20 Moments of Luck #2 – Kleinigkeiten, die glücklich machen

20 Moments of Luck #2 – Kleinigkeiten, die glücklich machen

Letzten Freitag hat die liebe Maren unserer Reihe 20 Moments of Luck fortgeführt und ihr Glück im Zusammenspiel mit den fünf Sinnen beschrieben.  Wer noch nicht weiß, worum es hier eigentlich geht: Maren und ich haben beschlossen, all den traurigen Geschichten und Zeitungsartikel ein paar schöne hinzuzufügen und diese Beitragsreihe gestartet. Wir lesen viel zu oft traurige Schlagzeilen und hören von Katastrophen. Diese Beiträge sollen euch wieder ein Lächeln schenken. Heute bin ich wieder dran und habe mir ein besonderes Thema für diese Reihe überlegt. 5 Kleinigkeiten, die nichts kosten und trotzdem unbezahlbar sind. Kleine Schritte um sich selbst glücklich zu machen

Little Notes. Ich habe es mir abgewöhnt, um Komplimente zu betteln. Ich will nicht mehr darauf warten, dass jemand meine neue Frisur bemerkt und mir sagt, wie hübsch ich heute wieder aussehe. Die fiese Stimme in meinem Kopf sagt mir bei jedem Kompliment, das ich nicht bekomme, wie hässlich ich aussehe. Aber warum halte ich an Dingen fest, die ich nicht bekommen habe? Da sollte ich lieber mein Glück selbst in die Hand nehmen. Am nächsten Tag wache ich mit müden Gliedern und vernebelten Gedanken auf, tapse halbblind ins Badezimmer und drücke den Lichtschalter. Mein Blick fällt auf den Spiegel, an dem ein kleines Stück Papier klebt. Verwirrt gehe ich darauf zu, nehme es in meine Hand und lese es. „Du bist wundervoll und solltest das auch wissen.“ Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Es ist noch nicht einmal 6 Uhr und schon habe ich mein erstes Kompliment bekommen. Von jemandem, der immer da ist und jede Faser von mir kennt. Ich selbst.

Compliments are gold. Wir gehen durch die Welt, mit gesenktem Kopf und starrem Blick. Das Kopfsteinpflaster unter unseren Füßen ist ja auch viel interessanter als die Menschen, die uns täglich begegnen. Und dann wundern wir uns, warum niemand mit uns spricht. Warum wir nicht bemerkt werden. Der Gedanke will nicht weichen und ich halte inne. Wie soll mich irgendjemand wahrnehmen, wenn ich mich selbst nicht sehen kann? Ich straffe die Schultern, richte meinen Oberkörper auf und fordere mich selbst heraus. Meine Schritte kennen ihr Ziel, ich gehe direkt auf eine junge Frau zu, die in ihr Handy flüstert. Mit großen Augen blickt sie mich an als ich direkt vor ihr stehen bleibe und sie anlächle. „Ich finde dich ziemlich hübsch.“ Man kann die Verwirrung von ihrem Gesicht ablesen. Ich verabschiede mich und gehe weiter. Als ich ein paar Meter gegangen bin, drehe ich mich ein letztes Mal um und sehe, wie sie lächelt. Jeder mag Komplimente und hört sie gerne. Das Schlimmste was passieren kann (ich spreche aus eigener Erfahrung) ist, dass euch jemand fragt: „Bist du lesbisch oder so?“ „Nein, ich wollte nur nett sein.“

Good things first. Mein Tagebuch ist voll von Krisen und mittelschweren Weltuntergangsszenarien. Jedes Mal, wenn ich diese alten Einträge lese, könnte ich meinem früheren Ich eine verpassen. Ich war ein Pessimist, wie er im Buche steht. Alle hassen mich und die Welt kann mich ja sowieso nicht leiden. Hätte ich damals weniger Zeit damit verschwendet, mich selbst zu bemitleiden, hätte ich vielleicht wertvolle Momente gewonnen. Denn wenn ich, nach jedem Eintrag, die guten Dinge des Tages aufgeschrieben hätte, wäre mir wohl einiges bewusst geworden. Es reichen fünf Dinge, die an diesem Tag gut waren. Und wenn es nur der Marienkäfer ist, den ich auf dem Weg nach Hause gesehen habe. Es ist genug. Es gibt nicht umsonst dunkel und hell, gut und schlecht. Doch wenn wir die guten Bäume vor lauter schlechtem Wald nicht sehen, müssen wir es anders versuchen.

For a walk. Ich drohe in meinem Zimmer zu ersticken. Die Wände erdrücken mich, werfen schwere Lasten auf meinen Rücken. Ich starre auf mein Handy, den Bildschirm und den Rucksack voller Arbeit, die ich noch zu erledigen habe. Es ist alles zu viel. Mein Magen grummelt unheilvoll, mit zittrigen Fingern halte ich mich an der Tischkante fest. Ich will hier raus. Ich werde ersticken, wenn ich jetzt nicht gehe. Die Kopfhörer liegen neben meiner Leselampe. Ich stecke sie ein, schalte das Handy auf Flugmodus und flüchte von all dem Papier und den digitalen Vorwürfen. Meine Schuhe stehen bereit, als hätten sie auf mich gewartet. Ich lasse los, lass all den Frust für die nächsten Stunden hinter mir. Kaum schließt sich die Tür, schmecke ich den Wald neben dem Haus. Ich drehe die Musik leise auf und mache mich auf den Weg. Unter meinen Sohlen knirscht der Kies, das Geräusch dringt gedämpft an mein Ohr. Der Wind pustet mir die Haare aus dem Gesicht und den Stress von meinen Schultern. Ich muss doch nicht ersticken.

Take a breathe. Mir war das Modell der Meditation immer suspekt. Ich sah den Effekt dahinter, die innere Ruhe aus der Reserve zu locken. Doch all das Atem unter Anweisung sagte mir nicht zu. Trotzdem wollte ich es mir nicht nehmen lassen, auch meiner Seele etwas Entspannung zu geben. Das Gras unter mir kitzelt meine Füße, die Sonne trifft meine Haut und ich schließe zufrieden die Augen. Der Wind ist still und spricht nicht mit den Bäumen. Ein imaginärer Radiergummi löscht sämtliche Gedanken in meinem Kopf. Es gibt nur mich und den Garten. Ich denke an die Ameisen, die an mir vorbeikriechen. Atme genüsslich ein und wieder aus, weil ich es will und nicht gesagt bekomme. Ich darf mich ausruhen, darf mich fallen lassen. Und wenn ich einschlafe und anfange zu schnarchen ist das auch egal. Hauptsache ich vergesse das Grau der letzten Tage. All die Worte, die mich zu Boden gezerrt haben, all die Tränen. Breathing is all I have to do.

Wenn kleine Dinge viel erreichen können. Blendet die schrecklichen Neuigkeiten aus, schließt die letzte furchtbare Überschrift weg. Das Leben ist zu kurz, um nur traurig zu sein und sich Sorgen zu machen. Ich hoffe der Beitrag hat euch gefallen und ihr gönnt euch ab und an etwas Freude im farblosen Alltag. Nächste Woche ist Maren mit ihren nächsten fünf Dingen dran. Also fühlt euch bis dahin gedrückt und seid glücklich.

Eure Kat

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