Instagram Obsession

Instagram Obsession

Das Handy in meiner Hand ist zum Feind geworden. Mit unverhohlener Missgunst betrachte ich es und entscheide mich schließlich dazu, es doch wegzulegen. Nur um es fünf Sekunden später wieder zu mir zu holen. Ein Teufelskreis, zu dem mir nur ein Wort einfällt: süchtig. Denn das bin ich. Süchtig nach den Zahlen, die mich umgeben. Süchtig nach der Wertschätzung und Anerkennung anderer. Drei Mal pro Stunde checke ich meine Mails, vielleicht hat ja wieder jemand den Blog abonniert. Vier Mal die Statistik überprüfen, könnte ja ein neuer Besucher hinzugekommen sein. Fünf Mal durch sämtliche Instagramprofile scrollen, Bilder liken und kommentieren. Vielleicht wird ja endlich jemand auf meinen Account aufmerksam und folgt mir dann. Ich bin besessen. Das Telefon scheint an meinem Körper zu kleben, meine Augen wollen sich gar nicht mehr davon losreißen. Zahlen, die gerade mein Leben bestimmen. Seit ich diesen Blog gestartet habe, bin ich auf Instagram. Ich erinnere mich noch, als ich zu meiner Freundin Julie gesagt habe, dass ich ganze 8 Follower habe. Sie hatte zu der Zeit 800. Seitdem, jedes Mal, wenn ich nicht die Zahlen sehe, die ich gerne hätte, spüre ich das Loch in meiner Brust. Jeder Blick auf den Followerstand lässt meine Mundwinkel sinken. Jedes Mal spüre ich die nagende Verzweiflung, die sich ihren Weg durch mein Herz knabberte. Will niemand meine Bilder sehen? Sind sie nicht hübsch genug? Ist der Blog schlecht? Sollte ich eine andere Richtung einschlagen?

So fing es an: die Suche nach dem Erfolgsrezept. Welche Bilder kamen gut an, wer hatte wie viele Follower. Es kam, wie es kommen musste. Ich wurde müde und hatte irgendwann keine Lust mehr, mein Kopf begann schmerzhaft zu pochen. Alles, was ich sah, waren perfekte Blogger mit perfekten Selfies mit dem perfekten Essen gleich daneben. Bücherfotos, die aus einem Magazin hätten stammen können. Junge Mädchen, deren Follower sich überschlugen vor lauter Lobpreisungen. Und ich? Ich mit meinen natürlichen Bildern, aufgehübscht mit Filtern und Akzenten, freute mich bereits über 15 Likes. Doch irgendwann ist das nicht mehr genug. Man will mehr, klammert sich an die Hoffnung, dass vielleicht genau dieses Bild der große Durchbruch wird und meine Follower durch die Decke gehen. Und Follower bedeuten Blogbesucher. Denn auf Instagram erreicht man viele Menschen auf der ganzen Welt, die potenzielle Leser werden könnten. Diese Naivität musste ich jedoch schnell in die Tonne kloppen. Denn so läuft es einfach nicht. Instafollower sind nicht gleich Blogleser. Schon gar nicht, wenn die Hälfte davon nur Englisch spricht und mein Blog zum größten Teil auf Deutsch geschrieben ist. Mittlerweile habe ich zwar mehr Follower, aber in mir herrscht eine regelrechte Mischung von Gefühlen. Einerseits freue ich mich, denn wie sagt man doch: Aller Anfang ist schwer und allmählich kommt alles in die Gänge. Wenn auch schleppend. Andererseits bin ich traurig, weil ich meinen Selbstwert nach wie vor von dieser Zahl beeinflussen lasse. Denn das sollte ich nicht tun.

Ich bin keine Bibi von BibisBeautyPalace mit 3 Millionen Followern. Wie auch? Mich kennt ja da draußen in der Social Media Welt (noch) kein Mensch. Aber das schmälert nicht meine Persönlichkeit. Das raubt mir nicht meine kleinen Besonderheiten. Ich sollte mir weniger Gedanken über Likes oder Follower machen, da muss ich mich selbst als Allererstes an die Nase fassen. Auch wenn es schwer ist, dass weiß ich. Ich wünsche mir immer noch mehr Leser, ein paar Kommentare oder Abonnenten mehr wären auch schön. Aber egal, wer meinen Blog liest, ob es 2 oder 200 Menschen sind, ich schreibe weiter. Weil Schreiben meine Leidenschaft ist, mein Hobby und meine Berufung. Und weil ich damit Menschen Freude bereiten möchte.

Es hilft mir, wenn ich traurig bin, lässt mich die Realität für ein paar Momente vergessen und einfach loslassen. Nur deshalb gibt es diesen Blog überhaupt: Weil ich schreiben und meine Gedanken mit der breiten Internetgemeinde teilen wollte. Das sollte ich nicht immer vergessen. Leser kommen, wenn sie wollen. Genauso wie Follower. Aber es sind nur Zahlen. Zahlen, über die ich in Zukunft nicht mehr so viel nachdenken werde. Geschweige denn, mich davon beherrschen lasse. Denn davon wachsen sie auch nicht schneller.

Eure Kat

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12 Comments

  1. 17. April 2016 / 9:48

    Okay, interessanter und wichtiger Beitrag mit der untergründigen Ich-Frage: Und wo bleibe ich. Genau. Es ist diese verinnerlichte Belohnungskultur, mehr nicht, einfach und beziehungsfrei.

    Kaum ein Leser oder Follower ist wirklich an Dir und Deinen Inhalten interessiert. Es geht in vielen Fällen nur um das Teilen von Links und man nennt das Interesse. Das klingt jetzt alles sehr destruktiv, ist aber gar nicht so gemeint. Das ist die Realität.

    Auch so etwas wie das Signet „Stylebook Blogstars“ schmeichelt vielleicht, ist aber letztendlich nur Werbung für etwas Anderes.

    Also schreib nur, was Du willst. Laß Dich auf keine SEO-Kriterien, das sind alles nur Standartisierungen und beschneiden die Individualität. Laß Dich auf keine Mails ein, die Dir irgendwelche Produkte zum Besprechen unterjubeln wollen. Sei kritisch, ein Blog darf und muß kritsieren – wenn nicht, wo kommen wir denn dann hin – meiner, der immer hin schon seit 8 Jahren im Netz ist, tut es. Und gerade wegem Ersterem beobachte ich diese euphemistische Kultur des schön-Redens sehr besorgt.

    • 17. April 2016 / 16:24

      Danke für deine ehrlichen Worte, Gunwalt. Du hast in einigen Punkten wirklich Recht und ich werde mich nicht von anderen verändern lassen. Viel Erfolg & liebe Grüße.

  2. 17. April 2016 / 10:16

    Schöner Artikel, in dem ich mich teilweise selbst wiederfinde. Beobachte momentan, dass es auf Instagram neuerdings diese nervige Kultur gibt möglichst vielen Leuten zu folgen, um Follow-Backs zu erhalten. Und wenn du nicht zurückfolgst, wird am nächsten Tag wieder entfolgt. Super nervig. Ich möchte nun mal keinem russischen High-Heels Account folgen…;). Ich persönlich folge nur Personen, Unternehmen und Bloggern, die mich interessieren. Und ich finde es auch sehr schön, dass es immer noch Blogger gibt, die keine durchgestylten Pinnwände haben, sondern einfach das posten, was sie schön finden oder gerade machen.

    Liebe Grüße
    Janina

    • 17. April 2016 / 16:27

      Hallo Janina. 🙂

      Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat und du dich damit identifizieren kannst. Ja das habe ich auch bereits gemerkt. Ich folge nicht einfach jedem xbeliebigen Account, nur weil er mir gefolgt ist. Bei mir zählt da die Ehrlichkeit und das Interesse. Wer keine Fotos hat, die mir gefallen, folge ich auch nicht. So einfach ist das. 🙂 Schön, dass du das auch so siehst. Das ist wirklich toll, ja. Ich habe mich gerade auf Buchbilder spezialisiert, poste aber worauf ich Lust hab. 🙂 Danke für dein Kommentar.

      LG Kat

    • 18. April 2016 / 18:21

      Da muss ich zustimmen 😀 Ich finde mich auch darin wieder. Wenn Social Media zur „Arbeit“ wird und man in der Versenkung verschwindet, weil man den Account nicht mehr mit 5 Bildern am Tag pflegt, ist es eine Mischung aus Sucht und Pflicht. – Mit dem Start eines Social Media Accounts legt man sich selbst in Ketten, weil man sich (wenn man es ernst meint) zu etwas verpflichtet. – Und gerade bei Instagram nervt es mich momentan sehr, dass man nicht einfach wie bei Facebook vorausplanen kann.

      Ich setze mich gerne einen Tag im Monat hin und plane die wichtigsten Sachen vor, denn ich weiß, dass mich immer wieder das Leben einholt. Das heißt nicht, dass meine Postings deswegen weniger persönlich werden. Ich bekomme nur mehr Zeit, denn ich muss nicht 30 Mal im Monat in den „Posting Flow“ kommen und nicht 30 Mal im Monat die SD-Karte in den Rechner stecken um die Bilder von der Kamera zu ziehen (ja, mein Handy eignet sich nicht für schöne Fotos ^^).

      Aber gerade Instagram macht es einem unmöglich, vorauszuplanen und beispielsweise in den wohlverdienten Urlaub zu verschwinden. Postet man 7 Tage nicht, sind 200 Follower futsch. So ist das. Dieses ständige Handy-in-der-Hand haben ist eine Qual, wenn man auch mal abschalten will, sich aber auch Gedanken darum macht, wann die beste Zeit zum Ausrollen der Social Media Strategie ist.

      Man muss selbst entscheiden, wie wichtig es einem ist und wann genug ist.
      Hab einen wundervollen Tag,
      Julia

      • 18. April 2016 / 18:25

        Liebe Julia.
        Ja das stimmt. Es ist wirklich schwierig, da einen Mittelweg zu finden. Sowohl bei Facebook als auch auf dem Blog kann man vorausplanen und vorschreiben. Aber bei Instagram geht das nicht. Es kann zur Sucht werden und dich kaputt machen.

        Zum Glück sehen wir Zwei das ja ähnlich und wissen, was uns auf längere Zeit gesehen, gut tut. Freut mich, dass du den Beitrag gelesen und ein Kommentar dazu geschrieben hast.
        Ich wünsch dir auch noch einen schönen Tag,
        Kat

  3. Mamsi
    17. April 2016 / 14:03

    Kurz und bündig – egal was daraus wird, ob du erfolgreich wirst oder nicht, ich bin unheimlich stolz auf dich. Hab dich lieb!

    • 17. April 2016 / 16:28

      Danke für die lieben Worte. Das bedeutet mir sehr viel.
      Ich hab dich auch lieb! 🙂

    • 17. April 2016 / 21:42

      Das Übliche, oder? 😁
      Danke für dein Kommentar. LG Kat

  4. 18. April 2016 / 13:30

    Ich denke so geht es vielen…. Aber ich konzentriere mich einfach auf mich und das was mir Spass macht und das ist das Schreiben. Wieiviel Follower ich habe oder staendig ein neues Bild bei Instagram hochzuladen finde ich persoenlich nicht so wichtig.
    und wenn dann per Zufall ein neuer Follower dazu kommt, freut man sich umso mehr.

    Liebste Gruese,
    Eva
    http://www.the-mysterious-world-of-eve.blogspot.de

    • 18. April 2016 / 17:48

      Ja Eva da hast du Recht. Man sollte sich mehr auf sich selbst konzentrieren und das machen, was einem gefällt. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Wenige Follower sind zumindest echte Follower und keine, die dir nur folgen, damit du zurückfolgst.
      Danke für dein Kommentar. 🙂

      LG Kat

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