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Zwischen Blitzlicht und Kameralinsen

Es ist ein komisches Gefühl, wenn alle Augen auf einen gerichtet sind. Nicht, dass ich das noch nie erlebt hätte. Wenn ich mitten auf der eisglatten Straße ausrutsche und auf den Hintern falle, ist es klar, dass die Leute gucken. Aber hier war es anders. Sie waren neugierig und erstaunt, haben mir Komplimente gemacht und mir gesagt, wie toll ich aussehe. Der Fokus war auf mich gerichtet, meine Mama stand ein paar Meter entfernt und beobachtete alles mit Argusaugen. Und sie sah stolz aus, was mich mit am Meisten gefreut hat. Denn wenn man sagen kann, dass die eigene Mama stolz auf einen ist, hat man etwas richtig gemacht. Es klickt, ich lächle und setzte zum nächsten Sprung an. Denn das ist er. Punkt 9 auf meiner To-Do-Liste für 2016: ein professionelles Fotoshooting machen.

Anfangs war es seltsam mit der Linse im Gesicht zu posieren. Da ich dem Selfiewahn verfallen bin, kannte ich es nur, wenn ich mir selbst die Kamera hinhielt. Es dauerte seine Zeit, bis ich mich bewegen konnte, ohne zu verkrampfen. Bis es auch gut und natürlich aussah und nicht, als würde ich fliehen wollen. Tatsache ist, es ist eine andere Welt, wenn vor dir ein Fotograf steht und dir Anweisungen zuruft. Bei Fotos mit Freunden hört man höchsten: der BH guckt raus oder grins nicht so falsch. Aber hier? Der Grund, warum ich überhaupt ein solches Fotoshooting machen konnte, war, weil ich unter mysteriösen Umständen ein Umstyling gewonnen habe. Davon war ich bereits überrumpelt, da man ja allgemein selten zu den Leuten gehört, die etwas gewinnen. Jetzt darf ich einen wundervollen Longbob auf meinem Haupt tragen. Als dann der Fotograf jedoch nicht kam, weil er den Termin falsch eingetragen hatte, bekam ich prompt ein Shooting geschenkt. In diesem Moment dachte ich mir: Wem passiert so etwas? Sogar meine Mama sah mich an und lachte: Also in letzter Zeit fliegt dir wirklich alles zu. Das stimmte tatsächlich.

Als ich dann in der verlassenen Uhrenfabrik vor einer weißen Leinwand stand, fühlte ich mich wie der Star von morgen. Nicht wie das hässliche Entlein von damals oder das kleine Mädchen, das seinen Ausweis zeigen muss, wenn es in einen Club rein will. Ich fühlte mich erwachsen mit meinen hohen Schuhe und dem schwarzen Rock. Spürte das Licht der Lampe neben mir und hörte das Klicken der Kamera bei jedem neuen Bild. Ich kann verstehen, warum Models ihren Beruf mögen. Es verleiht einem ein Gefühl von Schönheit und Wärme. Man fühlt sich wohl und es scheint richtig, genau an diesem Tag an dieser Stelle zu stehen und fotografiert zu werden. Für diese paar Fotos habe ich es geschafft, meine Selbstzweifel zum Schweigen zu bringen und es einfach zu genießen. Denn das sollte man. Einfach mal die Ohren vor den scheppernden Worten des Unterbewusstsein verschließen und zufrieden sein.

Eure Kat

Blitzlichtgewitter2

 

Blitzlichtgewitter

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2 Comments

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    Maren
    17. März 2016 at 15:52

    Super schön! 🙂

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