I should not have said that

I should not have said that

Mein Handy streikt seit gut einer Stunde. Es schweigt mich an, als hätte es mir nichts zu sagen. Kein Mucks, nicht mal das Andeuten eines Klingelns. Nervös auf meiner Lippe herumkauend warte ich auf eine Antwort. Doch es kommt keine. Hätte ich doch bloß nicht geschrieben. I should not have said that. Diese Situation sollte per Gesetz verboten werden. Sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was man falsch ausgedruckt hat oder ob etwas doch bescheuert klingt. Aber als ich es getippt habe, klang es noch gut. Ja, das tut es meistens. Doch wenn man erst einmal Zeit zum Grübeln hat, findet man plötzlich Fehler oder Worte, die man lieber nicht gesendet hätte. Wie unser lieber Hagrid sagen oder schreiben wir viel zu oft Dinge, für die wir uns später schämen oder einfach nicht zurücknehmen können.

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Die vergangene Woche war für mich eine Woche voll unterdrückter Worte und verloren gegangener Streitigkeiten. Ein wahrer Spießrutenlaufen, wenn man so will. Mir lag so viel auf der Zunge, was ich gerne losgeworden wäre. Schimpfwörter, Zickereien, Dramaqueen-Ausbrüche. Über Stunden hinweg staut sich da einiges an, was ziemlich erdrückend sein kann. Aber es ist in vielen Fällen einfach besser den Mund zu halten und die Finger vom Tippen abzuhalten. Meistens geht nämlich eine unüberlegte Handlung oder eine unbedachte Nachricht deutlich nach hinten los. Ziehen wir uns dafür ein Beispiel heran: Mein Buch wurde von einer Lektorin nicht gerade positiv aufgenommen. Es hagelte Kritik, welche sie jedoch weder böse noch persönlich meinte. Profis nehmen kein Blatt vor den Mund, das sollten sie auch nicht müssen. Trotzdem war ich am Boden zerstört, habe rumgeheult und Leute angemotzt, nur weil ich schlecht drauf war. Und das ist der springende Punkt! Wie oft habt ihr den Satz ‚Schlaf da eine Nacht drüber‘ schon gehört? Dutzende Male, hunderte? Natürlich ist das im Moment der puren Gedankenexplosion und eines Gefühlswirrwarr nicht das, was man hören möchte. Aber der Satz ist nicht einfach nur eine Floskel. Nein, er funktioniert wirklich. Hätte ich die Antwort an obengenannten Profi noch am selben Tag verfasst, hätte sie ungefähr so ausgesehen: „Sehr geehrte Frau … Dank Ihnen habe ich meinen Schreibwillen endgültig verloren. Sie haben mir gezeigt, dass ich schlecht bin und nichts kann. Offenbar bin ich schlichtweg zu blöd, um ein lesbares Buch zu schreiben. Trotzdem Danke für Ihre Zeit, auch wenn es mir rein gar nichts genützt und nur meinen Tag, vielleicht sogar mein Leben ruiniert hat.“
Gespickt mit Dramatik und Selbstmitleid, ein wahrer Graus für jeden Schreiberling. Ja, das weiß ich jetzt auch. Und zum Glück habe ich diese Version der Nachricht nicht an sie geschrieben, sondern eine nettere mit Fragen bezüglich ihrer letzten Mail.

Ihr seht also, meine aufgestaute Wut hätte mir vermutlich peinliche Stille oder eine gepfefferte Antwort eingebracht. Darauf können wir alle getrost verzichten. Stattdessen habe ich eine sehr nette Nachricht mit Tipps und Erklärungen erhalten. Sie fand mein Buch nicht schlecht oder schrecklich, es muss einfach überarbeitet werden, das ist alles. Die liebe Frau hat nur ihren Job gemacht und es wäre unrecht von mir gewesen, sie dafür niederzumachen.  Dasselbe Spiel mit Freunden, die einen verrückt machen oder einfach nicht aufhören wollen, darüber zu philosophieren was wäre wenn. Ich will mich aus dieser Gruppe gar nicht rausnehmen. Ich glaube, ich bin sogar die Hauptvorsitzende. Aber stellt euch vor, ihr würdet genau das sagen, was euch in dem Moment durch den Kopf geht: „Ach, halt doch endlich deine Klappe. Hör auf ständig rumzuspinnen. Das geht mir allmählich wirklich auf die Nerven.“ Nein, gar nicht schön. Was wäre, wenn jemand, in einem Moment der freundschaftlichen Not, das zu euch sagen würde. Ihr wärt doch am Boden zerstört. Das würde nur einen fiesen Streit und hitzige Wortgefechte nach sich ziehen, für die wir in unserem begrenzten Leben auf Erden gar keine Zeit haben.

Trotzdem sind die Wörter im Kopf. Ob man jetzt einem Freund sein Herz ausschütten will, sich aber nicht traut oder ihr eurem Partner die Meinung sagen wollt, macht es nicht in einem schlechten State. Was heißt das? Man trifft schlechte Entscheidungen, wenn man sich schlecht fühlt. Keiner kann mir sagen, dass er sich das tollste Handy der Welt gekauft hat, obwohl seine Freundin gerade mit ihm Schluss gemacht hat und er in einer Pfütze Trennungsschmerz zerfließt. Das ist schlichtweg unmöglich. Also wartet besser mit eurem Ärger oder was auch immer, bis ihr euch beruhigt habt. Das wird euch einige Diskussionen und herzzerreißende Entschuldigungshymnen ersparen. Aber wohin mit dem Ballast? Denn man will ja eigentlich etwas sagen. Aufschreiben. Alles, was du eigentlich jemanden schicken oder sagen möchtest, auf einen Zettel oder in der Notizen-App schreiben. Das hilft als Übergangslösung und du zertrümmerst damit keine Herzen, wo du doch eigentlich nur etwas besprechen wolltest.  Wenn Hagrid mehr darauf geachtet hätte, was er sagt, wären Harry und seine Freunde jedoch nie an Fluffy vorbeigekommen. Also ab und zu ist es gar nicht schlecht, sich zu verplappern. Es sollte nur keiner dabei verletzt werden.

Picture on top by: Ines B.

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4 Kommentare

  1. Paradiesvogel-Quinn
    19. Februar 2016 / 19:16

    Jop..
    Wie recht du hast.So oft und lang denke ich über dieses und jenes nach.Was hab ich falsch gemacht,wie könnt ich das nun angehen,welche lösung gibt es,vertrau ich es besonderen menschen an die mich kennen und die mir etwas bedeuten oder belaste ich sie damit nur und sollte das problem lieber alleine loswerden.So viele Gedanken und Stunden die vergehen.
    Aber am Ende ist es tatsächlich IMMER dasselbe:Erstmal beruhigen und es dann angehen.Die beste Lösung,wie du richtig sagst!

    Auch du hilfst mir dabei immer wieder!
    Hab dich lieb!
    Dein Paradiesvogel-Quinn!

    • 19. Februar 2016 / 19:17

      Mein liebes Vögelchen.

      Ja solche Situationen kennen wir wohl alle. Da heißt es einfach durchbeißen. Du bist toll & stark, sonst hättest du bereits aufgegeben!
      Ich hab dich lieb. 💗

  2. 20. Februar 2016 / 16:42

    Meine Liebe nerdige Dramaqueen,

    zum Glück kennt das JEDE/R 😀 ich habe erst kürzlich mitten in der Nacht eine SMS verschickt, da ich auch etwas klären musste… es gibt nämlich Momente, da liest man sich Geschriebenes durch und dann sitzt man da, klatscht sich auf die Stirn und fragt sich was man da für geistigen Dünschiss von sich gegeben hat (Bitte verzeih meine Wortwahl) … aber das geht wohl jedem so, da auch jeder seine eigene Wahrnehmung hat und Worte extrem viel Interpretationsspielraum lassen…in jede Richtung. Das ist gut und schlecht zugleich… aber als kleiner Trost… Es geht uns alles so !!

    • 20. Februar 2016 / 16:49

      Liebe Lydia.
      Ja ich dachte mir, dass das ein weitverbreitetes Problem ist. Da ist man zumindest nicht so allein damit. 😁 freut mich, dass du den Beitrag kommentiert hast. 😚
      Liebste Grüße, Kat 😊

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