For Good – Über die Liebe und das Leben [Review]

For Good – Über die Liebe und das Leben [Review]

Mit zitternden Fingern schiebe ich den E-Reader über den Tisch. Mein schweigender Blick ruht auf der tickenden Uhr über mir und ich wische mir hastig die Tränen von den Wangen. Es ist wie damals bei The fault in our stars. Bei manchen Büchern ist man einfach froh, sie in einer stillen Ecke und nicht in der Öffentlichkeit gelesen zu haben. Der Gedanke, in einer vollbesetzten Straßenbahn wie ein kleines Mädchen zu heulen und hysterisch auf meinen Kindle zu weinen behagt mir nun wirklich nicht. Minuten nachdem ich das Buch beendet habe sitze ich noch so da, mein Kopf ist leer und mir ist kalt. Ich dachte nicht, dass es mich so treffen würde. Ich bin eine Heulsuse aber Bücher schaffen es nur selten, mir die Tränchen aus den Augen zu locken. Doch dieses Mal war irgendetwas anders. Die Gedanken an John Green und seine herzzerreißende Geschichte holten mich wieder ein und ich spürte, wie auch jetzt meine Lippe schon nach wenigen Seiten zu beben begann. Es waren die ersten Worte, dir mir den ersten Eiszapfen in die Seele rammten. Wenn wahre Liebe stirbt, kann man nur leiden. Und als ich dann auch noch an meinen Freund dachte, war es um mich geschehen und Charlie hatte mich in ihre Geschichte hineingesogen.

„Alles verblasst. Die Farben meiner Erinnerungen werden grau und unscharf, die Bilder bekommen Risse, drohen zu zerfallen und mit dem Wind davonzufliegen. Und egal, wie schnell ich renne, egal, wie laut ich schreie – ich werde sie nicht wieder einfangen können“

for good-ava reedEs sind die schicksalhaften Momente, die man erst zu schätzen weiß, wenn sie vorbei sind. Es kommt einem wie purer Zufall vor, aber das ist es in den wenigsten Fällen. So ergeht es auch unserer Hauptprotagonistin Charlie, die dem Mann ihres Lebens nichtsahnend nach einer Party über den Weg läuft. Ohne es zu wissen, verändert sie in wenigen Augenblicken sein Leben und sie muss, Jahre später, immer noch an ihn und die verpasste Chance denken. Doch das Universum scheint es gut mit den Beiden zu meinen und sie begegnen sich wieder. Nach so langer Zeit geben sie der gemeinsamen Zukunft endlich eine Chance und Ava Reed malt uns eine wunderschöne Liebesgeschichte, die jedoch kein Happy End haben wird. Das Traurige daran: Das wissen wir bereits zu Anfang des Buches. Den es beginnt mit Charlie, die wie ein verlorener Geist durch das gemeinsame Haus wandelt und sich nur ihre große Liebe Ben wieder an ihre Seite wünscht. Oft genug dachte ich dabei an meine eigene Beziehung und wie sehr ich leiden würde, wenn es ihn plötzlich nicht mehr geben würde. Taschentuchalarm Nr.1.

Kennt ihr das, wenn ich euch die Wiederholung eines Films anseht, den ihr schon gesehen habt, und immer noch hofft, dass das Ende ein anderes sein wird? Diese bodenlose Hoffnung, die niemals wachsen kann, weil man ganz genau weiß, was auf einen zukommt. Warum hofft man also trotzdem? So ging es mir auch mit Charlie. Immer wieder habe ich gefleht, dass Charlie aufwacht und Ben seelenruhig neben ihr schläft. Aber wie auch bei dem Film verlief diese Hoffnung im Sand. Manche Dinge sind nicht für die Ewigkeit bestimmt, was ich als Leser nur schwer begreifen will. Wir erleben Charlies Kampf mit sich selbst, das grausame Ertrinken in nie gesagten Worten und die vor Kummer erstickende Sehnsucht. Ich weiß nicht, wie lange ich brauchen würde, um einen solchen Schicksalsschlag zu verkraften. Charlie brauchte dafür drei Monate, was im Buch zwar lang wirkt, in der Realität aber einem Wimpernschlag gleicht. Ein tapferes Mädchen, die liebe Charlie.

Ich mag Avas Schreibstil sehr gerne. Er ist nicht zu übertrieben aufgehübscht, sondern flüssig und angenehm zu lesen. Sie schafft es mit wenigen Worten, die Gefühle von Charlie zu transportieren und das mit dermaßen schönen und traurigen Bildern, dass man sich auf Taschentuchalarm Nr.2 gefasst machen kann. Hier hat das Talent wirklich ein Zuhause gefunden.

„Ich knie hier zwischen all den Scherben und Splittern, zwischen all den Dingen, die genauso kaputt und zerbrochen sind wie ich.“

Der einzige Kritikpunkt, den ich hätte, wäre die Art und Weise, wie Ben gestorben ist. Ich werde nicht zu viel verraten, aber mir kam es sehr abrupt, auf die letzten Seiten gequetscht vor, was die schöne Geschichte jedoch keineswegs beeinträchtigt hat. Nur würde ich hier, an Charlies Stelle, anders reagieren.

Fazit:

Wer von tragischer, wunderschöner Liebe und dem Schmerz einer jungen Frau lesen möchte, ist hier genau richtig. Ich wusste, worauf ich mich einließ, wurde aber trotzdem mitten ins Herz getroffen. Lest dieses Buch auf keinen Fall unter Menschen, ihr werdet es bereuen. Sucht euch eine warme, kuschelige Ecke, macht euch einen Tee und legt die Taschentücher bereit. Denn die sind ein Must-Have bei diesem Buch. Danke Ava für diese schöne Lektüre, die uns zwischen all den Fantasygeschichten, wieder einmal herzhaft lieben und weinen lässt.

P.S.: Außerdem ist das Cover umwerfend schön! 🙂

Eure Kat.


Klappentext:

Was würdest Du tun, wenn Du das verlierst, was Deinem Leben einen Sinn gab? Das, was Du mehr als alles andere auf dieser Welt geliebt hast. Würdest Du aufgeben? Nach dem Tod ihrer großen Liebe Ben, beginnt Charlie in Trauer zu versinken. Immer wieder erinnert sie sich an die vergangenen Zeiten, in denen sie ihn kennen- und lieben lernte. Doch der Verlust droht sie zu ersticken und blind zu machen für das, was das Leben ausmacht. Charlie zieht sich völlig zurück und beginnt zu verstehen, dass nichts je wieder so sein wird wie es einmal war.

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4 Kommentare

  1. 26. Juli 2016 / 20:51

    Oh ja, diese Bücher, die man einfach nicht lesen KANN, solange man nicht allein ist… wie viele letzte Seiten ich mir schon aus diesem Grund für zu Hause aufgehoben habe, obwohl die Busfahrt dann langweilig war. Aber gerade diese Bücher sind am Ende doch die besten 🙂

    For Good klingt da echt nach einem wundervollen Buch, mal sehen, ob ich das auch irgendwann lesen werde 🙂

    Liebe Grüße

    • 28. Juli 2016 / 8:20

      Du sagst es, Tabea. 😀 Ich hatte das bei The fault in ours stars. Ich musste das Buch, mitten in der Klasse,
      weglegen und mir für später aufheben. Obwohl mir danach auch sterbens langweilig war. 😉
      Sag mir Bescheid, falls du dich dazu entschließt es zu lesen. 🙂

      Liebe Grüße

    • 28. Juli 2016 / 13:49

      Vielen Dank liebe Klara 🙂
      Das freut mich wirklich sehr. <3

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