Dinge, die ich noch lernen muss, bevor ich 22 werde

Dinge, die ich noch lernen muss, bevor ich 22 werde

Wenn man sich immer weiter von dem Küken entfernt, das man einmal war, erwartete man oft drastische Neuerungen, wenn sich dank Geburtstag das Alter ändert. Doch in den Zwanzigern kommt es mir nicht bahnbrechend vor, wenn ich von einem Lebensjahr ins nächste hüpfe. Da ist das Alter mehr denn je nur eine Zahl, die man auf einen Kuchen schreibt. In einer Woche werde ich 22 und manchmal komme ich mir immer noch wie ein durchgedrehter Teenager vor. Gefühlschaos und Selbstzweifel überschütten einen mit der nötigen Dramatik und lassen das eigene Leben immer wieder aus der Bahn ausbrechen. Es hilft auch nicht, wenn alte Frauen, die mir im Krankenhaus begegnen, mich für 16 halten. Da krümmt sich mein Stolz ganz schmerzhaft zusammen, mein Babyface zuckt nur mit den Schultern. Die Weisheiten der Mutter spuken dann immer mal wieder im Kopf herum und man hofft, dass man mit 30 wirklich froh über das kindliche Gesicht ist und die Falten eine Ausnahme machen. Trotzdem ist es schade, wenn Geburtstage unter den Tisch gekehrt werden, weil man sie selbst als nicht wichtig genug erachtet. Ein Jahr mehr? Was soll’s? Runde Zahlen sind das neue Schwarz und alle, die dazwischen rutschen, bekommen ein nettes Lächeln und vielleicht eine gut gemeinte Umarmung. Aber wer wäre ich denn, wenn ich nicht auch aus meinem 22ger ein großes Ding machen würde? Das Alter selbst mag nicht außergewöhnlich sein, aber zumindest kann ich den nächsten Weg anders gestalten.

Manche Dinge lernt man einfach nie. Die guten Vorsätze verkrümeln sich in die nächste Ecke, To-Do-Liste verstauben an der Wand und irgendwann fragt man sich: „Wollte ich nicht eigentlich etwas tun?“ Mein Geburtstag steht vor der Tür und Makel, die ich bisher nicht beseitigen konnte, werde ich in einer Woche auch nicht ausräuchern können. Trotzdem verschaffe ich mir gerne einen kleinen Überblick, was ich denn in der Zwischenzeit arbeiten könnte. Oder zumindest damit anfangen.

Geduld. Der Computer braucht bereist eine Minute, um die nächste Internetseite zu laden. Meine Reaktion ist da natürlich vollkommen angemessen. Mit dem Kopf auf die Tasten schlagen, die Maus durch das Fenster pfeffern und danach, wild schnaubend, den armen Computer das Zeitliche segnen lassen. Meinen Hang zu Übertreibungen kennt ihr ja inzwischen, aber ich leide tatsächlich unter einem akutem Geduldsmangel. Alles sollte am besten bereits passiert sein, wenn mir erst die Idee dazu kommt. Bestätigungen für Flüge & co. dürfen sowieso nur zwei Sekunden brauchen und Bücher auf Amazon haben die Erlaubnis binnen weniger Augenblicke einzutrudeln. Da der Wahnsinn unberechenbar ist und ich deshalb schon den einen oder anderen Fehler aufgrund zu schnellem Handeln begangen habe, wäre etwas mehr Geduld wirklich wünschenswert.

Spontanität. Die Planerin in mir schreit gerade ängstlich auf und versteckt sich vor meinen Gedanken, um nicht gefeuert zu werden. Aber keine Angst, es würde Jahre dauern meine planerische Leidenschaft auch nur ein wenig einzudämmen. Aber der bekannte Satz „Augen zu und durch“ wäre wirklich wünschenswert. Ich möchte von einer Sekunde auf die nächste entscheiden können, dass mein Freund und ich einen spontanen Ausflug nach Südtirol machen oder ich mir einfach die Haare blond färbe. (Naja, Zweites wird nie passieren.) Aber das ständige Grübeln und Suchen nach Gründen, die das Vorhaben unwahrscheinlich werden lassen, ist oft sehr ermüdend. Da würde ich mich wirklich nach mehr Feuer im Hinter sehnen.

Angst vor dem Unbekannten. Wie viele Abenteuer habe ich bereits in den Wind geschossen, nur weil ich mich nicht getraut habe, ein Risiko einzugehen? Die zwanghafte Planerei gehen Hand in Hand mit der Angst, irgendetwas zu übersehen. Noch bevor ich an einen neuen Ort fahre, würde ich am liebsten jede Reiseroute einzeln planen und aufschreiben. Der Bus geht von A nach B, um genau 13 Uhr. Das sollte machbar sein. Aber manche Dinge kann man nicht planen. Zusammen mit der Spontanität sollte die Angst sich mal eine Auszeit gönnen und mich einfach leben lassen. Vielleicht falle ich hin, kratzte mir die Beine auf und heule wie ein Schlosshund. Aber zumindest habe ich es versucht. Und dann versuche ich es wieder, vielleicht ein wenig anders. Wer immer nur vorsichtig ist, kann auch nur auf ein halbes Leben zurückblicken.

Ruhe. Ich habe die, nennen wir es interessante, Angewohnheit, während der Autofahrt zu fluchen wie ein Matrose nach einem Monat auf See. Mein Stresslevel kann vor einer Sekunde auf die andere dermaßen in die Höhe schnellen, dass ich mich darüber wundere, wie mein Herz dem Drang der Explosion widerstehen kann. Von außen mag ich wie ein süßes Mädchen wirken, aber in meinem Kopf feiert so manche Schimpfirade ihre Premiere und ich beiße dann, ziemlich unladylike, die Zähne zusammen und halte meinen Körper davon ab, sich selbst zu zerstören. Die Geduld kann mir bei diesem Punkt bestimmt zustimmen, etwas mehr innere Ruhe könnte mir definitiv nicht schaden. Vielleicht sollte ich mit Yoga anfangen.

Verständnis. Manchmal hat man das Gefühl, dass man gegen eine Wand redet. Man hört nicht zu und wird auch selbst nicht verstanden. Ein Wortfetzen vermischen sich zu einem Strudel, dessen Bedeutung nichts mehr mit dem anfänglichen Gespräch zu tun hat. Es gibt diese Situationen, wo zu viele Meinungen aufeinander treffen und man komplett mit der Auswahl überfordert ist. Doch jeder hat seine eigenen Eindrücke zu bestimmten Themen und die Beweggründe sind auch meistens nicht negativ behaftet. Unvoreingenommen zu sein ist hier ziemlich wichtig und wenn die Ohren gespitzt sind und keine Falschinterpretation zulassen, haben auch Missverständnisse keine Chance.

Positiv denken. Den Blick meiner Mama kann ich mir gerade lebhaft vorstellen. Wie sie seufzend die Augen verdreht und sich denkt „Kind, das sage ich dir bereits seit 21 Jahren.“ Tja, Mama, ich bin eben unverbesserlich und benötige die eigene Erleuchtung, um Probleme auch beseitigen zu können. Mittlerweile habe ich begriffen, dass mich die Welt nicht abgrundtief hasst und jeder Mensch auf der Erde meinen Ruin herbeisehnt. Der Tag sieht manchmal grau aus, die Stimmung ist im Keller aber es gibt immer den Moment nach dem Regen, an dem die Sonne sich wieder blicken lässt. Und dann bereut man all die sinnlosen Tränen und die Sorgen. Man kann nicht immer wie ein Honigkuchenpferd durch die Gegend rennen. Aber zumindest hilft es, nicht das ganze Leben zu verfluchen, wenn ein paar Minuten Chaos herrschen.

Dankbarkeit. Eigentlich bin ich ein ziemlich dankbarer Mensch, der gute Taten immer mit einem strahlenden Lächeln belohnt und sich über die kleinen Gesten freut. Tür aufhalten, an der Kasse vorlassen, einen „Guten Tag“ wünschen. Manchmal schreibe ich auch einfach einen ganzen Beitrag über Dankbarkeit, wenn mich die Muse küsst. Aber ich sollte die Kleinigkeiten im Alltag nicht vergessen und immer nur mehr wollen. Mehr Geld, mehr Reisen, mehr… Ich darf in einem schönen Haus wohnen, das sogar einen Garten besitzt. Ich habe eine wundervolle Familie und einen tollen Freund und einen Job, den ich zwar nicht leiden kann, mir aber trotzdem das Essen auf den Tisch bringt. Ich arbeite an einer Verbesserung, was meine berufliche Situation betrifft, aber bis es soweit ist, sollte ich dankbar für die Arbeit sein, die ich habe.
Wie bereits erwähnt ist die Zeit denkbar knapp, um meinem Leben eine komplett neue Richtung zu geben. Aber das ist ja das Schöne an Geburtstagen: Sie kommen jedes Jahr wieder.

Eure Kat.

Follow:

8 Kommentare

  1. 7. Juli 2016 / 17:18

    Das sind alles Dinge die ich wohl auch noch zu lernen habe.. Immer hin hab ich noch 2 Jahre, juhu 😀
    Liebe Grüße!

    • 7. Juli 2016 / 17:29

      Es ist nie zu früh oder zu spät damit anzufangen. 😉 Aber wenn du noch zwei Jahre hast, puh.
      Glück gehabt. 🙂

      Liebste Grüße, Kat <3

  2. 7. Juli 2016 / 20:32

    Den Punkt mit Geduld darf ich auch noch lernen. Umgedreht ist Ungeduld ein wahnsinns Energiebeschleuniger. Ungeduldige sind häufig proaktiv und schieben nix auf die lange Bank.

    • 9. Juli 2016 / 19:22

      Ja da hast du recht. Wir sind eben Macher und wollen auch keine Zeit verlieren. 🙂
      Blöd nur, wenn dann Fehler passieren, die man hätte verhindern können.

      LG

  3. 8. Juli 2016 / 22:15

    Aber wenn man erkannt hat, dass man an etwas bestimmte noch „arbeiten“ muss, dann ist es schon fast geschafft! Sich solche Dinge bewusst zu machen, hilft einfach so (: Ich werde im Februar 22 und vorher muss ich auch noch einiges lernen 😀

    Liebe Grüße
    Tabea
    https://bytabea.wordpress.com/

    • 9. Juli 2016 / 19:24

      Ja das ist schon einmal gut, da hast du recht. 🙂 Ich gebe mir auf jeden Fall mühe, auch wirklich
      an mir selbst zu arbeiten. Etwas Zeit hast du also noch. Dann drück ich dir die Daumen. 🙂

      Liebste Grüße, Kat <3

  4. 20. Juli 2016 / 19:15

    Hey Kat!

    Wenn ich richtig zusammengezählt habe, hattest du bereits Geburtstag 🙂 Darum Alles Liebe nachträglich. Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag. 🙂 Die 22 liegt bei mir zwar schon ein Weilchen zurück (Ich werde heuer 25 – OMG), aber ich muss auch noch viele Dinge lernen. Gerade bei Spontanität sprichst du mir aus der Seele. Ich habe gerade nur noch die Uni im Kopf und kann mich nicht mehr dazu aufraffen, mal was spontanes zu machen. War bis jetzt zwar nie so, aber da ich im nächsten Semester bald fertig werde, habe ich echt Torschlusspanik. Geduldig bin ich allerdings auch nicht gerade 😀

    Liebste Grüße
    Lisa

    http://www.mycafeaulait.at

    PS: Es hat mich übrigens sehr gefreut, dass du bei mir auf dem Blog warst und mir so ein liebes Kommentar hinterlassen hast 🙂

    • 21. Juli 2016 / 11:35

      Hallo liebe Lisa 🙂

      Vielen Dank, freut mich sehr, wenn ich noch einen nachträglichen lieben Gruß bekomme 🙂
      OMG bist du aaalt. 😉 Just kidding, ich finde das ist ein super Alter. Ja Geduld kenne ich auch nur
      vom Hören und Spontanität ist eine einzige Baustelle bei mir 😀 Naja, hilft nichts.
      Wir schaffen das schon. Sind ja noch gut drauf und junges Gemüse. 😉

      Vielen Dank für dein Kommentar. Jetzt bin ich diejenige, die sich darüber freut! 🙂
      Liebste Grüße,
      Kat

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.