Ein Himmel aus Lavendel [Review]

Ein Himmel aus Lavendel [Review]

Es ist ein Augenblick zwischen Traum und Realität. Man stürzt in ein schwarzes Loch, wie Alice, und weiß irgendwann nicht mehr, wo oben oder unten ist. Geflüsterte Worte bahnen sich Wege in den eigenen Kopf und man sieht Farben und Menschen, die man gar nicht kennt. Es hört sich an, als wäre ich verrückt geworden. Gefangen in meinen eigenen Gedanken. Aber das ist  bloß der schaurige Schein einer wunderschönen Wahrheit. Ich bin in eine Welt gefallen, die nicht meine eigene ist. Während ich auf dem Bett sitze und lese, höre ich die Streitereien, fühle den Schmerz. Mein Blick hebt sich, streift den Himmel aus Lavendel und ich muss lächeln. Emery hat mir Flügel gegeben.

Neuerdings habe ich ein Faible für Bücher, die noch gar nicht erschienen sind. #shameonme  Die Mondprinzessin durfte ich, zu meiner großen Entzückung, vorab lesen und auch dieses Schmuckstück hat es wie durch Zauberei auf meinen E-Reader geschafft. Marlena Anders erzählt in Ein Himmel aus Lavendel* die Geschichte der jungen Emery, die sich für ihre Schwester einen furchtbaren Fluch aufgebürdet hat. Ihre Arme sind von Feder bedeckt und mit schleichender Qual verwandelt sie sich in etwas, was nie aus ihr hätte werden sollen. Die Fähigkeit, wie ein Phönix in Flammen und Rauch aufzugehen, bringt sie stückchenweise näher an den Abgrund, der sie irgendwann versteinern lässt. Es sind diese Flüche und Gaben, die Hand in Hand laufen und mich staunen lassen. Magie fasziniert mich, seien es Hexen oder sprechende Tiere. Der Schreibstil war wirklich wundervoll zu lesen, stellenweise fand ich die Vergleiche einfach umwerfend. Ich habe es genossen, die Worte zu lesen. Marlena hat eine Welt geschaffen, in deren Farben ich förmlich gebadet habe. Ein Lavendelfeld außerhalb der Stadt, ein wunderschöner Himmel, der von zwei Monden bewacht wird. Es ist eine Umgebung, die mir ganz und gar fremd ist, und trotzdem habe ich dort gelebt. Für die wenigen Stunden, in denen meine Nase in diesem Buch zu kleben schien. Ich wollte nicht aufhören, ich fand die Geschichte neu und faszinierend. Nicht die hundertste Rebellin, die der Welt einen Gefallen tun will. Stattdessen will Emery einfach ihre Schwester Amra beschützen, ihr ein besseres Leben schenken. Leider lauert in den Schatten nicht nur die Dunkelheit, sondern auch die eine oder andere böse Seele.

„Der Wind strich an der Mauer entlang  – ein Rauschen, das an das Meer am Hafen erinnerte – und wirbelte meine Haare auf. Auf meiner Haut fühlte er sich wie ein kalter Kuss an.“

In Avize, der Stadt, die Emery als ihr Zuhause betrachtet, tragen die Menschen Masken, um ihr eigenes Antlitz zu schützen. Eine tolle Idee seitens der Autorin, was Emery, die ihre Finger gerne mal in den Taschen feiernder Bürger vergräbt, die nötige Anonymität bringt. Es gibt keinen grausamen König, der das Volk niedermetzeln will, kein holder Prinz, der eine Braut sucht. Ein Seufzer der Zufriedenheit entwich mir, als mir bewusst wurde, was dieses Buch mir erzählen will. Ein Mädchen, das ihre Seele für eine Handvoll Gold und das Glück ihrer Schwester verkauft hat, ohne die Konsequenzen zu kennen. Sie begegnet Feinden und Freunden, Menschen, die ihre Situation zwar erträglich machen, sie aber nicht verschwinden lassen. Die Protagonistin ging mir oft leider gehörig auf die Nerven. Mit ihrem Selbstmitleid und ihren Handlungen, die mir manchmal ein Kopfschütteln abrangen, tat ich mir schwer, sie wirklich zu mögen. Geschafft habe ich es aber trotzdem. Sie ist, trotz Fehlentscheidungen und divenhaften Anfällen,  eine kaputte Seele mit einer zentnerschweren Bürde auf den Schultern, was man nicht vergessen sollte. Ihre Schwester Amra hingegen hat es mir leicht gemacht, sie in mein Herz zu schließen. Zu goldig fand ich das kleine Mädchen mit dem frechen Mundwerk und die zauberhafte schwesterliche Beziehung brachte mich zum Lächeln. Auch der stattliche Nael scheint kein schlechter Fang zu sein, aufgrund seiner Geheimnistuerei aber konnte er mich nicht ganz in den Bann ziehen. Auch wenn er ein sehr netter Mann ist und an Emerys Seite nur zu gut passt.

„Die Augen sind der Spiegel zur Seele, Emery, hatte Vater gesagt. Also achte darauf, wer hineinsehen darf.“

 

Fazit:
Ich liebe Welten, die ich nicht kenne. Und Marlena Anders hat es geschafft, mich in eine solche hineinzuziehen. Mir gefiel die Geschichte sehr, auch wenn ich bei den Charakteren manchmal die Augen verdrehte. Girl, stop the drama. Aber nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Freude gelesen und wollte nicht mehr aufhören. Die Umgebung hat mich fasziniert, der Fluch ruhte auf meinen Schultern. Ich habe gelitten und gelacht, Hintergründe hinterfragt und Antworten gegeben. Emery mag keine einfache Hauptperson sein. Aber mehr als alles andere wirkt sie, trotz ihrer Federn, unheimlich menschlich. Denn wer hatte noch nie einen mittelschweren Zickenausbruch? Na, eben. Ich freue mich auf Teil 2.

 

Klappentext:
Deine Seele gegen eine Gabe. Oder einen Fluch?

Es heißt, es sei gar nobel, sein Leben für das eines geliebten Menschen zu geben. Doch niemand hat davon gesprochen, wie es sich anfühlt, diejenige zu sein, die diese Bürde auf sich nimmt. Darf man eine solche Entscheidung bereuen?

Diese Frage stellt sich Emery in ihren dunkelsten Momenten. Denn weder ihre Mutter noch ihre Schwester wissen, auf was sie alles verzichtet, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen. Ein Fremder war es, der ihr für ihre Seele eine Gabe versprach – die Fähigkeit, in gefährlichen Situation wie ein Phönix in Flammen aufzugehen. Doch auch wenn der Phönix für neues Leben steht, bringt jede Verwandlung Emery einen Schritt näher an den Tod.

Um dies zu verhindern, macht sich Emery verzweifelt auf die Suche nach einer Möglichkeit, um den Handel rückgängig zu machen. Dabei soll ihr Nael helfen, der ihr eine Ausflucht aus ihrem alten Leben bietet. Aber ihm sind seine eigenen Dämonen dicht auf den Fersen.

 

Eure Kat.

* Danke an die wundervolle Marlena Anders, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar vorab lesen durfte. Es war mir eine Freude. 🙂

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4 Kommentare

    • 11. Oktober 2016 / 16:57

      Danke Süße. 🙂 <3

  1. 16. Oktober 2016 / 13:47

    Sehr schön geschrieben ♥

    Liebste Grüße
    Katie♥

    • 17. Oktober 2016 / 9:28

      Danke Katie, freut mich sehr. 🙂

      Greets, Kat<3

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