Booklove

The Book Emergency

Die Uhr zieht schleppend den Zeiger hinter sich her. Eine Minute, dann zwei. Mich ereilt die Frage, ob ich in einer Zeitschleife gefangen bin. Wie lange sitze ich schon hier? Meine Füße klopfen abwechselnd Melodien auf dem Linoleumboden. Die anderen Patienten beäugen mich genervt. Mir entweicht ein frustrierter Seufzer und ich lehne mich gegen die unnachgiebige Wand hinter mir. Kühler Beton drückt gegen meine Schultern. Ich benehme mich wie ein kleines Mädchen, zappelig, unruhig. Es gibt keinen Moment, an dem ich ruhig auf meinem Platz sitzen kann. Meine Augen liefern sich ein Duell mit der Empfangsdame, die nur den Kopf schüttelt und mit den Schultern zuckt. Vor mir sind noch drei weitere Leute an der Reihe. Die Spitzen meiner Haare scheinen mir plötzlich wahnsinnig interessant. Gefühlte zehn Minuten beschäftige ich mich damit, die kaputten Enden von den gesunden zu trennen und komme mir dabei wie Aschenputtel mit ihren Linsen vor. Die Wahrheit ist, nach dem hundertsten Uhrenvergleich, dass erst zwei Minuten vergangen sind. Zeitschleife, ganz klar. Ich schlucke den Ärger hinunter, immerhin bin ich selbst schuld. Hätte ich doch nur nicht mein Buch zuhause vergessen.

Egal ob im Zug, im Flugzeug oder in einem Wartezimmer, wie oben bereits geschildert: Mein Büchersack, mitsamt Kindle und Buch, ist immer dabei. Meine Mittagspause besteht zu 100% aus lesen. Manche Leute fragen mich, ob ich da nicht lieber Etwas essen sollte. Darüber kann ich nur schief lächeln. Warum sollte ich denn meine kostbare Lesezeit mit Nahrungsaufnahme vergeuden? Das kann ich auch noch, wenn ich in meiner eigenen Küche stehe. Zu Schulzeiten hatte ich eine besonders intensive Lesephase. Da ich einen Doppelberuf gelernt habe, wurde ich von vielen Fächern freigestellt. Und was macht die liebe Kat, wenn sie Zeit hat? Richtig, Buch raus und lesen. Die Herausforderung war jedoch, dass ich kaum genug Stoff für eine Woche hatte und die Schule, auf die ich ging, 2 Stunden von mir Zuhause entfernt lag. Es kam, wie es kommen musste. Kleidungsstücke wurden achtlos aus dem Koffer geworfen, um Platz für ein paar Reservebücher zu machen. In den zehn Wochen, die ich in der Berufsschule war, las ich insgesamt 19 Bücher. So entwickelte sich die Routine, immer das aktuelle und ein Reservebuch bei mir zu tragen. Leider sind Schmöker mit 500 Seiten keine Fliegengewichte. Was also tun? Ein E-Reader musste her.

Die beste Entscheidung meines Lebens, wenn ich das hier so lauthals und offenkundig preisgeben darf. Ein Buch, der Kindle und vielleicht eine kleine Leseprobe. Alles zusammen, hübsch verpackt, in meinem Büchersack. (Danke für dieses tolle Weihnachtsgeschenk, liebe Tante.) Das herzige Säckchen ist mein ständiger Begleiter. Egal, wohin ich gehe: Wenn die Möglichkeit besteht, dass ich warten muss, ist mein Büchersack an meiner Seite. Der Trick dahinter: Egal ob ich auf dem Kindle lese, oder in ein normales Buch versunken bin, droht mir der Lesestoff auszugehen, habe ich immer eine Reserve dabei. Und breche mir beim Tragen nicht gleich den Rücken. Ich ersuche euch, liebe Lesewürmchen, für den Fall der akuten Warterei, das ultimative Mittel gegen Langeweile bei euch zu tragen: Bücher, wenn möglich gleich drei, in einem zauberhaften Büchersack. Nebenwirkungen ausgeschlossen.

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Eure Kat

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2 Comments

  • Reply
    Tante
    31. März 2016 at 8:48

    Oooh! Freut mich sehr, dass das Täschchen noch immer in Gebrauch ist und gute Dienste erweist!!! Und wie wir sehen, kommt es oft nicht auf den materiellen Wert an.

    PS: Verfolge deine Einträge regelmäßig und mit Begeisterung – weiter so.

    Deine Tante

    • Reply
      agirlagainstreality
      31. März 2016 at 8:58

      Wie mich das freut, dass du mir schreibst. 🙂 ja der Büchersack gehört zu meinen größten Schätzen. Danke für die Unterstützung und das fleißige lesen. 🙂

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