The New Year/New Me Bullshit – Vorsätze und Klischees

The New Year/New Me Bullshit – Vorsätze und Klischees

Es läuft manchmal nicht alles wie geplant. Ideen gehen zu Bruch und ein Traum erstickt im Alltag. Aber all diese Misserfolge und verlorenen Pläne treiben uns voran, lehren uns neue Blicke auf die Welt. Mein Jahr 2016 war durchwachsen, aber so ist das Leben und ich bin mir sicher, dass 2017 genauso sein wird. Jedes Jahr habe ich mir Listen geschrieben, was ich alles verändern will und wie ich mich selbst so verändern kann, dass ich glücklich bin. New year, new me. Aber das ist Bullshit. Nur weil es auf einem Blatt Papier steht, werde ich kein anderer Mensch. Ich werde nicht mehr Sport treiben, wenn ich mich dazu zwingen muss. Ich muss es einfach wollen. Silvester war für mich immer ein Wendepunkt, ein versprochener Neuanfang. Aber als ich am 31. Dezember in Amsterdam vor dem Hotel saß, keinen Lichterregen sah und der Drink in meiner Hand mich würgen ließ, wurde mir klar, wie viel Macht wir diesem Tag geben.

Ich wachte am 1. Januar auf und…fühle mich nicht anders. Es war ein neuer Tag, ein neues Jahr. Doch das habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht begriffen. Alles war normal, wie immer. Ich sah nicht plötzlich anders aus oder präsentierte eine erschlankte Figur. Es hat etwas gedauert, bis ich begriffen habe, wie anstrengend solche Erwartungen sind. Und wie schlecht sogenannte Vorsätze für die eigenen Gedanken. Zusammen mit der lieben Lisa habe ich mir die 10 größten Vorsatzklischees rausgesucht, die man sich zu Anfang des Jahres oft selbst verspricht, aber nur selten hält.

Weniger Fernsehen | „Im neuen Jahr werde ich weniger Fernsehen und mehr nach draußen in die Natur gehen.“ Ja klar. Und dann sitzen wir am Wochenende wieder vor der Glotze und suchte unsere Lieblingsserien. Es ist okay, manchmal vor dem Bildschirm, zu vergammeln.

Weniger Shoppen | „Mein Kleiderschrank ist viel zu voll und eigentlich brauche ich gar nichts. Also warum sollte ich dann Shoppen gehen?“  Blabla, das neue Kleid wirst du dir trotzdem kaufen, wenn es dich anlacht. Shoppen ist keine Notwenigkeit, sondern etwas, das man gerne macht. Wir sollten zwar nur das kaufen, was wir wirklich brauchen. Aber seien wir ehrlich, jeder wir einmal schwach.

Mehr Reisen | „Gibt es eine Jahreskarte für das Flugzeug? Denn ich werde sicher oft verreisen.“ Unter Bloggern scheint es eine Art Sport zu sein, wer wie oft verreist. Doch nicht alle sind hauptberuflich im Internet unterwegs. Und dann wird plötzlich der Urlaub knapp, das Auto muss repariert werden und das Sparschwein ächzt. Reisen ist wunderschön, aber wenn man es nur tut, weil andere es auch machen, verliert es seine Besonderheit. Und Zuhause oder im eigenen Land kann es ebenso wunderschön sein.

Mehr Selbstbewusstsein | „Endlich werde ich selbstbewusst und mag mich so wie ich bin.“ Wenn das so einfach wäre, hätten wir nur zufriedene Menschen. Fakt ist: Es ist mächtig viel Arbeit, sich selbst gerne zu haben und man darf keine Wunder erwarten, nur weil ein neues Jahr angefangen hat. Kleine Schritte führen auch ans Ziel.

Mehr Lesen | „Letztes Jahr waren es nur 52 Bücher, da geht sicher noch mehr.“ Nichts macht mehr Spaß, wenn man sich dazu zwingen muss. Lesen soll ein schöner Zeitvertreibt und kein Marathon sein. Ob man 20 Bücher liest oder 200 ist doch egal. Hauptsache man hat Freude daran.

Die nächsten 5 Vorsätze findet ihr bei Lisa. Denn das Vorsatzspiel ist ja noch nicht zu Ende.

Hingeklatschte Vorsätze, die sich gut anhören, werden immer scheitern. Ins Fitnessstudio, obwohl man gar nicht will, klappt vielleicht in den ersten Monaten. Aber Wünsche oder Pläne, die man von Herzen gerne umsetzen möchte, werden es durch das Jahr schaffen. Was man gerne macht, macht man gut. Also schreibt keine lange Listen, die ihr nie einhalten werdet. Sondern steckt euch kleine Ziele, bei denen euch schon der Weg dorthin Spaß macht. Ich wollt abnehmen? Dann sucht euch den richtigen Sport dafür. Ich wollt selbstbewusster sein? Dann arbeitet jeden Tag mehr an euch. Macht eurem Spiegelbild Komplimente, oder schreibt jeden Tag Dinge auf, die ihr an euch schön findet. Das kommende Jahr 2017 muss kein rasanter Lebenswandel sein, niemand verlangt das von euch. Seht es einfach als Chance. Denn letztendlich hat sich nur das Datum geändert. Der Rest liegt an euch.

Eure Kat.

Share:

15 Comments

  1. Carina
    3. Januar 2017 / 18:14

    Hallo Kat.
    I had to laugh as I read your post.
    Diese Klischees kennen wir alle und nur manche haben den Mut zu sagen,
    dass zu große To-Do-Lists eigentlich Blödsinn sind, wenn die Ziele nicht unseren
    Herzenwünschen entsprechen.
    Ich habe meine Listen nie aufgeschrieben, aber hatte immer Wünsche, was besser werden sollte.
    Aber am Ende des Jahres war ich immer enttäuscht, was alles nicht geklappt hat.
    Daher war ich dann irgendwann so weit, dass ich mir zu Neujahr nur wünschte, mit den Menschen zusammen zu sein, die ich liebe. Die letzten beiden Jahre verbrachte ich bei meinem Freund und es tat unglaublich gut. 🙂 Niemand verurteilt dich dort oder meint, dass er/sie dich verarschen muss, damit sich diejenige/derjenige besser fühlt.
    Heuer war ich sogar mit meinem Freund „Luftgewehr schießen“ trainieren. Das Ergebnis war nicht das Beste, besonders da ich nicht wusste, warum manche Schüsse schief gingen, aber das einzig wichtige war, dass mein Freund und ich es gemeinsam machten und es uns beide ein wenig ärgerte. 🙂

    Ich denke, das einzig Wichtige sollte sein, dass „the new year“ mit den Menschen aufhört und anfängt, die man liebt.

    Liebe Grüße,
    Carina.

    • 4. Januar 2017 / 13:06

      Hey, hihi, freut mich 🙂
      Ganz genau, je größer die Liste, desto wahrscheinlicher, dass das ganze Vorhaben den Bach runtergeht. 😀
      Ein wundervoller Wunsch, den ich so nur unterschreiben kann. <3

  2. 4. Januar 2017 / 11:31

    Ein sehr interessanter und auch irgendwie lustiger Beitrag! Ich sehe es ähnlich wie du – die meisten Vorsätze die man sich macht, verlaufen irgendwann im Sand.
    Ich finde es schon seltsam, dass Menschen sich immer so einen Jahreswechsel aussuchen um etwas am Leben zu ändern (ähnlich wie: ab Montag fange ich an). Wenn ICH persönlich etwas in meinem Leben ändern will, weil ICH das so möchte, dann fange ich direkt, sofort damit an & nicht ab irgendeinem Datum.
    Ich habe schon längst aufgehört mir Vorsätze zu machen – das einzige was dieses Jahr geplant ist: ganz viele Projekte auf meinem Blog & regelmäßiges Bloggen.
    Das sehe ich aber nicht als Vorsatz sondern eher als Ziel, dieses Jahr was das angeht etwas voran zu kommen! 🙂

    Ganz liebe Grüße,

    Lisa von draufgeklatscht.de

    • 4. Januar 2017 / 13:08

      Dankeschön Lisa. 🙂 Stimmt genau, da kann man noch so viele Liste schreiben.
      Den Gedanken hatte ich auch schon oft. Immer diese Anfangspunkte „nächsten Montag“, „am 1ten“ blabla.
      ich stehe da absolut hinter deiner Meinung. Wenn man etwas ändern will, sollte man das sofort machen und nicht erst darauf warten.

  3. 4. Januar 2017 / 11:35

    Hach ja die lieben Vorsätze, da muss ich auch lachen. Früher hab ich mir oft was vorgenommen, mittlerweile hab ich aufgegeben, denn ich hab eh nie was umgesetzt 😜

    LG aus Wien,
    Karolina

    • 4. Januar 2017 / 13:08

      Ging mir genauso, leider. 🙂 Außer letztes Jahr. Da standen auf meiner Liste aber auch eher richtige Ziele als Vorsätze.
      Und 7 von 10 habe ich auch glücklicherweise erreicht. <3

  4. 4. Januar 2017 / 11:50

    Hi Kat,
    du hast vollkommen Recht mit deinem Text. Viele Vorsätze sind wirklich Schall und Rauch und es setzten wirklich nur sehr wenige ihre auch wirklich um. Ich persönlich mache mir schon lange keine mehr und denke mir: Ach einfach weiterhin irgendwie überleben. Auch muss ich meiner Vorkommentatorin Carina recht geben. Man sollte das alte Jahr bzw das neue Jahr mit Leuten die man liebt beenden/anfangen 🙂
    Liebe Grüße
    Daisy

    • 4. Januar 2017 / 13:09

      Hallo Daisy. 🙂
      Freut mich zu hören. Sehe ich auch so. Viel Gerede, nichts dahinter.
      Stimmt, mit Menschen die man liebt ist es egal, was man wo macht. 🙂 Hauptsache zusammen.

    • Carina
      4. Januar 2017 / 15:24

      Danke, Daisy.

      Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was wichtig ist.
      Aber da ich von einem berufsbegleitenden Studium geträumt habe und es mir 2014 erfüllt habe. Muss ich mittlerweile eingestehen, im 5.Semester, werke ich nur noch für die FH herum und bin in der Arbeit. Da fehlt einem sehr die Zeit mit den Liebsten. Daher wurde es für mich immer wichtiger, Zeit mit Ihnen zu verbringen und merkte auch, dass mir gut tat.

      Und da die Zeit mittlerweile so schnell vergeht (2016 war für mich eher nur nen halbes Jahr oder weniger), denke ich, dass dies auch ein guter Rat für andere ist. 🙂

      Habt eine gute Zeit. And never give in. Try to make your dreams real. 🙂
      Best wishes,
      Carina.

  5. 4. Januar 2017 / 16:33

    Oh, ich erkenne mich von vor ein paar Jahren absolut wieder 😀
    Mittlerweile mache ich mir eigentlich gar keine Vorsätze mehr, eingehalten habe ich sie ja doch nicht. Im Endeffekt bin ich dadurch viel glücklicher, weil man am Ende des Jahres nicht das Gefühl hat, als wäre man gescheitert. Und das nur wegen blöden Neujahrsvorsätzen!
    Liebe Grüße 🙂

    • 11. Januar 2017 / 17:11

      Recht hast du Leni 🙂
      So geht es mir nämlich mittlerweile auch. Dann kann mich nichts unglücklich machen, nur
      weil ich es nicht erledigt habe. <3

    • 11. Januar 2017 / 17:12

      Danke für die lieben Worte, Carrie 🙂

  6. 7. Januar 2017 / 18:52

    Ich hatte zum Jahresende 2016 zwei interessante Bücher gelesen. Zum einen „Die Macht der Disziplin“ von Roy Baumeister und John Tierney und zum anderen „Der Marshmallow Test“ von Walter Mischel. Vorab möchte ich sagen, dass ich beide Bücher für eine vertrauenswürdige Quelle halte, da sowohl Roy Baumeister als auch Walter Mischel in diesen Bereichen geforscht haben und die Forschungen von Walter Mischel zum Belohnungsaufschub gewissermaßen Geschichte geschrieben haben.

    Das Interessante ist, dass das Lesen dieser beiden Bücher meinen Blick auf Vorsätze radikal verändert hat. Baumeister beschreibt, das Ergebnis seiner Forschungen in etwa so, dass Willenskraft ein „Muskel“ ist. Die Metapher passt in sofern, dass wir diesen Muskel trainieren können. Es bedeutet aber auch, dass Willensstärke eine endliche Ressource ist, die irgendwann aufgebraucht oder zumindest erschlafft ist. Dazu gibt es ein sehr spannendes Experiment. Die Versuchsteilnehmer sollten eine bestimmte Zeit nichts essen und hungrig ins Labor kommen. Dort standen drei Teller. Mit Keksen, Schokolade und Radieschen. Die Testgruppe durfte nur die Radieschen essen und musste den anderen beiden Tellern widerstehen. Die Kontrollgruppe durfte essen, was sie wollten.

    Anschließend sollten alle Rechenaufgaben bearbeiten, die nicht lösbar waren. Das wussten die Teilnehmer natürlich nicht. Ziel war es nur die Zeit zu messen, bis sie aufgaben. Das erstaunliche ist, dass die Testgruppe signifikant früher aufgab, als die Kontrollgruppe.

    Das „Widerstehen“ hat so viel Energie verbraucht, dass sie für die folgenden Aufgaben nicht mehr genug Frustrationstoleranz aufbringen konnten.

    Ein Problem, das viele Menschen haben ist, dass sie sich zum 01.01. fünf verschiedene Sachen vornehmen. Dann gehen sie eine Woche lang ins Fitnessstudio, verzichten eine Woche lang auf Kohlenhydrate, trinken eine Woche lang Wasser statt Softdrinks und ersetzen Fernsehen durch Bücher und dann haben sie ein „Vorsatz-Burnout“ (oh, das ist so ein tolles Wort ich glaube ich schreibe einen Blogpost darüber :D, ich erwähne dich dann als Inspiration!). Ihnen fehlt einfach die Energie, um sich weiterhin dazu aufzuraffen, diese Umstellung durchzuziehen.

    Es wird einem im Alltag gar nicht so bewusst, wie viel Kraft man aufbringen muss, um seine Gewohnheiten zu ändern. Um Dinge wirklich erfolgreich zu ändern ist es wichtig, dass wir neue Gewohnheiten schaffen und uns auf eine Veränderung konzentrieren, bis sie sich wirklich gefestigt hat. Und dass wir starke „Wenn-dann“-Strategien entwickeln. Also so etwas wie „Wenn ich einkaufen gehe, dann schiebe ich den Einkaufswagen nicht durch das Süßigkeitenregal“ oder „wenn ich morgens aufstehe, dann lese ich erst 30 Minuten“, „Wenn ich in der Bahn sitze, dann lasse ich mein Handy in der Tasche und lese in der Zeit“

    Aber eben eins nach dem anderen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.