Geldsorgen meiner Generation

Geldsorgen meiner Generation

Das Klebeband knirscht wütend als ich die Rolle in meiner Hand drehe und alle Seiten des Kartons abklebe. Da sind sie drin. Fast ein Viertel meines Buchbesitzes habe ich gerade in dieser Kiste verstaut. Und es tut weh. Ich schneide den letzten Streifen ab, klebe ihn auf und setzte mich auf meinen Schreibtischstuhl. Das ehemals volle Regal sticht mir sofort ins Auge. Ich sehe Lücken und Leere, wo einmal Bücher gestanden haben. Ohne es zu wollen fange ich an zu weinen. Mein Heulsusen-Gen mit dem Hang zur Sentimentalität meldet sich wieder. Hinter diesen dünnen Pappwänden liegen dutzende Geschichten, die ich über Tage und Wochen hinweg gelesen habe. Kleine Abenteuer, die mich durch die triste Realität begleitet und sie zu etwas Besonderem gemacht haben. Warum gebe ich sie weg? Warum habe ich diesen Schritt gewagt und meine Schätze einfach eingeschlossen um sie zu verkaufen? Warum habe ich mich zuvor zwei Tage durch das Internet manövriert und einen Vergleich von Onlineanbieter gemacht, was man wirklich für seine gebrauchten Sachen bekommt? Geld. Denn als junges Mädchen mit einem Job, der zwar gut bezahlt wird, aber irgendwie doch nicht gut genug, braucht man Geld. Geld für neue Bücher. Geld für ein neues Handy. Geld, um den Freund in einem anderen Bundesland zu besuchen. Gelsorgen tummeln sich in meinem Kopf. Denn ich bin jung und brauche das Geld.

Mittlerweile steht die tonnenschwere Kiste unten neben der Haustür. Bereit, sich auf den Weg zu machen. Ich kann den Kopf immer noch nicht drehen und meine verarmte Buchsammlung ansehen, ohne zu schniefen. Weil es wehtut. Weil ich Erinnerungen und Empfindungen gerade mühevoll verstaut habe und mich bereits jetzt frage, ob das wirklich der richtige Schritt war. Fakt ist jedoch, dass ich schon den ganzen Tag nach Möglichkeiten gesucht habe, an etwas Geld zu kommen. Viel Auswahl bleibt mir nicht. Sowohl meine Mama als auch meine Kolleginnen haben mir einstimmig davon abgeraten, mir einen Nebenjob zu suchen. Der Grund: bei der Lohnsteuer und den Abzügen würde mir, trotz mehr Arbeit, kaum etwas übrig bleiben. Wofür also der ganze Aufwand? Kann es denn wirklich sein, dass ich, obwohl ich MEHR mache, WENIGER bekomme? Die Welt ist nicht umsonst. Also sollte es das Arbeiten auch nicht sein. Kein Wunder, dass Mütter oft zwei Jobs haben oder Väter bis in die Nacht hinein auf irgendwelchen Baustellen rumlaufen. Es bleibt ihnen oft nichts anderes übrig. Deshalb muss ich auch 45 Bücher verkaufen, um mir die nächste Tankfüllung zu leisten. Deshalb habe ich meinen Papa um DVDs angeschnorrt, die er nicht mehr braucht, damit ich sie um 15 Cent verkaufen kann. Wir leben in einer Gesellschaft, die von Geld und Zahlen regiert wird. Und das macht mich irre. Weil es kein Entkommen gibt. Messen wir unsere Existenz wirklich daran, wie viel Geld wir haben? Fühlen wir uns besser, wenn wir eine andere, höhere Zahl auf dem Konto sehen? Natürlich ist es schön, wenn man die Gewissheit hat, dass man in den Urlaub fahren kann, ohne gleich Privatinsolvenz anmelden zu müssen. Ich muss mich hier wieder als Beispiel präsentieren: der heutige Tag war der reinste Spießrutenlauf. Voller Zahlen und stillen Vorwürfen, die sich tief in meinen Kopf gebohrt haben. Meine Laune war im Keller, ich hätte meinen halben Kleiderschrank verkauft, nur um etwas mehr Geld in der Hand halten zu können, als es mir gerade möglich ist.

Überall sehe ich Beiträge und Posts von anderen Bloggern. Preisen einfache und wirkungsvolle Methoden an, wie man mit seinem Blog Geld verdienen kann. Schön und gut. Aber geholfen hat mir von den sagenumwobenen Tipps bisher gar keiner. Punkte wie: Werbung auf dem Blog schalten und gesponserte Posts machen. Ähm, ja, schon klar. Aber das stellt sich als relativ schwer heraus, wenn der eigene Blog noch so unbekannt ist, das darauf im Leben keine Sponsoren aufmerksam werden. Wie eine Verrückte habe ich mir Newsletter abonniert und Satz für Satz von den erfolgreichen Bloggern aufgesaugt. Vielleicht ist da die Lösung unter dem ganzen Buchstabenchaos irgendwo zu finden. Doch der einzige Satz, den ich ständig höre und der wohl auch stimmt, ist: Lass dir Zeit, es kommt, wie es kommen soll. Da ich leider die Ungeduld in Person bin, fällt mir das ziemlich schwer. Ich kann nicht einmal in einem Stau stehen, ohne die Augen zu verdrehen. Auch nicht für fünf Minuten. Deshalb sollte es mir auch verboten sein, als 21-Jährige ein dermaßen breites Vokabular an Schimpfwörtern und Flüchen zu kennen, da mit diesen in ebensolchen Situation gerne um mich werfe. Mittlerweile habe ich mich und mein Ego beruhigt und mich dazu entschlossen, Geld links liegen zu lassen. Denn wenn ich ständig darüber nachdenke, macht mich das nur unglücklich und mehr wird es davon auch nicht.

Wir dürfen uns von einem Kontostand nicht den ganzen Tag versauen lassen. Geld ist Geld. Aber was wirklich zählt, sind die Dinge, die man erlebt. (Danke für diese Botschaft, Maddie!) Und viele davon kann man auch ohne Geld machen. Lachen, zum Beispiel. Denn ein hübsches Lachen kostet gar nichts.

Eure Kat

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3 Kommentare

  1. 14. Juni 2016 / 12:51

    Letztendlich muss man seine Einstellung zum Thema Geld ändern. Es muss nicht immer mehr werden, um auch auf Dauer zufrieden sein. Auch mit weniger kann man einiges erreichen.

    • 14. Juni 2016 / 13:09

      Ja das stimmt! Man sollte wirklich zufriedener sein. ☺

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