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20 Moments of Luck #1

Letzte Woche hat die liebe Maren mit unserer Reihe 20 Moments of Luck angefangen und ihre ersten fünf Glücksgeschichten veröffentlicht. Kleine Geschichten über Momente, an denen sie glücklich war. (Den Anfangsbeitrag findet ihr unter meinen Gastbeiträgen. ) Heute bin ich dran und ich möchte euch mit diesem Beitrag inspirieren, auch die kleinen Dinge der Welt mehr zu schätzen. Ich selbst bin dabei kein Vorzeigeschüler aber ich gebe mein Bestes, dankbarer zu sein.

1. Dancing in the Rain
Der Himmel bricht auseinander und die ersten Tropfen fallen zu Boden. Vor ein paar Minuten schien die Sonne noch auf mein Gesicht. Mit geschlossenen Augen habe ich jeden Strahl genossen. Doch dann sind die Wolken über mir plötzlich grau geworden. Das Blau verschwand und wich dem Unwetter, welches jetzt seine Eimer Wasser über mir ausleert. Ich laufe wie ein aufgescheuchtes Huhn herum, versuche schnell einen Unterschlupf zu finden. Vergeblich. Binnen Augenblicken bin ich durchnässt und fange an zu frieren. Zu mir nach Hause sind es noch zwei Kilometer. Der Regen läuft mir in die Augen, meine Wangen hinunter. Es gibt nur eine Art von Regen, die ich mag. Ich verspottet das klägliche Nieseln, den Möchtegern und mag es nicht, wenn mir der stürmische Wind beinahe die Kleidung vom Leib reißt. Doch jetzt, wenn das Wasser stetig hinab fällt, nicht zu viel und nicht zu wenig, ist es perfekt. Und dann erinnere ich mich, was meine Schwester und ich früher gemacht haben, wenn es so geregnet hat. Wir haben getanzt. Mit dem Regenschirm in einer Hand wirbelten wird über den Asphalt. Nass bis auf die Knochen doch das war uns egal. Kleidung trocknet wieder, also warum hätten wir uns Sorgen machen sollen? Wir sollten viel öfter im Regen tanzen und uns keine Gedanken über unsere Frisur oder das Make-up machen. So entstehen Momente, die zu Erinnerungen werden.

2. Some Tea for the Soul
Es gab Zeiten, da habe ich alleine in der Arbeit drei Liter Tee getrunken. Es hat mir Spaß gemacht, neue Sorten auszusuchen und zu probieren. Leider wurde meine Teeliebe weniger und irgendwann musste ich mich förmlich zwingen, Wasser aufzukochen. Doch nach dem Besuch bei Julie habe ich meine Leidenschaft wiedergefunden. Wenn der Wasserkocher leise zischelt und allmählich Blasen vom Boden aufsteigen. Der Duft, wenn man den Teebeutel ins Wasser fallen lässt und sofort von süßem Dampf umhüllt wird. Jeden Tag steht neben mir eine Kanne Tee, derzeit Caramel Apple Pie von Teekanne. Als würde ich tatsächlich einen Apfelkuchen essen. Yummy. Mehr als einmal erwische ich mich dabei, wie ich meine Nase näher an die Tasse halte. Die Uhr holt mich tickend in die Realität zurück und ich nehme einen Schluck. Wärme zieht durch meinen Körper wie ein roter Faden, erfüllt meinen Bauch mit Zufriedenheit und Ruhe. Das Lieblingsszenario eines jeden Bücherwurm: Mit einer Tasse Tee in der einen und einem Buch in der anderen Hand vor dem Fenster sitzen und die Welt Stück für Stück vergessen. Es gibt so viele Teesorten, die probiert und geliebt werden wollen. Gebt ihnen eine Chance und gönnt euch etwas inneren Frieden. Eure Seele wird euch dankbar sein.

3. Flowerpower Obsession
Grashalme kitzeln meine nackten Waden, es duftet nach endlich erwachten Blumen. Ich kann die klischeehaften Vögel zwitschern hören, die im Wald neben der Wiese ihre Lieder singen. Mein Kopf liegt auf der kühlen Erde. Radfahrer oder Fußgänger, die von der Straße aus in meine Richtung sehen, würden mich nicht bemerken. Eine Wand aus Halmen verdeckt mich und meinen Körper. Ein Käfer kriecht an meinem Gesicht vorbei doch ich bleibe einfach liegen. Meine Gedanken sind ohnehin kaum anwesend. Mit träumerischem Blick studiere ich das zarte Blumenmeer neben mir. Gänseblümchen haben sich neben gelben Tulpen ihren Platz erkämpft. Margeriten wippen mit ihren weißen Köpfchen im Wind und fordern lilafarbene Vergissmeinnicht zum Mitmachen auf. Bienen summen neben meinem Gesicht, streifen über Blütenköpfe während sie durch die Welt fliegen. Es ist mir egal, dass meine Hose dreckig wird. Es kümmert mich nicht, wenn Grashalme und Zweige in meinen Haaren hängen bleiben. Auf meiner Bluse tummeln sich Blumen in sämtlichen Farben, die ich mir vorstellen kann. Frühling ist meine liebste Jahreszeit. Das Grau des Winters versinkt in einem Strudel aus leuchtendem Gelb, Rot und Blau. Flowerpower auf dem Shirt, Flowerpower im Herzen.

4. When we meet again
Der Zug fährt noch ungefähr fünf Minuten. Ich krame in meiner Tasche, tue so, als würde ich etwas Wichtiges suchen. Die Wahrheit ereilt mich wenig später: Ich bin nervös. Es ist erst eine Woche her, da saß ich in demselben Zug, zur selben Uhrzeit. In genau dieselbe Richtung. Der Zug wird langsamer, ich werfe einen Blick hinaus und sehe dabei zu, wie Bäume von Häusern verdrängt werden. Eine ferne Stimme flüstert mir den nächsten Halt zu. Da muss ich aussteigen. Denn ich werde bereits erwartet. Oft kommen einem Minuten wie Stunden vor oder Tage wie Wochen. Trotz der Sehnsucht ist die Woche schnell vergangen. Ehe ich mich versah, war bereits wieder Freitag. Ich packte meine Tasche, stopfte die Geldbörse hinein und schnappte mir meinen Büchersack. Zwei Minuten. Mein Herz klopft schneller, als ich es gewohnt bin. Selbst nach drei Jahren bekomme ich noch immer feuchte Hände und überprüfe meine Frisur notdürftig in der Fensterscheibe. Eine Minute. Ich lächle obwohl meine Füße ununterbrochen auf und ab trippeln. Langsam stehe ich auf, stelle mich direkt vor die Tür und warte, bis der Zug anhält. Der Bahnsteig taucht vor mir auf, die wartenden Menschen. Sie werden sich freuen, dass durch meinen Ausstieg ein Platz für sie frei geworden ist. Ich setze die ersten Schritte auf den Beton, taste mit den Augen über jedes Gesicht. Bis ich seines sehe. Die Brille auf seiner Nase ist verrutscht und er grinst breit, als er mich sieht. Kaum habe ich ihn erreicht, werfe ich die Arme um ihn und drücke mein Gesicht an seine Brust. „Schön, dass du da bist.“, sagt er und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Wir sehen uns jede Woche und trotzdem freut man sich auf jeden Augenblick.

5. Book Delivery ahoi!
Meine Bücherliebe ist nahezu berühmt, wenn man den wissenden Augen meines Vaters glauben kann. Vor ein paar Tagen hat er mir zu verstehen gegeben, dass er mich nie schief ansehen wird, wenn ich mir Bücher bestelle. Ich könnte ja auch drogenabhängig sein und da ist es ihm deutlicher lieber, wenn ich stattdessen büchersüchtig bin. Danke Papa. Das nenne ich Verständnis. Einer der schönsten Augenblicke ist, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und mir bereits der erste Blick in die Küche verrät, dass ich Post bekommen habe. Ein braunes Paket steht neben dem Kühlschrank, winkt mich zu sich, damit es nicht noch länger warten muss. Mit leuchtenden Augen gehe ich darauf zu, strecke die Hand aus und berühre den dicken Karton. Meine Fingerspitzen gleiten über meinen aufgedruckten Namen, fahren das Klebeband entlang und schließlich kann ich nicht mehr an mich halten. Ich öffne die Schublade, nehme die Schere heraus und schneide mir den Weg zu meinen neuen Lieblingen. Es reichen Sekunden, in denen ich quietsche, über die Fliesen tanze und mich freue, und ich bin hin und weg. Es riecht nach Papier und ich drücke die Bücher an meine Brust. Erhobenen Hauptes trage ich sie in mein Zimmer und schlichte sie in das Regal neben meinem Bett. Anschließend trete ich einen Schritt zurück und betrachte das Gesamtbild. Lächelnd heiße ich die Neuankömmlinge in meiner bescheidenen Behausung willkommen. Das ist der wohl größte Unterschied zwischen E-Reader und Buch. Der Moment, wenn man sein volles Regal betrachtet und merkt, wie viele Abenteuer man bereits miterlebt hat. Bücher kaufen ist eine Sucht, für die es (glücklicherweise) kein Heilmittel gibt.

Das waren meine ersten fünf Momente, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Seid wieder einmal Kind und tanzt im Regen oder legt euch in eine insektenverseuchte Wiese. Aber vor allem genießt die kleinen Dinge des Lebens genauso, wie die großen Erfolge. Nächste Woche präsentiert Maren ihre nächsten Geschichten. Vielleicht schaffen wir es ja euch zu neuen Taten und Erlebnissen zu inspirieren.

Eure Kat

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