How to speak Fangirl

How to speak Fangirl

Mein Herz pocht so laut, dass es mir in den Ohren schmerzt. Atemzüge bleiben mir in der Kehle stecken, geweitete Augen und aufsteigende Panik mischen sich. Ich kann meinen Blick nicht von der Seite lösen. Jedes Wort klingt wie ein Vorwurf, eine Ohrfeige. Sie streiten sich, Gefühle werden angeknackst und Liebe zerbrochen. Erschrocken schnappe ich nach Luft, um nicht an der Spannung zu ersticken. Umblättern, weiterlesen. Mein Körper ist ein einziger Klumpen aus Sorgen und Angst. Nervenenden stehen kurz davor zu reißen, meine Gedanken führen Krieg gegeneinander und ich halte es kaum noch aus. Noch eine Seite, eine mickrige, viel zu kurze Seite und dem Buch droht ein abruptes Ende. Wort für Wort gleitet unter mir davon und ich kann nur hoffen, dass wieder welche nachkommen. Und plötzlich, ohne Anhaltspunkt, wie aus dem Nichts, endet die Geschichte. Die Hauptfigur geht zwischen Regentropfen und Tränen in den grauen Nebel und ich sitze da, starre die schwarzen Buchstaben an. Keine Auflösung, keine Erklärung. Die Autorin lässt mich unwissend und verwirrt zurück. Die Tür hinter mir geht auf und meine Mama steckt den Kopf herein. Ich rühre mich nicht. Meine Hände umklammern immer noch das Buch, als wäre ich eingefroren. „What is air?“, flüstere ich und blinzle vorsichtig. „Was?“ „I…I just…I can’t even.” „Bitte ganze Sätze, Liebling. Was ist den passiert?” Doch meine Zunge weigert sich und ich schüttle den Kopf. Mein Wortschatz hat sich von der deutschen Sprache verabschiedet und ein neues Wörterbuch aufgeschlagen. Denn in solchen Situation spreche ich nur eine Sprache: Fangirl.

Die Spezies Fangirl ist gleichermaßen beeindruckend wie verwirrend. Die Community ist sogar dermaßen groß, dass sie eine eigene Art der Kommunikation entwickelt hat. Um Unwürdige nicht an den faszinierenden Konversationen teilhaben zu lassen, wurden bereits existierende Sprachen gemischt, Sätze abgekürzt oder Worte aus dem Kontext gerissen. Damit ihr in Zukunft nicht mit offenem Mund und keiner Ahnung neben Fangirls steht, während diese aufgeregt miteinander diskutieren, habe ich mir ein paar markante Ausdrücke für ein besseres Verständnis ausgesucht.

Fandom. Der wohl wichtigste Fangirlbegriff im Universum. Ein Wort, das eine ganze Welt beschreibt. Fandom bezeichnet den Überbegriff einer Leidenschaft, seien es Bücher oder andere Medien und steht allgemein für das Wort „Fan-Gemeinde“. Die meisten Fangirls sind in mehreren Fandoms zu Hause. Harry Potter ist als eines der größten Fandoms bekannt. Jedes Fandom hat für seine Anhänger (wie das klingt) einen eigenen Namen. So sind zum Beispiel Harry-Potter-Fans Potterheads oder Supernatural-Suchtis Hunters.

Fanfiction. Auch Fanfic genannt, beschreibt Geschichten, die auf der Basis von anderen Geschichten geschrieben wurden. Bereits existierende Charaktere von Filmen, Serien oder Büchern werden als Versuchskaninchen in eine vollkommen andere Story hineingesetzt. Die Quelle bleibt dabei immer bekannt und offensichtlich. Vor ein paar Jahren habe ich zum Beispiel eine Fanfiction über die Tribute von Panem geschrieben. Nachdem ich mich selbst als neue Figur darin platziert und die bekannte Hintergrundgeschichte aufgebaut hatte, folgte etwas, was ganz und gar aus meinem Kopf stammte. Aber mit Menschen, die jeder kennt.

Ship. Nein, dabei handelt es sich nicht um ein Segelschiff. So werden im Allgemeinen Pärchen genannt. Egal in welchen Fandom (jetzt wisst ihr ja, was das heißt), überall sind Ships zu finden. Ob diese Personen auch in den Büchern und Filmen zusammen sind oder nicht ist dabei irrelevant. Wenn sie süß zusammen aussehen, ist es ein Ship. Hier ziehe ich gerne wieder Harry Potter als Beispiel heran. Die weibliche Hauptfigur Hermine wird mit der halben männlichen Bevökerung geshippt. So gibt es Fans, die sie lieber mit Harry anstatt mit Ron gesehen hätten. Jedes Ship hat, zur Abkürzung, auch einen Shipname. So sind Hermine und Ron = Romione.

OTP. = One True Pairing. Bezeichnet das liebsten Pärchen der vorhanden Ships. Diese Pärchenkonstellation steht über allen anderen. Die schönste, wundervollste, beste Liebe, die man sich nur vorstellen kann. Die favorisierte Beziehung in der Fangirlwelt. Mein OTP sind Hazel und Augustus (Hazgustus) aus dem Buch The fault in our stars.

I can’t even. Manchmal reicht die Zeit einfach nicht, um ganze Sätze zu formulieren. Dann kürzt man ab, radiert aus und lässt weg. Fangirls machen das vor allem dann, wenn sie vor Aufregung beinahe explodieren oder am Boden zerstört sind. Es kommt bald der zweite Teil des Lieblingsbuches? What? I..no way…i just…I can’t even. Wenn man die Gefühle einfach nicht mehr beschreiben und in Worte fassen kann, kommt dieser Ausdruck zum Einsatz.

What is air? Ähnlich wie das bereits genannte I can’t even, beschreibt dieser Ausdruck den Zustand der Sprachlosigkeit. Wenn man derartig mit Worten hadert, dass man beinahe das Atmen vergisst. Es findet vielseitig Anwendung, da es sowohl bei positiven als auch negativen Ereignissen in Gebrauch ist. Gerne benutzt wird diese Konstellation bei Schauspielern, die ein ansehnliches Aussehen als Markenzeichen tragen. Zusammen mit der theatralischen Geste des Luftzufächelns, haucht man wenig später übertrieben verliebt: „What is air?“

Right in the feels. Das Herz schmerzt höllisch in der Brust, die Hand ruht auf der Haut darüber und versucht den Schaden so klein wie möglich zu halten. Berührende oder traurige Situationen treffen einen genau da, wo es weh tut: direkt in den Gefühlen. Wenn also ein geliebter Charakter stirbt und seine letzten Worte eine Liebeserklärung an die beste Freundin sind, rollen die Tränen nur so. *schnief*

Fangirling Mode activated. Wer hysterisches Gekicher, unkontrollierte Gesten und nicht erkennbare Geräusche nicht gutheißt, sollte hier schnell das Weite suchen. Denn wenn sich ein Fangirl einmal im Fangirling Mode befindet, gibt es kein Zurück mehr. Dann herrscht Luftknappheit (What is air?), Wortmangel (I can’t even) und Gefühlsausbruchgefahr (Right in the feels) auf einmal.

*Urmenschgeräusche*. Einer meiner meistgenutzten Ausdrücke, auch wenn hierbei die Worte auf ein Minimum an Vokalen reduziert wurden. Man stelle sich folgende Situation vor: meine liebe Caro und ich gehen Einkaufen, sehen einen Thalia und können nicht anders, als ihn zu betreten. Wenig später trifft das geschulte Auge auf ein langersehntes Buch. Doch dann kommen keine richtigen Buchstaben über meine Lippen. Stattdessen hört es sich an, als würde ich mich darüber freuen, dass mir jemand in den Magen geschlagen hat. „Uaahh, uhhh!“ Höchst peinlich, wenn man mit Normalsterblichen unterwegs ist. Mit einem anderen Fangirl aber eine Art der Verständigung.

Wer noch mehr Begriffe aus dem Reich der Fangirls wissen möchte, findet auf Wikipedia eine ganze Liste. Jetzt seid ihr für den nächsten Fangirlanfall gerüstet und wisst sogar, was diese Personen von sich geben. You’re welcome. 😉

Eure Kat.

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