On the Road – Erfahrungsbericht Hellö Reisebus

On the Road – Erfahrungsbericht Hellö Reisebus

Das spitze Metall bohrt sich in meinen Rücken und ich kneife genervt die Augen zu. Meine Geduld ist nicht existent und ich frage mich alle paar Minuten, was mich da wohl geritten hat. Jede Sekunde leide ich, mein Kopf steht kurz vor der Explosion und gegen meine Stirn drückt das dumpfe Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Fabs sitzt zusammengerollt wie ein Fötus eine Reihe weiter, gönnt sich die letzten Reste Schlaf, die er in Anbetracht der Situation zusammenkratzen konnte. Seufzend setze ich mich auf, lehne den Kopf gegen das ratternde Fenster und jage mit den Augen über die nächtliche Landschaft. Ein pelziger Geschmack haust auf meiner Zunge, mein Brustkorb steckt in einem Schraubstock, der sich nicht öffnen lässt. Es war meine Idee und ich hielt es auch für eine gute. Leider habe ich meine Belastbarkeit überschätzt und muss mich nun mit schweren Lidern und harten Lehnen herumschlagen. Die Verlockung war einfach zu groß. Eine einzige Zahl, die mein Hirn dermaßen vernebelte, das ich nicht an die Konsequenzen dachte. Und jetzt sitzt sich hier, zwischen müden Gliedern und schlafenden Träumen, hoffe auf ein Wunder und denke mir, was der Tag noch bringen wird. 4 hours to go. Wie soll ich das überstehen?

Fernbus_hellö

Bild via ÖBB

Im Nachhinein betrachtet war wahrlich nicht alles schlecht an der Art und Weise, wie wir Venedig erreichten. Aber dazu komme ich später. Erstmal möchte ich euch mit den Fakten erfreuen, die ich natürlich, organisiert wie ich bin, parat habe. Seit meinem Geburtstag, 14. Juli, gibt es von der ÖBB (Österreichische Bundesbahn) die Möglichkeit, um nur 15€ mit einem der neuen Hellö-Busse in eine Stadt in Europa zu reisen. Die liebe Caro hat mich erst darauf aufmerksam gemacht und dank dem Preis und meinem drängelnden Fernweh war auch schnell eine Reise gebucht. Für nur 30€ nach Venedig und wieder zurück, das klang einfach himmlisch. Meine Mutter war von Anfang an eher skeptisch. Preis schön und gut, aber 8 Stunden eingepfercht in einem Bus, der mitten in der Nacht durch die Gegen fährt? Diese Vorstellung konnte sie nicht wirklich überzeugen. Aber wie Töchter eben so sind, ziehen sie in die große, weite Welt hinaus und machen eigene Erfahrungen. Und das habe ich tatsächlich, weshalb ich diesen Betrag für euch schreiben kann.

hellö_bus_ziele

Bild via Hellö


What I liked?

Wie bereits erwähnt war der Bus ein richtiges Schnäppchen, wodurch der mehr oder weniger spontane Trip erst möglich war. Noch schnell ein Hotel für eine Nacht gebucht und schon konnte die Reise losgehen. Neben gratis WIFI, Pokemonjagd auch auf den Straßen Italiens möglich, und einem Snackautomaten, der mir einige Euro abluchste, gab es natürlich auch eine Toilette (zum Glück). Der Bus selbst war leicht an dem aufgedruckten Logo zu erkennen und ziemlich gut ausgestattet. Vier Fahrer gingen zusammen mit uns auf die Reise und obwohl sie trotz Navi ein paar Mal falsch abbogen, kam ich mir eigentlich ziemlich gut aufgehoben vor.

Fernbus_hellö_Auswahl

Bild via ÖBB


What I disliked?

Der angekündigte „breitaugestellte“ Fußraum war leider nicht vorhanden und wenn sich der Vordermann lässig zurücklehnte, hieß es Quetschalarm. Für die Schlafsituation konnte der Bus natürlich nichts. Denn wie man auf den ersten Blick erkennen kann, ist ein Sitz kein bequemes Bett. Hätte ich mir ein ordentliches Kissen mitgenommen, hätte mich der Schlaf auch vielleicht schneller übermannt. Also kann ich der ÖBB hier absolut keinen Vorwurf machen. Wir hatten nur Glück, dass einige Plätze leer waren und wir uns halbwegs ausstrecken konnten. Was ich jedoch mies fand, war die Tatsache, dass Plätze zum Kauf angeboten wurden, die es gar nicht gab. Ich hatte in der Reihe 7 die Plätze D und C gebucht. Als wir in den Bus einstiegen kam dann die Ernüchterung: Dort wo eigentlich unsere Sitze hätten sein sollen, war das Klo. 😀 Nachdem ich dem Hellö-Team eine Nachricht dazu geschrieben habe, hat sich aufgeklärt, dass es sich um einen Systemfehler handelt, der mittlerweile behoben wurde. Also alles okidoki. 😉

Alles in allem war die Reise wirklich schön, auch wenn das Schlafen im Bus bestimmt nicht zu meinen Highlights gehört. Mein Nacken hasst mich immer noch für die akrobatischen Verrenkungen, die er durchleiden musste. Nichtsdestotrotz haben Fabs und ich zwei tolle Tage in Venedig verbracht. Travel Diary folgt! <3

Fazit:

Es ist bestimmt nicht die bequemste Art zu Reisen. Eingeschlafene Gliedmaßen und Gurtschnallen, die in die Seite drücken. Hätte ich noch einmal die Möglichkeit mit dem Bus nach Venedig zu fahren, würde ich es aber vermutlich wieder tun. Weil es einfach zu günstig war, um es abzulehnen und ich aus Fehler lerne. Für das nächste Mal würde ich mir nicht nur ein besseres Kissen mitnehmen, sondern auch andere Plätze auswählen. 😉

Eure Kat

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2 Kommentare

  1. 28. Juli 2016 / 21:16

    Also mit so einem Bus würde ich auch sofort verreisen, wenn es die hier gäbe. Ich spare nämlich an dieser Stelle gern und die Bahn ist ja doch auch nicht so zuverlässig…
    Schade, dass ich so ländlich wohne, dass Fernbusse hier nur wenig fahren.

    Liebe Grüße

    • 30. Juli 2016 / 12:49

      Ja es war eine sehr interessante Erfahrung. Nicht ganz einfach, aber wirklich cool. 🙂
      Ich wohne leider auch im Nirgendwo, wir sind die die nächste Stadt für die Abfahrt gefahren.

      LG Kat

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