollen. So ging es mir Sonntagabend bei „Das Streben nach Glück.“

Oft frage ich mich, wie lange ein Mensch kämpfen und hoffen kann, bis er zerbricht. Bis nicht mehr als ein Häufchen Seele vom ihm übrig ist und er aufgegeben hat. Chris Gardner ist jedoch ein Mensch, der nie den Mut verloren hat und selbst dann noch aufgestanden ist, als er eigentlich nicht mehr konnte. Wenn man Bilder sieht, in denen ein erwachsener Mann mit seinem Sohn auf einer öffentlichen Toilette übernachten muss, reißt einem das förmlich den Boden unter den Füßen weg. Man fasst sich fassungslos an die zitternden Lippen, schüttelt kaum merklich den Kopf und fragt sich: Wie viel kann ein Mensch ertragen? Ich bin von diesem Mann, und dem Film, dermaßen beeindruckt, dass ich ihm einen Beitrag widmen wollte. Ihm, und alles wofür er steht.

I took you for granted. And that was a mistake.

Jeden Morgen stehe ich auf, putze mir die Zähne, ziehe mich an und steige ins Auto. Ich habe einen Job, der mich nervt und werde nicht müde das auch zu betonen. Ich fahre eine Rostlaube, die ständig laut ächzt, wenn es zu kalt ist. Ich bin unzufrieden mit meinem Körper und gebe mein Geld für Kleidung aus, die ich nie wieder eines Blickes würdige. Abends lege ich mich in mein weiches Bett, das mir aber Rückenschmerzen beschert und seufze über den Gedanken, dass morgen erneut so ein Tag auf mich wartet. Und dann, ganz plötzlich, trifft es dich wie ein Blitz: Bin ich eigentlich komplett verrückt? Als ich nach dem Film ins Bett gegangen bin, hat mich die Realität so rasend schnell eingeholt, dass ich sie nicht habe kommen sehen. Gerade noch sah ich einem Mann dabei zu, wie er sein Schlaflager neben einer Toilette errichtet hat und ich sinke, ohne mit der Wimper zu zucken, in die weichen Federn. Ich habe geweint wie ein Schlosshund, als mir bewusst wurde, wie gut ich es habe und wie schlimmes ist, dass ich das immer wieder vergesse. Meine Eltern sind wundervolle Menschen, mit denen ich mich wunderbar verstehe. Ich habe eine kleine Schwester, die mit ihren 19 Jahren erwachsener wirkt als ich und die ich nur bewundern kann. Ich wohne in einem beheizten Haus und es mangelt mir an nichts. Ich kann meinen Freund jede Woche sehen, kann Urlaub machen und durch die Gegend fahren, weil das uralte Auto mich immer noch nicht im Stich lässt. Chris Gardner hatte nichts mehr und trotzdem verlor er nie den Lebensmut. Ich werfe schon das Handtuch, wenn ich wieder eine Jobabsage bekomme. Warum betrachte ich so viele Dinge als selbstverständlich, die für andere ein anderes Leben bedeuten würden? Als ich also in meinem Bett lag, Tränen sich durch die Fasern des Kissens gruben und die Decke angestarrt habe, was habe ich da gesagt? Ich habe meine Hand über das Leintuch gleiten lassen und geflüstert: „Danke, dass ich ein Bett habe, in dem ich mich jeden Abend schlafen legen kann.“

Pullover: H&M | ähnlicher hier
Schal: H&M | ähnlicher hier
Hose: ONLY | gleiche hier
Jacke: New Yorker | ähnliche hier
Schuhe: Deichmann | ähnliche hier

Thank you!

Ihr müsst nicht jeden Morgen euer Bett umarmen oder weinend im Auto sitzen, weil ihr so dankbar seid. Aber ein paar kurze Momente, in denen man seinen Fokus auf all die Dinge richtet, die man hat, können einen ganzen Tag verändern. Wir konzentrieren uns viel zu oft auf das, was wir nicht haben. Wo es doch andersrum viel schöner ist. Man kann sich über so vieles freuen. Die Nachricht einer Freundin. Ein selbstgebastelter Adventkalender von der Mama. Oder ein XL-Schal, der einen durch kalte Wintertage begleitet.

Eure Kat.

 

Habt ihr den Film gesehen? Wofür seid ihr dankbar?

Share:

12 Comments

  1. Carina
    13. Dezember 2016 / 10:00

    Hallo Kat.
    Wieder ein toller Beitrag.
    Ich kenne es sehr gut um vieles kämpfen zu müssen und ich bin sehr froh darüber, dass ich mir meine eigene Wohnung mit Möbel leisten kann und dass ich mich mit meiner Mutter wieder verstehe, denn das war die ersten 20 Jahre meines Lebens nicht so. Im Prinzip ist das mit meiner Mutter das größte Geschenk und Glück, das mir je widerfahren ist und dafür bin ich jeden Tag dankbar, besonders dann wenn ich bei der Heimfahrt von der Fachhochschule mit ihr am Telefon über Gott und die Welt reden kann.
    Ich bin auch dankbar dafür, dass ich vieles verstehe, egal ob jetzt Computerkram oder Alltag. Und wenn jemand Hilfe braucht, helfe ich natürlich sehr gerne und das ist der Teil von mir, der versucht einen Teil meiner Dankbarkeit weiterzugeben. Auch wenn mir das manchmal auf den Kopf fällt, weil ich an falsche Personen gerate.

    Bleib so wie du bist, habe eine schöne Weihnachtszeit und nen schönes Neujahr.
    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 19. Dezember 2016 / 7:40

      Danke Carina, das freut mich sehr. 🙂
      Und Danke für diese wundervollen Worte, immer wieder schön zu lesen, wie stark Menschen sind.

      Liebste Grüße. <3

  2. 13. Dezember 2016 / 13:35

    Wirklich ein unheimlich gelungener Beitrag! Den Film habe ich auch gesehen und er hat mir ebenso begeistert. Ich finde vieles, worüber wir uns beschweren ist Jammern auf hohem Niveau über Luxusprobleme an die andere gar nicht zu denken wagen würden. Wenn ich mir das immer mal wieder durch den Kopf gehen lasse, bin ich selbst von mir schokiert was mir alles schlimm erscheint, obwohl ich eher dankbar sein sollte, das es mir so gut geht.

    Liebe Grüße
    Stephi von http://stephisstories.de

    • 19. Dezember 2016 / 7:41

      Dankeschön Stephi. 🙂
      Das freut mich unheimlich. Ja wir jammern oft wegen Kleinigkeiten und das find eich schade.
      Da geht es uns wohl allen gleich. <3

  3. 14. Dezember 2016 / 16:35

    Diesen Film fand ich auch unglaublich – besonders da die Geschichte wahr ist. Das kann man sich kaum vorstellen, oder? Über das Thema Dankbarkeit habe ich selbst gerade erst einen Artikel geschrieben. Er behandelt meine Dankbarkeit dem eigenen Körper gegenüber. Dafür dass er, also der Körper, mich trotz einiger Gemeinheiten, die ihm passiert sind, nie im Stich lässt 🙂

    Ich wünsche dir schöne Feiertage mit deinen Lieben 🙂
    LG, Bettina

    • 19. Dezember 2016 / 7:42

      ja nicht wahr? Der Zusatz: eine wahre Begebenheit macht es noch unglaublicher. 🙂
      Oh das klingt toll, muss ich unbedingt lesen. <3
      Dir auch schöne Feiertage, Danke. 🙂

  4. 14. Dezember 2016 / 17:46

    Manchmal sind Dinge für uns so selbstverständlich, sodass wir sie gar nicht zu schätzen wissen. Ich versuche mir so oft wie möglich dies ins Gewissen zu rufen, dass es Menschen gibt, die selbst die einfachsten Dinge nicht als Selbstverständlichkeit betrachten können.

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM || FACEBOOK

    • 19. Dezember 2016 / 7:43

      Da gebe ich dir absolut Recht! Tolle Einstellung, finde ich!! <3

  5. Jules
    27. Dezember 2016 / 13:04

    sooo hübsch! Du und des Outfit, traumhaft 🙂

    • 27. Dezember 2016 / 14:04

      Vielen Dank, das freut mich zu hören. 🙂 *__* <3

  6. 22. Januar 2017 / 16:22

    Dein Outfit sieht richtig toll aus 🙂 Auch dein Beitrag ist sehr schön geschrieben, leider habe ich den Film nicht gesehen. Werde ihn aber sicher bald anschauen. Alles Liebe, T.

    • 23. Januar 2017 / 8:05

      Dankeschön Tatjana, freut mich sehr. 🙂 Ja der Film berührt einen wirklich und man macht sich ziemlich viele Gedanken
      über das eigene Leben. <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.